23.06.2016 - 13:41

Interview Christine Theiss verrät uns, warum ihr die Babypfunde egal sind

Foto: Imago

Obwohl sie selbst nur wenige Wochen nach der Geburt ihrer Tochter wieder gertenschlank ist, warnt Dr. Christine Theiss davor, junge Mütter zu sehr unter Druck zu setzen.

"Wahnsinns-Figur nur sechs Wochen nach der Geburt" – titelte eine große deutsche Illustrierte den ersten öffentlichen Auftritt von Dr. Christine Theiss nach der Geburt ihrer Tochter Cosima bei der Verleihung des GreenTec Awards Ende Mai in München. Und in der Tat, die hübsche Blondine strahlte in einem traumhaften blauen Kleid, das ihre perfekten Rundungen betonte. Natürlich freute sich die ehemalige Kickbox-Weltmeisterin über das Kompliment. Dennoch antwortete sie mit einem sehr persönlichen Statement bei Facebook: "Danke BUNTE für das Kompliment, aber ich möchte trotzdem etwas dazu sagen. Ich habe während der Schwangerschaft 15 Kilo zugenommen und auch jetzt sind es noch 6 kg über meinem Ausgangsgewicht."

"Mamas, macht euch nicht verrückt!"

Sie beschreibt weiter, wie sie sich mit Sport vor und während der Schwangerschaft fit gehalten hat und auch nach der Geburt ihrer Tochter wieder leichte Übungen macht. "Zum anderen ist sicherlich das Stillen verantwortlich für die Gewichtsabnahme. Ich mache keine Diät, ganz im Gegenteil, die wäre nur kontraproduktiv zum Stillen. Da ist mir das Wohlergehen meines Kindes viel wichtiger als die Anzahl der Wochen, ab der ich wieder in alle meine alten Klamotten passe. Warum ich das schreibe? Ich will nicht, dass sich andere Mütter wegen solcher Bilder unter Druck gesetzt fühlen. Ja, es gibt Übungen und Tricks, die Euch dabei helfen, fit durch die Schwangerschaft zu kommen und danach schneller zur alten Figur zurückzukehren. Aber jeder Körper hat seinen eigenen Rhythmus und eigene Voraussetzungen. Natürlich wäre es toll, wenn sich alle Mamas in ihrem Körper wohlfühlen. Aber sie selbst sollen den Zeitrahmen vorgeben und nicht die Meinungen von außen. Druck bewirkt oft nur das Gegenteil. Mamas, macht Euch nicht verrückt!"

Unzählige Male wurde der Beitrag geliked und geteilt und erhält zahlreiche Kommentare, in denen Frauen und Männer betonen, wie sehr die Moderatorin ihnen damit aus der Seele spricht. Im Interview mit bildderfrau.de verrät Dr. Christine Theiss, warum es ihr so wichtig war, ein so persönliches Statement abzugeben.

bildderfrau.de: Was haben Sie empfunden, als Sie den Artikel der BUNTEN entdeckt haben?

Dr. Christine Theiss: Im ersten Moment fühlte ich mich natürlich sehr geschmeichelt und habe mich über das Kompliment gefreut. Und dann habe ich gedacht: das stimmt aber doch so alles nicht. Ja, ich bin wieder schlank. Aber es ist kein Wunder und es ist auch keine Verpflichtung und ich habe auch noch nicht wieder Normalmaß, sondern auch noch ein paar Kilo zufiel.

Haben Sie das Gefühl, unter besonderer Beobachtung zu stehen?

Ich bin Sportlerin und Moderatorin von "Biggest Loser" – natürlich schauen die Leute sehr, wie man ausschaut und mit der eigenen Figur umgeht. Aber sie hören eben auch darauf, was man sagt und deswegen fand ich es wichtig, klar zu stellen, was wichtig ist. Ich dachte, jetzt legst Du einfach auch mal ein Statement ab und sagst, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

Wie kam ihr Statement an?

Es wurde extrem positiv aufgenommen. Ich habe nur positive Kommentare, er wurde oft geteilt und geliked. Nicht ein negatives Wort gab es und viele, die sagten: endlich sagt es mal jemand, oder vielen Dank für die ehrlichen Worte.

Heutzutage wird ja schon während der Schwangerschaft spekuliert, ob und wie schnell die Frauen die Pfunde wieder loswerden. Wie sind Sie mit dem Druck umgegangen?

Ich wurde in der Tat oft auf meinen Bauch angesprochen. Meist, weil man mir sagte, ich bekäme einen Jungen, der Bauch ginge schließlich nach vorne. Aber bei meinen seitlichen Bauchmuskeln hatte er auch keine andere Chance. Ich habe mich nicht unter Druck setzen lassen, sondern gemacht, was mir gut tat.

Zu Beginn der Schwangerschaft habe ich geguckt, was bei meinem BMI eine übliche Zunahme ist. Die lag bei 15 Kilo. Damit hatte ich in etwa eine Richtung. Alles andere war mir nicht wichtig. Ich habe gegessen und getan, was für mein Kind und mich gut war. Der Körper signalisiert einem ganz gut, wie weit man gehen darf. Zusätzlich habe ich noch diese Strümpfe gegen Wassereinlagerungen getragen. Dadurch hatte ich auch immer recht schlanke Beine.

Wie wichtig war es Ihnen, gut auszusehen?

Das ist in den Hintergrund gerückt. Natürlich kann man gut aussehen in der Schwangerschaft – aber es sollte nicht dazu führen, dass man Diät hält oder es mit Sport übertreibt oder in irgendeiner Weise das Kind oder sich unter Druck setzt. Ich habe die Schwangerschaft so sehr genossen, da war für mich jeder Tag dieses kleinen Wunders wichtig.

Ist der Druck auf die werdenden Mütter gewachsen, oder machen die sich den selber?

Das kann man sicher nicht pauschal sagen. Ich denke, einige Frauen glauben, dass man die Erwartung an sie hat und wollen sie dann erfüllen. In meinem Beruf ist es sicher auch noch mal extremer. Fernsehen ist ein optisches Medium. Dauernd liest man, der ist zu dick, die ist zu dünn. Ich denke, man kann es niemandem recht machen. Und wenn man das weiß, erleichtert das ungemein. Dafür braucht man ein breites Kreuz. Ich bin Sportlerin. Ich kenne meinen Körper und vertraue darauf, dass alles eines Tages wieder so ist, wie es sein soll. Und wenn nicht? Na, und! Irgendein Kleid wird schon passen.

Was würden Sie werdenden Müttern raten – neben einem breiten Kreuz -, wie sie sich am besten fit halten?

Sport während der Schwangerschaft ist wichtig. Selbst, wenn man vorher keinen gemacht hat. Den Körper auf die Belastung vorzubereiten verhindert viele Probleme: Rückenschmerzen, Beinbeschwerden und so weiter. Ich sehe es gerade in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Viele Frauen, die kein Sport machen, bekommen es mit dem Rücken zu tun.

Die Kinder dauernd zu heben – das ist schon eine enorme Belastung. Wer schon vor oder in der Schwangerschaft etwas für seine Muskeln tut, wird merken, dass der Körper auch schneller wieder zur alten Form findet. Aber unbedingt darauf achten, dass es mit Freude gemacht wird. Wenn man mal keine Lust hat, ist das auch gut. In meinem aktuellen Buch ""Pimp Your Running" findet man zahlreiche Übungen, mit denen man sich wunderbar fit halten kann.

Wie sieht es mit der Ernährung aus?

Hier gilt ausschließlich: Alles was Mutter und Kind gut tut. Vor allem während der Schwangerschaft und wenn man stillt. Es gibt ernsthaft Frauen, die in der Stillzeit eine Diät machen. Da fragt man sich doch: Geht's noch? Nach der Stillzeit ist dafür noch Möglichkeit genug!

Ein Neugeborenes und Sport – lässt sich das vereinbaren?

Auf jeden Fall! Ich habe mich zwar von der Vorstellung verabschiedet, dass ich Zuhause eine halbe Stunde am Stück etwas machen kann, dafür teile ich es in viele kleine Einheiten auf. Wenn die Kleine schläft, kann ich mal 20 Minuten etwas machen. Aber ansonsten nehme ich die Gelegenheiten so, wie sie kommen. Wenn wir auf einer Decke liegen, mache ich etwas Bauch-Beine-Po. Gehen wir spazieren und sie schläft, mache ich ein paar Beinübungen. So lange ich noch nicht wieder Joggen gehe, gehe ich auf den Stepper. Das liebt Cosima.

Das nächste Projekt könnte dann "Fit durch die Schwangerschaft" heißen, oder?

In der Tat ist da etwas in Arbeit. Ich habe während meiner Schwangerschaft ein paar Sachen aufgenommen und bin jetzt dabei, Übungen für danach auszusuchen. Das Thema ist nicht, schlank trotz Schwangerschaft, sondern es geht wirklich um den Aspekt der Fitness. Denn eine Schwangerschaft und auch die Geburt und das Baby verlangen eine ganze Menge von einer Frau ab. Darauf sollte sie optimal vorbereitet sein. Wir haben mit Ernährungsexperten, Hebammen und Gynäkologen zusammen gearbeitet. Ich denke, dass ab Herbst unser Online-Programm fertig sein wird. Ich hoffe nicht, dass die Frauen denken, ich möchte ihnen damit sagen, wie sie schnell wieder schlank werden. Es geht um den gesundheitlichen und Fitness-Aspekt. Wenn dann auch noch eine Kleidergröße weniger dabei raus kommt, ist das ein schöner Nebeneffekt.

Welches Körpergefühl möchten Sie an Ihre Tochter weitergeben?

Ich hoffe, dass Cosima Sport machen wird. Nicht als Leistungssport, sondern, dass sie etwas findet, mit dem sie sich wohl fühlt. Man entwickelt als Sportler ein Gefühl für den Körper und ist auch eher zufrieden mit sich, wenn man aktiv ist. Eine gute Figur nur durch Hungern, das ist furchtbar! Meiner Meinung nach leben Frauen, die Sport machen, aber etwas schwerer sind, viel gesünder, als die Frauen, die sich in Kleidergröße 34 hungern.

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