27.04.2018 - 14:01

Im zweiten Anlauf verurteilt Bill Cosby wegen sexueller Nötigung schuldig gesprochen

Bill Cosby, jahrzehntelang als "Familienvater der Nation" verehrt, wurde von einem US-amerikanischen Gericht wegen sexueller Nötigung verurteilt.

Foto: imago/UPI Photo

Bill Cosby, jahrzehntelang als "Familienvater der Nation" verehrt, wurde von einem US-amerikanischen Gericht wegen sexueller Nötigung verurteilt.

Es ist das Ende einer Ära: Bill Cosby, einst gefeierter Fernsehvater einer Nation, ist wegen sexueller Nötigung schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß wurde bisher nicht bekannt gegeben.

Die zwölfköpfige Jury eines Gerichts in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania gab ihr Urteil nach 13-stündiger intensiver Beratung bekannt. Sie befand Bill Cosby in allen drei Punkten der Anklage für schuldig: Penetration ohne Einwilligung, bei Bewusstlosigkeit des Opfers und nach der Verabreichung von Medikamenten. Für jeden dieser Straftatbestände drohen dem 80-jährigen ehemaligen Entertainer je 10 Jahre Haft.

Bill Cosby wurde erst im zweiten Anlauf schuldig gesprochen

"Dies war ein außerordentlich schwieriger Fall" – mit diesen Worten bedankte sich Richter Steven O'Neill bei den Geschworenen. Der erste Prozess gegen Bill Cosby war vor 10 Monaten gescheitert, weil sich die Jury nicht auf ein Urteil einigen konnten. Verhandelt wurde der Fall der Universitätsangestellten Andrea Constand, die Cosby im Jahr 2004 mit Tabletten sediert und danach sexuell genötigt haben soll – nach Aussagen anderer mutmaßlicher Opfer Cosbys präferierte Vorgehensweise.

Die Verhandlung von Constands Fall ist nur die Spitze des Eisbergs. Mehr als 50 Frauen soll der Entertainer, der mit der "Bill Cosby Show" in den 1980er Jahren weltberühmt wurde, in den vergangenen Jahrzehnten missbraucht und sexuell genötigt haben. Andrea Constands Fall ist der einzige, der zum Zeitpunkt der Anklage noch nicht verjährt war.

Verurteilung steht im Zeichen des #Me-Too"-Protests

Auch wenn Cosby nur in einem Fall von sexueller Nötigung belangt werden konnte, steht seine Verurteilung stellvertretend für Dutzende von Frauen. Sie ist einer der ersten, handfesten Erfolge der „#MeToo“ –Bewegung. Die Protestbewegung zahlreicher Frauen hatte sich im Herbst 2017 an den Vorwürfen gegen den Hollywood-Filmproduzenten Harvey Weinstein entzündet. Erst die Aussagen berühmter Hollywood-Stars hatten auch den Anschuldigungen der unbekannteren mutmaßlichen Missbrauchsopfer Gewicht verliehen.

Diese Aufmerksamkeit entfaltete auch im zweiten Prozess gegen Bill Cosby ihre Wirkung. Cosby ist der erste Prominente, der im Zusammenhang mit der globalen „MeToo“-Bewegung verurteilt wurde.

"Saubermann der Nation"

Bill Cosby selbst hatte stets alle Vorwürfe von sich gewiesen und in jedem Prozess die Aussage verweigert. Über seine Anwälte hatte er sexuelle Handlungen als einvernehmlich dargestellt.

Das Urteil ist ein Triumph für die Staatsanwaltschaft, Andrea Constand und alle anderen mutmaßlichen Opfer. Denn es ist vor allem den Aussagen der fünf Zeuginnen und der Hartnäckigkeit und dem Einsatz Constands zu verdanken, dass der zweite Prozess mit einem Urteil abgeschlossen werden konnte.

Ein Einsatz unter vielen Widrigkeiten. Cosbys Anwälte hatten Constands Glaubwürdigkeit in ihrer aggressiven Verteidigungsstrategie immer wieder angezweifelt und sie als Betrügerin dargestellt, die es auf Cosbys Geld abgesehen habe. Vor zwölf Jahren hatte ihr Cosby in einer außergerichtlichen Einigung mehr als drei Millionen Dollar gezahlt.

"Jetzt wissen wir, wer der wahre Bill Cosby war"

Während der Verkündigung des Schuldspruches zeigten sowohl Cosby als auch die anwesende Andrea Constand keine Regung. Einige Frauen wurden von ihren Gefühlen überwältigt und völlig aufgelöst aus dem Gesichtssaal getragen.

Nachdem der Staatsanwalt das Fluchtrisiko Cosbys als groß einstufte, verlor der seine Beherrschung und beschimpfte ihn als "Arschloch". Cosbys Anwalt Tom Mesereau kündigte an, in Berufung zu gehen: "Wir glauben nicht, dass Herr Cosby sich irgendwas hat zu schulden kommen lassen. Der Kampf ist nicht beendet", sagte er nach dem Urteil. Cosby drohen Haftstrafen von jeweils 10 Jahren, laut CNN könnte er diese aber auch gleichzeitig absitzen. Nach der Verhandlung musste er seinen Pass abgeben, bleibt aber gegen eine Kautionszahlung von einer Million Dollar bis zur Verkündigung des Strafmaßes auf freiem Fuß.

Für die Staatsanwalt bedeutet das Urteil späte Gerechtigkeit: "Heute können wir endlich sagen, dass der Gerechtigkeit genüge getan wurde", sagte Staatsanwalt Kevin Steele nach der Urteilsverkündung. Er hoffe, dass das Urteil eine "starke Botschaft" an alle Missbrauchsopfer aussende, Verbrechen zur Anzeige zu bringen. "Cosby nutzte seine Prominenz. Er nutzte seinen Wohlstand, sein Netzwerk aus Unterstützern, um seine Verbrechen zu vertuschen. Jetzt wissen wir, wer der wahre Bill Cosby war."

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