11.03.2016

Powerfrau Catherine Hardwicke: Interview zu Im Himmel trägt man hohe Schuhe

Foto: © Gilles Bensimon / ELLE.com

In den Filmen von Catherine Hardwicke stehen starke Frauen im Mittelpunkt - von Twilight bis zu ihrem neuen Film Im Himmel trägt man hohe Schuhe! Wir haben sie zum Interview getroffen.

Catherine Hardwicke zählt zu den erfolgreichsten Filmemacherinnen Hollywoods. Die Texanerin begann Ihre Karriere beim Film als Szenenbildnerin, unter anderem für David O. Russell (Three Kings, 1999), Cameron Crowe (Vanilla Sky, 2001) und Richard Linklater (The Newton Boys, 1998). Sie wechselte 2003 fulminant ins Regiefach mit dem Independent-Drama Dreizehn, das ihrer Darstellerin Holly Hunter eine Oscar-Nominierung einbrachte. Zur dünn bestückten Hollywood-Elite weiblicher Regisseure avancierte Hardwicke mit ihrer Verfilmung des Stephenie-Meyer-Kultromans Twilight - Biss zum Morgengrauen (2008).

In Ihrem neuen Film Im Himmel trägt man hohe Schuhe (im englischen Original: Miss You Already) erzählt Catherine Hardwicke mit ebenso viel Humor wie Emotionalität von der lebenslangen Freundschaft zweier Frauen (Drew Barrymore und Toni Collette), die durch den Krebs auf eine harte Probe gestellt wird. Die ergreifende und amüsante Tragikomödie startet am 31. März in den deutschen Kinos.

Hallo Frau Hardwicke, danke dass Sie sich Zeit genommen haben für ein Gespräch mit BildderFrau.de über Ihre Karriere als Filmemacherin in Hollywood und Ihren jüngsten Film Im Himmel trägt man hohe Schuhe.

Frau Hardwicke, Sie gehören derzeit zu den wenigen weiblichen Filmemachern in Hollywood, die man auch namentlich kennt. Warum glauben Sie, wie Ihre Zunftgenossin Julie Delpy uns jüngst verriet , dass Projekte von weiblichen Regisseuren es so schwierig haben, in Hollywood ein grünes Licht zu bekommen?

Unbewusste Geschlechter-Vorurteile.

Im Zuge der Kontroverse zu #Oscarssowhite gab es eine angeregte Diskussion in den Medien über den Mangel an rassischer Vielseitigkeit in Hollywood. Besteht nicht auch ein Mangel an geschlechtlicher Vielseitigkeit in der Zahl der Filme, die von Hollywood produziert und beworben werden?

Ja, zahlreiche Studien haben das belegt.

Sie haben einen Abschluss in Architektur und haben bei zahlreichen Filmen als Szenenbildnerin gearbeitet bevor sie ins Regiefach gewechselt sind. Inwieweit beeinflussen Ihre früheren Karrieren Ihre Inszenierungen, vor allem wie Sie Ihren Szenen Farbakzente geben, um eine besondere Emotion zu betonen oder in der erfrischen Art, wie Sie den filmischen Raum nutzen?

Ich habe „structural visualization“ gelernt. Daher bin ich es gewohnt, etwas aus dem Nichts zu kreieren. Und das dann mit Bedeutung zu füllen.

Lange bevor die aktuelle Marvel-Superhelden-Manie losgetreten wurde haben Sie schon den ultimativen Superhelden-Film mit Twilight gedreht, oder? Schließlich ist doch Edward eigentlich ein widerwilliger, fast schon Byronesker Superheld!

Ich liebe diese Interpretation!!!

Denken Sie, dass Ihr Film nach Twilight - Red Riding Hood mit Amanda Seyfried - bei Kinostart missverstanden wurde? Haben die Zuschauer auf ein weiteres Twilight gehofft und stattdessen eine verspielte Neuinterpretation eines bekannten Märchens (Rotkäppchen) vorgesetzt bekommen?

Das klingt nach einer interessanten Theorie! Danke!

Ihr neuer Film „Im Himmel trägt man hohe Schuhe“ zeigt mit Drew Barrymore und Toni Collette starke Schauspielerinnen und konzentriert sich auf eine intensive Frauenfreundschaft – handelt es sich bei dem Film um eine Art Rückkehr zu Ihren Wurzeln, zu Ihrem ersten Film Dreizehn? Dreizehn dreht sich ja auch um intime, konkurrierende Frauenfreundschaften. Und wenn wir schon dabei sind, denken Sie dass der Begriff Frauenfilm nicht etwas zu insulär ist für diese Filme?

Ja, [mein neuer Film] fühlt sich an wie ein unmittelbarer Nachzügler zu Dreizehn. Es freut mich, dass Ihnen das aufgefallen ist! Und ich denke auch, dass Im Himmel trägt man hohe Schuhe ein Film für alle Arten von Freunden und für Familien gemacht ist und nicht nur für Frauen.

Im Himmel trägt man hohe Schuhe ist Ihr erster Film, der in Großbritannien spielt – wie war es vor Ort zu drehen und inwieweit unterscheiden sich britische Darsteller von den amerikanischen?

Ich habe es geliebt, in London zu drehen – es ist so eine lebendige Stadt mit einer schönen alten Architektur und spektakulären Gebäuden auf dem höchsten Stand moderner Design-Ideen. Ich habe es geliebt mit einer britischen Besetzung zu arbeiten!

Nachdem Sie mehrere Filme über Teenager gedreht haben (Dreizehn, Twilight, Red Riding Hood), fanden Sie es da erfrischend, sich mal mit Erwachsenenproblemen zu beschäftigen wie täglich den Haushalt schmeißen, verzweifelt versuchen schwanger zu werden und Arbeit, Familie und Freunde unter einen Hut zu bringen in Im Himmel trägt man hohe Schuhe?

Ja, ich mag die Abwechslung!

Im Himmel trägt hohe Schuhe befasst sich mit Krebs auf eine sehr lebensbejahende und realistische Art und Weise. Die Figuren begegnen der Krankheit oft mit Humor. Wie schwierig war es, auf der einen Seite die brutalen Folgen der Krankheit auf dem Körper von Toni Collette realistisch einzufangen und auf der anderen Seite einen so lebendigen und lustigen Film zu machen?

Wenn man mit Menschen spricht, die den Krebs überlebt oder Krebspatienten betreut haben, dann kommt immer wieder Humor als ein wichtiges Mittel auf, um mit der Krankheit klarzukommen. Eine Gruppe von Überlebenden hat sich einen Rohschnitt des Films angesehen und verlangte nach so viel Humor wie möglich! Glücklicherweise hatten Toni und Drew viele großartige Sprüche auf Lager, so dass wir das herrlich witzige Drehbuch von Morwenna [Banks] durch Improvisationen noch witziger machen konnten.

Was uns am meisten an Im Himmel trägt man hohe Schuhe aufgefallen ist, ist die intime Art und Weise, wie Sie den filmischen Raum nutzen, in denen sich Ihre Darsteller befinden. Manchmal gehen Sie sogar soweit, die Gesichter Ihrer Schauspieler in extremen Nahaufnahmen zu zeigen. Wie ist Ihre Besetzung mit Ihrem Drehstil klargekommen?

Als ich das erste Mal ins Bett gesprungen bin mit einer kleinen „Indie“-Kamera und angefangen habe, Toni Collette und Dominic Cooper im Bed zu filmen und Ihnen dabei Fragen stellte, waren die Schauspieler sehr begeistert, ja geradezu elektrisiert. Sie meinten dass dadurch der Prozess des Filmemachens für sie zu etwas Neuem wurde.

Sie haben sich bereits an mehreren Genres versucht (Teenager-Dramen, religiöse Dramen, romantische Horrorfilme) – was ist Ihr Lieblingsgenre und welches Genre würden sie gerne in der Zukunft in Angriff nehmen?

Ich liebe Dramen über interessante Figuren mit viel Humor. Ich will unbedingt noch einen Film über verrückte, engagierte Umwelt-Aktivisten drehen.

Was würden Sie einer jungen, aufstrebenden Filmemacherin raten?

Schau Dir ganz viele Filme an, arbeite an den Filmen anderer Leute, mach Deine eigenen Filme, eigne Dir alles über die Kunst und das Handwerk an, so dass Du alle nötigen Fähigkeiten mitbringst.

Danke für das Gespräch, Frau Hardwicke!

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Im Himmel trägt man Schuhe ist ab dem 31. März 2016 in den deutschen Kinos.

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