17.04.2019

Sind Menschen nicht wichtiger? Natascha Ochsenknecht kritisiert Notre-Dame-Spenden

Mi, 17.04.2019, 12.20 Uhr

Natascha Ochsenknecht

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Für den Wiederaufbau von Notre-Dame sollen bereits 600 Millionen Euro an Spenden bereitstehen. Was viele großartig finden, kritisiert Natascha Ochsenknecht – denn bei humanitären Katastrophen kommen solche Summen nicht zusammen – schon gar nicht in Rekordzeit...

Man kann ja über Natascha Ochsenknecht sagen, was man will – fest steht: das Model macht den Mund auf! Im aktuellen Fall dreht es sich um den Wiederaufbau um Notre-Dame: an sich eine tolle Sache, gar keine Frage. Doch warum ist die Bereitschaft, gigantische Summen zu spenden, so viel höher als bei jeder noch so schlimmen humanitären Katastrophe?

Natascha Ochsenknecht wundert sich über hohe Spenden für Notre-Dame

Konkret formuliert es die 54-Jährige auf Ihrem Instagram-Account so:

Und eines sei noch einmal gesagt: Natascha Ochsenknecht richtet sich in ihrem Post nicht gegen den Wiederaufbau, wie böse Zungen natürlich sofort behaupten. Sie wirft lediglich die Frage auf, warum es offenbar vielen so viel leichter fällt, für ein Bauwerk zu spenden als für Menschen, die Not leiden.

In einem Kommentar zu ihrem Post heißt es: "Ich seh es nicht negativ, dass so viel Geld für Notre Dame gesammelt wurde, aber ich seh es negativ, dass es nicht ebenso schnell bei Menschen geht. Das ist traurig..." Das trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf.

Viele User sehen es wie Natascha Ochsenknecht

Eine überwältigende Mehrheit gibt Natascha Ochsenknecht Recht: fast 8000 Likes erhält sie für ihre Aussage, und in unzähligen Kommentaren pflichten Menschen ihr bei – etwa so:

  • Du bist die erste, die es auf den Punkt bringt. Ich habe mir das von Anfang an gedacht.
  • Danke Natascha – ich dachte, ich wäre mit meinen Gedanken alleine... Kann ich auch nicht nachvollziehen... Das Unglück ist noch keine 24 Std. her gewesen, da waren die ersten 500 Millionen schon ausgesprochen... unfassbar..
  • Es ist wirklich schrecklich, dass sowas passiert ist. Aber du hast recht. Es gibt so viel Elend auf dieser Welt. Da sollte man mehr hinschauen.
  • Vielleicht mag es toll sein, dass innerhalb von wenigen Stunden 300 MILLIONEN Euro von ZWEI (!) (Familien-)konzernen für den Wiederaufbau gespendet wurden. Ich finde aber auch, dass es ein Ausdruck von unfassbarer Ignoranz ist. Diese Konzerne produzieren genauso in Billiglohnländern wie H&M, Primark & Co. Es wäre schön, wenn sie ihre Millionen genauso dorthin stecken würden, wo die Menschen unter oftmals unwürdigen Bedingungen arbeiten, leben und somit auch die Grundlage für den Reichtum dieser Konzerne schaffen. Ich würde mir wünschen, dass solche Summen genauso schnell für ECHTE Katastrophen zusammen kommen würden, dass ihre Millionen in soziale Projekte zugunsten der französischen Banlieues (Randzonen von Großstädten, Anm. d. Red.) investiert würden, um Armut, Bildungsmangel und damit den Nährboden jeglicher Radikalisierung zu bekämpfen. Es ertrinken Menschen im Mittelmeer, es sterben täglich Kinder in Syrien, im Jemen und die Welt ist entsetzt über ein Gebäude, das brennt – ganz plakativ und provokativ formuliert.

Spenden für Notre-Dame: Das kam bislang zusammen

Wie die Agentur "Spoton" berichtet, soll bereits eine Summe von rund 600 Millionen Euro bereitstehen. Neben staatlichen Geldern gibt es folgende Zusagen:

  • Die Familie Pinault kündigte an, 100 Millionen Euro bereitzustellen. Die Pinault-Familie hält über die Firmenholding Kehring große Anteile an Luxus-Marken wie Gucci, Yves-Saint-Laurent oder Puma.
  • Bernard Arnault (70), Anteilseigner von Unternehmen wie Christian Dior, Louis Vuitton oder Moet, verdoppelte auf 200 Millionen Euro.
  • Ebenfalls 200 Millionen Euro will die Familie Bettencourt, die Haupteigner des Kosmetikkonzerns L'Oréal, spenden.
  • Das französische Mineralölunternehmen Total versprach zudem 100 Millionen Euro.
  • Apple-Chef Tim Cook (58) schrieb via Twitter: "Apple wird sich mit einer Spende am Wiederaufbau beteiligen, um das kostbare Erbe von Notre-Dame auch für zukünftige Generationen wiederherzustellen." Eine genaue Summe nannte Cook dabei nicht.
  • Der Milliardär Marc Ladreit (78) will zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen, ebenso das Bauunternehmen Bouygues.
  • Eine Million Euro kommen von der Beraterfirma Cap Gemini. Eine Beteiligung kündigten auch der Baukonzern Vinci und die französische Bank BNP Paribas an, ohne eine genaue Summe zu nennen. Auch der Zusammenschluss der französischen Profifußballclubs versprach finanzielle Unterstützung.

Spenden ist gut, solange menschliche Tragödien nicht vernachlässigt werden

Eine überwältigende Spendenbereitschaft auf der einen, Kritik daran auf der anderen Seite: was ist denn nun richtig? Eine heikle Frage, und wie so oft ist es mit einem "richtig" oder "falsch" hier nicht getan. Denn für eine gute Sache zu spenden, ist erst einmal prima. Und das ist der Wiederaufbau von Notre-Dame zweifelsohne. Doch darüber sollte man nicht vergessen, wie vielen Menschen mit dieser enormen Summe geholfen wäre. Das lässt zumindest Raum, um zu hinterfragen, ob die Spendenbereitschaft nicht ausgeweitet werden könnte.

Der folgende Kommentar zu Natascha Ochsenknechts Statement ist ein gutes Schlusswort, wenngleich etwas salopp formuliert: "Das hat mich dann auch überrascht. Auf der einen Seite finde ich das toll. Auf der anderen Seite denke ich wie du, und es zeigt die allgemeine Wertschätzung der Mensch(lichkeit)en bzw. den Zeitgeist. Danke dafür, dass du immer den Arsch in der Hose hast, offen zu sagen/schreiben, was du denkst. Auch bei massivem Gegenwind."

Dem schließen wir uns voll und ganz an!

Lesen Sie hier noch einmal über den verheerenden Brand der Kathedrale von Notre-Dame. Und hier gibt's eindrückliche Aufnahmen davon:

Paris: Feuer in Notre-Dame ausgebrochen

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