13.03.2019

Wem soll man glauben? Ständig Schmerzen: Schauspielerin Ellen Schwiers (88) möchte sterben

Schauspielerin Ellen Schwiers ist alt und krank, möchte sterben. Was ihre Tochter zum Thema Sterbehilfe sagt.

Foto: imago/Spöttel Picture

Schauspielerin Ellen Schwiers ist alt und krank, möchte sterben. Was ihre Tochter zum Thema Sterbehilfe sagt.

Ellen Schwiers ist 88 Jahre alt, bettlägerig und leidet unter permanenten Schmerzen. Am liebsten würde sie sterben sagt sie, doch ihre Tochter, Schauspielerin Katerina Jacob, lehne Sterbehilfe ab. Die sagt allerdings etwas ganz anderes...

Ellen Schwiers war in den 1950er- und -60er-Jahren eine gefragte Schauspielerin: für unzählige Filme stand sie vor der Kamera, später auch auf der Theaterbühne. Vor wenigen Jahren zog sich die mittlerweile 88-Jährige aus dem Rampenlicht zurück – heute ist sie bettlägerig, leidet unter permanenten Schmerzen und möchte nicht mehr am Leben sein. Zum Thema Sterbehilfe hat sich jetzt auch Tochter Katerina Jacob geäußert.

Ellen Schwiers: Ständige Schmerzen, keine Freude mehr am Leben

Die große Schauspielerin Ellen Schwiers hat mit der Münchner Abendzeitung gesprochen – es ist ein trauriges Interview mit einer alten Dame, die am Leben offenbar keine Freude mehr hat. Die 88-Jährige lebt in ihrem Haus am Starnberger See und wird von einer Pflegerin rundum betreut. Über ihren Zustand sagt sie: "Ich habe unheimliche Glieder- und Knochenschmerzen. Somit kann ich auch nicht mehr laufen. Ich habe ständig extreme Schmerzen." Und weiter: "Ich bin bettlägerig. Ich kann nichts mehr machen."

Ellen Schwiers ist auf Pflegegrad 4 eingestuft worden, das heißt, es liegt eine "schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit" vor. Nur kurze Zeit halte sie es mal im Rollstuhl aus, dann bekomme sie so schlimme Schmerzen, dass sie wieder im Bett liegen müsse. "Das Einzige, was wirklich noch gut funktioniert bei mir, ist mein Gehirn", sagt sie.

"Ich warte in der Tat auf den Tod"

Plötzlich nichts mehr zu tun zu haben, das sei furchtbar, klagt Ellen Schwiers: "Ich liege eigentlich den ganzen Tag nur im Bett, und ich warte in der Tat auf den Tod." Bei einer winzigen falschen Bewegung fahre "dieser unerträgliche Schmerz" durch ihren Körper. Die starken Schmerzmittel, die sie bekomme, würden nur sehr bedingt helfen. "Ich halte das nicht mehr aus", sagt sie.

90 möchte sie auf keinen Fall werden: "Ich empfinde mich ja auch als große Belastung für meine Tochter. Ich möchte keine Belastung sein. Ich möchte sterben."

Sterbehilfe würde sie gerne in Anspruch nehmen, erzählt sie weiter. "Aber dann müsste ich in die Schweiz. Darüber habe ich schon mit meiner Tochter gesprochen, das habe ich mir schon gewünscht. Aber das lehnt sie leider vollkommen ab."

Katerina Jacob äußert sich zum Sterbehilfe-Wunsch ihrer Mutter

Auf das Interview hin hat sich Ellen Schwiers' Tochter Katerina Jacob jetzt über Facebook in einem langen Video zu Wort gemeldet. Die 61-Jährige, ebenfalls Schauspielerin und durch ihre Rolle als Kriminalkommissarin Sabrina Lorenz in der Serie "Der Bulle von Tölz" einem breiten Publikum bekannt geworden, äußert sich zu der Aussage ihrer Mutter, sie würde ihr die Sterbehilfe verweigern, folgendermaßen: "Ja, wie denn? (...) Ich finde keinen Arzt, der das macht. Niemanden. Soll ich ihr die Spritze setzen? Das wäre Mord. (...) Das heißt, mir sind die Hände gebunden, und es stimmt überhaupt nicht, dass ich mich weigere. Ich würde ihr natürlich sofort helfen, aber mit legalen Mitteln."

Katerina Jacob ist sehr erzürnt über die vielen Kommentare, die sie wegen der Äußerungen ihrer Mutter jetzt erreichen – darunter Beschimpfungen und Beleidigungen übelster Sorte. "Kommen Sie doch mal selber in diese Situation", sagt sie aufgebracht in die Kamera, "im Namen meiner Mutter fordere ich die Bundesregierung auf, dieses verdammte Gesetz endlich zu ändern und uns und unseren Körpern zu einer Selbstbestimmung zu helfen, wann wir gehen möchten."

Sterbehilfe – das ist der Status Quo in Deutschland

2017 hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass Sterbehilfe in extremen Ausnahmesituationen möglich sein soll: schwerkranke Menschen sollen dann Anspruch auf Medikamente für einen schmerzlosen Suizid haben. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium setzt dieses Urteil allerdings bis heute nicht um. Kritik und Befürworter gibt es seit jeher für beide Seiten: für diejenigen, die Sterbehilfe in Deutschland legalisieren wollen genauso wie für die strikten Gegner.

Demnächst wird auch das Bundesverfassungsgericht ein Urteil fällen – es muss über die Verfassungsbeschwerden gegen das strafrechtliche Verbot organisierter Sterbehilfe entscheiden. Die Beschwerdeführer fordern mehr Freiheit für Sterbehilfe und Sterbebegleitung. Im April soll es soweit sein. Inwiefern sich das Urteil dann auf den Umgang der Bundesregierung mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auswirkt, bleibt abzuwarten.

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