04.04.2017

Schwedenkrimi "Demut" - Ein "Spanking-Mörder" macht Jagd auf Frauen

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Mats Olsson Der Schwede ist als Kritiker, Reporter und Übersetzer in Schweden bekannt und lebt derzeit in New York.

Foto: dpa

Mats Olsson Der Schwede ist als Kritiker, Reporter und Übersetzer in Schweden bekannt und lebt derzeit in New York.

Ein Mörder verprügelt Frauen auf brutale Weise, bevor er sie umbringt. Der Ex-Reporter Harry Svensson macht sich auf seine Spur. Und gerät dabei selbst in die Schusslinie.

Ein vollgedröhnter B-Promi liegt schnarchend neben einem toten Escort-Girl in einem Hotelzimmer. Als der Ex-Reporter Harry Svensson nach einem missglückten Date dort zufällig hineinstolpert, wittert er nicht nur eine ganz heiße Story.

Er will den Mord lösen. Denn der besoffene Musiker ist unschuldig. Svensson erkennt sofort, worum es geht: Der Täter wollte sein Opfer bestrafen. In seinem ersten Krimi "Demut", der vor allem in Südschweden spielt, schickt der schwedische Autor Mats Olsson seinen Protagonisten auf die Fährte des "Spanking-Mörders".

Kreuz und quer, von Malmö nach Stockholm, Göteborg und zurück jagt er den Journalisten durch Städte und Dörfer, und der Leser fühlt sich dabei selbst bisweilen, als nähme er einen Zug durch die schwedische Landschaft. Manchmal saust die Handlung davon, dann geht es wieder eher schleppend voran, wenn der Autor, der selbst aus der südschwedischen Provinz stammt, Svensson über Himmel und Küsten in Schonen sinnieren lässt. Kurzum: Ein Pageturner ist das Krimidebüt nicht, Langeweile kommt trotz der 736 Seiten aber auch nicht auf.

Als der Krimi in Schweden erscheint, kritisiert die dortige Presse, Olsson habe seinem Protagonisten wohl etwas zuviel von sich selbst mitgegeben. Der Schwede ist als Kritiker, Reporter und Übersetzer in seiner Heimat bekannt und lebt derzeit in New York. Das Debüt sei nicht schlecht, urteilt die Boulevardzeitung "Expressen", für die Olsson selbst viele Jahre geschrieben hat. Auch wegen der schwachen Hauptfigur sei es aber noch "ein langer Weg bis zur Champions League".

Tatsächlich ist Olssons Ex-Reporter und angehender Kneipenwirt Harry Svensson kein zweiter Kurt Wallander oder Harry Hole. Das Bild, das der Schriftsteller von ihm zeichnet, bleibt abgesehen von seiner Vorliebe für ausgefallene sexuelle Praktiken, die er mit dem Mörder teilt, eher oberflächlich. Man schließt den Protagonisten nicht auf Anhieb ins Herz. Vielleicht auch, weil der Leser kaum etwas über seine Beziehungen zu anderen Menschen erfährt.

Anderen Figuren wie dem brutalen Frauen-Mörder und dem pensionierten Journalisten Arne Jörnsson, mit dem Svensson das Rätsel um die Spanking-Morde löst, widmet sich der Autor beherzter und verleiht ihnen so Tiefe. Wer der eiskalte Killer ist, dem im Laufe des Romans immer mehr Frauen zum Opfer fallen, findet Svensson mit Hilfe seiner Kontakte in der Spanking-Szene und dem unermüdlichen Jörnsson früher heraus als die Polizei - was den Journalisten in eine brenzlige Situation bringt und am Ende doch noch etwas Thriller-Dramatik aufkommen lässt.

Klar ist aber, dass Olsson seinen Protagonisten, mit dem er eine Serie plant, das Abenteuer überleben lässt. Da trifft es sich gut, dass zugleich offen bleibt, ob der Mörder wirklich aus dem Weg geräumt ist. Das könnte Stoff für einen zweiten Band liefern.

- Mats Olsson: Demut. btb Verlag, München, 736 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-442-71464-3.

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