06.10.2018

Schauspielerin im Interview Jenny Elvers: Ich gerate nicht mehr in Versuchung

Gerade hat Jenny Elvers ihre Autobiografie herausgebracht. Im Interview mit BILD der FRAU redet sie ganz offen über die Alkoholsucht, die hinter ihr liegt, ihr neues Leben danach, ihren Sohn und die Liebe.

Foto: imago/Sven Simon

Gerade hat Jenny Elvers ihre Autobiografie herausgebracht. Im Interview mit BILD der FRAU redet sie ganz offen über die Alkoholsucht, die hinter ihr liegt, ihr neues Leben danach, ihren Sohn und die Liebe.

Jenny Elvers hat einiges hinter sich: Die 46-jährige war alkoholkrank, hat aber den Absprung geschafft. Wie schwer die Zeit war, erzählt die Schauspielerin jetzt in ihrer Autobiografie – und im Interview mit BILD der FRAU.

Jenny Elvers und der Alkohol: 2012 stürzte die Schauspielerin ab, machte einen Entzug und ist seitdem trocken. Über die schlimme Zeit als alkoholkranker Mensch berichtet die 46-Jährige jetzt sehr schonungslos in ihrer neuen Autobiografie. Mit BILD der FRAU hat Jenny Elvers im Interview über ihr Buch und ihre alkoholkranke Zeit, die Bewältigung und ihr heutiges Leben gesprochen.

Interview mit Jenny Elvers über ihre Autobiografie, Alkohol & den Alltag

Bild der Frau: Warum haben Sie jetzt dieses Buch geschrieben? Ist das auch eine Form der Verarbeitung?

Jenny Elvers: Eine Biographie ist natürlich die Beschäftigung mit der Vergangenheit. Ich wurde schon sehr früh, nachdem meine Krankheit bekannt wurde, gefragt, ob ich darüber ein Buch schreiben möchte. Ich habe mir dann aber Zeit gelassen, weil das Gesundwerden ein langer Prozess war und erstmal an erster Stelle stand. Jetzt bin ich seit sechs Jahren trocken und jetzt war es an der Zeit und hat gepasst.

Dabei standen Sie doch auf der Sonnenseite des Lebens…

Das ist manchmal nur eine Fassade und innendrin sieht es ganz anders aus. Das Leben sah aus wie im Bilderbuch, aber meine Seele schmerzte.

Zu wenige machen sich Gedanken darüber, dass Alkohol auch eine Droge ist

Ein Glas Wein am Abend ist heute schon für viele Menschen normal. Wann hatten Sie die Grenze überschritten?

Alkohol gibt es überall und ist gesellschaftlich anerkannt. Kaum einer macht sich Gedanken darüber, dass Alkohol durchaus auch eine Droge ist. Bei mir war es nur so, dass es irgendwann kein Genusstrinken und auch kein Trinken in Gesellschaft mehr war, sondern ich gezielt auf Wirkung getrunken habe. Fatal war bei mir, dass ich sehr schnell körperlich abhängig war. Der Kopf registrierte natürlich, dass es nicht richtig war, was ich tat. Aber der Körper sagte was ganz anderes. Ich bin sehenden Auges mit Vollgas vor die Wand gefahren.

Sie sagen, ein Suchtmensch bleibt ein Suchtmensch. Was ist heute an die Stelle des Alkohols getreten?

Nichts. Ich habe aber komplett die alten Strukturen meines Alltags aufgebrochen. Mein Leben habe ich einmal auf den Kopf gestellt und neu sortiert. Und ich habe viele Automatismen verändert.

Zum Beispiel?

Früher saß ich in der Maske vor dem Roten Teppich mit einem Glas Champagner in der Hand. Das war für mich miteinander verknüpft. Das musste ich erst begreifen, um es nicht mehr zu tun.

Die Natur hat geholfen, wieder gesund zu werden

Was hat Ihnen denn bei der Bewältigung noch geholfen?

Ich bin viel gereist, war oft in der Natur, habe Kühe angeschaut und sinnbildlich Bäume umarmt. Ich liebe es, Fahrrad zu fahren. Die Natur hat mir beim Gesunden geholfen.

Vermissen Sie manchmal das alte Partyleben, das Blitzlichtgewitter und den Roten Teppich?

Es ist ja nicht mein Beruf, auf den Roten Teppich zu gehen. Ich gehe heute nur noch zu Veranstaltungen, zu denen ich gerne gehen möchte. Aber das hat nichts mehr mit Alkohol zu tun.

Den Geruch von Alkohol erträgt Jenny Elvers nicht mehr

Ist heute die Gesundheit wichtiger als das Liebesglück?

Unbedingt. Ich lebe sehr viel bewusster und beschäftige mich intensiv mit gesunder Ernährung und koche sehr gerne. Ich bin Vegetarierin und achte sehr bewusst darauf, was ich esse. Und ich bin sehr viel draußen in der Natur in der Lüneburger Heide.

Geraten Sie denn nie in Versuchung?

Nein. Ich kann auch den Geruch von Alkohol nicht mehr ertragen. Wenn man weiß, was einen fast umgebracht hat, lässt man einfach die Finger davon.

Mit Schweißausbrüchen kroch Jenny Elvers zur Flasche: So schlimm stand es um die Schauspielerin.

Und was macht die Liebe? Sie sind ja Single?

Das fühlt sich tatsächlich sehr neu an. Aber auch sehr gut. Ich sage nur quer liegen im Bett (lacht). Ich habe ja immer sehr schnell und sehr lange in Beziehungen gelebt. Jetzt bin ich gerade sehr zufrieden als Single und als alleinerziehende Mutter. Ich habe ja einen wundervollen Sohn an meiner Seite. Wir leben ein schönes Miteinander. Er erdet mich sehr. Einen Mann vermisse ich im Moment nicht.

Einen Entzug muss man für sich machen, nicht für andere

Ihr Sohn ist jetzt 17. Machen Sie sich Sorgen, wenn er auf Partys geht?

Ich gehe offen mit meinem Sohn mit dieser Thematik um. Er weiß also um die Gefahren von Alkohol. Aber er macht sehr viel Sport und hat keinen Hang zu Exzessen. Als Mutter macht man sich allerdings immer Sorgen um sein Kind, egal ob es auf einer Klassenfahrt oder auf einer Party ist.

Wie schätzen Sie den Fall Jan Ullrich ein?

Er war nur zwei Wochen in der Klinik. Das ist die reine Entgiftung, hat aber nichts mit einer wirklich seelischen Therapie zu tun. Ich schaue mir das sehr besorgt an. Man kann nicht so weitermachen wie vorher. Das wird nicht gutgehen. Man darf auch keinen Entzug für jemand anders machen. Man muss es für sich selbst machen. Man muss es wirklich wollen.

Wie sieht für Sie ein glücklicher Tag aus?

Mich macht es glücklich, wenn die Sonne scheint, wenn ich draußen sein darf, wenn ich Freunde treffe. Und wenn auf einer Party andere trinken, dann gehe ich tanzen. Ich bin glücklicher als vor sechs Jahren. Und das zählt.

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Jenny Elvers' Sohn Paul hat immer zu seiner Mutter gehalten und sie unterstützt. Was er selbst zum Thema Alkohol sagt, und wie wichtig ihm seine Eltern sind.

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