11.10.2017 - 11:00

Interview mit Sternekoch Frank Rosin: „Ich bin kein Koch, der sich Trends unterwirft“

Frank Rosin kocht gerne saisonal und regional. An Trends hat er wenig Interesse.

Foto: Frank Dursthoff

Frank Rosin kocht gerne saisonal und regional. An Trends hat er wenig Interesse.

Auch in Staffel 5 von „The Taste“ ist Frank Rosin als Coach mit von der Partie. Im exklusiven Gespräch mit bildderfrau.de spricht er nicht nur über die neue Staffel der beliebten Kochshow, sondern auch über aktuelle Ernährungs-Trends.

Am 11. Oktober ist es soweit: Die neue Staffel von "The Taste – Nur der Geschmack zählt" geht bei SAT.1 auf Sendung. Zum nunmehr fünften Mal kämpfen leidenschaftliche Hobby- und Berufsköche gemeinsam mit ihren berühmten Coaches um den perfekten Löffel. Star-Koch Frank Rosin ist bereits seit Staffel 1 dabei, gewonnen hat er bislang aber noch nicht. Mit bildderfrau.de sprach Rosin über Sieges-Ambitionen, Kochen mit der Familie und kursierende Ernährungs-Trends.

bildderfrau.de: Lieber Herr Rosin, Sie sind nun zum fünften Mal als Coach bei "The Taste" dabei. Worauf dürfen sich die Zuschauer in dieser Staffel besonders freuen?

Auf die spannenden und vor allem sehr, sehr unterhaltsamen Auseinandersetzungen mit den Kollegen. Und auf tolle Löffel.

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Was hat Sie dazu bewegt, erneut teilzunehmen? War es der Ehrgeiz, dieses Mal zu gewinnen?

Ich bin sehr stolz darauf, an der größten und spannendsten Kochshow Deutschlands teilzunehmen. Und natürlich möchte ich gewinnen – meine Kollegen aber leider auch.

Welcher der anderen Coaches ist ihr schärfster Rivale?

Richtig scharf finde ich Cornelia Poletto! (lacht)

Zuhause kocht die Familie

Wenn Sie beruflich so viel kochen, haben Sie dann überhaupt noch Lust, das zu Hause zu tun oder gehen Sie lieber ins Restaurant?

Meine Familie bekocht mich zu Hause immer mit der wunderbarsten Hausmannskost.

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Steckt in Ihren Kindern denn auch schon echtes Kochtalent? Wird eines vielleicht in Zukunft in Ihre Fußstapfen treten?

Meine Kinder bekochen sich manchmal schon selbst, nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es möchten.

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Ihre Küche gilt als regional geprägt. Gibt es internationale Küchen, die Sie besonders interessieren?

Mich interessieren alle Küchen, die eine gewisse kulturelle Herkunft haben.

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Ausgewogene Ernährung ist am interessantesten

Es kursieren derzeit viele Ernährungstrends: Low Carb, Paleo und auch Veganismus. Können Sie einem dieser Konzepte etwas abgewinnen?

Nein, ich finde eine ausgewogene Ernährung mit etwas von allem für mich am interessantesten. Aber da sind auch viele vegetarische Gerichte dabei. Es muss nicht immer Fleisch auf den Teller.

Wenn Sie ein neues Restaurant eröffnen würden, würden Sie womöglich einen dieser Trends zum Thema machen?

Ich bin kein Koch, der sich Trends unterwirft. Daher kommt das für mich nicht in Frage.

Was ist für Sie das tollste Herbstgericht?

Ich esse immer gerne saisonale Gerichte, die meine Frau und meine Mutter kochen. In Restaurants esse ich auch mal ein Steak oder auch Sushi, vorzugsweise bei Steffen Henssler, egal zu welcher Jahreszeit.

Wenn es um gutes Essen geht, kehrt Frank Rosin also auch mal bei anderen Sterneköchen ein. Wie er sich mit der Konkurrenz bei "The Taste" verstehen wird, erfahren Sie ab dem 11. Oktober um 20:15 Uhr auf SAT.1. Übrigens: Bereits im letzten Jahr hat bildderfrau.de mit Rosin gesprochen. Das Interview finden Sie auf der folgenden Seite.

 

bildderfrau.de: Lieber Herr Rosin, Sie sagen über sich selbst, Ihre Küche sei eine der kreativsten im Lande mit einem sehr hohen Anspruch an Innovation und Technik. Was müssen wir uns darunter vorstellen? Was genau habe ich zu erwarten, wenn ich zu Ihnen ins Restaurant komme?

Frank Rosin: Im "Rosin" kochen wir Kreatives aus dem Alltag, das die Kultur und Bodenständigkeit Deutschlands vereint. Konkret heißt das, dass wir uns auf Rezepte der Mütter und Großmütter unseres Landes berufen und diese dann mit der Kochkunst anderer Länder Europas kombinieren. Wenn ich beispielsweise eine Rinderroulade zubereite, verwende ich zusätzlich Açorda (Anmerkung der Redaktion: hartes Brot aus Portugal), das ich mit einem Fond einweiche. Das Gericht schmecke ich mit Zitrone, Koriander und Chili ab, sodass der Gast das ursprünglich deutsche Gericht mit einer traumhaften Kombination aus internationalen Zutaten serviert bekommt. Die Innovation an meiner Küche ist, dass wir uns nicht mit Gewalt andauernd selber neu erfinden müssen, um etwas Leckeres zu kochen.

Vielmehr geht es darum, unsere deutschen Gerichte anders zu gestalten. Unsere Gäste wissen, dass sie bei uns stets etwas Besonderes bekommen, aber unsere sogenannten "Signature Dishes", mit denen der Kunde das Restaurant "Rosin" identifiziert, basieren auf bodenständigen Rezepten, die eben außergewöhnlich zubereitet werden. Dazu gehört beispielsweise auch unsere Schokolade von der Entenleber.

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Sie sind seit nunmehr zwölf Jahren Sternekoch. Viele nehmen den Stern gar nicht mehr an, weil er mit so vielen Auflagen verbunden ist. Was reizt Sie an der Sterneküche?

Für mich geht es in der Sterneküche um die Kommunikation von Geschmack. Ich wurde mit meinen beiden Sternen für meine Art zu kochen honoriert, weil ich es spannend finde, einen individuellen Geschmack zu entwickeln, meine Gedanken zu verwirklichen und mich dadurch in meiner Kochkunst auszudrücken.

Inwiefern, würden Sie über sich selbst sagen, haben Sie sich über die Jahre als Koch entwickelt? Was haben Sie perfektioniert?

Ich habe auf jeden Fall das Handling mit meinen Mitarbeitern über die Jahre perfektioniert. Ich habe sehr viele im Team, die bereits seit 17 Jahren bei mir sind, was mich unheimlich stolz macht. Und nur mit diesem Team ist es für mich möglich, erfolgreich zu sein.

Sie bezeichnen sich selbst als "Gourmet-Autodidakten", weil Sie ohne den Einfluss eines Spitzenkochs zum Sternekoch geworden sind. Wie haben Sie sich das alles selbst beigebracht?

Ich war schon immer von der Gastronomie fasziniert und wollte nie etwas anderes machen. Dadurch habe ich sehr schnell gelernt, dass ich an mich glauben und auf mich selber hören muss, um etwas zu schaffen. Hinzu kam, dass ich viele Menschen getroffen habe, die mich ermutigt haben, indem sie mir sagten, dass sie meine Arbeit gut und ungewöhnlich finden. Allerdings war der Weg alles andere als einfach und ich habe sehr viel Blut, Schweiß und Nerven gelassen, um dort zu landen, wo ich jetzt bin. In den vergangenen 25 Jahren habe ich bestimmt die Hälfte der Zeit nicht geschlafen. (lacht)

Inwiefern sind Sie noch kritikfähig oder nehmen sich das zu Herzen, wenn ein Gast es wagt zu sagen, dass es ihm nicht geschmeckt hat?

Nun, Kritik ist angebracht, wenn die Qualität nicht gut war und natürlich nehme ich Kritik grundsätzlich ernst. Aber wenn ein Gast in mein Restaurant kommt und es ihm nicht gefällt, was er sich bestellt, dann kann ich daran wenig ändern, denn jeder weiß ja, worauf er sich einlässt, wenn er im "Rosin" ein Gericht bestellt. Ich kann bei 20.000 Gästen im Jahr nicht den Geschmack eines jeden Gastes treffen.

Was ist Ihnen wichtig in Ihrer Küche? Wie gestaltet sich der Alltag?

In Bezug auf meine Gerichte ist es mir sehr wichtig, dass wir genügend Ruhe und Zeit für die Entwicklung von Speisen haben. Man würzt nämlich nicht durch Würzen, sondern durch Kochen. Eine gute Soße gelingt beispielsweise nur dann, wenn man sie so lange kochen lässt, bis sie richtig schmeckt. Zudem haben bei mir ordentliche Arbeitsbedingungen Priorität. Dazu gehören beispielsweise ein vernünftiger Umgangston in meinem Team, das menschlich gut zusammenpasst sowie eine gute Bezahlung.

Sie sind als Koch sehr viel rumgekommen, haben in Madrid und Kalifornien sowie auf dem Kreuzfahrtschiff "Sea Cloud" gearbeitet. Warum kam dann irgendwann die Entscheidung, ausgerechnet in Ihrem Heimatort Dorsten und nicht in einer Großstadt wie Hamburg oder München einen eigenen Laden zu eröffnen?

Nachdem ich so viel umher gereist bin und mein Leben eigentlich nur aus Arbeit bestand, hatte ich mit Mitte 20 bereits meine erste Midlife Crisis. Meine Mutter hatte mir dann erzählt, dass in meinem Heimatort Dorsten eine Gaststätte leersteht, woraufhin ich die Gelegenheit am Schopf ergriffen und mich dort niedergelassen habe.

Welche Gerichte kochen Sie am liebsten und warum?

Ich koche generell am liebsten mit meiner Familie. Meine Kinder helfen gern beim Zubereiten mit. Das macht mich glücklich, weil alle ganz viel Spaß daran haben. Zudem pflegen wir meine Mutter bei uns zuhause, weshalb dann oftmals auch ehrliche deutsche Gerichte wie eine Linsensuppe oder Königsberger Klopse auf den Tisch kommen.

Können Sie uns das Rezept Ihres momentanen Lieblingsgerichtes verraten?

Am liebsten esse ich eigentlich Königsberger Klopse. Und manchmal darf es auch gern eine Currywurst sein. (lacht) Da meine Mutter ja lange einen Imbiss besessen hat, komme ich sozusagen aus einer Fast-Food-Familie.

Wie sieht Ihrer Meinung nach eine ausgewogene Ernährung aus?

Sich ausgewogen zu ernähren bedeutet für mich, dass man sich das Essen bewusst einteilt. In meiner Familie essen wir beispielsweise dreimal die Woche vegetarisch. Nicht, weil wir kein Fleisch mögen, sondern weil es leckere Alternativen gibt und man nicht jeden Tag Fleisch essen muss.

Wie sind Sie darauf gekommen, als TV-Koch zu arbeiten?

Ehrlich gesagt, wollte ich das schon immer, denn ohne die richtige Vermarktung funktioniert doch heutzutage gar nichts. Irgendwann sind dann Produktionsfirmen auf mich zugekommen, sodass sich der Rest von ganz alleine ergeben hat. 2003 stand ich gemeinsam mit Bärbel Schäfer für die ARD-Sendung "Wellness TV" vor der Kamera, seit 2007 folgten Formate wie "Das Fast Food-Duell", "Rosins Restaurants", "Topfgeldjäger", "The Taste", "Hell’s Kitchen", "Rosin Weltweit" und "Rosins Kantinen".

Was macht für Sie daran den Reiz aus?

Ich denke, es ist die Mischung aus der Möglichkeit, anderen zu helfen und der Vermarktung. Das Bewusstsein des Helfens ist für mein Team und mich zur Ideologie geworden. Wir machen kein Fernsehen, um zu helfen. Wir helfen und bringen den Fall ins TV.

Welche Situationen bringen Sie da auch mal zum verzweifeln, wenn Sie anderen Menschen mit Ihrem Gastronomie-Betrieb helfen wollen?

Es bringt mich generell zum verzweifeln, dass die deutsche Gastronomie in einer so schlechten Situation ist und dass nichts mehr für den Nachwuchs getan wird. Wenn ich mir angucke, dass sich mittlerweile jeder mit einem Restaurant selbstständig machen kann, ohne vorher eine Ausbildung zum Koch gemacht zu haben und fachliche Kompetenz zu besitzen, dann finde ich das traurig und unseriös. Die Kunst der Gastronomie muss mit dem Pragmatischen der Ökonomie eine Symbiose ergeben – und das sowohl in der Ausbildung als auch in der Praxis. Aber inzwischen habe ich immer mehr den Eindruck, dass sich die Leute in der Gastronomie gar nicht fortbilden wollen und somit bleiben dann auch die Ideen aus. Diese Entwicklung ist erschreckend.

Sie kommen im TV sehr gut an, von Ihrer Sendung "Rosins Restaurants – ein Sternekoch räumt auf!" gibt es bereits neun Staffeln. Was denken Sie, mögen die Leute an Ihnen? Was sind Sie für ein Typ?

Als Kind aus dem Ruhrgebiet bringe ich eine gewisse Authentizität mit. Ich komme aus einfachen, aber seriösen Strukturen, ich verstelle mich nicht und ich kann Nähe gut ab. Dadurch entwickle ich vielleicht schneller Empathie, was bei den Leuten wohl gut ankommt.

Wenn Sie wählen müssten, sind Sie eher ein TV-Koch oder ein Sternekoch?

Das kann man so nicht sagen, da ich meinen Beruf nicht als Job, sondern als Berufung sehe. So lange ich denken kann, wollte ich nichts anderes machen. Während meine Freunde früher spielen gegangen sind, habe ich im Alter von zwölf Jahren bereits in Küchen ausgeholfen und Kartoffeln geschält. Ich bin einfach durch und durch Koch – ob im TV oder in meinem Sternerestaurant und das lebe und liebe ich.

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