10.04.2017

Letzte Spur Berlin Hans-Werner Meyer: Man muss sich in der Ehe streiten können

Hans-Werner Meyer: "Wenn man sich nur deshalb trennt, weil es gerade schwierig wird, gibt man auf. "

Foto: imago/STAR-MEDIA

Hans-Werner Meyer: "Wenn man sich nur deshalb trennt, weil es gerade schwierig wird, gibt man auf. "

Hans-Werner Meyer ist ein echter Charmeur - und Quotenbringer als TV-Ermittler in "Letzte Spur Berlin". Wir trafen ihn zum Gespräch über Eheglück...

BILD der FRAU: Die sechste Staffel von „Letzte Spur Berlin“ - es geht um spurlos Verschwundene. Haben Sie es selbst schon erlebt, dass Menschen verschwinden?

Hans-Werner Meyer: Ja, ich habe mal erlebt, dass zwei vierjährige Mädchen aus unserer Nachbarschaft plötzlich weg waren. Ich war damals gerade im Kommissar-Modus, wusste, das bei einem Vermisstenfall die ersten Minuten entscheidend sein können, habe den Eltern die entscheidenden Fragen gestellt und dabei herausgefunden, dass die Kinder zum Bäcker gehen wollten, was ihnen verboten worden war.

Also bin ich davon ausgegangen, dass sie es heimlich trotzdem getan haben, bin die Straße abgegangen, habe Leute befragt und bin Hinweisen nachgegangen. Irgendwann habe ich sie wiedergefunden. Es wurde gerade dunkel, und sie waren dabei, die große Straße in die falsche Richtung zu überqueren.

Sie hätten vermutlich nicht mal sagen können, wo sie wohnen. Da ist mir klar geworden, wie schnell es in der Stadt passieren kann, dass Kinder verschwinden.

Sie sind also auch privat ein Schnüffler?

Nein, ich kam nur gerade vom Dreh für die „Letzte Spur“ und deswegen sozusagen im Thema. (lacht) Die Eltern hatten auch schon die Polizei gerufen. Die waren aber noch damit beschäftigt, Personalien aufzunehmen und Fragen zu stellen. Ich hatte ja den Vorteil, Kinder und Gegend zu kennen und bin deshalb sofort losgegangen. (lacht).

Hans-Werner Meyer hat das Glücksschwein-Gen

Sie sind ein Held des Alltags. Anderes Thema. Ihr Bruder hat mal gesagt, dass Sie das „Glücksschwein-Gen“ besitzen. Was meinte er damit?

Er ist mein älterer Bruder und musste miterleben, dass ich auf dem Weg, den er für mich freigetrampelt hat, schnell und verhältnismäßig viel Erfolg hatte. Ich hatte bislang wirklich viel Glück in meinem Leben. Allerdings besitze ich auch die Fähigkeit, Glück zu empfinden. Das ist möglicherweise der springende Punkt: ich sehe mich als glücklichen Menschen.

Das ist doch schön. Wie kommt das?

Erstens geht es mir wirklich gut. Zweitens halte es aber auch nicht lange aus, unglücklich zu sein. Das ist eine Einstellungssache.

Und wenn Sie mal einen Anflug von Unglück verspüren – was tun Sie dann?

Nicht das Unglück ist das Unglück, sondern das Verharren darin. Es ist gewissermaßen eine Umgebung, in der ich mich nicht wohl fühle, wie ein ungelüfteter Raum. Aber es gibt Tricks.

Was denn zum Beispiel?

Rausgehen, sich bewegen, Sport treiben, den Fokus woandershin lenken. Meistens geht es doch darum, das Gefühl der Kontrolle über sein Leben zurückzugewinnen. Um Peter Fox zu zitieren: „Wenn´s dir nicht gefällt, mach neu!“ Aber Glück wird ohnehin oft mit rauschhafter Ausnahme verwechselt. Ich bin glücklich, wenn ich morgens in Ruhe einen Kaffee mit meiner Frau trinken kann und alles in Ordnung ist.

Man muss sich in der Ehe streiten können

Sie sind mit Ihrer Frau seit 20 Jahren verheiratet. In Zeiten, in denen fast jede zweite Ehe scheitert, ein tolles Vorbild. Wie geht’s?

Man muss sich streiten können. Meine Frau und ich hatten sehr heftige Auseinandersetzungen am Anfang. Aber dadurch haben wir heute auch keine Angst, dass alles vorbei ist, wenn wir uns mal zoffen. Wenn Kinder kommen, erwarten einen ja noch ganz andere Auseinandersetzungen. Da waren wir bereits erfahrene Streit-Veteranen. (lacht)

Viele trennen sich, wenn es schwierig wird. Was meinen Sie dazu?

Wenn man sich nur deshalb trennt, weil es gerade schwierig wird, gibt man auf. Man braucht schon Ausdauer und Durchhaltevermögen. Eine Ehe ist kein Zuckerschlecken.

Kein Zuckerschlecken? Was ist es denn?

Ein gemeinsames Werk, ein Rahmen für das gemeinsame Leben. Wer sich nur um sich selbst dreht, wird nicht glücklich. Wer in einer Beziehung Angst vor Anstrengung hat, hat verloren, definitiv. Man wird nicht dadurch glücklich, dass man es sich leicht macht, sondern wenn man das Glück im Anderen sieht.

Der personifizierte Gentleman

Sie sind für viele Frauen der personifizierte Gentleman. Müssen Menschen wieder respektvoller miteinander umgehen?

Schaden könnte es sicher nicht. (lacht) Mein Vater ist immer mit dem Bus zur Arbeit gefahren, hat beim Einsteigen seinen Hut gelüftet und allein einen ‚Guten Morgen’ gewünscht. Das hat mir imponiert. Viele hielten ihn vielleicht für einen Kauz, aber er war fröhlich dabei.

Bei Ihnen zuhause herrschte früher ein Kreativitätszwang. Sie mussten mit ihrem Bruder bei Familienfesten kleine Stücke aufführen. Machen Sie das bei Ihren Kindern auch so?

Das war kein Zwang, eher eine Art Erwartungsdruck. Die Leute mochten halt, wenn wir was aufgeführt haben. Den gibt es bei uns jetzt nicht. Aber sie bekommen schon mit, dass es gut ist, aktiv zu werden und sich auszudrücken. Fantasie ist wichtig.

Sie kümmern sich intensiv um ihre Söhne, weil ihre Frau als Schauspielerin auch oft unterwegs ist.

Nicht, weil sie oft unterwegs ist, sondern weil ich ihnen dadurch nah bin. Ich mach das auch, wenn meine Frau zuhause ist. Wir teilen alles. Nähe entsteht nur durch gemeinsam erlebten Alltag, durch die Hilfe bei den Schularbeiten, durchs Vorlesen, gemeinsames Angeln gehen, Fußballspielen. Ich empfinde das als großes Privileg.

Und wann ruhen Sie sich aus?

Gar nicht. Ich bin nicht so der gechillte Typ (lacht). Ich bin gerne immer aktiv.

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TV-Tipp: „Letzte Spur Berlin“, ab 3.3., 21.15 Uhr, ZDF.

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Dieser Artikel erschien auch in der BILD der FRAU Nr. 13.

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