20.11.2017

Schattenseite des Ruhms Kelly Family gesteht: „Wir hatten Angst um unser Leben“

Die Kelly Family Anfang der 1980er Jahre, lange vor dem großen Durchbruch.

Foto: Kelly Family

Die Kelly Family Anfang der 1980er Jahre, lange vor dem großen Durchbruch.

Anlässlich des 40. Band-Jubiläums der Kelly Family strahlte VOX am Wochenende eine Doku rund um die musizierende Familie aus. In dieser berichteten die Kellys auch von den Schattenseiten des Ruhms – und von der Angst um das eigene Leben.

Die Kelly Family feiert in diesem Jahr den 40. Geburtstag der Band – und zu diesem Anlass strahlte der TV-Sender Vox am Wochenende eine über vierstündige Doku namens "Kelly Family – Die Geschichte einer außergewöhnlichen Familie" aus. Gezeigt wurden Bilder des großen Comeback-Konzerts im vergangenen Mai, aber auch Rückblicke zu den Anfängen sowie zum großen Durchbruch im Jahr 1994. Eine aufwühlende, schwierige Zeit, wie die Band in der Doku berichtete.

Mit dem Erfolg kam auch die Angst

Erst Straßenmusiker, dann die Superstars der deutschen Musikwelt. Als die Kelly Family 1994 den Song "An Angel" herausbrachte, änderte sich das Leben der musizierenden Familie schlagartig. Binnen weniger Jahre verkaufte die Truppe mit irischen Wurzeln rund 20 Millionen Platten, der Ansturm der Fans war gigantisch. Kaum eine Ausgabe einer Jugend-Zeitschrift, in der es die Kellys nicht auf die Titelblätter geschafft hätten oder als Poster-Motiv zu finden waren. Was für viele nach einem wahrgewordenen Märchen klingt, betrachtet die Kelly Family heute eher mit gemischten Gefühlen.

Es entstand ein regelrechter Hype um die Kellys. Der hippieartige Look der Band wurde zum Trend, die Liebe der – zumeist weiblichen – Fans steigerte sich bis ins Maßlose. "Es gab Momente der Angst", gestand Angelo Kelly in der Vox-Dokumentation. Sein älterer Bruder Jimmy fügte hinzu: "Das war auf einmal wahnsinnig gefährlich, was den Ansturm, die Massen, die Hysterie betrifft. Da waren so viele Mädels, die herausgezogen werden mussten von der Security. Dass da keiner gestorben ist."

Kelly Family: Ein Leben im Käfig

Nicht nur auf der Bühne zeigten sich die Schattenseiten des Ruhms – auch zu Hause fand die Familie keine Ruhe. Zum Zeitpunkt des Durchbruchs lebte die Kelly Family auf einem Hausboot in Köln. Fans pilgerten in Scharen zum Wohnsitz der Kellys. Alle wollten einen Blick auf ihre Idole erhaschen und kletterten sogar über Absperrungen, um ihnen noch näher zu sein.

Die Konsequenz dieser Belagerung: Die Band ließ eine Mauer um die Anlegestelle ihres Boots bauen – ein verzweifelter Versuch, ein klein wenig Privatsphäre zurückzuerobern. Der Versuch blieb erfolglos. Einige der bislang so treuen Anhänger fühlten sich vor den Kopf gestoßen. Wütende Fans warfen Steine über die Mauer, es gab Drohbriefe. "Meine Brüder und ich hatten Angst um unser Leben“, verriet Kathy Kelly in der Doku. Ein Leben ohne Security war kaum noch möglich und obendrein die Einengung durch die hohen Mauern rund um ihr Zuhause. "Wir waren einfach sechs Jahre lang wie in einem Käfig", so Kathy.

Der Tod von Patriarch Dan Kelly brachte die Wende

Zu Beginn der 2000er Jahre ebbte die Hysterie rund um die Band ab. Als dann auch noch Familienoberhaupt Dan Kelly nach mehreren vorangegangenen Schlaganfällen im Jahr 2002 starb, gingen auch seine Kinder getrennte Wege. "Der Tod meines Vaters war das Ende eines Kapitels. Das war wirklich so, wie soll ich sagen, mein Vater war der Kapitän des Schiffes, und auf einmal ist der Kapitän weg. Dann hast du fünf Kapitäne auf einmal, und der eine meint 'In die Richtung' und der andere meint 'In die Richtung'.“ Das Ende der Kelly Family – zumindest in der Formation, in der sie den großen Durchbruch feierte.

Im Jahr 2017 kehrte die Kelly Family zurück – wenn auch in veränderter Besetzung. So ist etwa Publikumsliebling Patrick Kelly nicht mehr dabei. Maite Kelly, die in regelmäßigen Abständen sehr gefragte Mode-Kollektionen in Plus-Size-Größen designt , fehlt ebenfalls. Die Kelly Family ist zwar zurück, aber es ist nicht dieselbe Band, die noch vor rund 20 Jahren die Bühnen eroberten. Die Fans freuen sich trotzdem. Interesse scheint da zu sein: Laut Portal "quotenmeter.de" schalteten am Samstag rund zwei Millionen Zuschauer die Doku ein.

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