14.06.2018 - 13:50

Nach dem Outing des TV-Stars Muss sich Jochen Schropp jetzt um Rollenangebote sorgen?

Ob sich für Jochen Schropp beruflich etwas ändern wird, weil er sich als schwul geoutet hat? Der Schauspieler fürchtet: ja...

Foto: imago/Lumma Foto

Ob sich für Jochen Schropp beruflich etwas ändern wird, weil er sich als schwul geoutet hat? Der Schauspieler fürchtet: ja...

Kaum hat Jochen Schropp sich als schwul geoutet, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Warum eigentlich? Weil Menschen auch heute noch Hemmungen deswegen haben – und sich Sorgen wegen des Jobs machen müssen, wie der Schauspieler jetzt gestanden hat.

Jochen Schropp ist Schauspieler und Moderator, 39 Jahre alt, Botschafter für SOS-Kinderdörfer – und schwul. Letzteres hat der TV-Star jetzt in der aktuellen Ausgabe des Magazins Stern bekannt gegeben. So weit, so gut, sollte man meinen. Dass ein Mann sich im Jahr 2018 zu seiner Homosexualität bekennt – so what?

Jochen Schropp: Angst um Jobangebote nach Schwulen-Outing

Ganz so liberal, fortschrittlich und weltoffen geht es heutzutage in Deutschland aber eben doch noch nicht zu, auch wenn viele das gerne hätten. Denn Jochen Schropp hat sich nicht grundlos erst mit 39 Jahren zu seiner Homosexualität bekannt. Dem Stern gegenüber bekannte er: "Das erste Mal wollte ich mich vor vier Jahren outen, habe dann aber kalte Füße bekommen."

Und er verrät auch gleich noch, warum: "Einer der Gründe war, dass mir meine damalige Schauspielagentur davon abgeraten hat. Mir wurde gesagt: Mach das lieber nicht, es wird dir schaden." Denn die Rollen als Schwiegersohn oder Herzensbrecher, die er häufig mimt, würden ihm womöglich nicht mehr angeboten werden. Sie würden nicht mit schwulen Schauspielern besetzt, so seine Befürchtung.

TV-Star will Mut zum Outing machen

So traurig es ist, dass das sexuelle Bekenntnis von Menschen offenbar immer noch eine so große Rolle spielt, die den einen oder anderen um Jobangebote und Anerkennung fürchten lässt – so mutig ist es von Jochen Schropp, mit seinem Schritt auch für andere in die Bresche zu springen. Denn das ist ihm ein Anliegen.

"Wir kommen bei dem Thema nur weiter, wenn Leute den Mund aufmachen. Und jetzt bin ich es eben", sagt er im Stern-Interview. Er will "anderen Männern und Frauen, die homosexuell oder transgender sind, Mut machen, zu sich zu stehen". Sich immer verstecken zu müssen, kann einen auf Dauer ja auch zermürben. Dieses Stadium hat der 39-Jährige jetzt hinter sich gelassen: "Ich bin mittlerweile mit mir selbst im Reinen und weiß, wer ich bin."

So reagiert das Netz – und Jochen Schropp bedankt sich

Zahlreiche Menschen haben dem Schauspieler in kürzester Zeit über die sozialen Medien ihren Respekt ausgedrückt, ihn für seinen Mut gelobt – bedauern es aber zugleich, dass das heutzutage überhaupt noch notwendig ist. Hier drei Kommentare:

  • Ich finde es auch sehr schade, dass man sich überhaupt "outen" muss!... Es muss sich ja auch niemand outen, weil er heterosexuell ist... Liebe ist Liebe.
  • Schade, dass man sich öffentlich zu seiner Sexualität bekennen muss und es nicht einfach normal ist, seinen Weg zu gehen.
  • Sollte doch eigentlich in der heutigen Zeit selbstverständlich sein, dass jeder so leben kann, wie er will... Leider Gottes gibt es immer noch Intoleranz, wo hin man schaut....

Auf die unfassbar vielen Kommentare seiner Follower hin hat der Schauspieler schon reagiert – und sich über Facebook so geäußert: "Vielen Dank für die vielen positiven Kommentare! Ja, es ist verrückt, dass man(n) 2018 immer noch dazu beglückwünscht wird, öffentlich zu seiner Sexualität zu stehen – es zeigt uns aber doch, dass wir noch lange nicht dort angekommen sind, wo wir gerne sein möchten. Ich bedanke mich von ganzem Herzen bei allen Supportern...".

Coming-Out: Heute einfacher als vor 20 Jahren, aber noch lange nicht gut

Immer mehr Promis haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten geoutet, etwa Klaus Wowereit, Guido Westerwelle, Anne Will oder Thomas Hitzlsperger. Autor Johannes Kram, der für seinen "Nollendorfblog" ("Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber...") für den Grimme Online-Award nominiert war, hat sich der dpa gegenüber zum Thema Coming-Out damals und heute so geäußert: "Damals war Homosexualität an sich schon ein Skandal. Es hat sich vieles entspannt und verbessert, aber die Skandalisierung findet auch heute statt, nur viel geschickter und teilweise auch gefährlicher."

Was genau er damit meint, erklärte er so: "Pegida, AfD und CSU behaupten, Lesben und Schwule nicht diskriminieren zu wollen, kritisieren es aber als 'Frühsexualisierung', wenn Homosexualität im Schulunterricht als gleichwertige sexuelle Orientierung behandelt wird. Sie stellen sie somit wie eine ansteckende Krankheit dar, vor der man Kinder beschützen muss."

Marie von den Benken trifft in ihrer aktuellen Stern-Kolumne den Kern, was das neuerliche Outing von Jochen Schropp angeht: "Eine Schlagzeile, die es gar nicht geben sollte. Jochen Schropp ist ein grandioser Moderator und ein toller Schauspieler. Was sollte sich daran ändern, weil er Männer liebt? Wir sind doch immer so stolz darauf, wie aufgeklärt und tolerant wir sind."

______________

"Das war vor 20 Jahren noch anders", sagt auch .

Am 30. Juni 2017 wurde in Deutschland die Ehe für alle eingeführt. Der Bundestagsbeschluss markiert einen wichtigen Tag im Kampf gegen die Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen