21.04.2016

Frauen im Film Julie Delpy: Frei Schnauze in Lolo – Drei ist einer zu viel

Foto: © The Film

Mit Lolo bricht die Französin Julie Delpy eine Lanze für moderne Single-Mütter, trottelige Liebhaber und den offenen Dialog über Oralverkehr.

In den Filmen Julie Delpys wird gerne geredet. Lange und ausgiebig. Schnell und impulsiv. Zwischen nachdenklichen Momenten sind die Dialoge dabei oft frech und vulgär, stets beseelt vom unverwechselbar kauzigen Humor der smarten 46jährigen. Filmkritiker weisen gerne den New Yorker Vorzeige-Neurotiker Woody Allen („Der Stadtneurotiker“, 1977) als filmisches Vorbild der französischen Autorenfilmerin aus. Schließlich sind seine (romantischen) Komödien ebenso pfiffig wie redselig. Der Dialogwitz der blonden Pariserin ist aber dann doch deutlich rauer, direkter und lebensnaher. Wie auch ihre komischen Protagonisten eine Spur psychotischer und unsympathischer angelegt sind. Und filmisch wirkt alles viel improvisierter und spontaner bei Delpy. So und nicht anders auch bei der fünften abendfüllenden Regiearbeit Julie Delpys, „Lolo – Drei ist einer zuviel“ (seit 11.03.2016 in den deutschen Kinos), einer thematisch etwas abgegriffenen, leider wenig einfallsreichen Komödie über eine unfreiwillige Dreiecksbeziehung.

Single-Mutter zwischen Nesthocker und Trottel

Die Protagonisten dieser unorthodoxen Dreiecksbeziehung sind Single-Mutter Violette (Julie Delpy), Informatiker Jean-René (Dany Boon) und Titelheld Lolo (Vincent Lacoste), Violettes 19-jähriger Sohn. Dieser wohnt noch bei Hotel Mama in Paris und begegnet dem neuen Mann im Leben seiner Mutter erst mit Skepsis, dann mit offener Antipathie. Schließlich war Jean-René nur als harmloser Urlaubsflirt gedacht für Violette beim Freundinnen-Urlaub an den Stränden Südfrankreichs. Doch als das Landei Jean-René für die Mode-Expertin Violette in die französische Hauptstadt zieht, entbrennt ein Machtkampf zwischen Lolo und dem Konkurrenten um die Aufmerksamkeit seiner Mutter.

Julie Delpy: Vom Filmstar zur Filmemacherin

Wie in ihren anderen Regiearbeiten übernimmt Julie Delpy auch bei „Lolo“ die weibliche Hauptrolle - nicht zuletzt, um den Film finanziert zu bekommen. Schließlich ist die in Los Angeles lebende Französin vor allem als Schauspielerin seit Anfang der 90er Jahre gut im Geschäft. Erste Aufmerksamkeit erhielt sie für ihr elfengleiches Aussehen in Volker Schlöndorffs Literaturverfilmung „Homo Faber“ (1991) und in Agnieszka Hollands Weltkriegsdrama „Hitlerjunge Salomon“ (1991). Fortan pendelte Delpy zwischen Hollywood und dem europäischen Film und erlangte Kultstatus als Celine in den „Before“-Filmen, die über eine Zeitspanne von 18 Jahren von der On-Off-Beziehung zwischen einem Amerikaner (Ethan Hawke) und einer Französin (Delpy) erzählen („Before Sunset“, 1995, „Before Sunrise“, 2004, und „Before Midnight“, 2013). Doch als Regie-Absolventin der New Yorker Filmhochschule wollte Delpy mehr Rollen beim Dreh ausfüllen und schrieb so bereits an den Skripts der „Before“-Reihe mit. Der Lohn waren zwei Oscar-Nominierungen.

Ihre Regiekarriere hat sich bislang jedoch als durchwachsen erwiesen. Ihr erster großer Kinofilm als Filmemacherin, die romantische Komödie „2 Tage Paris“ (2007) war eine charmante, leichtfüßige Abwandlung der „Before“-Filme. Auch hier philosophierten ein Amerikaner (Adam Goldberg) und eine Französin (Delpy) beim Flanieren in einer europäischen Großstadt angeregt über die Liebe, das Leben und ihre kulturellen Eigenarten – mit dem Unterschied, dass Julie Delpys leibliche Eltern Albert Delpy und Marie Pillet als schrullig-überdrehte Eltern der Protagonistin für Chaos sorgten. In der Fortsetzung „2 Tage in New York“ (2012) musste sich dann US-Standup-Komiker Chris Rock als biederer amerikanischer Ehemann der Französin mit ihren unsensiblen Eltern im Big Apple herumplagen. Leider konnte die Fortsetzung am Charme von Delpys Erstling nicht anknüpfen und auch Delpys andere Regiearbeiten („Die Gräfin“, 2009, und „Familientreffen mit Hindernissen“, 2011) verschwanden ohne viel Aufsehen in der Versenkung.

Lolo ist zuviel Altbackenes, wenig Neues

Auch „Lolo – Drei ist einer zuviel“ gestaltet sich als eine wenig aufregende, sehr französische Beziehungskomödie samt wild gestikulierenden, karikaturhaften Franzosen. Was in den 1970er und 80er Jahren, als französische Komiker wie Louis de Funès und französische Lustspiele wie „Drei Männer und ein Baby“ (1985) die deutschen Kinos stürmten, noch relativ frisch war, wirkt heute recht abgestanden. Zwar arbeitet Delpy, die wie keine andere Leinwandschönheit so elegant die Augen verdrehen kann über die Idiotie ihrer Mitmenschen, mit einer talentierten, namhaften Besetzung (u.a. auch mit der herrlichen Karin Viard aus „Verstehen Sie die Béliers?“ als spitzzüngige Freundin) zusammen. Aber die Handlung wirkt vorhersehbar und weitestgehend arm an Pointen bis zur abschließenden Wendung. Da empfiehlt es sich für Fans der Schauspielerin statt eines Kinobesuchs einen Julie-Delpy-Videoabend zu machen:

Die 5 schönsten Filme mit Julie Delpy:

1. Before Midnight

2. Before Sunset

3. Before Sunrise

4. 2 Tage Paris


5. Hitlerjunge Salomon


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