27.04.2017

RTL's Näh-Paradies Die Frau, die „Let’s Dance“ modisch zum Glitzern bringt

Reporterin Erika Krüger probierte das Walzerkleid von Sonja Kirchberger an. Ihr Fazit? „Toll, wie eine Prinzessin.“

Foto: Guido Ohlenbostel (3), A-way, People Picture, RTL (11)

Reporterin Erika Krüger probierte das Walzerkleid von Sonja Kirchberger an. Ihr Fazit? „Toll, wie eine Prinzessin.“

Seit zehn Jahren entwirft Katia Convents die Kostüme für „Let’s Dance“ – 3000 aufregende Kleider bisher. BILD der FRAU hat ihr zwischen bunten Stoffen, Strass, Pailletten, Spitze und Federn ein paar Geheimnisse entlockt.

Wow – hier werden Mädchenträume wahr. Glasschränke, gefüllt mit glitzernden Colliers. Schimmernde Stoffe in allen Farben. Ein Raum, bis zur Decke gefüllt mit goldenen Tanzschuhen. Und überall fleißige Schneiderinnen an Bügelbrett und Nähmaschine – die dafür arbeiten, dass sich die „Let’s Dance“-Stars in Tanzprinzessinnen verwandeln können.

Atelier-Chefin Katia Convents (55) ist die gute Fee hinter den Kulissen der erfolgreichen Tanz-Show. In ihrem Bonner Studio entstehen all die Tüll- und Seidenroben für die Sendung. Die gebürtige Polin war 30 Jahre lang Profitänzerin und weiß, was Frauen lieben.

BILD der FRAU: Liebe Katia, wie viele Kleider und Männerkostüme haben Sie seit der ersten Staffel entworfen?

Katia Convents: Bestimmt 3000 Kostüme. Ich hebe jeden Entwurf auf und habe ganze Aktenordner. Mit bis zu 14 Näherinnen bin ich ein halbes Jahr nur mit der „Let’s Dance“-Show beschäftigt. Für jedes Kleid haben wir maximal vier Tage Zeit.

Vier Tage? Das ist ja Hochleistungssport.

Absolut. Ich bekomme die Musik-Auswahl für die nächste Show am Freitagabend. Samstag mache ich die Entwürfe und meine Schneiderinnen nähen dann bis zur Generalprobe am Donnerstag die Kleider. Manchmal sind wir bis zur letzten Sekunde vor der Show damit beschäftigt, die Kostüme am Körper anzupassen. Ich bin jeden Donnerstag und Freitag mit elf Näherinnen im Studio. Auch als Pannenhelfer. Wir verlassen als letzte nach der Show die Umkleidekabinen.

Wie lange sitzen Ihre Mitarbeiterinnen an einem Kleid?

Bei manchen Kleidern bis zu 60 Stunden. Jede Paillette und jeder Strassstein wird per Hand aufgeklebt. Das ist alles Handarbeit und wird hier im Atelier gefertigt. Ich bin sehr stolz auf mein Team.

Wie fällt Ihnen denn immer was Neues ein?

Da reicht manchmal der Anfang eines Liedes, ein Wort und natürlich inspirieren mich auch die Promis. Ich konzentriere mich dabei auf den Typ der jeweiligen Person. Bei uns gibt es vorher auch keine Anprobe. Wir nehmen vorher die Körpermaße aller Tänzer auf und erstellen für jeden eine Puppe aus Styropor. Und ich habe jedes einzelne Kleid von der ersten Staffel an im Kopf.

Was ist die größte Herausforderung für Sie und Ihr Team?

Die Damen müssen sich wohlfühlen. Und natürlich ist es schwieriger, für eine etwas fülligere Person ein tolles Kleid zu nähen, mit dem sie zufrieden ist. Ein Mädchen mit Größe 36 kann alles tragen – es wird immer toll aussehen.

Wird der Anspruch von Staffel zu Staffel größer?

Ich hänge mir die Latte selbst ziemlich hoch. Am Anfang haben wir typische Turnierkleider für die Tänze genäht. Heute sind die Kleider viel hollywoodmäßiger – wir inszenieren zu jedem Tanz eine Geschichte. Ich bin eigentlich monatelang jeden Tag zwölf Stunden nur mit „Let’s Dance“ beschäftigt. Und ich liebe es. Ich kann mich als Designerin wirklich austoben.

Was passiert mit den Kleidern nach der Show?

Die meisten wandern in den Fundus. Viele werden aber auch an Zuschauerinnen verkauft. Das Charleston-Kleid von Victoria Swarovski von der ersten Show am 24.2.2017 ist auch schon verkauft! Die Kleider sind Unikate. Deshalb sind die Käuferinnen bereit, auch einen Preis zu zahlen, der bei weit über 1000 Euro liegen kann.

Sie haben selbst 20 Jahre lang als Profi getanzt. Vermissen Sie die Bühne?

Nein, ich gebe aber immer noch Tanzunterricht. Früher habe ich zwar die ganze Welt besucht – aber nur Tanzsäle und meine falschen Wimpern gesehen (lacht). Mein jetziges Leben ist viel spannender.

Let’s Dance: Zahlen, Daten, Fakten

Materialverbrauch für die Damenkleider (aktuelle Staffel):

  • Standardkleider: 980 Meter Stoff, 282 240 Strass-Steine, 56 Meter Federboa, 28 Meter Marabu-Federn.
  • Lateinkleider: 210 Meter Stoff, 290 304 Strass-Steine, 14 Meter Marabu-Federn.
  • Für alle Damenkostüme außerdem 1,5 Kilo Pailletten.

Das aufwendigste Kleid

„Das für Victoria Swarovski. Wir haben per Hand 25 000 Strasssteine auf den Stoff geklebt! Sogar ihre Schuhe waren über und über mit Glitzersteinen beklebt.“

Das späteste Kleid

„Wir hatten für Magdalena Brzeska ein Kleid genäht, das über und über mit Federn beklebt war. Bei der Probe flogen sie in alle Richtungen. Sie sah aus wie ein gerupftes Huhn. Wir nähten bis zur letzten Sekunde ein neues Oberteil.“

Meine schlimmste Panne

„Als 2015 der Reißverschluss beim Kleid von Motsis Mabuses Schwester Otlile am Rücken gerissen ist. Meine Näherinnen sind sofort auf die Bühne geeilt und haben das Kleid geflickt. Es musste alles ganz schnell gehen. Schon fünf Minuten später wurde die Panne auf Facebook gepostet … Aber so ist das eben bei Live-Shows.“

Katias Tipps: So findet jede Frau das perfekte Kleid

  • Nicht zu viel Stoff-Volumen, wenn man etwas fülliger ist.
  • Keine Wickeloptik bei einem Bäuchlein.
  • Keine schulterfreien Kleider oder Trägerkleider, wenn die Haut nicht mehr vollkommen glatt ist.
  • Immer, wirklich immer hohe Schuhe. Niemals bequeme flache Schuhe. Lieber Tanzschuhe mit Absatz kaufen, die sind auch gemütlich.
  • Ein schönes Dekolleté betonen - das wirkt weiblich und sexy.
  • Als Schmuck ein hübsches Halscollier - peppt auch schlichte Kleider sofort auf.
  • Wenn man breite Hüften hat, sollte der Schnitt etwas weiter sein.
  • Ein schwarzes Kleid kann man schön mit ein paar Federn, Strass-Steinen oder einer Applikation aufwerten.

Mehr Infos: www.katiaconvents.de

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Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 12.

Ziemlich viele Wow-Kleider ...

In unserer Galerie erwarten Sie echte „Let’s Dance“-Kostüm-Highlights!

... und ein paar Au-Kleider

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