01.02.2018

a-ha-Frontmann Morten Harket: Ich wollte nie ein Mädchenschwarm sein

Morten Harket, mittlerweile 58 Jahre alt,  spricht im Interview über die Musik, seine Familie und seine Liebe zu Blumen.

Foto: imago/Future Image

Morten Harket, mittlerweile 58 Jahre alt, spricht im Interview über die Musik, seine Familie und seine Liebe zu Blumen.

Mit dem Song "Take On Me" wurde Morten Harket Mitte der 1980er über Nacht weltberühmt. Jetzt geht der Norweger mit seiner Band a-ha wieder auf Tour. BILD der FRAU hat ihn zum Interview getroffen – und einen kleinen Traummann-Check gemacht, 30 Jahre später...

Morten Harket gründete 1982 zusammen mit Magne Furuholmen und Pal Waaktaar-Savoy die Band a-ha. Ab Mitte 1985 wurden sie weltweit berühmt. Die Norweger verkauften über 80 Mio. Platten, a-ha gehört zu den erfolgreichsten Pop-Bands der Welt. BILD der FRAU hat mit Frontmann Morten exklusiv gesprochen.

Harket über seine Hits

BILD der FRAU: Morten, werden Sie sentimental, wenn Sie die alten Hits wie "Take On Me” oder "The Living Daylights“ singen?

Morten Harket: Viele Leute verwechseln Melancholie mit Traurigkeit. Das ist falsch. Für mich ist Melancholie ein Gefühl, das dein Herz berührt und dich an schöne Momente erinnert. Melancholie unterscheidet sich von oberflächlicher, aufgesetzter und unechter Fröhlichkeit. Insofern werde ich durchaus gerne mal melancholisch – zum Glück.

Auf der Bühne wirken Sie beim Singen so versunken? Träumen Sie?

Wenn ich singe, verbinde ich mich mit mir und meinen Zuhörern. Nur, wenn unsere Musik auch von Herzen kommt, können wir auch die Menschen damit berühren. Aber träumen tue ich nicht (lacht).

Seit 30 Jahren sind Sie ein Idol. Was würde der heutige Morten dem jungen Morten raten?

Ich würde ihm nichts raten, denn der junge Morten hat alles so gemacht, wie es zur damaligen Zeit richtig war. Trotzdem bin ich sicher nicht mehr derselbe Typ wie früher. Ach eins, würde ich ihm vielleicht doch sagen: Sei nicht so ernst und nimm das Leben nicht so schwer.

Harket, der Mädchenschwarm

Sie waren in den 80ern der Schwarm von Millionen Mädchen...

...Was ich nicht wollte. Ich war extrem schüchtern. Für mich zählte die Musik, ich wollte nicht die männliche Projektionsfläche für viele, viele Mädchen sein. Eigentlich habe ich immer versucht, der Meute zu entkommen.

Wie?

Indem ich möglichst schnell gegangen bin. Ich musste einfach immer schneller sein, als die Fans.

Sind Sie da heute relaxter?

Ich bin auf alle Fälle unbeschwerter, weil ich die Mechanismen des Show-Business kenne. Ich habe gelernt, nicht so viel Wert auf Dinge zu legen, die mir nichts bedeuten. Wichtig ist mir heute zu wissen, wer ich bin und was mich wirklich interessiert.

Harket, der Blumenfan

Mal ein anderes Thema: Sie haben als Kind Orchideen gezüchtet. Was hat Sie ausgerechnet an diesen Blumen fasziniert?

Die Komplexität. In der Wildnis gibt es eine unglaubliche Vielfalt von Orchideen mit einer Fülle an Farben. Kaum eine Blume ist von seiner Struktur so einzigartig. Ich war ein extrem neugieriges Kind und interessierte mich für alles, was in der Natur passierte. Fußball hat mich hingegen nicht interessiert. Deshalb wurde ich oft gehänselt.

Arbeiten Sie denn heute gerne im Garten?

Oh ja, Ich habe ein großes Grundstück und liebe es, draußen in der Natur zu sein.

Brauchen sie die Natur, um sich zu entspannen?

Ich kann in unterschiedlichen Situationen gut entspannen. Wenn ich will, kann ich mich sogar fünf Minuten auf einem Parkplatz ausruhen.

Harket über Spiritualität

Haben Sie einen persönlichen Kraftort?

Nein, Kraft kommt auch nicht von einem Ort. Kraft ziehe ich aus der Verbindung mit Menschen, die ich liebe. Ich gehe nur zu bestimmten Plätzen, die ich gerne mag, aber ich ziehe daraus keine Energie.

Sind Sie spirituell?

Es gibt keinen Menschen, der nicht spirituell ist. Jedes Tier ist spirituell.

Glauben Sie das wirklich?

Natürlich. Wir sind entweder geistige Wesen, oder wir sind es nicht. Spiritualität ist die Art, sich dem Leben geistig zu nähern.

Sie haben Anfang der 90er Jahre ihr Leben komplett umgekrempelt. Damals ging es ihnen gar nicht gut.

Ja, mein Immunsystem war damals komplett am Boden. Und ich stellte damals alles in meinem Leben in Frage. Ich fing ganz von vorne an. Es dauerte Jahre, bis ich wieder bei mir selbst war.

Was hilft Ihnen heute?

Ich praktiziere Yoga seit einiger Zeit. Es hilft mir sehr. Und ernähre mich gesund, zum Beispiel verzichte ich komplett auf Weizen.

Harket über seine Familie

Der Mädchenschwarm von früher ist heute fünffacher Vater. Welchen Lebensrat geben Sie Ihren Kindern mit auf den Weg?

Ich möchte, dass sie sich nach ihren Talenten entwickeln und das machen, was sie wirklich wollen. Sie sollen für sich den besten Weg finden, sich selbst zu entdecken.

Und welche Werte vermitteln Sie Ihnen?

Ganz oben auf der Skala steht Ehrlichkeit. Das heißt aber nicht, dass man immer die Wahrheit sagen muss. Ehrlichkeit bedeutet für mich, erstmal ehrlich zu sich selbst zu sein. Und danach entscheidet man sich, zu wem man ehrlich sein möchte.

Aha und was bedeutet das konkret?

Ich mag es nicht, wenn Menschen auf andere Druck ausüben und sie zwingen, eine Meinung zu einem Thema zu haben, zu denen man vielleicht nichts sagen möchte. Ich finde Toleranz und Respekt jedem Menschen gegenüber wichtig.

Sehen Sie sich als ein Familienmensch?

Ich habe beides in mir: Ich bin ein Familienmensch, aber ich liebe es auch, allein durch die Welt zu reisen. Ich möchte noch so viel lernen. Und das kann ich am besten, wenn ich allein bin und die Natur studiere.

Was hören Sie privat für Musik?

Nichts. Ich liebe die Stille.

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Mehr über a-ha:

  • CD: a-ha. MTV Unplugged – Summer Solstice. Universal, 15 Euro
  • MTV Unplugged Tour: 3.2. München, 6.2. Köln
  • Sommer-Tour ab Juli
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