15.02.2017

Verlust Tamme Hankens Witwe: „Tamme ist jetzt mein XXL-Schutzengel“

Von

Letzte Hoffnung Tamme: Wie er den Vierbeinern mit wenigen, energischen Griffen half, darüber staunten Besucher bei den „Kummertagen“

Foto: privat

Letzte Hoffnung Tamme: Wie er den Vierbeinern mit wenigen, energischen Griffen half, darüber staunten Besucher bei den „Kummertagen“

2016 starb Tamme Hanken. Wir haben seine Witwe Carmen auf dem Hankenhof besucht und mit ihr über die Liebe zu einem tollen Menschen gesprochen.

Tamme Hanken: Er hatte ein großes Herz und riesige Hände, die Wunder wirken konnten. So unverwüstlich schien er. Doch im Oktober starb der „Knochenbrecher“, Pferdeflüsterer und XXL-Ostfriese völlig überraschend mit 56 Jahren.

>> Tamme Hanken überraschend gestorben

„Ich denk immer, gleich kommt er zur Tür rein“, sagt Carmen

Was sofort auffällt, ist diese Stille. Die so gar nicht zum Hankenhof in Filsum passt. Denn hier war das Lachen zu Hause. Laut, manchmal polternd, immer ansteckend. Auch für dieses Lachen drängten die Menschen mit ihren Vierbeinern auf den Hof des XXL-Ostfriesen. Und natürlich für seine Kunst, Knochen wieder einzurenken. Mit riesigen feinfühligen Händen nahm Tamme Hanken Pferd, Katze, Hund und sogar Hamster quälende Schmerzen. Berühmt hat ihn das weltweit gemacht und zum Fernsehstar.

>> Neues vom Hankenhof - Tamme forever

Und jetzt diese Stille auf dem Hof. Nur mal ein Pferdewiehern, ein Vogelzwitschern. Carmen Hanken kommt aus dem Stall. Sie ist schmaler geworden, der Kummer hat Spuren hinterlassen. Sie nimmt uns mit in Tammes private Kneipe. Hier steht der große Holztisch an dem Tamme, Carmen und die Hofmitarbeiter jeden Mittag gemeinsam gegessen haben. Die 56-Jährige schenkt Kaffee ein. Dann ist sie bereit, um von Tamme zu erzählen …

BILD der FRAU: Frau Hanken, wie haben Sie vom Tod Ihres Mannes erfahren?

Carmen Hanken: Ich bekam eine SMS von den Freunden, mit denen mein Tamme in Süddeutschland unterwegs war: „Bitte ruf uns dringend an.“ Tamme war umgekippt und im Krankenhaus. Also habe ich dort angerufen, bis ich den Arzt dran hatte. Alles was er mir sagen konnte, war: „Frau Hanken, vor zwei Minuten musste ich ihren Mann gehen lassen. Ich konnte nichts mehr tun.“ Tamme hatte einen Herzstillstand.

Wie haben Sie die nächsten Tage erlebt?

Es war, als würde ich in ein unendlich tiefes, schwarzes Loch fallen. Der Boden unter den Füßen … einfach weg. Zum Glück waren die Mitarbeiter hier, und gute Freunde sind auch sofort gekommen.

Glauben Sie, er hat gespürt, dass etwas mit ihm nicht stimmte?

Ja. Bei anderen konnte er an der Aura sehen, wenn sie nicht mehr lange zu leben hatten. Ich habe kurz nach seinem Tod die letzten Fernsehaufzeichnungen angeschaut und gedacht: Das ist nicht mein Tamme. Er war viel ernsthafter als sonst.

Wie gehen Sie heute mit der Trauer um?

Bis um 17 Uhr funktioniere ich. Der Hof muss ja schließlich weiterlaufen. Aber wenn es ruhig wird, wenn alle gegangen sind, kommt der Schmerz. Wenn ich Tamme zu schlimm vermisse, fahre ich an sein Grab oder schaue mir seine DVDs an. Das gibt mir ein bisschen Trost.

>> "Ich heiße Tamme, nicht Gott!"

Trost, den sie auch auf dem Hof an jeder Ecke spürt.

„Ich denke immer noch: Gleich geht die Tür auf und Tamme kommt rein“, sagt sie. Der Hof ist gerahmt von Rhododendron-Büschen. „Die hat er so geliebt“, erzählt Carmen. „Jedes Jahr mussten neue herangekarrt werden.“

Ein paar Meter weiter, auf der Hofzufahrt, hat Tamme an Besuchstagen immer die Problem-Pferde vortraben lassen. Ein Blick hat ihm genügt, um zu erkennen, wo’s kneift.

„Hier hat auch mit uns alles begonnen“, sagt Carmen. Damals, 2002, als sie aus Moers mit ihrem Pferd „Grand Cru“ nach Filsum kam. „Er lief nicht richtig, niemand konnte ihm helfen.“ Tamme konnte - und zurück in ihrer Heimat läuft „Grand Cru“ wieder einwandfrei. „Aber ich hatte Tamme ein Mal zu tief in die Augen geschaut“, erzählt Carmen und lächelt zaghaft. Also tut sie so, als habe ihr Pferd noch Probleme und fährt drei Wochen später wieder zu Tamme.

Er guckt sich das Tier noch mal an, dann flüstert er seinem Vater ins Ohr: „Die spinnt ein bisschen, die Rheinländerin. Der Gaul hat doch gar nichts.“ Sein Vater schmunzelt nur: „Du bist blind, Tamme. Es geht doch gar nicht ums Pferd. Es geht um dich!“ Und so bleibt sie, Tamme und Carmen quatschen die Nacht durch. „Am nächsten Morgen war klar: Wir gehören zusammen.“ Jetzt kämpft sie mit den Tränen. Wir gehen ein paar Schritte, am Dressurviereck vorbei, zurück ins Haus. Carmen holt das Album mit den Hochzeitsfotos.

---

BILD der FRAU: Zwei Jahre später haben Sie geheiratet?

Carmen Hanken: Ja. Da waren wir beide 44. Tamme hatte erst Sorge. Er hat mich gefragt: „Meinst du, dass eine Rose wie du unter einer dicken Eiche wie mir genug Licht kriegt?“ Aber ich wusste: Tamme ist ein besonderer Mensch, der Mann für mich.

Ihr Hochzeitskleid war blau und aus Samt - ungewöhnlich.

Stimmt. Aber Tamme und ich haben die „Sissi“-Filme geliebt. Beim Gucken haben wir immer zusammen geweint. Ich wollte, dass mein Kleid aussieht wie aus dem Film.

War ihr Hochzeitsstrauß aus Rhododendron-Blüten?

Nein! Das war wieder typisch Tamme. Er sollte den Strauß besorgen und wissen Sie womit er um die Ecke kam? Einem Kaktus! Zu seiner Familie hat er gesagt: „Wenn sie das nicht abkann, ist sie nicht die Richtige.“

Und Sie konnten es ab.

Klar. Auch seinen Dickkopf und wenn er früher manchmal gemeckert hat: „Wenn es dir nicht passt, dann geh doch!“ Darauf habe ich nur geantwortet: „Ich bin Rheinländerin und Steinbock - da wird nix von!“

War Tamme auch ein Mann der großen Worte?

Es wurde immer besser. Die letzten Jahre hat er mir immer wieder gesagt, dass ich das Beste bin, was ihm je passieren konnte.

---

Immer wieder schauen Mitarbeiter rein, haben etwas mit Carmen zu besprechen. Ein paar Fans möchten an Tammes Gedenkstätte, etwas ins Kondolenzbuch schreiben. Carmen zeigt ihnen freundlich den Weg, dann führt sie uns durch ihre Pferde-Reha-Anlage und die Stall-Diele zu „Jumper“ (20), Tammes Pferd. Zärtlich streichelt sie ihm über die weichen Nüstern. „Der Hankenhof ist unser Baby, Tammes und meins“, sagt Carmen. „Und mein Zuhause. Ich werde alles tun, um ihn zu erhalten.“

Dafür macht sie Pläne: Mehr Pferde sollen in die Reha kommen, mehr speziellen Reitunterricht will sie geben, auch Manager-Coachings mit Pferd. Gerade war Carmen mit einem TV-Team in Kalifornien und Florida, hat Tiere besucht, denen Tamme helfen konnte. „Das hat mich sehr mitgenommen“, sagt Carmen. „Zu erleben, wie sehr Tamme Mensch und Tier berührt hat. Überall auf der Welt.“ Sie will sein Lebenswerk weiterführen. „Und ich spüre, dass er dabei an meiner Seite ist. Als mein XXL-Schutzengel.“

TV-TIPP

„Neues vom Hankenhof - Tamme forever“ - sechs Folgen ab 7. Februar 2017 immer dienstags, 20.15 Uhr, kabel eins. Mehr Infos: www.carmen-hanken.de

---

Dieser Artikel erschien auch in der BILD der FRAU Nr. 6.

Seite