09.09.2019 - 13:51

Das Leben eines besonderen Menschen Heute vor genau einem Jahr sprang Daniel Küblböck (33) ins Meer

Von

Daniel Küblböck ist seit einem Jahr verschollen, nachdem er mit 33 Jahren von der Reling eines Kreuzfahrtschiffes sprang.

Foto: imago/Future Image

Daniel Küblböck ist seit einem Jahr verschollen, nachdem er mit 33 Jahren von der Reling eines Kreuzfahrtschiffes sprang.

Die Nachricht erschütterte am 9. September 2018 Fans in aller Welt. Daniel Küblböck sprang vom Kreuzfahrtschiff ins offene Meer. Bis heute fehlt von ihm jede Spur.

Daniel Küblböck war der "bunte Vogel" der 1. Staffel von "Deutschland sucht den Superstar", ein begnadeter Sänger und zuletzt als Theaterschauspieler aktiv. Am Morgen des 9. September 2018 um 5 Uhr Ortszeit soll er vor der Ostküste Kanadas von Bord des Kreuzfahrtschiffs AIDAluna gesprungen sein. Die Rettungsteams hatten tagelang nach ihm im 10 Grad kalten Wasser gesucht. Dennoch konnte der Entertainer bis heute weder tot noch lebendig gefunden werden.

Ein Video der Überwachungskamera des Schiffs wurde gesichtet. Oberstaatsanwalt Walter Feiler sagte der BILD: "Auf dem Video ist eine Person von hinten zu sehen, die sich zunächst auf dem Oberdeck befindet und Richtung hinteren Bereich des Schiffes geht. Durch die Kamera ist zu erkennen, dass jemand auf die Reling steigt und springt. Es ist nicht zu erkennen, welche Person das ist. Die Person geht zielstrebig und es sind keine weiteren Personen zu sehen. Die Tageszeit ist fünf Uhr in der Früh."

Das Fazit ist demnach ein Suizid. Das Rätsel um seine Beweggründe aber nahm der junge Schauspieler wohl mit ins Grab. Seit einem Jahr ist Daniel Küblböck verschollen.

Daniel Küblböcks Drama: Wie alles begann

Traumatische Erlebnisse prägten Küblböcks Kindheit: Seine Eltern ließen sich früh scheiden, 15 Umzüge, die Trennung von seinem Vater und seiner Großmutter, ständig wechselnde Partner seiner Mutter, vor allem aber ihre Handgreiflichkeiten, ihr Alkoholkonsum und psychische Angriffe hätten ihm den Schlaf geraubt. Aus seiner Biografie ("Ich lebe meine Töne", 2003): "Ich springe auf mein Bett. Ich will ihr ausweichen, aber wohin? Sie legt die Finger um meinen Hals. Beginnt mich zu schütteln und zu würgen. Mama schreit: Du bist nicht mein Kind! Du sollst nicht mein Kind sein!" Auch "Du bist nichts und du wirst auch nichts werden", soll sie ihm damals gesagt haben.

Der Künstler wurde nur 33 Jahre alt. Sein Leben war bunt und aufregend wie das eines Paradiesvogels. Als sehr junger Künstler startete er im Fernsehen als der schrille Sänger bei DSDS. So aufregend sein Start, so bewegt war sein kurzes Leben. Ein ungewöhnliches Leben mit vielen Hochs und Tiefs.

Am 27. August 1985 in Hutthurm bei Passau (Bayern) geboren, absolvierte Küblböck nach dem Hauptschulabschluss 2001 eine Ausbildung zum Kinderpfleger. Das erste Mal ins Rampenlicht begibt sich der junge Mann mit deutschen und italienischen Vorfahren, indem er an der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" teilnimmt.

Sein Auftreten sorgt für viel Wirbel und Aufmerksamkeit. Während ein Teil der Zuschauer seine stets etwas überdrehte und sensible Art mag, wird der Künstler von anderen angefeindet. Im DSDS-Finale wird er schließlich Dritter – und das mit gerade einmal 17 Jahren! Daniel Küblböck startet durch und seine Solo-Karriere nimmt Fahrt auf. Mit seinen Hits landet er in den Charts (u. a. "You Drive Me Crazy"), sichert sich Werbeverträge und ist ein Jahr lang beliebter Dauergast in verschiedenen TV-Sendungen. 2004 folgt die Teilnahme an der ersten Staffel der RTL-Dschungelshow "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!"

Der Autounfall und seine Folgen

Schwerer Schicksalsschlag im Februar 2004: Der Sänger fährt ohne Führerschein und rast in einen mit Gurkengläsern beladenen Lastwagen. Küblböck wird schwer verletzt und im Nachgang zu einer Geldstrafe von 25.000 Euro verurteilt. Noch im selben Jahr folgt der Imagewechsel: Eine Ohren-OP und die Trennung von seiner optisch schrillen Phase sind die Folge: Er kleidet sich fortan ausschließlich in Schwarz. Seine Musik wird düsterer und seiner Konzert-Tour gibt er den Titel "Ich hasse mich".

Daniel Küblböck als erfolgreicher Unternehmer

Er versucht sich als Jungunternehmer, gründet 2005 die Firma "Positive Energie GmbH" und investiert in eine Solaranlage bei Passau. Und das offensichtlich erfolgreich, denn nach eigenen Angaben macht ihn das in kurzer Zeit zum Millionär. 2007 dann der Versuch eines musikalischen Neuanfangs als Jazz- und Chanson-Sänger. Er gibt aber nur noch wenige Konzerte und lebt hauptsächlich als Privatier auf Mallorca. 2012 wird Küblböck von der Immobilien-Millionärin Kerstin Elisabeth Kaiser (75) adoptiert, wird von ihr als Allein-Erbe eingesetzt und sie zu seiner wichtigsten Bezugsperson.

Der Tod des Bruders: Der Anfang vom Ende?

Wieder ein privater Schicksalsschlag: 2013 stirbt Küblböcks Bruder Michael an Drogenmissbrauch. Er wird nur 28 Jahre alt. Auch beruflich geht es für Küblböck bergab: Seine Firma "Positive Energie GmbH" wird im Handelsregister gelöscht und er versucht erfolglos, noch einmal als Sänger durchzustarten. Seine Bewerbung für den "Eurovision Song Contest" 2014 wird abgelehnt. Als Gast der Show "Let’s Dance" wird er am Ende Sechster.

Schauspielstudium in Berlin: Der Wunsch zum Neuanfang?

Im selben Jahr wagt der Sänger einen kompletten Neuanfang und zieht nach Berlin. Dort beginnt er im September 2015 ein Schauspielstudium am "Europäischen Theaterinstitut" (ETI). Im Monat seines wahrscheinlichen Todes sollte der sympathische Küblböck eigentlich seinen Abschluss als Diplom-Schauspieler machen. Dazu kam es nie. Statt dessen Mobbing-Vorwürfe: Laut "Bild" hat er Anfang August 2018 in einem Facebook-Posting schwere Vorwürfe gegen seine Mitschüler und die Leiter der Schule erhoben: "Dieses monatelange Mobben an meiner Schule in meiner Klasse hat mich doch zutiefst in meiner Seele erschüttert."

Trotzdem hat er sich akribisch auf das Abschlussstück der Schauspielschule - Szenen aus "Unschuld" und "Das Leben auf der Praça Roosevelt" - vorbereitet. Daniel sollte den alternden Transvestiten Aurora spielen, der sich stets nach der großen Bühne sehnt - und am Ende doch nur für seine beste Freundin singt. Doch schließlich wurden er und seine Rolle unter nicht näher geklärten Umständen gestrichen.

"Akute Episode einer schizophrenen Psychose"

Zu diesem Zeitpunkt litt er nach Informationen des "Spiegel" an Panikattacken und Angstzuständen. Am 16. August 2018 habe ihn ein Neurologe in Palma de Mallorca untersucht und eine "wahrscheinlich akute Episode einer schizophrenen Psychose" diagnostiziert. Am 29. August, dem Tag seiner Abreise auf der "Aida Luna", soll er eine Facebook-Nachricht an Robert Mau, den musikalischen Leiter der Schauspielschule in Berlin, geschickt haben: "Ich gehe bald in Therapie, weil ich mich in meinem männlichen Körper nicht mehr wohl fühle und meine Rolle als Aurora mir gezeigt hat, wie gerne ich eine Frau wäre... Es hat mir die Tür zu meinem Ich geöffnet, und ich kann jetzt endlich diesen Weg wagen, der sehr hart und schmerzvoll sein wird."

Eine Nacht verändert alles

Sein Vater Günther Küblböck wird später erklären, dass er von den psychischen Problemen seines Sohnes wusste und versucht hatte, die Schiffsreise unbedingt zu verhindern. "Durch die schwierige Gesetzeslage in Deutschland war es jedoch nicht möglich, ihm die gebuchte Reise zu verwehren. Ich hatte daher schon im Vorfeld die Verantwortlichen gebeten, ein besonderes Auge auf Daniel zu haben."

Sein Sohn bewegte sich auffällig an Bord der "Aida Luna". Er trug oft Frauenkleider, trank zu viel und soll dann in seiner Kabine randaliert haben. Auch in der Nacht zum 9. September 2018. Da verließ er eine Schiffsbar weit nach Mitternacht. Drei Stunden später kam er an die Rezeption. Er hatte eine Flasche zerschlagen, sich dabei geschnitten und wollte ins Schiffshospital. "Als man ihm erklärte, dass dieses geschlossen sei, wurde er wütend. Er löste dreimal Alarm aus, stieg am Außendeck 5 auf eine Reling und sprang gegen fünf Uhr morgens in die Labradorsee", berichtete der "Spiegel".

Vergebliche Suche in eiskalter See

80 Stunden lang suchten vier Schiffe und zwei Flugzeuge eine Fläche von 1227 Quadrat-Seemeilen vergeblich ab. Bei einem Sprung in das zehn Grad kalte Meer, das in diesem Bereich weit über tausend Meter tief ist, kann es zu einem Kälteschock und sofortiger Bewusstlosigkeit kommen. Wird dann beim Eintauchen noch Wasser eingeatmet, so führt das in weniger als zwei Minuten zum Tod. Dennoch gilt Daniel Küblböck offiziell als "verschollen". Günther Küblböck schreibt auf der immer noch existierenden Website von Daniel Kaiser-Küblböck: "Weder ich als sein Vater noch sonst jemand aus der Familie möchte Daniel jemals für 'tot' erklären lassen." Man denke über "eine Gedenkstätte in Daniels Heimat" nach.

"Ich hoffe, es geht dir gut"

Das traurige Schicksal dieses jungen Mannes ist für viele Küblböck-Fans, unter ihnen viele Frauen höheren Alters, zu einem Mythos geworden. Auf Instagram schreiben sie ihrem Idol regelmäßig und gratulieren ihm zum Geburtstag (27. August). "Irgendwann kommst du wieder", ist da zu lesen, "ich hoffe, es geht dir gut, wo auch immer du jetzt bist" und "Ich glaube immer noch, dass du irgendwann zurückkehrst".

"Der ist nicht tot. Der wird sich abgesetzt haben. Wieso sollte er sich umbringen? Auf gar keinen Fall!", sagt Daniels Stiefvater Herbert Lenz in einer Video-Doku von "Bild.de". Er glaubt: "Eines Tages erscheint er wieder, das ist so." Und Daniels ehemaliger Lebensgefährte Robin Gasser (23) artikuliert sein Bauchgefühl, das ihm sage: Daniel lebt in Kanada, weil so viele Menschen, die ein neues Leben anfangen wollen, nach Kanada gehen. "Vielleicht sitzt er vor einer kanadischen Hütte mit seiner Omi." Die sei nämlich auch spurlos verschwunden. Omi - das ist Elisabeth Kaiser (76), die Adoptivmutter von Daniel Küblböck. Daniels Vater sagte noch im Mai, er habe regelmäßigen Kontakt mit ihr. Es ist ganz einfach, doch von einigen Küblböck-Anhängern, die sich "Faniels" nennen, so schwer zu begreifen: Omi will einfach nur ihre Ruhe.

Was bleibt: Eine starke Botschaft an die Welt

Daniel Küblböck lebt für immer in den Herzen seiner Fans. Warm, sensibel, talentiert, ein ganz besonderer Mensch. Ein schriller Charakter nach außen, eine melancholische, hochsensible Person nach innen. Was immer ihn in den Freitod getrieben hat: Seine Verwandten, seine Freund und Fans werden ihn so in Erinnerung behalten, wie er war.

Ein warmherziger Mensch, einer, der andere zum Lachen brachte. Ein Mensch eben – mit seinen Höhen und Tiefen, seinen Freuden und seiner Trauer. Warum Daniel Küblböck ins Meer sprang, warum er am Ende am Leben verzweifelt ist, werden wir nie erfahren. Vielleicht sollte uns dieses dramatische Ereignis aber die Augen öffnen: für mehr Anteilnahme an den Menschen, die uns umgeben, für mehr Sensibiliät im Umgang mit ihnen.

Daniel Küblböck sprang vor einem Jahr ins Meer. Hier lesen Sie, wie es zu diesem Unglück kam: Daniel Küblböck wird auf hoher See vermisst: Ex-DSDS-Star soll von Bord gesprungen sein. Eine Tragödie: Jedes Jahr verschwinden mehr als 20 Menschen von Kreuzfahrtschiffen.

BILD der FRAU berichtet in der Regel nicht über den Verdacht auf Selbstmord-Absichten, um solche schlimmen Fälle Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung sehen wir nur als erforderlich an, wenn eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit vorliegt. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer schweren Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge unter der Nummer: 08 00/ 11 10 - 111 (Deutschland), 142 (Österreich), 143 (Schweiz).

Sie kennen jemanden, der unter Depressionen leidet? Auf unserer Themenseite Depression finden Sie Hilfe!

Halloween alles rund um das Gruselfest

Halloween alles rund um das Gruselfest

Beschreibung anzeigen
Eine Marke der FUNKE Mediengruppe