21.03.2017

Themenschau Franz Radziwill in der Kunsthalle Bremen

Von

"Der Streik" von Franz Radziwill aus dem Jahr 1931 in der Bremer Kunsthalle.

Foto: dpa

"Der Streik" von Franz Radziwill aus dem Jahr 1931 in der Bremer Kunsthalle.

Schiffe, Flugzeuge, ein Gasometer und ein Wasserturm - die Eindrücke seiner Kindheit haben den Maler Franz Radziwill (1895-1983) nie losgelassen. Seine Bilder erzählen bis heute davon.

Als Kind des Hafens hat sich der Maler Franz Radziwill (1895-1983) bezeichnet. Staunend stand der Junge vor dem Schnelldampfer "Bremen" des Norddeutschen Lloyd und vor Europas damals größtem Gasometer.

1912 erlebte der Technikbegeisterte mit, wie ein Pilot mit seiner Propellermaschine abstürzte. Eindrücke, die sein Werk ein Leben lang prägten.

Die Themenschau "Franz Radziwill und Bremen" würdigt seit Dienstag erstmals die Verbundenheit des Malers mit der Stadt seiner Kindheit. Die 50 in der Kunsthalle Bremen inszenierten Werke reichen von Radziwills expressionistischem Frühwerk bis zum Magischen Realismus. "Die Bilder, die Bremens Stadtgeschichte erzählen, gehören zu seinen großartigsten Werken", sagte die Kuratorin Birgit Denizel am Dienstag.

Künstlertochter Konstanze Radziwill erinnerte am Dienstag an die enge Beziehung des Künstlers zu seiner Heimatstadt: "Die Kindheitserlebnisse haben sich bei meinem Vater eingebrannt, wie bei allen sensiblen Menschen und bei Künstlern allemal."

Radziwill, der älteste von sieben Geschwistern, kam erst nach einer Maurerlehre zur Kunst. In Bremen malte er nach dem Ersten Weltkrieg weder Dom noch Rathaus. Ihn interessierten die Randbezirke. Die Wohnwagen der Sinti-Familien direkt an der Müllkippe. "Als Einzelgänger mag er sich mit diesen Außenseitern identifiziert haben", vermutet Denizel. Weitere Themen sind das imposante Gasometer, Kriegsschiffe und Flugzeuge. Besucher können diese Motive mit Hilfe von Stadtplänen und historischen Fotos in Bremen nachspüren.

Wie schon der Romantiker Caspar David Friedrich hat Radziwill das Gesehene nicht eins zu eins abgebildet, sondern neu zusammengesetzt. In dem Gemälde "Der Wasserturm in Bremen" von 1932 leuchten unter gespenstischem Gewitterhimmel Arbeiterhäuser, die real woanders standen. Lichtführung und Farbigkeit verfremden die Szene. Einige seiner rätselhaften Werke habe er später übermalt, sagt Denizel, ein Update seiner künstlerischen Botschaft.

Auch Werke der Kunsthalle Bremen haben den Künstler inspiriert, darunter Vincent van Goghs "Mohnfeld" von 1889. Jetzt hängt es neben Radziwills Landschaftsbildern und eröffnet einen vergleichenden Blick auf den schnellen Pinselstrich. Eine weitere Gegenüberstellung zeigt, dass Radziwills Tulpen-Bild von Pflanzenstudien Albrecht Dürers geprägt ist. Dass der später in Dangast (Kreis Friesland) lebende Maler die Themen alter Meister mit expressiven Farben zum Leuchten bringt, macht seine Bilder unverwechselbar.

"Die Klage Bremens", Radziwills Mahnung an die Nachkriegsgeneration hängt - auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Hans Koschnick - seit 1978 im Bremer Rathaus. Bremen war nach dem Zweiten Weltkrieg zu 60 Prozent zerstört. Der Maler zeigt die zerbombte Stadt. Ein Flugzeug mit der Aufschrift "Technik" jagt einen Engel, auf dessen Banner das Wort "Menschheit" zu lesen ist. Radziwill, der anfangs Flieger werden wollte, geht auf Distanz zu einer Technik, die ihn als Kind begeisterte.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen