23.07.2018 - 13:34

Rotkäppchen Nacht der Chöre So macht Chorgesang gesund und glücklich

Von Nirmalarajah Asokan

Revolverheld Nacht der Chöre

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Singen im Chor ist gesund und hebt die Stimmung. Das bestätigt uns Chorexperte Dieter Falk, der mit der Band Revolverheld Deutschlands beste Sänger bei der "Rotkäppchen Nacht der Chöre" sucht.

Dieter Falk (58) ist Musikproduzent, Komponist, Musikprofessor an der Hochschule und ein unerschütterlicher Fan des Chorgesangs. Jetzt sucht der Chorexperte zusammen mit der Band Revolverheld nach Deutschlands besten Chören - im Rahmen der "Rotkäppchen Nacht der Chöre"-Initiative von Rotkäppchen. bildderfrau.de haben mit Dieter Falk darüber gesprochen, warum Singen gesund ist, wie Chorgesang die Menschen wieder zusammenbringt und welche Formen das Singen im Chor in unserer Gesellschaft noch haben kann...

Über die Chor-Initiative "Rotkäppchen Nacht der Chöre"

bildderfrau.de: Herr Falk, Sie haben die musikalische Leitung über die Rotkäppchen Nacht der Chöre – wie müssen wir uns das genau vorstellen? Welche Aufgaben fallen darunter?

Dieter Falk: Zuerst einmal mit der Band Revolverheld die Gewinnerchöre auszusuchen. Dann die vier Songs, die die drei Gewinnerchöre singen, arrangieren für den Chor, d. h. den Chorsatz schreiben. Und schließlich beim Konzert darauf achten, dass der Chor gut weg kommt.

Was hat Sie dazu bewogen, das Projekt zu unterstützen? Was macht diesen Gesangswettbewerb so spannend – und unterscheidet ihn von anderen Formaten wie z. B. "Deutschland sucht den Superstar" oder "Popstars", wo sie selbst einmal als Juror tätig waren?

Ich finde es bemerkenswert, dass Chor wieder sexy geworden ist. Wenn Sie mich vor zehn Jahren gefragt hätten, dann hätte ich gesagt, das ist nicht so. Ich glaube da hat sich in den letzten zehn Jahre viel getan und Chorsingen nicht mehr mit "altbacken" identifiziert wird. Ich habe das selbst erlebt.

In den letzten Jahren habe ich zwei ganz große Chorprojekte gemacht mit über 45.000 Sängerinnen und Sängern. Und da war das wirklich so, dass es quer durch alle Generationen ging. Da machen auch Twens und Teenies mit – und das erhoffe ich mir bei der Rotkäppchen Nacht der Chöre auch, vor allem deshalb, weil das Repertoire das Entscheidende ist und die Beliebtheit eines Acts.

Das habe ich ja als Musikproduzent viele Jahre exerziert, mit Pur und anderen. Revolverheld ist im Moment die beliebteste oder eine der beliebtesten Acts in Deutschland und das wird die Leute motivieren mitzumachen.

Über die Verbindung von Popmusik mit Chorgesang

Gibt es einen Widerspruch zwischen Ihren Chorprojekten und Ihrem eigentlichen Beruf als Musikproduzent aus der Pop- und Rockmusik. Oder ist das eine organische Entwicklung, in der populäre Musik und Chormusik zusammenfinden?

Ich glaube entscheidend ist das Repertoire das in den Chören gesungen wird. Bei meinen Chorprojekten in den vergangenen Jahren war das ganz lupenreine Pop-, Rock- und Gospelmusik. Das ist das Entscheidende, warum die Leute wieder Lust haben zu singen. Denn Musik ist immer Spiegelbild der Gesellschaft. Mit Ende 50 bin ich gleichzeitig mit Pop und Klassik groß geworden. Meine Kinder überwiegend mit Popmusik. Wenn man diese Lieder dann chorisch umsetzt, ist das wieder für Leute interessant, die vielleicht so etwas noch nicht gemacht haben. Darauf hoffe ich natürlich auch dieses Mal.

Besteht also die Faszination in dem Aufeinanderprallen des Modernen, des Pop-Repertoires, und des Tradierten, der klassischen Disziplin des Chorgensangs?

Ja natürlich, es ist auch Fusion mit eigentlich etwas Konservativem – mit dem Chorsingen oft fälschlich assoziiert wird. Wir sind ja auch ein Land mit vielen Vokalensembles, die das sehr unterhaltsam machen und mit einer tollen Bühnenshow mischen. Es gibt sogar Chor-Casting Shows im WDR Fernsehen, z.B. "Der beste Chor im Westen". Und wenn Sie diese Chöre sehen, ob Studentenchöre, gemischte Chöre oder Kirchenchöre, die singen eben nicht stockensteif, sondern machen das lustig, unterhaltsam und peppig.

Denken Sie, dass durch die Wahl des bekannteren Repertoires die Menschen auch die Scheu verlieren sich an Chorgesang zu versuchen. Zumal Chorgesang von außen betrachtet schon eine Hürde darstellt und man sich eher weniger an die Darbietung klassischer Stücke wagt?

Ja, ich glaube schon. Viele Menschen haben etwas Hemmung im Chor zu singen. Weil sie denken, ich kann keine Noten lesen, ich will mich da nicht echauffieren, ich will mich nicht nackig machen. Denn wenn man singt gibt man ja auch etwas von sich preis. Die Stimme ist was ganz Persönliches und ich versuche dann immer zu sagen: "Leute, stachelt Euch gegenseitig an!" Singen ist sowas wie ein positiver Virus. Und gemeinsames Singen lässt das Ganze nochmal spannender werden, weil man dann natürlich einen ganz anderen Klangkörper hat.

Und dann merke ich wie plötzlich auch Leute aus ihrem Schneckenhaus rauskommen, die vorher vielleicht, sogar im Berufsleben, eher die stillen Mäuschen sind, im Chor aber dann richtig aus sich herausgehen.

Singen ist gesund, vor allem im Chor

Singen ist also psychologisch gesehen gesund?

Natürlich. Ich bin mit Eckart von Hirschhausen befreundet und er war Pate bei unserem letzten großen Luther-Chor-Projekt. Er ist ja Arzt und das was ihn vor allem daran gereizt hat: Singen stimuliert Seele, Geist und Körper. Das trifft vor allem für einen Popchor zu, wo man klatscht, wo man Choreographien macht – das macht dann wirklich glücklich.

Chorgesang wirkt sich auch positiv auf das menschliche Gemeinschaftsgefühl aus. Studien haben ergeben dass Singen die Abwehrkräfte stärkt. Dass zu viel Alkohol, fettes Essen und zu wenig Schlaf der Stimme schaden. Wer aber viel singt, tut aktiv etwas für seine Gesundheit. Er schützt sich vor Erkältungen und stärkt sein Immunsystem? Haben Sie selbst so etwas beobachtet?

Ich bin kein Mediziner, aber es ist schon so, dass beim Singen Endorphine ausgeschüttet werden. Singen wirkt sich positiv auf den Körper aus und lenkt natürlich auch den Kopf ab von Dingen, die einen negativ belasten. Davon bin ich fest überzeugt. Da gibt es einen uralten Spruch, meine Eltern haben den schon gesagt: "Wo man singt, lass dich ruhig nieder. Böse Menschen haben keine Lieder." Das stimmt sicherlich auch.

Über die Zukunft des Chorgesangs

Wie bewerten Sie das Phänomen des sogenannten virtuellen Chors, wo die einzelnen Sänger und der Dirigent sich nicht in räumlicher Nähe befinden und nur das Internet sie verbindet?

Das ist ein schöner Mediengag. Ich kenne auch solche Projekte. Viel schöner ist es natürlich wenn man räumlich zusammen singt. Das Internet bringt auch eine Kokonisierung mit sich: man bestellt also alles nach Hause und geht nicht mehr so oft raus. Chorsingen gibt einem wieder einen Grund hinauszugehen und wieder mit anderen Menschen zusammen zu sein und zu kommunizieren. Natürlich hilft das Internet dabei, das Chorsingen über Youtube-Videos bekannter zu machen. Aber die Magie entsteht erst, wenn die Leute zusammen singen.

Wie sehen Sie die Zukunft des Chorgesangs? Welche andere Formen könnte diese Disziplin annehmen?

Chorsingen ist nicht Disziplin allein. Ich würde das auch nicht nach vorne stellen. Natürlich braucht man bei einer zweistündigen Probe etwas Ordnung. Aber Chorsingen macht in erster Linie Spaß. Und je mehr sich der Mensch einkapselt durch den technologischen und gesellschaftlichen Wandel, desto mehr wird direkte menschliche Kommunikation wichtiger und damit auch so Projekte wie Chöre gefragter.

Wie religiös ist Chorgesang heute?

Wie religiös ist eigentlich Chorgesang noch? Früher war Chorgesang eng mit der Kirche als Ort an dem gesungen wurde verbunden. Chorgesang galt auch als Kommunikation mit Gott, da der gemeinsame Klangkörper des Chors so laut ist, dass ihre Worte bis nach oben reichen würden. Wie sehen Sie das heute?

Da sprechen Sie natürlich den Richtigen an. (lacht) Ich komme eigentlich aus dem Kirchenchor. Meine Mutter hat einen Kirchenchor geleitet und da bin ich musikalisch sozialisiert worden. Ich bin kein überfrommer Mensch, aber ich habe in meinen Projekten auch versucht durch deutschsprachige Gospelchormusik etwas frischen Wind in die Kirche zu bringen.

Dass ist sicherlich auch immer so gewesen, dass Singen eine religiöse Konnotation hat. Oder nehmen Sie mal die Fußballgesänge im Stadion – das hat auch seine Magie, wenn plötzlich 60.000 Menschen die Vereinssongs singen. Das ist ja auch Chorsingen mit einer halbregliösen Komponente. Man singt da ja nicht nur für sich, sondern auch für andere.

Es ist ja auch eine Art Ritual, mit dem man sich anheizt, anfeuert, motiviert und inspiriert. Würden Sie zugespitzt behaupten, Chorgesang ist eine der letzten Bastionen unserer Menschlichkeit?

Soweit würde ich vielleicht nicht gehen, aber es ist eine ganz bedeutende Bastion für unsere Kommunikation miteinander und das menschliche Zusammenleben innerhalb der Kultur.

Worauf freuen Sie sich am meisten bei der Nacht der Chöre?

Auf die Unterschiedlichkeit der Chöre, die sich bewerben. Vokalensembles von älteren Herrschaften bis Jugendchören werden alle dabei sein. Chöre mit klassischem Hintergrund und solche mit Gospel-Sets. Darauf freue ich mich. Das wird auch der Band [Revolverheld, die auch in der Jury sitzt, Anm. d.Red.] gefallen, zu sehen, was alles die Chorlandschaft in Deutschland zu bieten hat.

Dieter Falk und Revolverheld suchen Sie für die "Rotkäppchen Nacht der Chöre"

Dieter Falk und die Band Revolverheld suchen mit Rotkäppchen Sekt Deutschlands beste Chöre. Singen Sie im Chor? Dann bewerben Sie sich auf der Webseite rotkaeppchen.de/nacht-der-choere bis zum 23. August 2018. Und das geht so: Suchen Sie sich einen Revolverheld Song aus. Singen Sie mindestens den Refrain und nehmen Sie ein Video davon auf – gern auch einfach mit dem Handy – und laden Sie es hoch. Wichtig ist dabei vor allem Ihre Freude am Singen, die Sie zeigen.

Aus allen Chören wählt eine Jury die zehn besten aus, danach wählen Fans in einem Online-Voting drei Gewinner aus. Die Finalisten erhalten ein Gesangs-Coaching des Chorexperten Dieter Falk, der unter anderem das Album "Abenteuerland" der Band PUR produziert hat. Außerdem werden Sie am 10. November bei der "Rotkäppchen Nacht der Chöre" in Freyburg bei Leipzig gemeinsam mit Revolverheld auftreten.

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