12.09.2018

1. Auftritt nach Unfall Kristina Vogel: „Ich will wieder ins Leben zurück“

Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel verletzte sich bei einem Unfall auf der Trainingsstrecke so schwer, dass sie seitdem querschnittsgelähmt ist. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt zeigte sie, was für eine Kämpferin sie ist.

Foto: imago/Matthias Koch

Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel verletzte sich bei einem Unfall auf der Trainingsstrecke so schwer, dass sie seitdem querschnittsgelähmt ist. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt zeigte sie, was für eine Kämpferin sie ist.

Nach einem Unfall ist Olympiasiegerin Kristina Vogel querschnittsgelähmt. Bei ihrem 1. öffentlichen Auftritt beeindruckte sie mit ihrer Stärke.

Dieser Auftritt rührte zu Tränen – und macht gleichzeitig unglaublich viel Mut. Die zweifache Olympiasiegerin Kristina Vogel hat sich nach ihrem eindrucksvollen Spiegel-Interview erstmals ausführlich zu ihrem Unfall und der folgenschweren Querschnittslähmung geäußert.

Im Unfall-Krankenhaus Berlin-Marzahn stellte sich Vogel am Mittwoch gemeinsam mit ihren Ärzten den Fragen der Journalisten. Und sie macht klar, dass sie sich nicht unterkriegen lässt. "Ich will wieder ins Leben zurück, das ist ganz wichtig", so Vogel kämpferisch. Illusionen macht sich die 27-Jährige aber nicht: "Ich werde in meinem Leben nicht mehr selbstständig laufen können."

Kristina Vogel kollidierte beim Training mit einem Radfahrer

Die Erfurterin ist tough, eine wahre Kämpferin. Eine Kämpferin auf vielen Ebenen. 2012 in London und 2016 in Rio wurde sie Olympiasiegerin, eine deutsche Sportheldin. Jetzt geht ihr Kampf weiter, aber auf einer Ebene, die viel essenzieller ist als die sportliche. Es geht nicht mehr um den Kampf "um eine Olympia-Medaille, sondern um den Kampf zurück ins Leben."

Was war passiert? Im Juni trainierte Vogel auf einer Bahn in Cottbus. Dabei kollidierte sie mit einem niederländischen Juniorenfahrer, der unmittelbar auf ihre Bahn gefahren ist. Schon kurz nach dem Unfall sei ihr bewusst gewesen, dass sie querschnittsgelähmt ist.

"Ich fühle mich wie ein Baby, das alles neu lernen muss"

Die Leistungssportlerin brach sich mehrere Wirbel, ihr Rückenmark wurde stark beschädigt. Sie lag lange im künstlichen Koma, wurde mehrfach operiert. Seitdem ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. "Ich fühle mich wie ein Baby, das alles neu lernen muss", sagte Vogel sichtlich bewegt.

Mehrfach ist sie den Tränen nah, vor allem, als sie über ihre Familie und ihren Lebenspartner Michael spricht. "Er hat im Stuhl neben mir geschlafen", schildert Vogel die Zeit im Krankenhaus. "Meine Familie hat mich anfangs so gut wie nie allein gelassen, meine Hand gehalten."

Schon 2009 hatte Vogel einen schweren Unfall

Aus ihrer Familie zieht sie ihre ganze Kraft. Vor allem von ihrer Mutter habe sie das Kämpferherz. Das half ihr schon einmal durch schwierige Zeiten. 2009 kollidierte sie beim Straßentraining mit einem Auto. Dabei brach sie sich einen Brustwirbel und die Handwurzelknochen. Ihr Gesicht wurde beim Aufprall auf die Autoscheibe zerschnitten, sie verlor mehrere Zähne.

Der zweite schwere Unfall innerhalb von nicht einmal zehn Jahren. Warum es ausgerechnet sie getroffen hat? Über diese Frage macht sich Kristina Vogel keine Gedanken. "Nein", sagte Vogel. "Davon bin ich völlig frei. Man muss Situationen so akzeptieren, wie sie sind." Sie hat ihr Schicksal angenommen, und das nur nach wenigen Wochen der Rehabilitation. "Tränen, auf die Schulter klopfen... das bringt nichts. Es ist, wie es ist. Ich bin keine Maschine. Aber klar gab es Momente, in denen ich geweint habe."

Neues Haus soll behindertengerecht umgebaut werden

Kurz nach dem Unfall schon rief ihr Verein die Spendenaktion #staystrongkristina ins Leben. Dabei kamen über 120.000 Euro zusammen. Vogel ist über die Bundespolizei abgesichert. Eine Sport-Versicherung zahlt ihr zusätzlich 150.000 Euro aus. Geld, das sie gut gebrauchen kann. Damit möchte Sie vor allem das erst kürzlich fertiggestellte gemeinsame Haus in Erfurt behindertengerecht ausbauen.

Schon kommendes Wochenende darf Vogel erstmals wieder nach Hause. "Ich freue mich unheimlich, nach drei Monaten wieder im eigenen Bett zu liegen und selber zu kochen", sagte sie. "Mal wieder mit meinem Lebensgefährten alleine zu sein, mit meiner Familie."

Olympiasiegerin macht schon wieder Sport im Rollstuhl

Und sie schmiedet Pläne. Trotz der kurzen Zeit nach den Operationen lernt sie jetzt schon das richtige Fahren mit dem Rollstuhl. "Ich habe jetzt viel Metall im Körper, darf aber nun wieder richtig Sport machen". Dabei hat sie es gleich etwas übertrieben, weil sie schnell die Hindernisse überwinden wollte. "Ich bin gleich mal rausgefallen", lacht Vogel.

Noch weiß sie nicht genau, wie ihre Zukunftspläne aussehen, ob zum Beispiel eine Teilnahme bei den Paralympics, den olympischen Wettkämpfen der Behindertensportler, mal ein Thema wird. Und auch sonst geht Vogel ihr neues Leben mit der nötigen Ruhe an. "Natürlich gibt es viele coole Sachen, die man machen kann. Zum Beispiel Rollstuhl mit Raketen-Antrieb oder Exoskelette. Mal gucken, was die Zukunft bringt."

Eine starke Frau, die für jeden ein großes Vorbild ist. Wir wünschen Kristina Vogel auf ihrem weiteren Weg alles erdenklich Gute.

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