28.02.2019

Ex-"Bunte"-Chefin verrät Nur die Schale war rau: So habe ich Karl Lagerfeld erlebt

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Karl Lagerfeld und Ex-"Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel waren 25 Jahre befreundet. Das letzte Mal sahen sich beide im Oktober 2018. Seinen Tod hatte sie nicht kommen sehen. Dieses Foto stammt aus dem Jahr 2009.

Foto: imago/APress

Karl Lagerfeld und Ex-"Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel waren 25 Jahre befreundet. Das letzte Mal sahen sich beide im Oktober 2018. Seinen Tod hatte sie nicht kommen sehen. Dieses Foto stammt aus dem Jahr 2009.

Modezar Karl Lagerfeld starb überraschend im Alter von 85 Jahren. Seine Weggefährtin, Ex-"Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel, erinnert sich an ihren Freund.

Mode-Fans aus aller Welt trauern auch eine Woche nach dem überraschenden Tod von Karl Lagerfeld weiter um die Ikone. Der Designer und Kreativdirektor des französischen Modehauses Chanel starb im Alter von 85 Jahren. Viele wissen mit dem Namen Karl Lagerfeld etwas anzufangen, doch nur wenige haben ihn wirklich gekannt.

Eine seiner Freundinnen war Patricia Riekel. Sie war von 1997 bis 2016 Chefredakteurin des Magazins "Bunte" und begleitete Karl Lagerfeld über viele Jahre. Jetzt hat sie gegenüber dem Magazin einige Geheimnisse über ihn verraten und spannende Details aus seinem Leben preisgegeben.

Ex-"Bunte"-Chefin Riekel war 25 Jahre mit Lagerfeld befreundet

"Der Tod von Karl Lagerfeld hat mich wirklich wie ein Schock getroffen", sagt Riekel. Seit fast 25 Jahren seien sie befreundet gewesen. Dass sich die ehemalige "Bunte"-Chefredakteurin sich überhaupt als Freundin von Lagerfeld bezeichnet, bewirkte erst ein erboster Anruf des Modeschöpfers.

"Einmal in einem Interview hat man mich gefragt, wie nahe ich Karl bin. Ich sagte, dass ich großen Respekt vor ihm habe, mich ihm nahe fühle. Es aber nie wagen würde, ihn als Freund zu bezeichnen. Dann hat er mich angerufen und mit einer gewissen Empörung gesagt, vorwurfsvoll: 'Aber Patricia, wir sind doch Freunde.'" Riekel genoss das Privileg, auf vielen seiner Shows eingeladen worden zu sein und auch hinter den Kulissen mit Lagerfeld Zeit verbracht haben zu können. Auch zu ihm nach Hause sei sie mehrfach eingeladen worden.

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Lagerfeld bezahlte fremdem Jungen eine Herz-OP

Die für viele Menschen oft raue, harte Schale von Karl Lagerfeld hat auch Riekel in den vergangenen Jahren beobachten können. Doch für sie habe immer mehr dahinter gesteckt: "Auf viele Menschen wirkte Karl Lagerfeld ein bisschen arrogant, und er konnte auch sehr zynisch sein und parierte auch Fragen manchmal mit beißendem Spott, das kam schon vor. Aber in Wahrheit war er der großzügigste Mensch, den ich kannte. Er hat es nur nicht an die große Glocke gehängt. Er hatte nur Verachtung für Leute, die öffentlich als Wohltäter auftraten. Er hat das immer ganz im Geheimen gemacht."

Lagerfelds Großzügigkeit fand in der Öffentlichkeit kaum statt. Mit einer Geste aber hat er Patricia Riekel sehr berührt: "Meine Lieblingsgeschichte ist, als er in einer Pariser Zeitung von einem Flüchtlingsjungen las, der eine Herz-Operation brauchte und die Krankenkasse nicht zahlte und die Eltern es sich nicht leisten konnten. Dann hat er sich nach der Familie erkundigt und ganz im Geheimen, ohne dass sie es je erfahren haben, die Operationskosten übernommen."

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Riekel über Lagerfeld: "Er hat nur faule Menschen verachtet"

Auch gegenüber seinen Freunden sei er sehr großzügig gewesen, so Riekel. Er habe sie mit Büchern, technischen Geräten oder Blumen beschenkt. "Er hat seinen Freundinnen, die zu seinen Shows kamen, also den Inner Circle von 20, 30 Frauen, Blumenkörbe ins Hotel geschickt, die waren riesig. Die konnte man nicht alleine tragen. Und dazu gab es immer handschriftliche Briefe, auch zu Weihnachten und zum Geburtstag", verrät Riekel.

Doch eines habe Lagerfeld dagegen gar nicht leiden können: Wenn jemand nichts aus seinem Leben macht. Riekel: "Er hat sehr aufmerksam verfolgt, was seine Freundinnen treiben, wie ihre Karrieren vorangehen. Er hat nur faule Menschen verachtet. Menschen, die nichts aus sich gemacht haben, die alles laufen lassen. Aber wer tüchtig war, wer mit Leidenschaft und einer Mission an einer Sache hing, das hat er bewundert.“

Patricia Riekel hatte mitbekommen, dass es dem Modezaren schlechter ging. Zuletzt habe sie ihn Ende Oktober gesehen. "Da gab es eine Show und da war er schon so ein bisschen schwach und sagte zu mir, er fühle sich nicht gut, er könne nichts essen. Dann habe ich ihn in Paris getroffen und da haben wir uns mittags getroffen, da sah er schon angegriffen aus."

Er hatte eine klare Vorstellung, wie er sterben will

Doch Lagerfeld wirkte auf sie trotzdem voller Energie, denn er habe sich weiter voll und ganz auf seine Arbeit fokussiert. Riekel verrät: "Ich hätte nicht gedacht, dass es schlimm ist, weil wir über seinen Chanel-Vertrag gesprochen haben. Er erzählte, dass er einen Vertrag hat bis zum Lebensende und dass er am liebsten mitten in der Produktion irgendwann einmal in vielen Jahren tot umfallen wolle und nie aufhören wolle zu arbeiten."

Im Januar, als Lagerfeld der Haute-Couture-Show von Chanel ferngeblieben war, habe die ehemalige "Bunte"-Chefredakteurin nochmal mit ihm telefoniert. "Und vor zwei Wochen habe ich nochmal geschrieben, dass ich mich freue, wenn wir uns sehen bei der Prêt-à-porter-Show, und dass ich hoffe, dass er Zeit hat. Darauf hat er nicht mehr geantwortet."

Vor wenigen Tagen wurde Lagerfelds Leichnam in Paris eingeäschert. Und obwohl der große Star-Designer selbst durchblicken ließ, dass er keine Beerdigung haben wolle, glaubt Patricia Riekel, dass es anders kommen werde. "In zwei Wochen ist die nächste Chanel-Show Prêt-à-porter. Und ich stelle mir vor, dass das ohne Ansage eine große Trauerfeier wird. Denn alle seine Verehrerinnen, seine Freundinnen, seine Freunde, alle, die mit ihm zu tun haben, werden da sein, um ihm nochmal Respekt zu zollen. Ich weiß es nicht. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es ein französisches Staatsbegräbnis wird."

"Es wird nie wieder so einen Kaiser Karl geben."

Trotz aller Erfolge in seiner langen Karriere weiß Patricia Riekel, dass ihn eine Sache gekränkt habe. "Er hat in aller Welt Orden und Auszeichnungen bekommen. Und Nicolas Sarcozy hat ihm sogar den höchsten Orden, den Orden der Ehrenlegion, verliehen. Deutschland hat ihm keinen Orden gegeben. Es wäre eigentlich notwendig gewesen, dass er auch einen Orden aus Deutschland bekommt. Das hat ihn ein bisschen gefuchst. Aber zum Schluss wollte er das dann doch nicht mehr."

Aber auch ohne Orden ist klar, dass einer der größten Modemacher unserer Zeit nicht mehr da ist. Das sieht auch Riekel so: "Es wird nie wieder so einen Kaiser Karl geben."

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