27.08.2018 - 12:55

Nachruf auf TV-Urgestein Dieter Thomas Heck: „Mit dem Kopf unter dem Arm weitergearbeitet“

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So kennen wir ihn noch: Dieter Thomas Heck im Jahr 2007 bei der letzten "Melodien für Millionen" im ZDF. Nun ist das TV-Urgestein im Alter von 80 Jahren verstorben.

Foto: imago/Bild13

So kennen wir ihn noch: Dieter Thomas Heck im Jahr 2007 bei der letzten "Melodien für Millionen" im ZDF. Nun ist das TV-Urgestein im Alter von 80 Jahren verstorben.

Er war einer der ganz Großen der deutschen TV- und Radiogeschichte. Gerade das ZDF hat ihm viel zu verdanken. Jetzt ist Dieter Thomas Heck tot.

Eines der letzten Showmaster-Urgesteine ist tot: Dieter Thomas Heck ist am 23. August 2018 im Alter von 80 Jahren verstorben. Und mit ihm geht ein großes Stück deutscher TV- und Radiogeschichte.

Dieter Thomas Heck: Vom Autoverkäufer zum Schnellsprecher

Carl-Dieter Heckscher – unter diesem Namen war Dieter-Thomas Heck am 29. Dezember 1937 in Flensburg zur Welt gekommen. 20 Jahre später gelang sein Einstieg ins Showgeschäft – nach einer Ausbildung zum Autoverkäufer. Und nach einer Kindheit mit Sprachstörung. Hätten Sie’s gewusst? Nach einer Gesangsausbildung konnte Dieter Thomas Heck sein Stottern ablegen – und legte damit den Grundstein für seinen Spitznamen "Schnellsprecher".

Über eine Talentsuche im Radio wurde er zum Schlagersänger. Dieter Heck – so trat er damals auf. Es folgte eine Radiokarriere, Jahre darauf die ZDF-Hitparade.

"Guten Abend, hier ist Berlin…"

Die Kult-Show hat ihn geprägt. Bis 1984 erreichte die deutschen Wohnzimmer jeden Samstag seine Ansage: "Guten Abend, hier ist Berlin!" Sogar Schlagerkollegen aus der DDR schaffte er in seine Show im Westen der Hauptstadt zu holen.

Es folgten viele weitere Shows beim ZDF – das ihn anfangs erst gar nicht haben wollte. Bis zu seinem Rückzug aus dem Showgeschäft im Jahre 2007 sowie bei Ausnahmen darüber hinaus aber konnte Dieter Thomas Heck Millionen Zuschauer begeistern – und bescherte seinem Heimsender damit jede Menge Top-Quoten. Den Schlager immer auf seiner Seite, präsentierte er unter anderem bis 2007 die "Melodien für Millionen". In all den Jahren erlangten viele, viele Schlagerkünstler über seine Shows Berühmtheit. Er brachte sie alle zusammen und bleibt damit fest in der Erinnerung seiner Zuschauer. Im Jahr 2017 hatte – einer seiner letzten öffentlichen Auftritte.

2014 sendete das ZDF einen Beitrag zum 45. Geburtstag der ZDF Hitparade:

hallo Deutschland retro: 45 Jahre ZDF-Hitparade

Trotz starkem Lampenfieber: Immer Vollgas gegeben

Unvergessen bleibt Dieter Thomas Heck damit auch unter seinen Kollegen. Bernhard Brink (66) erinnert sich gegenüber "BILD" an seinen Kollegen und Freund. Die beiden waren unter anderem zusammen auf Tournee, er habe in der Zeit viel von ihm gelernt. "Er hat sogar noch mit dem Kopf unter dem Arm seinen Job gemacht", beschreibt er Heck. Denn der habe – trotz seiner langjährigen Showerfahrung – zeitlebens an starkem Lampenfieber gelitten, wie er selbst einmal in einem Interview gestanden hatte. "Vorm Auftritt trank er zwei Doppelkorn. Das war wie ein Ritual", erzählt Brinkmann.

Doch die Gesundheit litt…

Die Gesundheit gekostet haben ihm letztendlich aber die Zigaretten. Heck war jahrelang starker Raucher. 44 Jahre lang soll er täglich 60 Zigaretten geraucht haben, vor rund elf Jahren habe er zwar aufgehört. "Aber an den Spätfolgen kann man dann auch nichts mehr ändern", erzählt Brink der "BILD".

Und die Spätfolgen, das waren eben Sauerstoffgerät, mehrere Lungenentzündungen, Herz-OP, Diabetes und zuletzt ein Luftröhrenschnitt gefolgt von einem monatelangen Aufenthalt in einer Spezial-Lungenklinik. Seine Frau Ragnhild (73), die er liebevoll "Hildchen" nannte, stand ihm dabei zur Seite.

Letzte Ehre: Rahmen der Beerdigung noch nicht bekannt

Sie wird jetzt von Hecks drei Kindern umsorgt, die Familie traf sich in Berlin. Die Tochter, Saskia Fee Isabel, stammt aus der Ehe mit Ragnhild, die beiden Söhne Rolf-Nils und Thomas-Kim aus der ersten Ehe mit Edda Heckscher.

Wer bisher fehlt, ist aber sein Bruder Peter-Michael Heckscher. Mit ihm hatte der Showmaster und Moderator laut "BILD" seit einigen Jahren keinen Kontakt mehr. Daher sei er auch nicht von Hecks Frau über dessen Tod informiert worden. Er selbst befindet sich gerade aufgrund einer Krebserkrankung im Krankenhaus, er sei sehr traurig über den Tod seines Bruders – trotz Funkstille. Und auch er gibt dem Glimmstängel die Schuld: "Hätte Dieter doch bloß früher mit dem Rauchen aufgehört. Dann würde er jetzt vielleicht noch leben", sagte er gegenüber "BILD".

Wie die Beerdigung aussehen soll, weiß die Familie noch nicht. Man sei sich noch unschlüssig, ob es eine große Trauerfeier geben wird oder ob man Dieter Thomas Heck einen Abschied im engsten Familienkreis bereitet.

Derweil üben Fans Kritik am ZDF...

Im ZDF hatte man den langjährigen Kollegen am Freitagabend mit einer Sondersendung gewürdigt – allerdings nicht ganz zur Zufriedenheit der Fans. Zu kurz sei die Sendung gewesen, lediglich ein fünfzehnminütiger Zusammenschnitt an alten Szenen. Und zu spät – nämlich erst nachts. Einiges an Gegenwind musste sich der Sender über die sozialen Medien gefallen lassen:

  • Hätte von Euch ZDF mehr erwartet zum Tod von Dieter Thomas Heck. Mr. Hitparade hat ja für hohe Zuschauerquoten gesorgt. Auch als Schauspieler war er sehr gut wie z.B. in Praxis Bülowbogen.
  • Liebes ZDF, schade, dass ihr gestern Abend oder am Wochenende keine komplette Programmänderung nach dem Fußballspiel [gesendet habt]. Diese Sondersendung war leider sehr kurz zum Tod von Dieter Thomas Heck. Finde die andere Dokumentation hätte ein paar Tage später gesendet werden können. Jeder hätte es verstanden. Dieter Thomas Heck war ein außergewöhnlicher Mensch, der auf dem Teppich geblieben ist, kein Möchtegernstar wie viele es sind. So viele schöne unterschiedliche Sendungen mit ihm gesehen und das immer wieder gerne.
  • Die gleichen 15 Min. und die Kultnacht, heute ab 0:30 Uhr, heißt also das ZDF ist nicht mal in der Lage etwas in der Primetime über Dieter Thomas Heck zu bringen.
  • "Hier ist Berlin!" Und wo ist das ZDF?? Nicht ganz da, wie es scheint. Es wäre das Mindeste, heute eine Hitparade zu senden.

Wer die kurze Sendung doch noch einmal sehen will, findet sie in der ZDF-Mediathek.

Klar ist aber nicht nur beim Lesen der Kommentare: Die Welt hat nach Dieter Thomas Hecks Tod eine Legende weniger. Aber sicher ist auch: Nicht nur der Schlager-Welt wird er fehlen – sie aber sicher noch weiter prägen.

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