26.04.2019

Interview über Neurodermitis Andrea Gerhard vom "Bergdoktor": Ich hab die fiesen roten Hautstellen immer bedeckt

"Bergdoktor"-Schauspielerin Andrea Gerhard litt jahrelang an Neurodermitis. Im Interview erzählt sie, wie sie die Krankheit bezwungen hat.

Foto: Alexander-Resch

"Bergdoktor"-Schauspielerin Andrea Gerhard litt jahrelang an Neurodermitis. Im Interview erzählt sie, wie sie die Krankheit bezwungen hat.

Andrea Gerhard startet beim "Bergdoktor" durch! Im Interview mit BILD der FRAU erzählt die Schauspielerin, wie sehr sie früher an Neurodermitis litt, was ihr halft, die Krankheit quasi zu besiegen, und welche Tipps sie für Betroffene auf Lager hat.

Sie ist die Neue beim "Bergdoktor": Andrea Gerhard spielt seit diesem Jahr die Arzthelferin Linn Kemper, die dem beliebten Landarzt, verkörpert von Hans Sigl, zur Hand gehen darf. Ein Traumjob, um den sie garantiert viele beneiden.

Weniger beneidenswert ist, dass die 34-Jährige jahrelang an Neurodermitis litt – ein langer Leidensweg, den sie aber erfolgreich beenden konnte. Im Interview mit BILD der FRAU verrät Andrea Gerhard, was ihr geholfen hat, die Krankheit bezwingen zu können.

Interview mit "Bergdoktor"-Schauspielerin Andrea Gerhard über Neurodermitis

Liebe Frau Gerhard, zunächst einmal: Wie gefällt es Ihnen im Team vom "Bergdoktor"?

Besonders gefällt mir beim Bergdoktor-Team, dass es wirklich ein Team ist – vor und hinter der Kamera. Alle arbeiten zusammen, und seitdem ich angekommen bin, gehöre ich voll mit dazu. Das ist toll! Außerdem darf ich endlich auch mal vor der Kamera zeigen, was ich kann. Vorher habe ich ja eher am Theater gespielt. Und dann arbeite ich auch noch dort, wo andere Urlaub machen: die Kulisse am Wilden Kaiser gefällt mir richtig gut.

Seit wann leiden Sie an Neurodermitis? Wie hat es sich geäußert?

Mit vier Jahren hatte ich das erste Mal erkennbare Neurodermitis. Es war ziemlich schwierig für meine Eltern, mir in dem Alter beizubringen, dass es besser ist, dem Juckreiz zu widerstehen. Im starken Juckreiz äußert sich die Krankheit besonders deutlich, und die offenen, wunden und blutig gekratzten Stellen in den Kniebeugen und den Armbeugen schmerzen am meisten. Mein Hautbild war je nach aktuellem Therapieansatz mal besser, mal schlechter. Als "geheilt" würde ich mich dann etwa ab dem 16. Lebensjahr bezeichnen.

Was haben Sie damals alles dagegen unternommen?

Ich habe da schon einige Methoden über mich ergehen lassen müssen. Ich erinnere mich an diverse Diäten von Trennkost bis Heilfasten, und dass ich mich ständig eincremen musste mit allen möglichen Salben und natürlich Cortisoncreme. Irgendwann wollte ich auch nicht mehr täglich Tabletten nehmen, denn ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, dass die mir helfen würden.

Als die Diagnose kam, hat sie bitterlich geweint

Was waren die schlimmsten Momente im Umgang mit der Krankheit?

Ich glaube, ich war neun Jahre alt, da habe ich so richtig verstanden, dass es sich bei Neurodermitis um eine chronische Krankheit handelt, die nicht heilbar ist. Dieser Fakt war ein Schock für mich, und ich habe bitterlich geweint. In der Pubertät kamen andere schlimme Zeiten. Da habe ich immer dicke Pullover getragen, die ich auch nicht ausziehen wollte, weil ich meine Arme aufgekratzt hatte und nicht wollte, dass andere die fiesen roten Stellen sehen.

Zu dieser Zeit haben mir meine Freunde geholfen. Die waren einfach toll, denn sie haben mir immer Mut zugesprochen und mir gezeigt, dass sie mich lieben, egal wie meine Haut aussieht. Das hat mein Selbstvertrauen enorm gestärkt.

Sie sagen, Ernährung und Naturprodukte sind der Schlüssel zum Heilungserfolg. Wie kamen Sie darauf?

Das war ein langer Weg, da meine Ärzte mir in diesem Fall nur wenig Inspiration und Hilfestellung geboten haben. Sie haben eher über Verbote versucht, die Haut zu beruhigen, indem sie mir sagten, ich dürfte keine Zitrusfrüchte und Süßigkeiten mehr essen. Als junges Mädchen hatte ich darauf natürlich gar keine Lust.

Aber als ich langsam in die Pubertät kam, habe ich gemerkt, dass die Ernährung eine Rolle spielt. Ich bekam ein Gefühl dafür, welche Lebensmittel ich gut vertrage und welche nicht. Solche, auf die meine Haut negativ reagiert hat, so wie Milch, Kiwis oder industriell verarbeitete Produkte sind dann aus meinem Speiseplan rausgeflogen.

Andrea Gerhards Tipp: Zeit für sich selbst nehmen

Inwiefern hängen Körper und Geist in puncto Nachhaltigkeit und Gesundheit zusammen?

Erst nachdem ich angefangen habe, mir selbst zu trauen, und als sich mein Selbstvertrauen stärkte, hat sich mein Hautbild beruhigt. Ruhe, Gelassenheit, eine positive Lebenseinstellung und Ausgeglichenheit waren damals und sind heute noch meine persönlichen Schlüssel zur Heilung. Deswegen freue ich mich auch über den aktuellen Achtsamkeits-Trend und kann nur jedem empfehlen, sich mal wieder einen Termin mit sich selbst in den Kalender einzutragen.

Haben Sie Tipps, wie sich die Haut bei Neurodermitis schonend pflegen lässt?

Auf jeden Fall lohnt es sich, als Neurodermitis-Patientin in die eigene Hautpflege zu investieren. Bio-Naturkosmetik und Make-up kann ich nur empfehlen. Da gibt es schon tolle Produkte in den Drogeriemärkten, wie pH-neutrale Waschgels und Seifen. Parfümierte Pflegeprodukte sollten vermieden werden, genauso wie Massagehandschuhe, die die Haut nur zusätzlich reizen.

Ein Allround-Produkt für meinen Körper ist nachhaltig angebautes Kokosöl in Bioqualität. Ich nutze es zum Abschminken, schmiere es mir in die trockenen Haarspitzen oder nutze es auch immer mal wieder als Hautcreme. Da das Öl sehr fetthaltig ist, ist es auf der Haut nicht zur täglichen Anwendung geeignet, aber bei trockenen Hautstellen wirkt es bei mir Wunder. Im Glas abgepackt ist Kokosöl für die Müllvermeidung auch noch ein Pluspunkt.

Viele weiter Tipps rund um die Hautpflege lesen Sie auf unserer Themenseite.

Fertigprodukte kommen ihr nicht mehr auf den Tisch

Was empfehlen Sie, was den Speiseplan angeht?

Ich könnte jetzt Lebensmittel aufzählen, die ich vermeide, wie Kuhmilchprodukte, Kaffee oder Alkohol, aber eigentlich bringt das wenig, denn ich habe schon früh gemerkt, dass jeder Körper ganz individuell auf Ernährung reagiert. Deswegen empfehle ich vor allem die eigene Intuition zu stärken, in sich reinzuhorchen und sich mit sich selbst, seinem Körper und seinen Wünschen zu beschäftigen. Das kann durch Meditation oder Yoga klappen, oder wie in meinem Fall durch ein halbstündiges Mentales-Training, das ich täglich über mein Smartphone höre. Und das Gute daran ist, das geht überall – auf Reisen, im Sitzen oder Liegen.

Aber wichtig: Finger weg von Fertigprodukten – lieber selbst kochen oder den Partner kochen lassen, so wie ich Glückskind. Mein Partner kocht einfach richtig gut, und die Zutaten für unser Essen bekommen wir auf dem Markt um die Ecke oder wird uns in einer regionalen Gemüsekiste von einem Demeterhof vor den Toren Hamburgs geliefert. Denn heimisches Gemüse und Obst verträgt unser Körper am besten, weil es für ihn am wenigsten Stress bedeutet beim Aufbereiten im Verdauungsvorgang.

Worauf Sie bei der Ernährung noch achten sollten, wenn Sie an Neurodermitis leiden, lesen Sie hier.

Was genießen Sie heute, wo Sie die Krankheit im Griff haben, am meisten?

Ich genieße vor allem meine gesunde und strahlende Haut und die Freiheit zu haben, alles zu machen, worauf ich Lust habe. Schwimmen oder Süßes zu essen, ist kein Problem mehr. Auch Stress wirkt sich bei mir heute nicht mehr auf die Haut aus. Aber von nichts kommt nichts. Ich sorge täglich dafür, dass es mir als Mensch gut geht, dass ich der Natur Gutes tue und, dass ich mich mit Menschen umgebe, die mir guttun! Denn ich bin überzeugt, das alles ein Geben und Nehmen ist.

Wobei müssen Sie aufpassen?

Aufpassen muss ich heute nicht mehr viel, außer ich habe nach dem Reiten oder Joggen stark geschwitzt, dann ist es wichtig für mich, dass ich gute atmungsaktive Kleidung trage, die ich dann auch nach dem Sport schnell wieder ausziehe.

Verraten Sie unseren Leserinnen ein klitzekleines Detail zur neuen Staffel vom "Bergdoktor", was Ihre Rolle angeht?

Auf jeden Fall kann ich verraten, dass Linn Kemper dem Bergdoktor und den Zuschauern weiter erhalten bleibt. Aber alles Weitere in der neuen Staffel wird eine Überraschung.

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Auch er hat gerade für die nächste Staffel "Der Bergdoktor" vor der Kamera gestanden: Im Interview mit BILD der FRAU plaudert Simon Böer über Patchwork, Erziehung – und seine "Droge"...

Aber es gibt auch Abgänge zu verzeichnen: ER hört tatsächlich beim "Bergdoktor" auf...

Fakten über den Bergdoktor

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Weitere Geschichten über die erfolgreiche ZDF-Serie lesen Sie auf unserer Bergdoktor-Themenseite. Und noch mehr zu TV-Sendungen verraten wir Ihnen auch gerne.

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