10.06.2016

Frauen im Film Natalie Portman in Jane Got a Gun: Harte Frau, flacher Film

Natalie Portman verteidigt ihr Heim im Western "Jane Got a Gun".

Foto: Universum Film

Natalie Portman verteidigt ihr Heim im Western "Jane Got a Gun".

In ihrem jüngsten Film JANE GOT A GUN spielt Natalie Portman wieder die toughe Powerfrau. Der Film ist aber leider nicht so überzeugend wie sie.

Natalie Portman ist hart im Nehmen. Die in Jerusalem geborene, jüische Amerikanerin absolvierte ihr Schauspieldebüt 1994 bereits in einer Hauptrolle. An der Seite des Franzosen Jean Reno spielte die damals Zwölfjährige in Luc Bessons Actionthriller „Léon – Der Profi“ eine frühreife Göre, die das Massaker an ihrer Familie rächen will und dafür bei der Titelfigur in die Lehre geht. Der jungen Natalie, die sich zu der Zeit bewusst gegen einen Model-Vertrag für die Kosmetikmarke Revlon und für eine Filmkarriere entschied, brachte ihr erster Film gleich den Durchbruch. Mit Intelligenz, Charisma und nicht wenig Selbstbewusstsein verfolgte Portman in den folgenden Jahren die große Hollywood-Karriere und stand unter anderem für Michael Mann, Tim Burton und Woody Allen vor der Kamera. Clever und mit traumwandlerischer Leichtigkeit wechselte sie zwischen kommerziellen und anspruchsvollen Rollen, spielte die schöne Heldin der „Star Wars“-Prequel-Trilogie und bewies mimische Komplexität in Charakterrollen (z.B. in Mike Nichols' „Hautnah“).

Seit ihrer Ehrung als beste Schauspielerin für die Hauptrolle in Darren Aronofskys Psychodrama „Black Swan“ mit dem Oscar hat die Harvard-Absolventin, Ehefrau eines französischen Balletttänzers und Mutter eines Sohnes weitere Blockbuster („Thor“) und Kunstfilme („Knight of Cups“) bereichert. Zudem hat sie sich ins Regiefach vorgewagt und ihren Film „Eine Geschichte von Liebe uns Finsternis“ 2015 bei den Filmfestspielen von Cannes vorgestellt. Trotz ihrer kleinen Statur von 1,60 Meter Größe und zierlichen Gestalt kam also kaum jemand anderes für die Titelrolle der autarken, selbstbewussten Frontiersfrau Jane Hammond in dem Spätwestern „Jane Got a Gun“ in Frage. Nur leider ist der jüngste Kinofilm der Portman einer jener Filme, der viele Schauwerte und Qualitäten mitbringt, aber keinen zusammenhängend zufriedenstellenden Film darstellt. Natalie Portman aber ist wie immer von eindrucksvoller Intensität.

Jane Got a Gun, But Needs a Man

Jane Hammond, Mutter und Ehefrau auf einer abgelegenen Farm irgendwo im Wilden Westen Amerikas, ist eine Frau mit Vergangenheit. Diese holt sie ein, als ihr krimineller Ehemann Bill (Noah Emmerich) nach langer Abwesenheit blutüberströmt nach Hause reitet und von ihr gesund gepflegt werden muss. Seine Nachricht ist keine gute. Er hat die Pfade mit der Bishop Boys Gang gekreuzt, angeführt vom skrupellosen John Bishop (Ewan McGregor). Und sie sind auf dem Weg zum Haus, um offene Rechnungen mit Jane zu klären. Ihr bleibt dann nichts anderes übrig, als sich an ihren früheren Geliebten Dan Frost (Joel Edgerton) zu wenden, um ihre Familie zu retten. Doch dieser hegt nach dem frühzeitigen Ende seiner Beziehung zu Jane noch einige Antipathie für die eigenwillige Jane.

Oft angekündigt, spät angekommen

Vor einigen Monaten sah es noch so aus, als würde „Jane Got a Gun“ zu jenen Filmen gehören, die immer wieder angekündigt werden, aber nie das Innere eines Kinos sehen würden. Das von „Warrior“-Regisseur Gavin O’Connor inszenierte Drama basiert auf einem Drehbuch von Brian Duffield, das sich 2011 auf der berühmt-berüchtigten „Blacklist“ wiederfand. Auf diese alljährlich zusammengestellte Liste wählen Hollywood-Insider die besten, noch nicht verfilmten Drehbücher, die derzeit zwischen den Studios kursieren. Auf Duffields Drehbuch auf diesem Weg aufmerksam geworden, fanden sich die schottische Filmemacherin Lynne Ramsay („We Need to Talk About Kevin“, 2011) und Natalie Portman Mitte 2012 zusammen. Für die Rollen der Männer im Film konnten sich einige Stars begeistern, die aber wieder absprangen, darunter Michael Fassbender, Jude Law und Bradley Cooper. Schließlich übernahmen Ewan McGregor und Joel Edgerton die prominenten Nebenrollen des Böswichts und des Revolverhelden, wobei Edgerton auch mithalf, das Drehbuch umzuschreiben. In diesem Prozess gab Ramsay das Interesse am Film auf und wurde durch den eher konventionellen Geschichtenerzähler Gavin O’Connor ersetzt. Doch selbst nach Fertigstellung des Films wurde der Film wie ein unbeliebtes Kind zwischen den involvierten Studios hin und hergeschoben, ohne je im Kino zu erscheinen.

Wer lange wartet, wird manchmal enttäuscht

Drei Jahre nach Drehschluss kam „Jane Got a Gun“ schließlich Anfang Januar in die Kinos und wurde mit gerade mal 865.000 Dollar Einspielergebnissen der größte Flop für den Vertreiber, die Weinstein Company. Warum? Ob es nun am schlechten Marketing für den Film oder an der problematischen Vorgeschichte der Produktion lag, „Jane Got a Gun“ wirkt für sich genommen reichlich angestaubt, geradezu anachronistisch und wenig attraktiv für das heutige Publikum. Zwar wird der amerikanische Westen von den hochatmosphärischen Bildern Mandy Walkers („Australia“, 2008) in all seiner betörenden Pracht und seiner abstoßenden Rauheit eingefangen, aber die schablonenhaften Figuren und die flache Handlung, in der sie stecken, wirkt sehr überholt. Während das Fernsehen durch Serien wie „Deadwood“ (2004) und wagemutigere Filmemacher wie Quentin Tarantino mit Filmen wie „Django Unchained“ (2012) und „The Hateful Eight“ (2015) dem Western wahrlich elektrisierende Frischzellenkuren verpassen, begnügt sich „Jane Got a Gun“ leider mit einem konventionellen, vorhersehbaren Home-Invasion-Narrativ, das uns durch die notwendigen, schleppenden Stationen einer solchen Geschichte führt: Gefahr erkannt – Vorkehrungen gegen die Gefahr werden getroffen – Gefahr droht unmittelbar – die Angegriffenen verbarrikadieren sich – die Spannung entlädt sich schließlich in brutaler Gewalt - am Ende ist die Gefahr gebannt und der Frieden wiederhergestellt. Das ist alles filmisch durchaus kompetent in Szene gesetzt, aber trotz einiger abenteuerlicher Rückblenden als Geschichte wenig aufregend, um nicht zu sagen langweilig.

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