13.04.2018

Großes Geburtstags-Interview Dagmar Frederic über ihre Wünsche, Helene und Merkel

Zu ihrem 73. Geburtstag hat Dagmar Frederic bildderfrau.de ein Interview gegeben. Erfahren Sie hier, wie es der Sängerin heute geht.

Foto: Jens Schommer Photography

Zu ihrem 73. Geburtstag hat Dagmar Frederic bildderfrau.de ein Interview gegeben. Erfahren Sie hier, wie es der Sängerin heute geht.

Am Sonntag wurde Dagmar Frederic 73 Jahre alt. Im exklusiven Geburtstags-Interview mit bildderfrau.de verrät die Sängerin, was sie heute macht, welche Pläne sie hat und was sie über Angela Merkel und Helene Fischer denkt.

Eins steht fest, ihr Alter sieht man Dagmar Frederic nicht an – und dennoch, am Sonntag feierte die stimmgewaltige Entertainerin ihren 73. Geburtstag. Sascha Lauterbach hat Dagmar Frederic kurz vor ihrem Ehrentag für bildderfrau.de zu Hause am östlichen Rand von Berlin besucht. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit lebt sie heute bescheidener als früher. Sie hat eine Wohnung in Berlin Köpenick am Dämeritzsee, traumhaft gelegen, direkt am Wasser mit einem idyllischen Garten.

Dagmar Frederic war einer der größten und beliebtesten Stars der ehemaligen DDR – und ist sie im Herzen vieler immer noch. Mittlerweile sind es nicht mehr die großen TV-Bühnen, auf denen die Berlinerin ihr Publikum begeistert. Ihre Konzerte finden im kleineren Rahmen statt, aber nicht mit weniger Emotionen und Erinnerungen. Dagmar Frederic ist nicht frustriert, sie schimpft und meckert nicht, trotzdem sagt sie ganz offen und ehrlich ihre Meinung. So war sie schon immer – und das zeichnet sie auch heute noch aus...

Hausbesuch bei Dagmar Frederic

Bevor ich das Haus von Dagmar betreten darf, bekomme ich von ihr eine Walnuss in die Hand gedrückt. Eine eher ungewöhnliche Begrüßung – der Grund dafür ist ihr kleiner Mitbewohner auf vier Beinen. Dagmars Hündin Ruppi empfängt Besuch immer sehr stürmisch, aber wenn sie eine Walnuss bekommt, zieht sie sich ziemlich schnell mit der Nuss im Maul in ihre Kuschelecke zurück. So kann sich Dagmar voll und ganz meinen Fragen widmen.

Liebe Dagmar, wie fühlt man sich mit 73 Jahren?

Ich bin dankbar, dass ich dieses Alter erreichen darf. Ich bin gesund, das ist das Wichtigste. Geschafft habe ich das sogar, ohne dass ich Ärzte kenne. Ich war zehn Jahre nicht beim Zahnarzt oder bei einem anderen Arzt. Jetzt habe ich mich aber mal auf Anraten meines Mannes durchchecken lassen, und es ist alles in Ordnung. Ich habe also allen Grund, dankbar zu sein.

Was wünscht Du Dir zu deinem Geburtstag?

Gesundheit, denn meinen Optimismus wird mir keiner austreiben können. Und dann wünsche ich mir, dass ich weiterhin so dicht an meinem Publikum bleiben darf und sein kann.

Wie verbringst Du Deinen Ehrentag?

Wir werden nicht zu Hause sein. Wir fahren zu zweit in unser Lieblingshotel nach Heringsdorf. Mehr weiß ich nicht. Ich bin sehr gespannt, wie wir den Tag verbringen werden. Mein Mann Klaus überlegt sich immer wieder tolle Überraschungen. Im letzten Jahr hat er mich beispielsweise ins berühmte Weimarer Theater entführt, dort haben wir Faust I angeschaut. Mir sind dabei dermaßen die Gesichtszüge entgleist. Klaus dachte dann, er hätte etwas falsch gemacht, aber ich habe mich einfach so sehr gefreut, dass ich wirklich sprachlos und fassungslos war.

Mit über 70 siehst Du immer noch fantastisch aus, was ist Dein Schönheitsgeheimnis?

Ich mache keinen Sport, gehe zu keiner Kosmetik, ich muss nicht viel tun. Ich brauche Stress, die Bühne und ganz viel Liebe. Wir haben eine große Familie, die mich bestens umsorgt. So lange es uns allen gut geht, sieht man mir das Glück an, und dann sehe ich am besten aus.

Dagmar Frederic steht immer noch auf der Bühne

Du stehst nicht mehr auf den großen Bühnen. Was machst Du heute?

Ich spiele seit fast zwei Jahren Theater in Magdeburg. Erst hieß das Stück 'Heiße Zeiten' jetzt trägt es den Namen 'Höchste Zeit'. Dazu gebe ich noch viele Konzerte, und ich stehe regelmäßig als Moderatorin auf der Bühne, zum Beispiel bei Events in Autohäusern oder Möbelhäusern. Ich habe wirklich viel zu tun, bin gut gebucht und mache das auch gerne. Mir ist jeder Job wichtig, egal wie groß die Bühne ist, ich bereite mich immer professionell vor.

Und noch ein Vorteil für alle, die mich live erleben möchten: Ich bin wirklich moderat mit meinen Gagenforderungen und mache auch mal Abstriche, wenn es eine Veranstaltung im kleinen Rahmen vor vielleicht 70 Leuten ist.

Dagmar Frederic - Ich bin immer noch da

Welche Emotionen begegnen Dir heute, wenn Du auf der Bühne stehst?

Die Leute freuen sich, mich zu sehen. Und ich glaube, dass meine Ehrlichkeit und Direktheit – die mir ja manchmal auch schon auf die Füße gefallen ist – mir einiges an Sympathie einbringt. Ich habe mich nie verstellt, ich bin einfach, wie ich bin, und begegne jedem offen und immer auch heiter.

Kannst Du Dich an einen besonderen Moment mit Deinen Fans erinnern?

Ja, klar. Ich musste mich daran gewöhnen, wie intensiv die Menschen auf mich zukommen. Da passieren aber auch die lockersten und skurrilsten Sachen. Da hat mich einmal eine Dame angesprochen, natürlich mit Daggi. Alle sagen Dagmar oder Daggi, kaum einer sagt Frau Frederic. Die Frau kommt also auf mich zu und fragt, ob sie mich mal anfassen darf. Dann greift sie mir so dermaßen in die Haare und zerrt daran. Kein Witz. Alle waren erschrocken. Dann dreht sie sich in Richtung Saal und sagt zu mir: 'Ich habe jetzt ein Glas Sekt gewonnen. Die Weiber an meinem Tisch haben alle gesagt, die Frederic kann in dem Alter nicht mehr soviel Haare haben.'

Nun ja, kann ich doch...

Apropos Frisur... Es gibt kaum eine andere Frau, die so lange ihrer Frisur treu geblieben ist. Ist dafür Udo Walz verantwortlich? Man sieht Euch sehr oft zusammen.

Udo Walz war einer der Ersten, der mich nach der Wende getroffen hat und von mir schwärmte. Und da haben wir uns kennengelernt und sind Freunde geworden. Ich war auch auf seiner Hochzeit. Seither haben wir uns unzählige Male gesehen, und dabei werden wir beide immer wieder gefragt, ob er mein Friseur ist... Der große Meister hat dann die Größe zu sagen: es ist nicht von mir – und trotzdem gut. Nein, ich gehe seit zig Jahren zu meiner Friseurin in Woltersdorf.

Dagmar Frederic über die Schlagerbranche

Wenn Du Dir heute die Schlagerbranche ansiehst, was stört Dich am meisten?

Ich wünschte mir von den Machern der Schlagerbranche, dass sie ihren Künstlern von Anfang an die Wahrheit sagen. Die Branche ist kein Sozialversicherungsberuf. Entweder man hat Glück oder nicht. Wenn man Schlagersänger oder Sängerin ist, dann heißt das nicht, dass man automatisch Millionen verdient, man mit einem Lied durch die Decke geht und es ewig so bleibt. Der Aufstieg kann schnell gehen, aber auch der Abstieg.

Wir haben viele tolle Talente und Stimmen, das sieht man auch in den ganzen Casting-Shows. Aber ich wünsche mir einfach, dass Produzenten diese jungen Leute mit mehr Sorgsamkeit und Achtsamkeit behandeln. Heutzutage werden Menschen und Künstler viel zu oft und viel zu schnell fallen gelassen.

Die Fans vermissen Dich in den großen TV-Shows. Helene Fischer läuft rauf und runter, aber Dich sieht man nie. Was sagst Du dazu?

Ich bin nicht ganz frei von der fehlenden Abwechslung im TV. Ich hatte meine letzte ARD-Sendung 2001, damals trat ich vier Samstage in der 'Sommermelodie' auf. Seitdem war ich nicht einmal mehr bei Carmen Nebel engagiert, und ich war auch nicht einmal bei Herrn Silbereisen. Das ist schon schade, aber ich habe auch was gelernt. Es ist wichtiger, bei VOX das Promi-Dinner zu gewinnen, als ein Lied in diesen Sendungen zu singen. Die Reaktionen nach meinen zwei Auftritten in dieser Sendung waren so überwältigend.

Ich habe mich damit abgefunden, dass es so ist. Ich schaue nicht in den Spiegel und ärgere mich, weil ich so lange keine Einladung mehr von den großen Sendern bekommen habe. Nein, ich gehe denen strahlend entgegen und sage: 'Ihr könnt mich mal'!

Frederic: Darum mag ich Helene Fischer

Wie stehst Du zu Helene Fischer?

Ich bin einer der brennensten und größten Fans von Helene Fischer. Egal wie ich sie betrachte, ob nun von der Professionalität oder ihrer Sympathie – die Frau strahlt einfach extrem viel aus. Wir wissen alle, sie ist unfassbar fleißig, sonst kann sie das alles niemals erreichen. Und für mich ist Helene Fischer die wahre Nachfolgerin von Caterina Valente. Sie ist die einzige, die ihr das Wasser reichen kann. Helene ist für mich der einzige europäische Weltstar.

Caterina Valente war übrigens damals mein großes Vorbild. Wegen ihr bin ich mit 16 Jahren auf die Bühne gegangen, ich war komplett fasziniert von ihr.

Du wurdest und wirst immer wieder als "Die Stimme des Ostens" gefeiert. Gefällt Dir das?

Das ist ein Thema, bei dem ich echt verrückt werde. Wie lange ist das jetzt her mit der Wende? 1989? Fast 30 Jahre. Ich sehe mich als Europamensch, und wenn heute noch einer sagt: Dagmar Frederic aus dem Osten, dem entgegne ich: 'Wer sagt denn bei Katja Ebstein, das ist doch die aus dem Westen?' Diese Unterscheidung sollte man nun langsam mal lassen. Ich denke, in den letzten 20 Jahren hat es sich herumgesprochen, dass ich die Dagmar aus Deutschland bin.

Und wie würde sich die 'Dagmar aus Deutschland' selbst beschreiben? Bist Du eine Diva oder Zicke?

Ich glaube, ich bin weder Zicke noch Diva. Ich bin Dickkopf! Ich will mit dem Kopf durch die Wand und organisiere unser Leben ziemlich aufregend. Mein Mann, der Skorpion ist, hat sich inzwischen daran gewöhnt. Der muss damit leben. Er macht alles mit. Wir haben uns gesucht und gefunden.

Naja, ihr habt euch nicht gleich gefunden, er ist Ehemann Nummer 5! Ist er der Beste?

Auch da bin ich anders, ich sage nicht, dass ich jetzt endlich die große Liebe gefunden habe. Ich sage ehrlicherweise: Es war immer der richtige Mann zur richtigen Zeit an meiner Seite. Ich habe von jeder Zeit profitiert als Mensch – und habe dann auch bitter bezahlt.

Frederic und Facebook

Du gehst mit der Zeit. Mit über 70 bist Du ziemlich modern unterwegs. Man findet Dich im Internet und trifft Dich sogar persönlich auf Facebook an, wie kommt das?

Schuld daran ist meine Tochter Maxi. Sie hat mich vor ungefähr sechs Jahren angezählt und gesagt, dass ich nicht mehr modern bin, wenn ich mich nicht mit Facebook und dem Internet auskenne. Das wollte ich ändern. Dann hat mein Mann Klaus mir alles beigebracht. Ich mag zum Beispiel Facebook sehr, ich habe dort 5000 Freunde und Fans und dazu noch eine extra Fanseite. Irgendwie sind Facebook und das Internet heutzutage mein Büro und meine Agentur.

70 Prozent aller Buchungen kommen bei mir mittlerweile übers Internet und über Facebook. Viele junge Agenturmitarbeiter, die mich buchen wollen, fragen dann immer, ob ich wirklich DIE Dagmar Frederic bin. Meine Antwort ist dann immer die selbe: 'Wo Frederic drauf steht, ist auch Frederic drin'. Ein eigenes Management habe ich übrigens nicht. Das machen Klaus und ich zusammen.

Wenn man Dich bei Facebook erlebt, merkt man, dass Du sehr nahbar bist. Du diskutierst mit, auch wenn es mal gegen Dich geht. Wie gehst Du mit Hasskommentaren um?

Das kommt glücklicherweise nur selten vor. Aber wenn unangebrachte Kommentare auftauchen, wehre ich mich auf meiner Seite schon vehement – nicht nur, wenn es gegen mich, sondern vor allem auch, wenn es gegen andere geht. Das war schon immer so, ich kann auch für andere Menschen unglaublich gut kämpfen. Ich bin ein Widder, wie er im Buche steht, mit einem großen Gerechtigkeitssinn.

Das denkt Dagmar Frederic über Angela Merkel

Du äußerst Dich auch gerne zur aktuellen Politik. Was schreibst Du dazu?

Ich schreibe zum Beispiel über Frau Merkel. Ich bewundere sie sehr, sie ist eine der wichtigsten Frauen weltweit, aber sie macht in unserem Land leider ziemlich viel falsch. Bei mir hat sie, wenn ich das mal als Dame sagen darf, ziemlich verschissen, als sie nach der Wahl gesagt hat, sie wüsste gar nicht, was sie hier anders machen soll.

Da hat sie sich, meiner Meinung nach, nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Aber wir sollten uns dennoch, und das ist mir wichtig, immer wieder vor Augen führen, dass es uns im Vergleich zu vielen anderen Ländern eben doch ziemlich gut geht.

Kommen da auch Erinnerungen an die DDR-Zeiten hoch?

Ich hatte ja aufgrund meines Jobs sogar schon zu DDR-Zeiten die Möglichkeiten und das Privileg, auch 1969 in der ganzen Welt umherzufahren. Ich war in Afrika, etwa im Sudan, ich war in Kuba und überall. Und ich war eben auch im Westen. Wenn ich danach zurück kam in die DDR, war eben vieles grau und trist, aber trotzdem habe ich draußen für unser kleines Land sprichwörtlich gekämpft. Ich habe alle negativen Bemerkungen einfach weggefegt, und das ist bei mir wahrscheinlich hängengeblieben. Ich bin kritisch und dankbar zugleich.

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