23.01.2017

Familienvater Wolfgang Bosbach und der Krebs: "Kein Thema in der Familie"

Von

Wolfgang Bosbach

Foto: Andreas Friese

Wolfgang Bosbach

Er ist Stammgast in Talkshows und zeigt bei jedem Thema klare Kante: Wolfgang Bosbach, einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. Nun zieht sich der unheilbar an Krebs erkrankte Familienvater von der politischen Bühne zurück. Ein dennoch heiteres Gespräch.

Berlin, Szeneviertel Prenzlauer Berg: Wir treffen uns in der 2-Zimmer-Wohnung von Caroline Bosbach (27), die gerade ihr Studium der Wirtschaftskommunikation abgeschlossen hat. Ihr Vater, der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach, trinkt Kaffee, den Kuchen lehnt er ab: „Bloß nichts Süßes!“

BILD der FRAU: Herr Bosbach, wie schwer ist es, als Politiker Klartext zu reden? Viele Ihrer Kollegen halten sich ja lieber zurück.

Wolfgang Bosbach: Wenn man gute Argumente und eine klare politische Überzeugung hat, fällt Klartext nicht schwer. Weil man es als Politiker allerdings nicht jedem recht machen kann, ist bei klaren Worten auch mit Widerstand zu rechnen - den muss man dann aushalten können.

Oft wirkt es, als würden Politiker mauscheln und kungeln. Können Sie verstehen, wenn das Volk irgendwann die Nase voll hat?

Ja, das verstehe ich gut. Allerdings steht im Mittelpunkt von Politik nicht Mauscheln und Kungeln. Das allermeiste ist trockene Sacharbeit, die nicht öffentlich erfolgt. Aber richtig ist auch, dass wir oft eine Sprache haben, die mehr vernebelt als erhellt. Die Menschen haben einen Anspruch auf klare Aussagen, deshalb sollten wir weniger belehren, mehr erklären.

Caroline, Ihr Vater geht im Herbst in den Ruhestand. Gibt es gemeinsame Pläne?

Wir wollen zum Beispiel in den Oman reisen, dieses Land interessiert uns sehr.

Wolfgang Bosbach: Der Oman steht auf unserer „To-do-Liste“ ganz oben. Auch mit meiner Frau und den beiden anderen Töchtern möchte ich in Zukunft häufiger verreisen. Ich habe von der Welt noch nicht viel gesehen.

Was verbindet Sie beide?

Die Liebe zum Leben! Und wir mögen beide keine halben Sachen, können von Herzen lachen. Wenn ich in Berlin bin, begleitet mich Caroline gern zu Veranstaltungen, das freut mich sehr.

Herr Bosbach, Sie steigen auch aus politischen Gründen aus der Politik aus. Warum genau?

Ich habe schon oft gesagt: „Ich möchte nicht die Kuh sein, die quer im Stall steht.“ Paradox ist: Ich vertrete ausschließlich Positionen, die früher auch die Positionen meiner Partei waren. Wohlgemerkt: waren! Ich möchte bei dem bleiben, was die CDU in diesen Fragen stets vertreten hat, und es fällt mir sehr schwer, gegen die Spitze der Partei und die Mehrheit der eigenen Fraktion zu argumentieren. Aber noch schwerer würde es mir fallen, gegen meine eigene Überzeugung abzustimmen. Deshalb kandidiere ich 2017 nicht erneut.

Mit dem Flüchtlingsthema geht ja jetzt die AfD auf Stimmenfang …

Zugegeben, die AfD ist virtuos darin, Probleme zu benennen, aber sie ist nicht in der Lage, Probleme zu lösen. Und genau das ist die Herausforderung an die etablierten Parteien: Probleme nicht nur benennen, auch lösen!

Sie reden öffentlich über Ihre Krebserkrankung, Ihren Herzschrittmacher - nur in der Familie sind diese Themen tabu. Warum?

Ich bin so selten zu Hause, da möchte ich die wenigen Gelegenheiten nicht auch noch mit traurigen Gesprächen belasten. Dafür haben wir keine Zeit.

Caroline Bosbach: Ändert ja auch nichts.

Wolfgang Bosbach: Eben.

>> Krebs: Leben zwischen Angst und Hoffnung

Caroline, fehlen Ihnen diese Gespräche nicht?

Über was soll man da konkret reden? Sollen wir uns gegenseitig verrückt machen? Kann man, wäre aber unklug.

Geben Sie manchmal dem hektischen Politikbetrieb die Schuld, dass Ihr Vater so krank geworden ist?

Mit Sicherheit nicht! Er hat sein Leben lang gemacht, wofür er brennt, und das ist richtig so.

Herr Bosbach, hat Ihre Frau keine Angst, dass Sie als Ruheständler demnächst zu Hause alles durcheinanderbringen?

Stimmt, das ist ihre größte Sorge! Aber ich werde garantiert der Versuchung widerstehen, das Kommando in der Küche zu übernehmen. Ich weiß genau, wer zu Hause der Chef ist. Ich nicht!

Ihre Mutter Else ist 88 Jahre alt und schneidet noch immer alle Artikel über Sie aus. Wie lebt Ihre Mutter? Bei Ihnen oder im betreuten Wohnen?

Eher betreut Mama uns! Meine Mutter ist sehr rüstig und selbstständig, und tatsächlich sammelt sie seit 1974 alle Artikel über mich, mittlerweile sind es über 20 000.

Caroline, würden Sie Ihre Eltern im Alter daheim pflegen?

Das ist doch selbstverständlich. Ich hätte schließlich nicht dieses Leben gehabt, wenn meine Eltern mir nicht so viel ermöglicht hätten. Ich würde alles zurückgeben, was nötig ist, weil ich es gern tue.

Herr Bosbach, Ihre Frau ist ebenfalls eine geborene Bosbach. Wie kommt’s?

Ein netter Zufall, aber keine Sensation. Bosbach ist im Bergischen Land ein häufiger Name, so wie Huber in München oder Schmitz in Köln.

Und wer hat nun wessen Namen angenommen?

Jeder wollte seinen Namen behalten, bis meine Frau nach zehn Minuten gesagt hat: „Ja, ich nehme den Namen Bosbach an.“ Es war allerdings auch das letzte Mal, dass ich mich in der Ehe durchgesetzt habe.

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Dieses Interview erschien auch in der BILD der FRAU Nr. 2.

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