09.02.2017

Germany’s Next Topmodel Thomas Hayo: GNTM-Juror, Werbe-Guru, Heidi-Klum-Vetrauter

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Foto: © ProSieben/Frank Hempel

Thomas Hayo und Heidi Klum sind seit 2011 ein festes Gespann in der Jury von „Germany’s Next Topmodel“. Uns erklärt der Creative Director exklusiv, warum.

bildderfrau.de: Lieber Thomas, was qualifiziert Dich als Juror für „Germany’s Next Topmodel“?

Thomas Hayo: Das ist relativ einfach: jahrelange Erfahrung in der Werbung und in der Fashion-Branche. Ich mache das jetzt seit 25 Jahren, im Februar feiere ich mein Jubiläum. 24 Jahre davon lebe ich in New York. Ich habe von Anfang an international gearbeitet und somit mitbekommen, was in diesem Bereich alles passiert und wie sich das Geschäft sowohl in Deutschland als auch auf dem internationalen Markt weiterentwickelt hat. Und da ich bei GNTM (ab 9. Februar immer donnerstags ab 20.15 Uhr auf ProSieben) bereits das siebte Mal mit dabei bin, profitiere ich natürlich auch von einer gewissen Erfahrung innerhalb dieses Formats.

Du bist der einzige, der sich als feste Größe neben Heidi Klum in der Jury etabliert hat. Wie hast Du Dir diesen Status erarbeitet?

Ich denke, diesen Status habe ich mir zum Teil durch meinen Background erarbeitet, da ich eben schon ewig als Creative Director tätig bin und entsprechend viel Fachwissen miteinbringe. Heidi kennt meine Karriere und meine Kontakte und weiß, mit welchen Models, Fotografen und Kunden ich bereits gearbeitet habe. Daher respektiert sie mich nicht nur persönlich, sondern auch beruflich. Juror bei GNTM zu sein, ist eine unheimlich spannende Aufgabe, da wir die Entwicklung und den Werdegang der Mädchen, die zum Teil komplett unerfahren sind, in den drei Monaten, in denen wir mit ihnen unterwegs sind, begleiten. Wir helfen ihnen dabei, ihren großen Traum vom Fashion-Business zu verwirklichen und die Resonanz war bisher immer ganz gut. (lacht)

Wieso wird der dritte Juror immer wieder ausgetauscht, Du aber nicht? Du bist ja mittlerweile schon seit 2011 fest mit dabei...

Da musst Du Heidi und das Publikum fragen. (lacht) Nein, im Ernst, Heidi und ich verstehen uns sehr gut und schätzen uns sehr. Zudem merkt der Zuschauer eben auch sehr schnell, ob jemand authentisch ist oder nicht. Ich spiele keine Rolle und das war mir auch von Anfang an wichtig. Ich habe stets darauf bestanden, dass ich meiner eigenen Interpretation der Dinge treu bleiben kann. Ich habe meine eigene Personality und so wie es aussieht, kommt die ganz gut an.

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Wie kam es überhaupt dazu, dass Du Juror bei GNTM wurdest?

Ich kenne Heidi ja schon, seit ich nach New York gezogen bin. Somit standen wir seither ohnehin in Kontakt. Damals habe ich jedoch noch große Werbeagenturen als Creative Director geleitet, da wäre dieser Job als GNTM-Juror zeitlich niemals möglich gewesen. Irgendwann wollte ich jedoch als Freelancer weitermachen und genau zu dem Zeitpunkt hatte Heidi jemanden Neues für ihre Jury gesucht. Mein guter Freund Jean-Remy von Matt, der gerade zu Besuch in New York war, hatte davon erfahren und mich daraufhin beim Sender als möglichen Kandidaten vorgeschlagen. Letztendlich war es eine Verkettung glücklicher Umstände mit einem optimalen Timing.

Gerade in der vergangenen Staffel hattest Du es mit einigen Kandidatinnen wie beispielsweise Jasmin in Deinem Team nicht immer ganz leicht. Wie schaffst Du es, den Mädchen die Nervosität zu nehmen, Sie zu unterstützen und Sie gut vorzubereiten?

Leicht kann ja jeder. (lacht) Ich finde, es ist eine große Herausforderung, auf verschiedenste Charaktere aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu treffen und auf die Mädchen individuell einzugehen. Mit einer 16-Jährigen vom Dorf musst du ganz anders umgehen als mit einer 20-Jährigen aus der Großstadt. Hier geht es halt vor allem darum, auf seine eigenen Instinkte zu hören und diese bewusst einzusetzen. Das große Geheimnis ist dabei die Kombination aus emotionaler Intelligenz und der richtigen Herangehensweise. Ich versuche den Mädchen dabei zu helfen, eine bessere Version ihrer selbst zu werden und etwas über sich zu lernen. Und das tue ich nicht nur vor der Kamera, sondern ich bin auch dann für die Mädchen da, wenn der Dreh vorbei ist.

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Inwiefern spielt Dir Dein gutes Aussehen da auch in die Karten?

(lacht) Naja, eine Selbsteinschätzung ist da schwierig. Allerdings ist ja das Äußere meist nur interessant für den ersten Eindruck. Sobald man sich näher kennenlernt, wird es komplexer, da wird das gute Aussehen eher zur Nebensache und das Zwischenmenschliche rückt in den Fokus. Und genau das ist wichtig für die Mädchen zu lernen. Sie sind mehr als nur eine schöne Hülle. Unsere große Aufgabe besteht darin, den Girls eine gute Balance zwischen einem stabilen inneren Kern und einem gesunden Selbstwertgefühl beizubringen.

Inwiefern helfen Dir für Deinen GNTM-Job Deine Erfahrungen als Werbeprofi?

Durch mein Studium der visuellen Kommunikation (Dipl. Kommunikationsdesigner) und als jahrelanger Werbeprofi bin ich schon sehr gut geschult, was den Umgang mit Kunden angeht. Daher verstehe ich es, mich in den Verbraucher hineindenken zu können. Ich weiß, was die Kunden von den Mädchen erwarten und kann sie daher optimal darauf vorbereiten.

Wie hast Du die großen Werbebosse von Dir in New York überzeugen können? Immerhin wolltest Du ja ursprünglich nur ein Jahr bleiben, dann wurde Dir dort jedoch direkt nach Deinem Praktikum eine Stelle als Art Director angeboten...ein ganz schön großer Karrieresprung!

Diese Chance, nach New York gehen zu können, hat mich damals total inspiriert, sodass ich ab der ersten Minute mein Bestes gegeben habe. So durfte ich sehr schnell sehr viel Verantwortung übernehmen – und das mit gerade mal Anfang 20! Das wäre in Deutschland niemals möglich gewesen, von daher konnte ich hier schon so ein bisschen den amerikanischen Traum leben. Und das hat sich schließlich voll ausgezahlt mit einem festen Job inklusive Visum. Im Leben ist es wichtig, herauszufinden, für was man wirklich brennt. Hat man dies für sich erkannt, dann sollte man alles dafür tun, seine Träume und Ziele zu verwirklichen. Chancen ergeben sich, man sollte sie dann natürlich auch nutzen.

Ich denke, meine Karriere ist beispielsweise auch ein Punkt, der mich sehr mit Heidi verbindet. Wir kommen beide ursprünglich vom Dorf und hatten beide den Mut, rauszuziehen. Genau dieses Selbstbewusstsein will ich meinen Mädchen mitgeben – nicht aufzugeben, auch wenn etwas mal nicht gleich klappt. Denn natürlich wurde ich damals ebenfalls mit Projekten konfrontiert, die für mich eigentlich viel zu groß und zu ambitioniert waren. Ich wohnte zur Untermiete in einem kleinen Zimmer in New York, musste durch viele unangenehme Situationen durch und mein Englisch war am Anfang alles andere als perfekt. Aber ich bin an allen Herausforderungen gewachsen. Die Mädchen bekommen bei GNTM eine super Ausbildung, wir sind ein richtig tolles Modelcamp. Was sie dann jedoch daraus machen, hängt von ihnen ganz alleine ab.

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Was schätzt Du an Heidi Klum besonders? Ihr kennt Euch ja seit mehr als 20 Jahren und trefft Euch ab und an mal in New York...

Ihren Enthusiasmus, ihre Power und ihre unendlich positive Einstellung. Heidi schaut nicht zurück, sie schaut immer nur nach vorne und stellt sich immer wieder neuen Herausforderungen. Sie hat no fear und musste sich von Anfang an durchbeißen. Denn auch für sie war es zum Start ihrer Karriere alles andere als leicht, auch eine Heidi Klum hat damals viel Ablehnung erfahren müssen. Allerdings stand für Heidi immer fest, dass sie diese Karriere unbedingt will, daher kam für sie nichts anderes infrage, als sich zu behaupten. Sie ist ein tolles Vorbild für die Mädchen, sie können unglaublich viel von ihr lernen. Heidi hat sich mittlerweile vom klassischen Model zur Allround-Entertainerin entwickelt. Das hat nicht viel mit Glück, sondern mit sehr viel Disziplin und harter Arbeit zu tun.

Ich habe gelesen, dass Du Heidi Klum ziemlich locker und unkompliziert findest. Inwiefern? Was genau macht sie so unkompliziert?

Heidi ist offen und direkt. Man weiß bei ihr immer, woran man ist. What you feel is what you get! Mit ihr macht es zu jeder Zeit viel Spaß. Sie ist niemals schlecht gelaunt, verhält sich stets professionell, kommt immer gut vorbereitet zum Set und liebt die offene Kommunikation. Das macht die Zusammenarbeit mit ihr total einfach und auch extrem produktiv.

2011 hast Du erstmals Erfahrungen vor der Kamera gemacht. Wie war das, mal die andere Seite kennenzulernen? Sonst ziehst Du ja bei großen Kampagnen eher die Strippen im Hintergrund...

Das war auf jeden Fall interessant. Ich hatte ja eigentlich nie vor, die Seiten zu wechseln und vor der Kamera zu arbeiten. Aber ich liebe das Abenteuer und habe mich dann einfach auf diese neue Erfahrung eingelassen. Und ich muss sagen, das war wirklich ein gutes Gefühl, dass das direkt alles so gut funktioniert hat. Plötzlich kann man sehr gut nachvollziehen, wie sich die Menschen im Rampenlicht fühlen. Meine Erfahrung hinter der Kamera hat mir dabei ziemlich geholfen, mich auch davor wohlzufühlen und locker zu sein. Die Eingewöhnungsphase war dadurch sehr viel leichter. Nun bin ich in diesem Jahr schon zum siebten Mal dabei und es ist bei jeder Staffel wieder aufs Neue faszinierend. Die Kameras fallen eigentlich kaum noch auf und das macht es natürlich noch leichter, derselbe Thomas Hayo vor der Kamera zu sein wie hinter der Kamera. (lacht)

Du bist ja bekannt für Dein Denglish, sprichst gern von „Attitude“ oder „Personality“. Ist das ein Teil der Show oder redest Du auch so, wenn Du bei Deiner Mutter im Saarland bist?

Was die Leute oftmals vergessen, ist die Tatsache, dass ich seit knapp 25 Jahren fast ausschließlich Englisch spreche. Ich lebe und arbeite ausschließlich auf Englisch und dafür, dass das so ist, funktioniert das eigentlich noch ganz gut mit meinem Deutsch. (lacht) Das ist also keine Show! Zumal es ja aber auch sehr viele englische Begriffe gibt, die mittlerweile im deutschen Sprachgebrauch permanent vorkommen wie beispielsweise ‚Beef’ für Streit oder ‚chillen’ für entspannen. Das kommentiert dann aber wiederum niemand! (lacht)

Du bist smart und erfolgreich – warum sieht man Dich stets nur allein?

Dadurch, dass ich viel unterwegs bin, ist mein Leben nicht gerade einfach für eine Beziehung – weder für mich, noch für potentielle Freundinnen. Ich brauche eine Lebenspartnerin, die entweder damit zurecht kommt oder eine, die ein ähnliches Leben führt. Ich mache mir da aber keinen Druck. Ich habe gelernt, dass das Leben nicht planbar ist und sich jeder auf seiner eigenen Zeitreise befindet.

Was können wir in der neuen Staffel von GNTM erwarten?

Es wird eine große Revanche geben: Thomas Hayo versus Michael Michalsky! Meine große Motivation ist es, dieses Jahr nicht nur wieder möglichst viele meiner Kandidatinnen ins Finale zu bringen, sondern auch die Gewinnerin zu stellen. In dieser Staffel wird es daher ein deutlich intensiveres Battle geben und sehr viel intensivere Arbeit mit den Mädchen auf uns zukommen. Direkt nach den Castings gehen wir beispielsweise in ein sogenanntes „Boat Camp“ auf einem großen Kreuzfahrtschiff. Und anders als bisher wird es nicht immer nur am Ende der Woche die Entscheidung geben, ob wieder ein Mädchen gehen muss. Dieser Fall kann bei dieser Staffel jederzeit eintreten.

Letztes Jahr musstest Du Dich geschlagen geben, da hat Team Weiß am Ende den Sieg davongetragen. Wie willst Du es dieses Jahr anstellen, dass am Ende auf jeden Fall ein Mädchen aus Deiner Mannschaft zur Gewinnerin gekürt wird?

Michael und ich sind in diesem Jahr selber auf Castingtour gegangen und haben Heidi eine Vorauswahl präsentiert – und genau die war extrem wichtig. Je besser die Spieler, desto größer ist doch die Chance, die Champions League zu gewinnen. (lacht) Ich habe viele tolle Mädchen mit sehr großem Modelpotential ausgewählt. Wichtig war mir dabei, dass sie nicht nur für den Laufsteg gut aussehen, sondern auch genügend Charisma für große Kampagnen haben. Das Gesamtpaket muss stimmen. Ich werde alles dafür geben, dass sich meine Mädchen positiv weiterentwickeln und es bis ins Finale schaffen.

Und letzte Frage: Welche Kriterien muss denn ein perfektes Topmodel für Dich erfüllen?

Ich mag besonders die Mädchen, die durch eine Kombination aus starker Persönlichkeit und gutem und modernem Aussehen überzeugen. Das Business hat sich extrem verändert. Es gibt inzwischen ein sehr großes Anforderungsprofil, die Kunden wünschen sich echte Multimedia Personalities. Daher muss ein Mädchen vor allem eines sehr gut können: die Leute für sich begeistern!

Lieber Thomas, vielen lieben Dank für das sehr ausführliche Interview und den Blick hinter die Kulissen! Wir wünschen Dir für die neue GNTM-Staffel eine erfolgreiche Gewinnerin!

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