03.02.2017

Lieblings-Designer Guido Maria Kretschmer: So geht glücklich wohnen

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Die Arbeit, die Liebe und das Gärtnern machen ihn glücklich: Guido Maria Kretschmer

Foto: Christian Barz

Die Arbeit, die Liebe und das Gärtnern machen ihn glücklich: Guido Maria Kretschmer

Unser Lieblings-Designer Guido Maria Kretschmer entwirft jetzt auch Möbel und Wohn-Accessoires. Klar, dass das Gespräch auf einem Guido-Sofa stattfand...

BILD der FRAU: Hallo, Guido! Sie sehen gut und happy aus …

Guido Maria Kretschmer: Danke schön. Mir geht’s auch super. Ich bin jemand, der gern auf der Welt ist. Wenn ich morgens die Augen aufmache, ist es mir ein Vergnügen aufzustehen und zu arbeiten. Vor allem, weil ich die Chance habe, so viel Tolles zu machen.

Zum Beispiel so was Tolles wie das Sofa, auf dem wir sitzen.

Ja! Denn ich bin schon mein ganzes Leben begeistert von Einrichtung. Wenn Mode die Haut der Seele ist, dann ist Wohnen und ein gemütliches Zuhause die Haut des Lebens.

Das bedeutet in der Praxis?

Ich glaube, dass es für jeden Menschen extrem wichtig ist, dass er eine Hülle hat. Einen Ort, wo man sich reduziert, sich ankuschelt und wo man immer das Gefühl hat: Hier bin ich die Nummer eins, dieser Platz ist nur für mich gemacht. Egal, ob dieser Ort nun wild, aufgeräumt, romantisch oder modern ist. Hauptsache ist: Dieser Ort ist deiner!

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Wie sieht der Platz von Guido Maria Kretschmer aus?

Gemütlich, reduziert, einladend und heimelig. Unsere Einrichtung besteht aus einer in vielen Jahren gewachsenen Sammlung von Möbeln. Es gibt vieles, das immer bleibt: Louis-Quinze-Sessel aus Paris, Teppiche, eine Kommode, die ich mir als Schüler in Brighton gekauft habe, Bilder und Skulpturen.

Sind auch Erbstücke dabei?

Nicht direkt, weil meine Eltern doch etwas anders eingerichtet sind, als ich es mir vorstelle. Sie haben mir vor vielen Jahren einen Biedermeier-Sekretär gekauft – und den sehen wir alle als Erbstück an. An diesem Sekretär schreibe ich, dort liegen meine wichtigen Sachen drin. Grundsätzlich brauche ich vertraute Möbel um mich herum. Ich liebe es, jeden Morgen mit den gleichen Dingen aufzuwachen.

Welche Dinge sind das?

Meine drei Porzellanfiguren, mein kleiner Bronzekrieger, mein Schlafzimmertischchen.

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Nehmen Sie davon auch was mit auf Reisen?

Ich habe schon immer reichlich Gepäck dabei. Das liegt daran, dass ich früher häufig in sehr günstigen Hotels abgestiegen bin. Da habe ich erst mal umgeräumt, Bilder abgehängt und: Ich hatte immer eigene Bettwäsche dabei. (Lacht.) Glühbirnen tausche ich auch heute noch gerne aus – diese Energiesparlampen machen mich krank …

Was haben Sie denn noch so im Koffer?

Eine Kuscheldecke und ein Foto von meinem Frank! Früher hatte ich auch mal Teller und Tassen im Gepäck und immer eine Stoffserviette! (Lacht.) Die hatte ich sogar schon als Kind auf Schulausflügen in meinem Rucksack. Ich mag es einfach, wenn der Tisch und mein Essen hübsch dekoriert sind.

Was macht für Sie Geborgenheit aus?.

Home is where your heart is – dein Zuhause ist dort, wo dein Herz ist. Dein Zuhause muss deine Schutzburg sein. Gemütlichkeit ist soo wichtig! Und jedes gutes Zuhause braucht einen Platz für ein Gegenüber. Dass da die Tür aufgehen und ein guter Mensch reinkommen kann. Und wenn drei kommen, habe ich auch genug Teller im Schrank und jeder kriegt was Gutes drauf. Ein Zuhause haben heißt auch, es mit anderen zu teilen.

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Und das machen Sie wirklich? Kann ich bei Ihnen klingeln und nach Zucker fragen?

Natürlich! Das liegt aber vor allem an Frank – der sitzt schon bei der Nachbarin zum Tee, ehe ich ihren Namen kenne. (Lacht.) Das Gefühl von Nachbarschaft sollte man sich auch in diesen unruhigen Zeiten nicht nehmen lassen. Wir alle brauchen ein „Plus eins“. Die Gemeinschaft macht uns erst zu richtig glücklichen Menschen.

Ihre wichtigste Wohnregel?

Gemütlich muss es sein. Und: Bloß nicht zu bunt, keine grellen Farben, das stresst nur und macht krank. Und ganz wichtig: Möbel müssen zeitlos sein, weil man sie nicht so schnell wechselt, wie man das mit anderen Dingen macht – wie Mode oder Männer... (Lacht.)

Nochmal zurück zum Job: Sie entwerfen jetzt Möbel und Tapeten. Wird die Mode unwichtiger?

Nein, die Mode ist mein Lebenselixier. Das ist der Faden, der mich hält. Wenn ich den durchbeiße, dann ist es für mich auch gelaufen.

Dieses Interview erschien in anderer Form auch in der BILD der FRAU Nr. 5.

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