10.03.2017

Im Ahoi Steffen Henssler: "Ich kann echt schlecht verlieren!"

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Steffen Henssler in seinem neuen Restaurant "Ahoi."

Foto: Patrick Piel

Steffen Henssler in seinem neuen Restaurant "Ahoi."

Steffen Henssler tritt nirgendwo an, um Zweiter zu werden. Das beweist er in seiner Sendung "Grill den Henssler". Doch was treibt den TV-Koch an?

Zu Besuch in Steffen Hensslers neuem Restaurant

BILD der FRAU: Ahoi, Herr Henssler!

Ahoi! Und willkommen in meinem neuen Restaurant …

Ganz schön was los hier. Da frag ich mich direkt: Wie viele Läden kann man eigentlich als einzelner Mensch unter Kontrolle haben?

Wenn wir Jamie Oliver angucken, habe ich noch Luft nach oben. (lacht) Ich habe doch nur vier mit der Kochschule – der hat an die vierzig.

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Also wollen Sie immer weiter expandieren?

Erst mal nicht, immer schön eins nach dem anderen. Ich kann das alles nur mit einem guten Team um mich herum schaffen. Und das habe ich!

Was ist Ihnen am allerwichtigsten in Ihren Läden?

Dass der Gast rausgeht und sagt: Da gehe ich wieder hin.

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Das macht für Henssler einen tollen Restaurantbesuch aus

Und was brauchen Sie, damit Sie nach einem Restaurantbesuch mit diesem Gefühl nach Hause gehen?

Das hat ganz viel mit dem Service zu tun. Ich selbst gehe lieber in einen Laden, wo ich vielleicht kulinarisch Abstriche mache, aber gut behandelt werde. Wenn du toll gegessen hast, aber der Kellner dich schlecht behandelt hat, dann kommst du nicht wieder. Gegen einen schlechten Kellner kannst du nicht ankochen – ein guter Kellner kann aber fast alles rausreißen.

Manche Läden setzen im Service aber tatsächlich auf ein bisschen Arroganz und kühle Ansprache.

Stimmt – furchtbar. Genau, wie dieses selbstverständliche Geduze. Bei mir wird gesiezt.

Und das sagt jemand, der selbst so locker und kumpelhaft daher kommt …

Klar, aber es ist ein Unterschied, ob ich im Fernsehen oder auf der Bühne unterhalten will oder ob ich einen Gast bewirte.

Können Sie eigentlich noch ganz normal Gast sein?

Wenn’s nach mir geht, auf jeden Fall. Ich bin keiner, der anstrengend ist oder erklärt, was er besser gemacht hätte. Allerdings werde ich meistens erkannt, und deswegen bekomme ich häufig „Grüße aus der Küche“. (lacht) Ich freue mich auch darüber, aber manchmal willst du eben auch einfach nur nett zusammen sitzen und deine Ruhe haben.

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Und jetzt gehen Sie gar nicht mehr essen?

Doch, aber nur in meine drei Lieblingsläden. Dort ist es den Leuten völlig wurscht, wer ich bin.

Wie geht Henssler mit dem Ruhm um

Die Welt wird mit zunehmender Bekanntheit also wieder kleiner … Sie haben drei Restaurants und eine Kochschule, machen TV-Sendungen und Live-Tourneen – haben Sie nie Angst, sich zu viel aufzuhalsen?

Nein, denn ich achte sehr auf mich, auch wenn 2016 schon sehr viel los war. Dieses Jahr werde ich mal mehr Pausen machen! Aber ich habe Bock, Sachen zu machen. Ich bin im positiven Sinn getrieben. Und ich finde, die Jahre zwischen zwanzig und sechzig, die sollen auch gut genutzt sein, danach kann man ruhiger werden.

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Und dann?

Dann springe ich nicht mehr auf den Küchentresen und schufte, sondern lasse die Seele baumeln.

Was macht einen Koch eigentlich zum Star?

Ich glaube, das hat weniger mit dem Kochen zu tun als damit, was man als Persönlichkeit mitbringt. Es gibt genug Köche, die nicht kochen können und die trotzdem sehr bekannt und erfolgreich sind. (lacht)

Nein, Quatsch! Ich glaube, dass der Kochberuf schon eine gewisse Portion an Führungsqualität und Humor verlangt. Als Küchenchef musst du ein Leadertyp sein, das passt ganz gut ins Rampenlicht.

Deutschlands beliebteste Star-Köche

Steffen Henssler und sein Bruder Peter

Sie sind definitiv so ein Anführer. Womit wir irgendwie auch bei der familiären Rollenverteilung sind. Ihr Bruder Peter, mit dem Sie „Ahoi“ betreiben, bleibt lieber im Hintergrund, oder?

In der Öffentlichkeit und im Umgang mit den Medien ja, weil es für ihn alles neu ist. Aber im Laden sind wir auf Augenhöhe: Peter ist genau wie ich Geschäftsführer und Mitinhaber. Für ihn ist die Aufmerksamkeit natürlich etwas ganz Neues und dass man da so ein bisschen zurückhaltend ist, finde ich ganz normal.

Ist die Rollenverteilung vielleicht auch schon früher so gewesen: Steffen, der Held in der ersten Reihe und Peter im Hintergrund?

Nein, uns trennen ja zwölf Jahre Altersunterschied. Als ich mit 16 in die Lehre gegangen und ausgezogen bin, war Peter gerade mal vier. Wir haben immer ein gutes Verhältnis gehabt, aber wir waren nicht so eng, das kam erst in den letzten 15 Jahren. Aber ja, wahrscheinlich stimmt es schon: Ich bin die Rampensau, er ist ruhiger – und dabei aber auch saulustig.

Der Siegestrieb von Steffen Henssler

Sie wollen immer ganz vorne sein, oder?

Klar – normal, logisch. Wenn ich irgendwo antrete, dann nicht, um Zweiter zu werden.

Gibt es trotzdem Momente, in denen die „Rampensau“ Steffen ganz kleinlaut wird?

Na klar, vor allem, wenn es um meine Kinder und meine Familie geht, um Gesundheit und Wohlbefinden. Da kann ich schon sehr emotional und leise werden. Aber ich lache auch sehr gern und sehr viel – es hilft in vielen Situationen weiter, wenn man nicht alles so bitterernst nimmt.

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Sie sagen, Sie treten nirgendwo an um Zweiter zu werden – das erleben wir auch im Fernsehen bei „Grill den Henssler“. Können Sie nicht verlieren?

Ehrlich gesagt, kann ich echt schlecht verlieren. Das nervt mich in dem Moment richtig. Generell trete ich aber an, um zu gewinnen. Ich habe jetzt dreimal in Folge gegen meine eigene Tochter beim „Mensch ärgere dich nicht" verloren, jetzt mache ich mir langsam Gedanken (lacht).

Zurück zum Job: Wie geht’s weiter im Fernsehen?

Auf jeden Fall mit „Grill den Henssler“. Und ich habe da einen großen Traum: Eine eigene Late-Night-Talkshow. Im stillen Kämmerlein habe ich auch schon ein paar Ideen gesammelt.

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Dieses Interview erschien auch in der BILD der FRAU Nr. 11.

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