14.06.2019

Der letzte Fall vor der Sommerpause "Tatort: Ausgezählt": So wird der Krimi aus Luzern

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Bei der Suche nach Martina (Tabea Buser, auf dem Bildschirm) rennt den Ermittlern Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) die Zeit davon, doch die beiden - und auch der "Tatort" - nehmen sich viel Zeit für andere Dinge

Foto: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Bei der Suche nach Martina (Tabea Buser, auf dem Bildschirm) rennt den Ermittlern Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) die Zeit davon, doch die beiden - und auch der "Tatort" - nehmen sich viel Zeit für andere Dinge

"Ausgezählt" heißt der neue "Tatort" aus der Schweiz. Ein auf beinahe schnippische Weise zweideutiger Titel, denn dieser Fall von Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) spielt nicht nur im Box-Milieu, es ist auch ihr vorletzter Fall. Der jongliert viele Handlungsstränge, und lässt dabei beim wichtigsten den Ball fallen.

Worum geht es in "Ausgezählt"?

Um die Boxerin Martina Oberholzer (Tabea Buser) davon abzuhalten, mit ihrem Insiderwissen über die Dopingszene im Boxsport an die Presse zu gehen, sperrt ihr korrupter Manager sie in einen Luftschutz-Keller. Kurz darauf wird der Manager erschossen.

Der Mordfall ist schnell geklärt: Am Tatort stoßen die Ermittler Reto Flückiger und Liz Ritschard auf Heinz Oberholzer (Peter Jecklin). Heinz ist Ex-Polizist und Martinas Onkel, er gesteht den Mord sofort. Doch da Brügger tot ist, scheint niemand zu wissen, wo Martina eingesperrt ist. Doch die Zeit drängt: Wie ihr Vater und Trainer den Ermittlern mitteilt, leidet seine Tochter aufgrund des Dopings an erhöhtem Flüssigkeitsverlust. Ohne Wasser wird sie innerhalb von zwei Tagen verdurstet sein.

Lohnt das Einschalten?

Um eine der letzten Gelegenheiten zu nutzen, die Ermittler Ritschard und Flückiger in Aktion zu sehen, durchaus - ansonsten ist dieser Krimi kein Pflichtprogramm. Es ist eine nette Abwechslung, dass sich nicht alles um den Mordfall dreht. Dass die Kommissare unter erheblichem Zeitdruck ermitteln, bietet das Potential für enorme Spannung. Diese wird jedoch allzu oft im Keim erstickt, weil sich der Film jede Menge andere Handlungsstränge aufgehalst hat, die eben auch auserzählt werden müssen.

"Haben wir Zeit für so einen Scheiß?" fragt Ritschard an einer Stelle und spricht dem Zuschauer damit ein wenig aus der Seele. Via Überwachungskamera beobachten die Ermittler den stillen Überlebenskampf der jungen Boxerin. Doch gerade, wenn sich echte Verzweiflung beim Team breitmacht, schaltet der "Tatort" lieber zum Side-Drama im Luzerner Zentralgefängnis, wo Heinz Oberholzer zwischen Verbrechern, die er teilweise selbst hinter Gitter gebracht hat, und nahezu mafiösen Strukturen ums Überleben kämpft.

Dann wären da noch das Thema Doping im (Box-)Sport, eine schicksalhafte Begegnung aus Liz' Vergangenheit und der daraus resultierende interkollegiale Konflikt, die allesamt ihren Platz finden wollen. Nichts davon ist uninteressant, doch so viel Handlung zu einem spannenden Film zu verweben, ist Regisseurin Katalin Gödrös sowie den Autoren Urs Bühler und Michael Herzig leider nicht gelungen.

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