14.06.2019 - 08:22

Familie, Charity und ein wenig Tennis Das "Wunderkind" wird 50: Steffi Grafs Leben nach der Tenniskarriere

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Steffai Graf: Was kam nach dem Profisport?

Foto: lev radin / Shutterstock.com

Steffai Graf: Was kam nach dem Profisport?

Im Tennis gewann Steffi Graf alles, was es zu gewinnen gab. Jetzt wird sie 50. Wie lebte die Tennis-Göttin nach der Karriere? Ihr neuer Fokus: Familie, Charitiy und ein bisschen Tennis.

Eine ganz, ganz Große des deutschen Sports feiert heute ihren 50. Geburtstag: Nach 17 Jahren Profisport verabschiedete sich Steffi Graf 1999 von ihrer Tenniskarriere – kurz zuvor hatte sie zum sechsten Mal die Pariser French Open gewonnen. 377 Wochen war sie die Nummer eins im Tennis. Als bisher einzige Tennisspielerin konnte Graf 1988 den Golden Slam gewinnen, sprich: sie siegte bei allen vier Grand-Slam-Turnieren und holte im gleichen Jahr bei den Olympischen Spielen auch die Goldmedaille. Was kann nach so einer großen Karriere folgen? Wie sah Steffi Grafs Leben nach ihrer Tenniskarriere aus? Ihre Bestimmung fand die einstige Tennis-Queen in ihrer Familie und in ihren Charity-Aktivitäten.

Steffi Grafs Leben nach der Tenniskarriere

Der Abschied vom Tennis fiel Graf vielleicht etwas leichter, denn dasselbe Jahr brachte ihr das private Glück: Im September sprach sie zum ersten Mal vor der Öffentlichkeit über ihre Freundschaft zu US-Tennisspieler Andre Agassi (49). Bei einem Boxkampf in Las Vegas zeigten sie sich kurz darauf gemeinsam – die beiden wurden zum Traumpaar der Tennisszene. Andre Agassi hat lange Zeit für ein gemeinsames Glück mit seiner Tenniskollegin gekämpft. Hartnäckig buhlte er um sie, arrangierte gemeinsame Trainingseinheiten, verschickte Blumen, eine gebastelte Geburtstagskarte und Essenseinladungen.

2001 heirateten Agassi und Graf

Am 22. Oktober 2001 heiratete das Paar in Las Vegas, wo es bis heute lebt. Wenige Tage später kam Sohn Jaden Gil (17) zur Welt. 2003 folgte die Geburt ihrer Tochter Jaz Elle (15). Und ihr Liebesglück hält bis heute. Anlässlich des 50. Geburtstags seiner immer noch Angebeteten machte Andre Agassi seiner Steffi eine öffentliche Liebeserklärung. Ganz entspannt lebt die Familie in Agassis Heimat Las Vegas.

"In Las Vegas schätzen wir es sehr, im Kreise unserer Familie und Freunde ein normales und ruhiges Leben ohne viele Fotografen führen zu können", sagte Graf 2012 dem Magazin "Harvard Business Manager". Neben ihrem Familienglück steht bei der ehemaligen Tennisspielerin auch die Charity-Arbeit an vorderster Stelle. "Heute haben für mich meine Rolle als Mutter und Ehefrau und die Arbeit für meine Stiftung 'Children for Tomorrow' ganz klar Priorität", so Graf im Interview.

Einsatz für ihre Stiftung

Die gemeinnützige Stiftung "Children for Tomorrow" gründete Steffi Graf bereits 1998 in Hamburg. Sie ermöglicht Kindern und Familien, die Opfer von Krieg, Verfolgung, Flucht und organisierter Gewalt geworden sind, psychotherapeutische Behandlungen. Neben den Angeboten auf dem Gelände des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf hat die Stiftung internationale Projekte in Eritrea und Uganda. Bei Schaukämpfen stellt sich die Ex-Profisportlerin sogar wieder auf den Tennisplatz und sammelt Spenden für ihr Herzensprojekt. Doch dabei erlebt Graf auch die Schattenseiten einer vergangenen Profisportlerkarriere.

Dem australischen Magazin "Stellar Magazine" verriet sie im März 2019: "Hier zu sitzen, meine Hüfte – das schmerzt. Es ist also nicht so toll." Sie habe ein Knie, bei dem Knochen auf Knochen sei. Doch Graf und ihr Ehemann wussten um die Gefahren des Tennissports: "Das war zu erwarten. Tennis war hart für unsere Körper. Und Sie finden uns auch nicht mehr draußen auf dem Tennisplatz, außer es ist etwas sehr Kleines", sagte Graf im Interview weiter.

Ihre sportliche Erfahrung weitergeben

Dem Sport bleibt Steffi Graf dennoch verbunden. So wurde sie 2005 auch zur Gesellschafterin des Franchise-Unternehmens Mrs. Sporty, das Fitnessstudios für Frauen anbietet. "Ich bin davon überzeugt, dass Frauen sich in einem anderen Umfeld – nur unter Frauen – einfach wohler fühlen", erklärte Graf die Idee zu Mrs. Sporty 2014 in einem Interview mit "Welt".

Um sich um die Fitnesskette und ihre Stiftung kümmern zu können und Familienbesuche zu unternehmen, reist die Wahl-Amerikanerin "fünf bis sechs Mal im Jahr" nach Deutschland. Ihr Engagement bewundert vor allem einer: ihr Ehemann. "Sie lebt nach ihren Werten, ist ihnen treu. Sie redet nicht, sie lebt einfach. Sie hat einen überragenden Spirit", sagte Andre Agassi vor wenigen Tagen gegenüber der "Bild"-Zeitung. Was er sich für die Zukunft mit seiner Ehefrau wünscht? "Ich hoffe nur, dass sie mich nicht verlässt (lacht)! Ich wünsche jedes Jahr, dass sie bei mir bleibt und dass sie auch die nächsten 20 Jahre bei mir bleibt."

Und so gratuliert die Tenniswelt der großen Steffi

Ein anderes deutsches Tennis-Wunderkind und Idol der 80er-Jahre war der allererste Gratulant! Boris Becker schickte seine Grüße via Instagram schon am Mittwoch – zwei Tage zu früh! Doch der Ex-Tennisprofi nahm die darauf folgenden hämischen Kommentare der User mit Humor und konterte schlagfertig: „Wir feiern die Königin die ganze Woche lang.“

Die kleinen Tennis-Neulinge, die zu Steffis Glanzzeiten bewundernd vorm Fernseher saßen, sind mittlerweile groß und spielen selbst recht erfolgreich Tennis. So zum Beispiel die derzeitige Nummer fünf der Weltrangliste Angelique Kerber. Die Bremerin schrieb einen regelrechten Liebesbrief an ihr Idol in der "BILD am Sonntag" und versicherte: "Du hast mit Deinen großen Triumphen nicht nur ganz Deutschland verzaubert, sondern auch meine Biografie geprägt. In den Jahren, in denen ich als kleines Mädchen vor dem Fernseher eifrig Deine größten Triumphe verfolgte, ist mein eigener Traum gewachsen, es Dir einmal gleichzutun."

Viele ehemalige Kolleginnen und Gegnerinnen ehrten Graf in den vergangenen Tagen und zollten ihr jede Menge Anerkennung. Am Rande der French Open erinnerte sich beispielsweise Martina Navratilova beim Namen "Steffi Graf" direkt an deren "Rückhand-Slice". Der Schlag, der Grafs Spiel neben der Power-Vorhand am meisten bestimmte, prägte eine ganze Ära.

"Steffi hat das Tennis bereichert, vor allem athletisch hat sie neue Maßstäbe gesetzt", sagt Martina Hingis, die dies schmerzhaft am eigenen Leibe erfahren musste. Die Schweizerin unterlag in einem denkwürdigen Generationenwettstreit 1999 bei Grafs letztem Grand-Slam-Triumph im Finale von Paris: "Das letzte Duell bei den French Open war wohl eines der besten Frauenspiele der Tennisgeschichte."

Auch Steffis größte Rivalin und zugleich gute Freundin, Gabriela Sabatini schwärmt noch heute von den Aufeinandertreffen. In einem Interview mit dem Deutschen Tennis Bund sagte die Argentinierin, die auch 1988 Grafs Finalgegnerin bei den US Open und Olympia war: „Es war eine besondere Herausforderung, Steffi kurz vor Vollendung des Grand Slam und später des Golden Slam gegenüber zu stehen. Sie ist für mich einfach herausragend, als Athletin und als Mensch."

"Ich mag Steffi" – Ihr eigener Song von Guildo Horn

Eine besondere Ehre erwies Schlager-Altmeister Guildo Horn der großen Steffi Graf bereits 1994 mit einer Ode an die Tennis-Legende: "Ich mag Steffi" – ein am heutigen Ehrentag der Tennis-Queen oft getwittertes Musikjuwel. Hier nochmal zum Schwelgen und Genießen. Happy Birthday, liebe Steffi Graf

Guildo Horn
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