24.11.2016

INTERVIEW TV-Koch Ole Plogstedt ist Rebell, Punkrocker und Gourmet

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TV-Koch Ole Plogstedt überzeugt durch unkonventionelle, geniale Gerichte.

Foto: Christoph Creutzburg

TV-Koch Ole Plogstedt überzeugt durch unkonventionelle, geniale Gerichte.

Ole Plogstedt tourt mit seiner Catering-Firma „Rote-Gourmet-Fraktion" (RGF) mit namhaften Bands durch die Republik, zudem überzeugt er als TV-Koch.

bildderfrau.de: Lieber Ole, zu lesen, dass Du eigentlich Berliner bist, war ganz überraschend, denn Du wirkst, als wärst Du Hamburger durch und durch...woher kommt die Liebe zur Hansestadt?

Ole Plogstedt: Puh, ich wohne mittlerweile über die Hälfte meines Lebens in Hamburg. Ich wollte diese Stadt damals, als ich hergezogen bin, unbedingt kennenlernen und habe mich direkt in Hamburg verliebt.

Daher auch der Name Ole und nicht mehr Olaf?

Nee, nee. (lacht) Dieser Name ist damals im Restaurant NIL in Hamburg entstanden, weil ein Kollege mich dort immer so genannt hat und wenn ich ehrlich bin, finde ich den ohnehin viel besser als Olaf. Sorry, Mama! (lacht)

Du hast damals im Steigenberger in Berlin Deine Ausbildung gemacht, hattest danach in der Hauptstadt alle Türen offen. Warum dann der Wechsel nach Hamburg in Cölln Austernstuben?

Ich wollte einfach unbedingt weg aus Berlin und hatte mir ursprünglich überlegt, zu Christian Rach ins Tafelhaus gehen, weil ich das Konzept, ein Restaurant mitten im Nowhere in einer alten Straßenbahn-Endstation zu führen, klasse fand. Leider hatte Rach kurz vor meiner Bewerbung einen anderen eingestellt, weswegen ich dann in Cölln Austernstuben gelandet bin. Das war allerdings irgendwie so ganz und gar nicht mein Stil, daher bin ich schon nach kurzer Zeit ins NIL gewechselt. Und dort, kann man eigentlich sagen, hat sich mein Kochstil entwickelt.

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Du hast dann relativ schnell die „Rote-Gourmet-Fraktion“ gegründet, einen Tour- und Catering-Service mit Punkrock-Charakter. Woher kam die Idee dazu?

Die Idee ist 1993 entstanden, als ich mit einem Kumpel auf dem Kiez, wie so häufig nach der Arbeit, einen trinken war. Im „Gun Club“ und in „Rosis Bar“ haben wir damals unsere Pläne geschmiedet und unser künftiges Logo auf einen Bierdeckel gemalt. Eigentlich wollten wir ja eine Kneipe mit kleiner Küche auf dem Kiez aufmachen, aber das hat – zum Glück – nicht geklappt. Naja, und dann sollten wir direkt mal ein Angebot für das Tour-Catering für Cypress Hill abgegeben. Den Auftrag haben wir zwar nicht bekommen, allerdings hatte sich unsere Idee von der „RGF“ zu dem Zeitpunkt bereits in der Szene rumgesprochen, sodass wir schließlich unseren ersten Auftrag für ein örtliches Catering in den Docks für die Band „The Cult“ bekamen. Anschließend sind wir mit den „Ärzten“ getourt, danach mit den „Toten Hosen“, die wir ja auch heute noch begleiten. Am Anfang waren wir natürlich skeptisch, aber wir waren eben auch jung und Punkrocker, sodass wir einfach gemacht und nicht so viel darüber nachgedacht haben.

Bands wie „Die Toten Hosen“, „Rammstein“ oder „Jan Delay“ schwören auf Dein Essen. Wie bist Du damals mit diesen Künstlern in Kontakt getreten? Als junges Unternehmen stelle ich es mir ja schon schwierig vor, in diesem Bereich Fuß zu fassen...

Wir kannten Felsenheimer ganz gut (Anm. d. Red.: Bela B. von der Band „Die Ärzte“) und er fragte uns, direkt nachdem sie bekanntgegeben hatten, dass sie sich reformieren (Anm. d. Red.: „Die Ärzte“ hatten sich 1988 aufgelöst und sich 1993 neu gegründet), ob wir nicht das Catering für sie übernehmen könnten. So geschah es dann auch. Campino („Die Toten Hosen“) hat das mitbekommen und fand unseren Catering-Namen vielleicht auch ganz cool (lacht), sodass die Hosen ebenfalls an uns interessiert waren. „Die Toten Hosen“ begleiten wir mittlerweile seit 1994 und es werden gefühlt immer mehr Leute, die wir zu verpflegen haben. Es ist jedenfalls die größte Produktion, die wir becatern. 150 Leute an ganz normalen Showtagen zu bekochen, ist keine Seltenheit und trotzdem ist es immer eine total familiäre Atmosphäre auf Tour und auch immer wieder eine wahre Freude, wenn es wieder mit der Truppe losgeht.

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Was macht die „Rote-Gourmet-Fraktion“ aus? Warum scheinen Künstler, die einmal von Dir bekocht wurden, danach kein anderes Essen mehr auf Tour zu wollen?

Ist das so? Vielleicht, aber da musst Du die Bands selber fragen. (lacht) Ich denke, das hat viele Gründe. Zum einen richten wir unser Essen wie im Restaurant schon immer auf Tellern an anstatt sie kantinenmäßig zu schöpfen, womit wir damals im Tourgeschäft Vorreiter waren. Zum anderen sind wir eben auch mit ganz viel Herzblut dabei. Die Bands, die wir schon lange kennen und mit denen wir immer noch herumreisen, sind für uns wie gute Freunde. Unsere Philosophie ist, dass wir jedem alles ermöglichen wollen. Wir hinterfragen kein Essverhalten, wir respektieren die Wünsche der Künstler. Außerdem werden auch wir respektiert, weil die Caterer sehr viel Arbeit leisten und alle darum wissen. Wer gut isst, der ist eben auch gut drauf und dann läuft auch alles viel runder.

Welche verrückte Tour-Anekdote fällt Dir spontan ein?

Puh, mir fallen Tausende ein. (lacht) Aber es ist schwer, die jetzt so abzurufen. Meist sind es eher so lustige Sachen, die mir in Erinnerung bleiben. Bei einer unserer ersten Touren – damals mit „The Bates“ – haben wir einem Musiker, als unsere Reisegruppe an einem freien Tag ins Hotel eingecheckt ist, auf die Frage, ob wir denn eigentlich auch an den Day-Offs kochen würden, gesagt: „Klar. Es ist ein Zimmer extra als Buffet-Zimmer angemietet.“ Der Tourleiter hatte das in dem Moment mit ernster Miene bestätigt. Daraufhin gaben wir ihm einen unserer Zimmerschlüssel und warteten, bis er verwirrt wieder zu uns in die Hotellobby stieß und uns mitteilte, dass er kein Buffet habe finden können. Erst als er realisierte, dass wir alle vor Lachen fast am Boden lagen, dämmerte ihm, dass er auf einen Scherz reingefallen war.

Wie gehst Du mit Allüren der Stars um? Und mit den kulinarischen Sonderwünschen?

Allüren sind eigentlich kein Thema und kommen so gut wie nie vor. Und hey, manchmal sind doch einige Sonderwünsche auch berechtigt und müssen nicht direkt als Allüren gewertet werden. Madonna hat beispielsweise mal angeordnet, dass sie auf Festivals bitte gern auf einer jungfräulichen Toilette sitzen möchte. Die Frau ist schon so lange erfolgreich und so viel unterwegs, dass es doch vollkommen verständlich ist, wenn sie nicht auf ein Klo gehen will, in das schon zehn Bühnenbauer ihr Geschäft verrichtet haben. (lacht) Generell denke ich, dass die Künstler und auch die Crew ohnehin sehr viel Respekt davor haben, dass wir an unmöglichsten Orten wie beispielsweise einer Turnhalle immer tolle Teller anrichten und raustragen. Das macht viel aus.

Sich in der Sterneküche zu versuchen, was ja für viele Ihrer Kollegen das Nonplusultra ist, war nie ein Thema?

Nö, gar nicht. Ich freue mich für meine Kollegen, die einen Stern haben, aber für mich wäre das nichts. Deshalb war das Konzept des Olsens gar nicht darauf ausgelegt. Außerdem konnte ich wegen der vielen Drehs und Tourneen nicht regelmäßig vor Ort und mit am Herd sein. Mir geht auch der von manchen Sterneköchen an den Tag gelegte Produkte-Fanatismus und die Verschwendung auf den Sack. Es muss immer das allerbeste High-End-Produkt sein und alles andere ist „Gift“, wie mal ein Kollege im TV sagte oder wandert womöglich in den Müll. Damit komme ich angesichts einer Milliarde hungernder Menschen auf der Welt nicht klar. Wenn ich koche, wird nichts weggeschmissen, ich verarbeite alles weiter.

Zudem engagierst Du Dich seit Jahren für soziale Projekte, hast unter anderem bei „Kochen gegen Rechts“, „Kochen gegen Aids“ und Benefiz-Aktionen des FC St.Pauli hinter dem Herd gestanden. Warum liegt Dir sowas am Herzen?

Wenn man um solche Umstände weiß, dann muss man auch etwas unternehmen. Man macht sich doch sonst mitschuldig. Ich bin ein sehr politisch denkender Mensch und wenn ich durch meine kleine Prominenz etwas Positives bewirken kann, dann habe ich schon etwas erreicht. Wichtig ist mir dabei jedoch auch, dass ich nicht zur Charity-Hure werde. Ich bleibe meinen Themen schon treu und setze mich hauptsächlich für Welthunger, Menschenrechte und Obdachlose ein – und natürlich gegen Rechts.

Außerdem setzt Du Dich für „Oxfam“ ein. Was muss man sich darunter vorstellen?

Ich bin nun schon zum 2. Mal Kampagnen-Botschafter für "Oxfam", aktuell für die Kampagne „Make Fruit Fair“. Dazu bin ich im Januar nach Ecuador gereist, um mir die Zustände der Bananen-Plantagen anzuschauen. Und ganz ehrlich, das war total schockierend. Die Banane ist bei uns das zweitbeliebteste Obst, ist aber billiger als der heimische Apfel. Die Bananenproduktion geht einher mit Menschenrechtsverletzungen, Ausbeute und fiesem Pestizideinsatz, der zur Folge hat, dass die Arbeiter/innen krank werden und behinderte Kinder zur Welt bringen. Alles nur, damit wir die perfekte, makellose Banane billig kaufen können. Bei dieser Kampagne geht es in erster Linie darum, große Konzerne dazu zu bewegen, etwas zu ändern. Dazu nehmen wir uns Lidl vor, der größten Kette seiner Art, bei der „Schein“ und „Sein“ sehr weit auseinanderliegen und hoffen, dass, wenn Lidl sich bewegt, auch andere Supermarktketten nachziehen müssen.

Wie genau lässt sich denn von solchen Charity-Aktionen leben?

Naja, wenn die Industrie mich bucht, müssen die natürlich auch bezahlen, das ist ja klar. Ich führe allerdings ein ganz normales Leben und brauche nicht viel. Fünf Porsche vor der Tür zu haben, ist nicht mein Anspruch, mir fehlen oftmals einfach die Dollarzeichen in den Augen.

Du bist Punkrocker. Inwiefern lebst Du das auch in Deiner Küche?

Kannst ja mal bei uns zuhören, wenn wir kochen. (lacht) Für mich geht es darum, gewisse Regeln zu brechen, die ich für schwachsinnig halte. Fleisch darf beispielsweise sehr wohl vor dem Braten gesalzen werden und auch Linsen dürfen bei mir in gesalzenem Wasser gekocht werden. Zudem sind ja irgendwie der Firmenname „RGF“ sowie die Ideen für unser Essen auch so ein bisschen punk und politisch. Manchmal tischen wir Gerichte wie „Terror Turkey mit Kohlaschnikow und Studentenfutter-Cous Cous“ auf oder servieren unser Dessert unkonventionell in Gehirn- oder Rattenformen.

Woher kommt überhaupt die Leidenschaft für den Beruf des Koches? Immerhin wusstest Du ja schon im zarten Alter von vier Jahren, was Du werden willst...

Ich habe zu dem Zeitpunkt immer viel bei meiner Mutter in der Küche gestanden und das hat mich wohl nachhaltig inspiriert. Ich freue mich allerdings, dass ich so viele unterschiedliche Projekte mache, die mit dem Thema Kochen zu tun haben, denn so bleibt es abwechslungsreich.

Dennoch bist Du stets ein Rebell der Kochszene geblieben, Du bist bekannt für Deinen unkonventionellen Stil ohne viel Chichi. Wie konntest Du Dich dennoch so weit nach oben arbeiten, dass auch das TV auf Dich aufmerksam geworden ist?

Gute Frage, keine Ahnung. (lacht) Ich denke, der Catering-Name „RGF“ ist sehr einprägsam. 2004 kam ein Buchverlag auf uns zu und wir haben dann ein Buch über die RGF geschrieben, das mittlerweile allerdings leider längst vergriffen ist. Dann wurde ich immer mal wieder fürs TV gecastet, was 2007 für mich ganz unerwartet für das „Fast Food Duell“ geklappt hat.

Im TV wird ja aber meistens genau vorgegeben, was zu tun ist, inwiefern ging das mit Deiner Einstellung, sich nicht formen zu lassen, konform?

Für mich war immer wichtig, dass ich zu dem stehen kann, was ich mache. Auch im TV. Klar ist ein Konzept vorgegeben, aber ich bin ja kein Darsteller, sondern Koch, beziehungsweise Berater. Authentizität ist für mich Grundvoraussetzung. Bei den „Kochprofis“ bewerben sich Leute mit echten Problemen. Mir ist da die echte Beratung viel wichtiger als eine Fernsehsendung. Ich habe allerdings am Anfang ohnehin sehr mit mir gerungen, da so ein TV-Job natürlich auch kontraproduktiv für das Band-Catering sein kann. Schließlich sind die Künstler die Stars und wenn da auf einmal ein Koch mittourt, der bei Kabel 1 und RTL2 über die Mattscheibe läuft, dann kann das auch mal nicht so cool ankommen. Ich versuche aber mir immer treu zu sein und deswegen ist es für die Bands auch ok, glaube ich.

Zusätzlich hast Du in Hamburg gemeinsam mit Deiner Frau Bettina das Restaurant Olsen in Hamburg-Eimsbüttel geführt, hast Dich jedoch im Mai 2016 von diesem Projekt zurückgezogen. Warum? Ein eigenes Restaurant zu besitzen war doch immer schon Dein Traum?

Durch die Tourneen und die TV-Jobs hatte ich einfach immer mehr Projekte auf dem Zettel und bei dem Restaurant ist am Ende des Tages leider nichts an Kohle übriggeblieben. Das Team war toll, das Konzept ein voller Erfolg, aber wenn sich das Ganze nicht rechnet, dann musst du eben irgendwann die Konsequenzen ziehen. Du wirst als Gastronom fast in die Illegalität getrieben, wenn Du Geld verdienen willst. Dazu hatte ich keine Lust.

Viele würden niemals mit Ihrem Partner zusammenarbeiten, aus Angst, die Beziehung könnte darunter leiden. War das für Dich und Deine Frau nie ein Thema?

Natürlich war das immer schwierig. Wer viel arbeitet, hat auch keine Blümchen-Beziehung, aber wir haben uns gerade auch nach der Schließung des OLSENs fest vorgenommen, mehr Zeit miteinander zu verbringen, was auch einigermaßen funktioniert. (lacht)

Du hast drei Kinder, bist aber mit der „Roten-Gourmet-Fraktion“ permanent auf Achse. Inwiefern ging das früher, als Dein Nachwuchs noch klein war, mit dem Familienleben konform?

Gar nicht. Ich war immer weg, das war ganz schlimm. Ich habe von den 365 Tagen im Jahr eigentlich viel mehr im Hotel und in Tourbussen geschlafen als in meinem eigenen Bett zuhause. Daher habe ich von dem Familienleben leider nicht viel mitbekommen.

Wirst Du denn von dem stetigen Umherreisen mit den Künstlern nicht müde und sehnst Dich nach ein wenig mehr Ruhe?

Naja, das Olsen gibt es ja jetzt nicht mehr und wenn ich Drehpause habe, dann habe ich tatsächlich auch etwas freie Zeit, sodass ich mich eigentlich schon wieder nach einer Tour sehne. Einmal Tour, immer Tour – das macht in gewisser Weise süchtig. (lacht) Zumal ich mich in der Rock’n’Roller-Szene auch deutlich mehr zuhause fühle als in der Gastro-Szene.

Du bist bereits 48 Jahre alt, siehst aber mit Verlaub deutlich jünger aus. Wie bist Du stets so jung geblieben, obwohl Dein Terminkalender Dich ja schon seit Jahren sehr fordert?

Gute Drogen! (lacht) Nein, Scherz! Ich denke, das ist ne Typ-Sache. Außerdem werde ich im TV ja auch mit viel Puder geschminkt. (lacht) Oh Gott, das bringt mir jetzt wahrscheinlich viel Hohn und Spott. (lacht)

Wie sieht ein freier Tag bei Dir aus?

Ich gehe mit meiner Frau und unseren drei Hunden gern an der Elbe spazieren und lege auch mal einen Sofa-Tag ein. Ganz abzuschalten fällt mir allerdings sehr schwer, dazu müsste ich schon wegfahren. Was ich übrigens gelegentlich mache. Wir waren kürzlich für ein paar Tage in Rotterdam, was wirklich richtig gutgetan hat.

Und womit sollte Deine Frau Dich bekochen, wenn sie Dir eine Freude machen will?

Meine Frau und mich bekochen? Ich lach mich tot! (lacht) Nee, wenn ich keinen Bock habe, selber zu kochen, schieben wir uns lieber auch mal eine TK-Pizza in den Ofen. (lacht)

Deine Kinder sind mittlerweile alle erwachsen. Ist eines von ihnen in Deine Fußstapfen getreten oder in Deine Welt involviert?

Bloß nicht! (lacht) Nee, bei meiner Familie kann ich mit meinem Backstage- und Promi-Status so gar nicht landen. (lacht) Meine Tochter macht gerade eine Kostüm-Hospitanz am Thalia-Theater und sucht einen Ausbildungsplatz zum Herrenscheider und die beiden Söhne haben auch weder was mit Gastronomie oder Rock’n’Roll zu tun.

Wie feiert Familie Plogstedt Weihnachten?

Es gibt Gans oder Ente mit Rotkohl und meine Frau und ich schenken uns gegenseitig etwas, was wir uns aber vorher selber gekauft haben. (lacht) Wahrscheinlich kommen die Kinder noch vorbei und an einem der Weihnachtstage gehen wir eventuell Essen. Einen Baum gibt es bei uns übrigens schon lange nicht mehr. Den hatten wir nur, solange die Kinder klein waren. (lacht)

Würdest Du uns zum Abschluss noch ein Rezept verraten?

Gerne doch. Anbei drei meiner Lieblingsgerichte! Der Schneemann ist auch ein gutes vegetarisches Gericht für Weihnachten! Guten Appetit!

Ratte in Rollsplitt (für 4 Personen)

(limettig gefüllte Poulardenbrust mit Blaumohn auf Ingwer-Chilimöhren)

Zutaten:

  • 4 Stk. Bio-Poulardenbrust mit Haut und Filet (bei Geflügel ist das Filet der lustige lange Fleischlappen, der unter der Brust hängt, woraus man gerne Satey-Spieße macht)
  • 6 bis 8 Bio-Limetten und etwas vom Saft
  • 1 Bd. Thaibasilikum
  • einen Teelöffel, geröstete und gemörste Koriandersamen
  • ca. 80 g Butter
  • schwarzer Pfeffer aus der Mühle, unraffiniertes Meersalz
  • 100 – 150 g im Mörser zerstoßene Blaumohnsamen
  • Möhren, Ingwer, Chili, Rohrzucker, Zitronengras, frischer Koriander
  • Basmatireis, Cocos-Currysauce, Glasnudeln, Topf mit Fett

Zubereitung:

Die grüne Schale der Limetten mit der feinen Microplane-Stabreibe abraspeln. (Aber nur das Grüne, das Weiße darunter ist bitter.) Den Saft von ca. 2 Limetten auspressen. Den Abrieb, den Saft, die Koriandersaat, den Pfeffer, das Salz mit der Butter verkneten. Die Filets von der Poulardenbrust trennen. Mit dem Finger vorsichtig unter Haut der Brüste gehen, um einen Hohlraum zu schaffen. Das Filet mit reichlich Limettenbutter und etlichen Blättern des Thaibasilikums unordentlich unter die Haut schieben. Die Brust von außen mit Pfeffer und Salz würzen, in der Pfanne in etwas Sonnenblumenöl oder Kokosfett von beiden Seiten anbraten, im Mohn wälzen, auf ein Backblech legen und bei ca. 140° C ca. 8 bis 18-25 Minuten garen, je nach Größe, bzw. Temperatur des Fleisches. Schräg aufschneiden und auf den Beilagen anrichten.

Tags zuvor die geschälten Möhren in verrückte Stücke schneiden, Ingwerwurzeln schälen und der Länge nach in sehr dünne Scheiben schneiden oder hobeln, Chilischoten halbieren, entkernen, in kleinste Würfelchen schneiden, Zitronengras andetschen. Alles zusammen in einer Schüssel mit gleich viel Meersalz und Rohrzucker würzen und vermengen und am nächsten Tag unter Zugabe von ein paar Tröpfchen Öl im entstanden Eigensaft bissfest garen. Zitronengras wegschmeißen, frischen Koriander unterheben.

Bemerkung: Dazu passt hervorragend Basmatireis, Currysauce und frittierte Glasnudeln als Tellergarnierung. Guten Appetit.

Porno-Pasta (für vier Personen)

(Pasta mit Parmesan-Pilzkorb, vegetarisch)

Zutaten:

  • 4 Portionen al dente gekochte Bavette oder Spaghetti
  • ca. 2 Tassen gepimpte Gemüsebrühe (zum Pimpen: 1 Tasse Tomatensaft, Trockentomaten, frischen Basilikum (Stiele), Topinambur, Zwiebel- , Paprika- und Champignonabschnitte, ...)
  • sehr gutes Olivenöl
  • Butter
  • 4 gute Essl. ligurische Oliven, halbiert
  • 4 Essl. geröstete Pinienkerne
  • 16-20 Kirschtomaten (halbiert, mit etwas Zucker und Meersalz bestreut und im Ofen bei niedriger Temperatur halb getrocknet)
  • ein Stück frischen Parmesan, grob geraspelt
  • 300 g frische Champignons, halbiert, gewürzt und gebraten
  • Meersalz, unraffiniert
  • Schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • selbst gemachtes Pesto (Olivenöl, Basilikum, Knoblauch, Meersalz, ger. Pinienkerne, gemörst)

Zubereitung:

Gemüsebrühe pimpen (Trockentomaten, Basilikumstiele, Topinambur, Abschnitte, Tomatensaft,... in der Brühe ca. 30 min. bei schwacher Hitze köcheln lassen, passieren). Den heißen Pimpfond ordentlich abschmecken und ein paar Stücke kalte Butter und ein paar Essl. gutes Olivenöl mittels Mixstab hinein pürrieren.

Parmesanraspel auf Backpapier 4 mal in CD-Größe flach verteilen und im Ofen zerlaufen und gering Farbe nehmen lassen. Sofort vorsichtig zu einem Korb formen (auf einen Eierbecher o.ä. legen) und erkalten, bzw. fest werden lassen.

Nudeln im Pimpfond in einer Pfanne warm schwenken, Oliven, Tomaten und Pinienkerne unterschwenken und anrichten. Den Korb auf die Pasta setzen und mit den Champignons füllen. Alles dekorativ mit etwas Pesto bekleckern und mit Basilikum und, wenn vorhanden, Crema di Balsamico (natürlich selbstgekochter) ausgarnieren.

Schneemann auf dem Scheiterhaufen (für vier Personen)

(Geschmolzene Gewürztomaten auf Kartoffelknödeln mit Ziegenkäsefüllung)

Zutaten:

  • 6 bis 8 leckere Strauchtomaten je Portion
  • ca. einen Teelöffel Senfsaat
  • 4 – 6 EL Olivenöl
  • 3-4 Schalotten
  • 1 bis 2 Stk. Zimtstangen
  • 3-4 Stk. Sternanis
  • ca. 5 Stk. Kardamom
  • ca. 4 Gewürznelken
  • frischer Ingwer
  • leckerste schwarze Oliven (ligurische Taggiasca z.B.)
  • Rohrzucker
  • schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • unraffiniertes Meersalz
  • Mehl
  • Stärke
  • etwas Backpulver
  • Zitronen oder Limonensaft und Abrieb
  • Sambal Olek
  • Pflanzenöl
  • frischer Thüringer Kartoffelkloßteig, halb und halb (am besten selbstgemacht)
  • Ziegenfrischkäse oder Camenbert
  • frischer Thymian oder frischer Zitronenthymian
  • feine Weißbrotcroutons
  • Holz-Schaschlikspieße
  • Hut, Besen, Nase, Augen und Knöpfe für den Schneemann

Zubereitung:

Gewürztomaten:

Die Tomatenhaut einritzen (viertelweise, aber nicht die Tomate durchschneiden), die Tomaten in kochendes Wasser geben, bis die Haut beginnt sich von der Tomate zu lösen, dann in kaltem Wasser abschrecken. Die Hautviertel von der Tomate lösen und auf Küchenkrepp trockenlegen (es sollte noch ein wenig Fruchtfleisch an der Haut haften.) – beiseitestellen. (wird gebraucht für „Das Feuer“)

Die enthäuteten Tomaten vierteln, das Kerngehäuse entfernen und jedes Filet schräg/quer halbieren. Die Tomateninnereien pürieren und passieren. Schalotten schälen und in feine Ringe schneiden.

Senfsaat in etwas Olivenöl farblos anrösten und beiseitestellen. Die

Schalottenringe farblos anschwitzen, die Tomatenfilets, knapp die Hälfte

der passierten Tomateninneren, Zimtstangen, Sternanis, Kardamom,

Nelke, angeröstete Senfsaat, die Oliven und etwas geriebene frische Ingwerknolle und Zitrusabrieb hinzufügen, mit Rohrzucker, Pfeffer und Meersalz würzen und bei sehr (!) seichter Hitze ca. 20 min. (nicht kochen !) schmelzen (eventuell noch etwas gutes Olivenöl zugeben und, wenn erforderlich, noch etwas der passierten Tomateninnereien beigeben.)

Das Feuer:

Aus Mehl, Stärke (ca. 1:1), etwas Backpulver, einem Spritzer Limonen- oder Zitronensaft, Salz und Sambal Olek und eiskaltem Wasser einen Tempurateig rühren (Konsistenz etwa wie Crepeteig). Die Tomatenhautviertel mit einer Küchenpinzette erst durch Mehl, dann durch den Tempurateig ziehen und in tiefem, etwa 160°C heißem Pflanzenfett ausbacken und auf Küchenkrepp parken.

Der Schneemann – bzw. die Knödel:

Eine Knödelmasse für halbrohe Kartoffelklöße nach eigenem Rezept erstellen oder aus dem Supermarkt-Kühlregal frische Thüringer Kloßmasse kaufen (kann man machen). Je Portion drei verschieden große Klöße formen, in deren Mitte etwas Ziegenfrischkäse oder Camenbert, Weißbrotcroutons und etwas frischer Thymian oder Zitronenthymian eingerollt wird. Knödel im heißen Salzwasser garen (ungefähr dann, wenn sie oben schwimmen sind sie fertig – das alte Spiel).

Anrichten:

In einen Pastateller die warmen, geschmolzenen Gewürztomaten geben (vorher Zimt, Nelke, Kardamom, und Sternanis raussortieren), die Knödel übereinander – größter Kloß unten / kleinster Kloß oben – auf einem Holz-Schaschlikspieß auftürmen/aufspießen, auf die geschmolzenen Gewürztomate stellen und beim „Schneemann Verzieren“ der Phantasie freien Lauf lassen (z.B. einen kl. Möhrenstift als Nase, einen gebratenen Champignon ohne Stiel als Hut, eine Zweig Rosmarin als Besen, Nelken oder grüne Pfefferkörner als Augen und Knöpfe) - aber schnell machen, damit das Essen nicht kalt wird! Die feurigen Tomatenchips, die die Flammen des brennenden Schneemanns darstellen sollen, rings um den „Schneemann“ anordnen.

Wem das zu albern ist, kann die geschmolzenen Gewürztomaten auch hervorragend mit Gnocchi und Ziegenkäse servieren, muss sich dann nur einen anderen Namen einfallen lassen.

Vielen lieben Dank für die lustige Unterhaltung und das sehr offenherzige Interview!

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