19.09.2017 - 16:00

Unterwegs mit der Ministerin Katarina Barley: Ich will eine Familienarbeitszeit einführen

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Deutschlands Familienministerin Katarina Barley

Foto: imago

Deutschlands Familienministerin Katarina Barley

Katarina Barley wird 2015 SPD-Generalsekretärin, im Juni 2017 Familienministerin. Kurz vor der Bundestagswahl 2017 sprach sie mit BILD der FRAU...

"Zerrissen zwischen Job und Familie? Ich kenne das"

BILD der FRAU: Ihre Amtszeit Bis zur Bundestagswahl umfasst kaum 4 Monate. Zu wenig, um etwas zu bewegen? Was sind Ihre Herzensangelegenheiten?

Katarina Barley: Ja, vier Monate sind tatsächlich recht kurz, um viel umzusetzen. Aber die Aufwertung sozialer Berufe, wie etwa bei Erzieherinnen und Erziehern, durch bessere Bezahlung und Wertschätzung ist mir eine Herzensangelegenheit. Außerdem das Thema Trennungsfamilien: Jede dritte Ehe wird geschieden – oft im Streit zulasten der Kinder. Der Staat muss Menschen besser dabei unterstützen, sich zwar als Paar zu trennen und trotzdem Eltern zu bleiben. Und ein dauernd brennendes Thema bleibt selbstverständlich die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Was muss sich ändern, damit die endlich Realität wird?

Ich will eine Familienarbeitszeit einführen, bei der beide Elternteile Arbeitszeit reduzieren können und zusammen 300 Euro Unterstützung bekommen. Aber auch Unternehmen müssen ihren Teil beitragen. Eine Studie zeigt, dass die Mehrheit der Arbeitgeber von sich behauptet, familienfreundlich zu sein, aber die Arbeitnehmer das überhaupt nicht so empfinden.

Sie sind selbst Mutter. Kennen Sie die Zerrissenheit zwischen Familie und Job?

Klar, auch jetzt noch. Mein großer Sohn studiert schon, mein Jüngerer wohnt noch zu Hause. Meine Kinder sagen mir, dass sie auf meine Arbeit stolz sind. Das ist für mich sehr wichtig. Und das war bei mir früher auch so: Ich fand es immer toll, dass meine Mutter einen Job hatte.

Hilf Ihnen diese Erfahrung bei Zweifeln?

Ja, schon. Aber meine Söhne haben auch immer viel Zeit mit ihrem Vater verbracht. Anfangs hat er seine Arbeitszeit reduziert. Das hat die Bindung zwischen ihnen sehr stark gemacht.

Was raten Sie jungen Familien?

Immer mehr junge Väter wollen gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen – und die Mütter wollen gleichzeitig mehr Verantwortung im Beruf übernehmen. Diesen Wunsch müssen die Politik und die Arbeitgeber unterstützen. Viele Familien leben immer noch in traditionellen Konstellationen, obwohl sie eigentlich damit unzufrieden sind.

Was ist Ihre Kraftquelle nach einem stressigen Tag?

Ich bin viel unterwegs und kann mir nicht jeden Abend die Kraftquelle „Familie“ oder „mein Bett“ leisten. Aber ich spüre, dass das, was ich mache, wichtig ist. Das gibt mir Kraft So wie viel Schlaf und ausreichend Essen. Mehr brauche ich eigentlich nicht (lacht)

Wer ist Katarina Barley?

Geburtstag: 19.11.1968 in Köln (Skorpion).

Karriere: Volljuristin, 1998 Promotion, 2010–2016 SPD-Kreisvorsitzende Trier-Saarburg, ab 2013 im Bundestag, 2015-2017 SPD-Generalsekretärin, 2017 Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend.

Privat: Lebt in Schweich bei Trier, zwei Söhne, geschieden.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich in der BILD der FRAU Nr. 38.

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