29.01.2019

Frauenrolle in sozialen Medien Maria Furtwängler: Von Mädchen wollen alle nur das perfekte Bild sehen

Maria Furtwängler findet das uniforme Frauenbild einer aktuellen Studie alarmierend. Denn "es leugnet und ignoriert in weiten Teilen weibliche Diversität."

Foto: imago/Chris Emil Janßen

Maria Furtwängler findet das uniforme Frauenbild einer aktuellen Studie alarmierend. Denn "es leugnet und ignoriert in weiten Teilen weibliche Diversität."

Erschreckend, diese neue Studie über das Frauenbild in den sozialen Medien: demnach sehen Influencerinnen gut aus und geben Schminktipps – wie in den 1950er-Jahren. Schauspielerin Maria Furtwängler findet diese Entwicklung alarmierend.

Maria Furtwängler spielt gerne toughe Frauen auf der Leinwand – man denke nur an ihre Rolle als Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm. Und damit steht die 52-jährige Schauspielerin, zumal in ihrem Alter, ziemlich alleine da. Denn Frauen sind im deutschen TV deutlich unterrepräsentiert – und zwar je älter, desto drastischer.

Einer neuen Studie zufolge spitzen die neuen Medien diese Tatsache noch einmal deutlich zu. Denn die sogenannten Influencerinnen auf Youtube, Instagram und Co liegen nicht nur weit hinter ihren männlichen Pendants zurück, sondern zeichnen ein veraltetes und stereotypes Frauenbild, indem sie sich sexy und passiv inszenieren.

Stiftung von Maria Furtwängler erstellt Studie über Frauenbild in sozialen Medien

Maria Furtwängler hat gemeinsam mit ihrer Tochter Elisabeth die MaLisa-Stiftung gegründet, deren Ziel eine freie, gleichberechtigte Gesellschaft ist. In einer Studie aus dem Jahr 2017 hat sich die Stiftung einer Studie zum Thema Geschlechterdarstellungen im deutschen Film und Fernsehen gewidmet. Jetzt ist sie einen Schritt weitergegangen – und hat untersucht, wie es um die Darstellung von Männern und Frauen auf den Plattformen YouTube und Instagram sowie in Musikvideos bestellt ist.

Das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd: Zum einen gibt es weitaus mehr Männer als Frauen auf den genannten Kanälen – überall ist das Verhältnis 2:1 zu finden, heißt: auf zwei Männer kommt eine Frau.

Zum anderen basiert die Geschlechterdarstellung auf den erfolgreichsten YouTube-Kanälen auf veraltet anmutenden Stereotypen: Während Männer sich Themen wie Musik, Comedy oder Politik widmen, zeigen sich Frauen überwiegend im privaten Raum, geben Schminktipps und präsentieren ihre Hobbies – gerne Basteln, Nähen und Kochen.

In Musikvideos inszenieren sich Frauen sehr oft sexy und passiv, und auch auf Instagram sind insbesondere die Frauen erfolgreich, die einem normierten Schönheitsideal entsprechen. Sie sind dünn, langhaarig und beschäftigen sich hauptsächlich mit den Themen Mode, Ernährung und Beauty.

Fazit: Weibliche Selbstinszenierung findet hier nur in einem sehr begrenzten Korridor statt! Ein Unding, findet Maria Furtwängler: "Wenn man alle diese Zahlen nebeneinander stellt und sieht, dass die Frauen auch in den Medien, die hauptsächlich von Jugendlichen konsumiert werden, nur ein Drittel der Protagonist*innen stellen, muss man sich fragen, was mit den Strukturen nicht stimmt", sagt sie. Und ihre Tochter Elisabeth fügt die Frage hinzu, weshalb eigentlich genau die Akteur*innen in den neuen sozialen Medien mit den rückwärtsgewandt erscheinenden Geschlechterrollen erfolgreich sind.

Soziale Medien tradieren ein veraltetes Frauenbild

Mit dem Magazin "Spiegel" hat die Schauspielerin über die erschreckenden Ergebnisse der Studie gesprochen. Zusammenfassend sei das Bild ja so, dass der Mann als Profi immer auf Achse ist, während die Frau artig und nett lächelnd zu Hause sitzt – "dabei sind die bekannten Influencerinnen oftmals starke Selfmadewomen, die sich selbst managen, ihr Image eigenständig gestalten," sagt sie.

Es scheine sehr wichtig zu sein, dass die Frauen das Gefühl vermitteln, sie machten alles gut gelaunt und ohne Anstrengung nebenbei. Und das, bemängelt die 52-Jährige, sei doch ein Widerspruch in sich: "Es geht angeblich um Authentizität, Natürlichkeit und Spontaneität. Aber die Herstellung eines perfekt unaufwendig wirkenden Bildes ist unglaublich aufwendig."

Phänomen "Snapchat Dysmorphia"

Von Mädchen wollten alle nur das perfekte Bild sehen, kritisiert sie: "Mädchen sollen wahnsinnig schlank sein und trotzdem große Brüste und Hintern haben."

Was für Auswirkungen das haben kann, erklärt sie an folgendem Beispiel: "In den USA gibt es bereits das Phänomen 'Snapchat Dysmorphia': Mädchen gehen zum Schönheitschirurgen, damit sie im richtigen Leben so aussehen wie auf den gefilterten Snapchat-Bildern." Es sei deprimierend, dass "Mädchen ihren Selbstwert primär darüber definieren, wie viele Likes sie für ihr Aussehen bekommen und wie viele Typen scharf auf sie sind."

Soziale Medien haben "eine erstaunliche normierende Macht"

Der schmale Korridor, in dem Frauen sich bewegen, sei sehr irritierend, er orientiere sich am Frauenbild der Fünfzigerjahre, schlussfolgert Maria Furtwängler. Warum sie das uniforme Frauenbild so alarmierend findet? "Es leugnet und ignoriert in weiten Teilen weibliche Diversität", ist sie überzeugt.

Es sei eine erstaunliche normierende Macht, die durch die sozialen Medien ausgeübt wird, warnt die Schauspielerin. Wie dem entgegenzusteuern ist, weiß sie allerdings auch nicht. Erst einmal müsse man herausfinden, weshalb diese Normierung so stark werden konnte. Doch solange sich nichts daran ändert, bleibt es wohl so, wie Maria Furtwängler es formuliert: "Frauen sind (...) umso erfolgreicher, je mehr sie sich an den engen Rollenvorgaben orientieren."

Und das ist wirklich sehr, sehr schade!

Dass sich Schönheitsideale über die Zeit verändern zeigt unsere Galerie. Der ideale Frauenkörper im Wandel der Zeit...

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Kennen Sie das Body Positivity-Projekt "Underneath We Are Women"? Es zeigt Frauen so, wie sie sind: ungeschönt, mit Makeln, ganz und gar natürlich. Kurz: unbeschreiblich weiblich!

Die Instagram-Initiative #SaggyBoobsMatter will Frauen dazu animieren, sich auch mit hängenden Brüsten zu zeigen.

Vielfalt und Einzigartigkeit – das verkörpern auch diese Frauen:

Ich bin gut so wie ich bin

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Ebenfalls sehenswert: Der Instagram-Kanal #takebackpostpartum zeigt reale Fotos von Müttern, wie sie nach der Geburt aussehen: ungeschönt, aber genau deswegen einfach großartig!

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