06.04.2017

Little Big Stars Gottschalk: Meine Frau hat gesagt, dass ich das machen muss

Ab dem 23. April präsentiert Thomas Gottschalk "Little Big Stars" in Sat.1.

Foto: Jürgen Heinrich / Imago

Ab dem 23. April präsentiert Thomas Gottschalk "Little Big Stars" in Sat.1.

Mit Little Big Stars kehrt Thomas Gottschalk auf die TV-Bühne zurück. Er erklärt, worum es bei der Show geht und wer seine wahren Stars sind.

 

Nicht mehr der Samstag, sondern der Sonntag gehört schon bald Thomas Gottschalk. Der Entertainer moderiert ab dem 23. April "Little Big Stars" (20.15 Uhr) in Sat.1. In der Show zeigen begabte Kinder aus der ganzen Welt ihr Können. Dabei steht der Spaß im Vordergrund, es gibt weder eine Jury noch eine Bewertung für die kleinen Talente.

Das ist "Little Big Stars"

Die Erwartungen an das neue Format sind groß. In Amerika ist die Sendung, die dort "Little Big Shots" heißt, erfolgreich wie keine andere Show in den vergangen fünf Jahren. In Deutschland sind zunächst vier Ausgaben mit Gottschalk geplant. Für den ehemaligen "Wetten, dass"-Moderator ist die Show eine völlig neue Erfahrung. Im Mittelpunkt stehen die kleinen Talente - und die möchte Gottschalk möglichst gut in Szene setzen. Wie er das schafft und was das Besondere an dem Format ist, das erklärt der Entertainer höchstpersönlich.

Warum haben Sie sich entschieden, „Little Big Stars“ zu moderieren?

Gottschalk: Ich habe mir das amerikanische Original angeschaut und habe meine Frau dazu geholt. Sie hat das eine halbe Stunde mit mir geschaut. Dann hat sie gesagt: 'Wenn ihr auch so Kinder findet, dann musst du das machen'.

Was hat Sie an dem Format von "Little Big Stars" interessiert?

Das ist ein Format, für das du nicht viel proben musst. Weil man mit Kindern nicht viel proben kann. Und ich habe gemerkt, dass da eine Art von Ehrlichkeit dahinter steckt, die ich heute im Fernsehen vermisse. Da ist mittlerweile alles gescriptet und durchgeplant.

Gottschalk moderiert zum ersten Mal eine Show mit Kindern

Wie war es, eine Sendung mit Kindern zu moderieren?

Meine Sorge war ein bisschen, wie die Kinder auf mich reagieren. Ob die mich kennen oder ob die sagen, was will der von mir. Aber das hat sich relativ schnell erledigt. Es war ziemlich schnell eine Verbindung da. Natürlich war da auch die Frage nach den Gummibärchen, die war irgendwie immer dabei, aber wir haben sie in 90 Prozent der Fälle rausgeschnitten. Und die sehen mich natürlich immer als eine Figur, die die Taschen voller Lakritze hat. Und da musste ich sie teilweise enttäuschen.

Enttäuschung ist nicht schön, wie haben Sie es trotzdem geschafft, dass sich die Kinder wohlgefühlt haben?

Natürlich habe ich während dieser Veranstaltung meine unterschiedlichen Begabungen herausgeholt. Ich konnte den Kindern den Opa machen. Ich habe auch noch Erinnerungen an meine Tätigkeit als Vater. Ich bin auch noch als großer Bruder einsetzbar oder eben als Klassenclown. Ich habe versucht alles das zu bemühen und den Kindern so zu begegnen, dass sie sich wohlgefühlt haben. Das einzig entscheidende war für mich: Ist dieses Kind jetzt bei sich, hat es Spaß, ist es in der Lage, das was es machen wollte auch hinzukriegen.

Warum ist es so anders, wenn Kinder und keine Erwachsenen auf der TV-Bühne stehen?

Ich war oft überrascht, wie weit Kinder mir geistig voraus waren. Aber damit habe ich meine ganze Karriere gelebt. Insofern war das für mich eine richtig tolle Erfahrung. Was ich auch ein bisschen lernen musste ist, dass du Kindern Raum geben musst. Ich bin einfach von dieser Umschalt-Angst getrieben. Du hast dieses Gefühl, dass, jetzt zwei Minuten lang nicht etwas passiert ist, was die Leute bei der Stange hält, jetzt musst du Gas geben. Aber Kinder brauchen eben Zeit.

Wir haben oft auch die Erfahrung gemacht, dass da jemand reinkommt und erst einmal guckt, sitzt und maß nimmt. Und du dann denkst: ‚Jetzt aber los‘. Aber das haben wir gelernt, dass da auch ein gewisser Charme drin ist, einfach normale Kinder normal agieren zu sehen - weil putzig sind sie immer. Sie haben einen Charme, sie haben teilweise eben auch eine Ernsthaftigkeit, die dann wieder überrascht, weil sie ja alle irgendetwas können.

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"Das Publikum war für mich das größte Risiko"

Wie haben Sie sich auf die Kinder vorbereitet?

Es war so, dass wir nicht nur die zehn Minuten, die das Kind zu sehen ist, mit ihm verbracht haben. Wir haben oft eine Stunde mit denen rumgekaspert. Für mich war eigentlich das Publikum das größte Risiko. Wir hatten ja Showpublikum und da haben wir beim Warm-Up gesagt, dass das Kinder sind. Sie Zuschauer sollten an ihre eigenen Enkel und ihre Kinder denken, und wenn die jetzt einfach hier sitzen würden und nicht wüssten, wo es langgeht, dann lasst die da nicht verhungern. Und das hat auch funktioniert.

Diese Kinder haben alle den Eindruck gemacht, als wenn sie Spaß hätten, bei dem was sie tun. Wir hatten ganz wenig sogenannte "Arschlochkinder" dabei. Wo man das Gefühl hatte, dass die Mutter denen so lange an den Ohren gezogen hat, bis das Kind Klavierspielen gut findet. Das hatten wir ganz, ganz selten. Und wenn ich das bemerkt habe, dann hat man mir das Mitleid auch angemerkt.

Waren die Eltern manchmal ehrgeiziger als die Kinder?

Es gab zwei bis drei Fälle, wo ich gemerkt habe, dass die Eltern durchaus mit einem gewissen Wohlwollen und auch mit einem gewissen Druck den Kindern dieses Hobby nahegelegt haben. Da habe ich die Kinder dann zur Seite genommen und habe sie gewarnt.

Bei uns war es eine Art von Comic-Relief. Es war eben kein Vorspielen vor irgendeinem Gremium des Mozarteums. Es war nichts, wo die Mutter gesagt hat: 'Jetzt reiß‘ dich mal zusammen'. Und wir haben auch gemerkt, dass die Väter, gerade wenn es um aktive Dinge ging, rührend mit ihren Kindern hinter der Bühne rumgespielt haben. Die Väter sind da ja heute teilweise durchaus Buddies ihrer Kinder und nicht so strenge Aufsichtspersonen, die irgendwas erreichen wollen, mit dem Motto, was ich nicht geworden bin, soll mein Kind dann werden.

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Sie haben jetzt so viele talentierte Kinder gesehen. Welches Talent hätten Sie denn eigentlich gerne gehabt?

Dieser alte Satz, man müsste Klavier spielen können, der galt ja früher mal. Meine Mutter hat mir den auch mehrfach ins Stammbuch geschrieben. Ich habe es nicht gelernt, ich habe es nie gekonnt. Sich an irgendein fremdes Klavier zu setzen und da zu brillieren ist ein tolles Gefühl, das ist mir mein Leben lang versagt geblieben. Ansonsten behaupte ich, viele Dinge zu können, die ich in Wirklichkeit gar nicht kann. Ich vermisse keine Talente und ich verbringe auch meine Zeit nicht damit, irgendwelchen Talenten nachzujammern, die ich gerne gehabt hätte und nicht habe. Dass ich das schauspielerische Talent nicht habe, habe ich auch mehrfach bewiesen. Also die Leute wissen inzwischen sogar, welche Talente ich nicht habe.

Erfolg ist nicht mehr planbar

Was passiert, wenn "Little Big Stars" nicht erfolgreich in Deutschland läuft?

Für mich ist das Kriterium hinterher: Hast du dich damit blamiert? Hast du da etwas abgeliefert, was unter deiner oder unter der Würde des Senders war? Und wenn ich sagen kann ‚Nein‘, dann ist es in Ordnung und wenn es keiner geguckt hat, dann habe ich Pech gehabt.

Wie lange sehen wir Sie noch im Fernsehen?

Jede Sendung, die ich mache, könnte theoretisch die letzte sein in meinem Alter sein. Praktisch wäre das zwar nicht, aber möglich...

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