30.10.2018

Jetzt im Kino Hat „Wuff“ Kostja Ullmann zum Hundemenschen gemacht?

Im Kinofilm "Wuff" von Detlev Buck spielt Kostja Ullmann den Förster Daniel.

Foto: imago/Future Image

Im Kinofilm "Wuff" von Detlev Buck spielt Kostja Ullmann den Förster Daniel.

Hundefans aufgepasst: Detlev Bucks neuen Kinofilm "Wuff" werden Sie lieben, denn in der Komödie dreht sich alles um die treuen Vierbeiner. Neben Emily Cox, Johanna Wokalek, Frederick Lau und Marie Burchard ist auch Kostja Ullmann von der Partie. Einer seiner Drehpartner war Bozer, ein Hund aus dem Tierheim.

Der Kinofilm "Wuff" ist eine romantische Komödie, die in mehreren parallel verlaufenden Handlungssträngen von der treuen Beziehung zwischen Hund und Menschen erzählt. Alles geht von den vier Freundinnen Ella (Emily Cox), Cécile (Johanna Wokalek), Silke (Marie Burchard) und Lulu (Maite Kelly) aus, deren von Hunden geprägte Leben wir in verschiedenen Episoden verfolgen. Die Journalistin Ella holt sich zum Beispiel nach einer Trennung den Mischling Bozer aus dem Tierheim, mit dem sie bei Recherchearbeiten im Wald auf den Förster Daniel trifft, gespielt von Kostja Ullmann.

In Berlin trafen wir Kostja zum Interview und sprachen mit ihm über den Film "Wuff" (Kinostart: 25.10.2018), die Dreharbeiten mit Hunden, Sehnsuchtsorte und Eitelkeit.

Kostja Ullmann: Ich war gar nicht so der Hundetyp

BILD der FRAU: Lieber Kostja, kannst Du kurz die Thematik des Films "Wuff" zusammenfassen?

Kostja Ullmann: Es werden mehrere kleine Geschichten erzählt, dessen Protagonisten zu einer großen Lebenskomödie zusammengeführt werden. Da sind vor allem die Hunde ausschlaggebend, die das Schicksal der einzelnen Personen beeinflussen und in eine sehr entscheidende Richtung leiten.

Der Film macht ja vor allem die Treue der Hunde zum Menschen deutlich – war das auch am Set spürbar?

Auf jeden Fall. Obwohl ich früher zwei Kater hatte, habe ich mich sehr darauf gefreut mit Hunden zu arbeiten. Unser Filmhund Bozer kam frisch aus dem Tierheim und war dementsprechend noch sehr verspielt. Trotz der tollen Vorbereitung durch die Hundetrainerin war ich erstaunt wie schnell er uns allen am Set vertraut und sich auf diese ungewohnte Situation eingelassen hat.

Ich habe schnell bemerkt, dass das eine bedingungslose Liebe ist, die einem da entgegenkommt, die will man dann auch einfach nur noch zurückgeben. Wir waren von Anfang an ein eingespieltes Team.

Wenn du an sich gar kein Hundemensch bist, war es vielleicht ganz gut, dass du nur mit einem Hund gedreht hast? Oder hättest du gern mit mehr Hunden gearbeitet, wie dein Filmkollege Frederick Lau zum Beispiel, dessen Rolle eine Hundepension gründet und somit von sehr, sehr vielen Hunden umgeben ist?

Freddis Rolle wäre nicht meine gewesen (lacht). Das ist schon extrem gewesen mit so vielen Hunden. Keinen Schimmer wie er das geschafft hat… Mit Kindern oder Babys zu drehen oder eben mit Tieren ist immer eine große Herausforderung: Natürlich können die nicht immer alles genauso umsetzen wie es im Drehbuch steht. Und so kommt es dann auch vor, dass man viel improvisiert und spontaner auf den Hund eingeht. Etwas was bei dem Regisseur Buck nichts außergewöhnliches ist. Mir macht solches Arbeiten extrem viel Spaß.

Interessanterweise treten im Film ja nicht nur professionelle Filmhunde auf, sondern auch ehemalige Straßenhunde.

Bozer, mit dem ich ja drehen durfte, kommt aus dem Tierheim. Der kam mit seinen gerade mal sechs Monaten ans Set und hatte zuvor gerade mal ein paar Wochen mit der Tiertrainerin zusammen gearbeitet. Es lief also noch nicht alles ganz so glatt, wie man sich das bei einem richtigen Filmhund vorstellt, aber das war auch überhaupt nicht schlimm. Er war eben wie ein kleiner Streuner, und genau das war ja auch die Rolle – Bozer ist also eigentlich ein Method-Actor (lacht).

Gibt es Anekdoten vom Dreh, die dir im Gedächtnis bleiben werden?

Ich weiß noch, dass ich am ersten Drehtag unfassbar panisch am Set war. Das war auch der Tag, an dem ich, also Förster Daniel, Ella und Bozer zum ersten Mal begegne. Ich treffe ja zuerst auf Bozer, der da im Wald frei rumstreunert, was mir als Förster ja nicht so gut gefällt. Da habe ich mich so reingesteigert, weil ich kurz zuvor Peter Wohllebens Buch "Das geheime Leben der Bäume" gelesen habe, um mich auf die Rolle des Försters vorzubereiten.

Eigentlich wollte ich nur mal reinlesen, aber ich konnte es dann nicht mehr weglegen, weil es so spannend ist und mich so gepackt hat. Wenn man beim lesen des Buches dann erfährt wie Bäume miteinander kommunizieren und sich gegenseitig vor Gefahren schützen geht man schon anders durch den Wald. Plötzlich habe ich im Wald nur noch Leben um mich herum gesehen. Ich hatte plötzlich so einen Respekt vor dem Wald und vor der Natur. Und dann komme ich ans Set, sehe das Filmteam, sehe diesen Hund frei rumlaufen und dachte "Leute, das geht gar nicht, was hier gerade passiert!!!" (lacht).

Und das Team dann bestimmt nur: "Kostja, wir drehen noch nicht!"?

(lacht) Genau, die meinten: "Perfekt, diese Einstellung brauchen wir, bring sie mit in die Szene, mach es aber bitte gleich erst, wenn wir auch drehen."

Natur ist Sehnsuchtsort und Ruhepol für Kostja Ullmann

Das große Thema des Films ist die Beziehung zwischen Hund und Mensch. In den Episoden rund um Ella und Förster Daniel dreht es sich aber auch ganz stark um die Suche nach Naturnähe und den Verlust von Wissen über Natur. Diese Szenen sind ja wie ein Clash von Stadt und Natur, die aber so nah beieinander sind. Wie real ist das für dich persönlich?

Extrem real! Da sehe ich mich komplett drin. Ich lebe in Hamburg, bin damals mal nach Berlin gezogen, aber das war mir direkt zu viel, zu heftig, zu hektisch, zu schnell. Berlin ist eine der pulsierendsten Hauptstädte Europas, die ganze Welt will nach Berlin kommen, weil hier eben so viel passiert. Und ich merke immer, wie schnell mich das stresst. Ich brauche immer einen Rückzugsort.

Ich bin auch ein Stadtkind, will und brauche das auch irgendwie, aber genauso brauche ich immer mal Phasen, wo ich komplett alleine bin um runterzukommen. Und ich glaube, darum geht es ja auch irgendwie in der heutigen Zeit, in der alles so schnell geht, in der du mit deinem Handy immer erreichbar bist, immer auf alles antworten musst – du hast gar nicht mehr die Zeit, zu entschleunigen oder zu dir selbst zu finden.

Das, was die Figur Daniel gesucht hat – raus aus der Stadt, seinem Problem entkommen –, hat ihn am Ende auch konfrontiert: Was heißt es, alleine zu sein? Und das finde ich einen ganz spannenden Aspekt, den dann ja auch die Figur Ella interessant findet.

Bei ihr ist es ja beinah unfreiwillig – in einer Szene sagt sie "Du bist gar nicht mein Typ". Sie wusste vielleicht gar nicht, dass sie jemanden sucht, der der Natur so nahe steht oder mit dem sie der Natur nah sein kann.

Richtig. Ich kriege bei meinen Berliner Freunden mit, dass sich viele ein kleines Kleingartenhäuschen ein bisschen außerhalb holen und dann am Wochenende dorthin fahren. Das ist ja wie ein Hilferuf: Man braucht einfach einen Ort, um runterzukommen. Für mich ist das eben meine Heimat..Hamburg.

Und in Hamburg hast du auch deine Sehnsuchtsorte?

Ja, klar! Ob es die Alster ist, wo man auch seine Ruhe hat, oder am Hafen die Elbe entlang, wo ich den großen Pötten zugucken kann, die da vorbei schippern – das ist für mich das Allergrößte. Dann sitze ich einfach entspannt da, lerne meinen Text oder komme einfach so runter.

Hast du einen Favoriten: episodische Filme mit mehreren Handungssträngen und Protagonisten oder klassische Filme mit einer Haupterzählung?

Eine Präferenz nicht. Wenn es gut gemacht ist, ist mir beides recht. Ich finde "Wuff" kriegt dieses Spagat sehr gut hin, dass einerseits viele Geschichten erzählt werden, man aber immer das Gefühl hat "Die Geschichte interessiert mich so sehr, da will ich jetzt auch noch dran bleiben". Und wenn es dann weitergeht, muss die neue Geschichte genauso spannend sein, dass man eben auch da gern dran bleiben will. Deshalb werden ja auch Serien immer populärer mittlerweile. Da werden so viele Handlungsstränge parallel erzählt, mit eben so vielen Hauptfiguren und an jeder will man irgendwie dranbleiben.

Kostja Ullmann: "Ich bin ein Hamburger Understatement"

Antje Wessel von filmstarts schreibt, dass die Rolle des Förster Daniel "angenehm uneitel" ist...

Schön, das freut mich zu hören – also nehmen wir es mal als Kompliment (lacht) –, das ist ja auch ein Förster, der sollte nicht zu eitel sein, indem was er macht. Ich habe mich damit auseinandergesetzt, was es heißt Förster zu sein … Da hat Eitelkeit nicht viel zu suchen. Was das Äußerliche angeht, war ganz schnell klar, dass wir nicht viel Make-up machen würden, das braucht auch der moderne Förster nicht – der kann ruhig dicke Augenränder haben, die ich morgens dann auch mitgebracht habe. Ich hatte eine sehr kurze Maskenzeit, was ich liebe (lacht).

Und jetzt nach dem Dreh – bist du zum Hundemenschen geworden? Willst dir vielleicht auch einen Hund zu legen und an der Elbe Gassi gehen?

Ich hätte große Lust! Aber als Schauspieler ist es schon echt schwierig, das geregelt zu bekommen, weil man einfach so viel unterwegs ist. Bei Dreharbeiten wäre es total schwierig. Da müsste man schon so einen Taschenhund haben, den ich als Handgepäck im Flieger mitnehmen kann (lacht). Aber das will ich einem Hund auch nicht antun, dieses ganze Rumgereise. Das strapaziert einen selbst schon so sehr…

Und dein Lieblingsschauspielkollege – Mensch oder Hund?

Beide sind auf Dauer anstrengend (lacht).

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Das hatte Kostja Ullmanns Schauspielkollegin Maite Kelly vor dem Drehstart des Films über ihre Kinorolle zu sagen.

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