23.02.2016

Märchenhaft Die Dreizehnte Fee: Interview mit Autorin Julia Adrian

Nirmalarajah Asokan

Foto: © Phinegraphie / Drachenmond Verlag

Julia Adrian ist 25 und Schriftstellerin aus Leidenschaft. Das Herz der dreifachen Mutter schlägt für Märchengeschichten - ihre Heldinnengeschichte "Die Dreizehnte Fee" erscheint beim Drachenmond Verlag in Serie. Wir haben Sie zum Interview gebeten.

Hallo Frau Julia Adrian, danke, dass Sie sich so kurz vor der Geburt Ihres dritten Kindes die Zeit genommen haben für ein Interview mit BildderFrau.de. Sie haben im April letzten Jahres Ihren Debütroman "Die Dreizehnte Fee" zunächst im Selbstverlag veröffentlicht. Das 2. Band der Romanserie, "Entzaubert", erschien dann bereits im renommierten Drachenmond Verlag und erhielt Bronze beim Lovelybooks Leserpreis 2015. Uns hat Ihre Wahl einer unkonventionellen Märchenheldin fasziniert. Wir wollten mehr wissen...

1. Würden Sie sich bitte kurz unseren LeserInnen vorstellen und uns erzählen, was Sie hauptberuflich machen?

Mein Mädchenname ist Julia Adrian und unter diesem schreibe und veröffentliche ich Bücher. Mein Debüt erschien im April 2015. Seit dem darf ich mich wohl Autorin nennen, auch wenn es sich noch sehr seltsam anfühlt – selbst jetzt noch, wo ich für meine Bücher ein Zuhause im Drachenmond Verlag gefunden habe. „Hauptberuflich“ bin ich aber Mama und mit (bald) drei Kindern mehr als beschäftigt. Der Große wird diesen Sommer eingeschult, die Kleine ist seit Neustem im Kindergarten und Nachwuchs Nummer 3 wird in wenigen Tagen erwartet.

2. Sie haben sich binnen weniger Jahre "hochgearbeitet" vom Selbstverlag zum Drachenmond Verlag und erhielten bereits einen Leserpreis. Sind sie auf dem besten Weg, die deutsche J.K. Rowling zu werden?

Bei dieser Frage musste ich jetzt lachen und gestehe, dass ich erst einmal etwas ratlos bin. J.K. Rowling ist ein absolutes Idol und ich ziehe den Hut vor ihr, mich mit ihr zu vergleichen, wage ich aber nicht. Ich stehe noch ganz am Anfang meiner schriftstellerischen Karriere, auch wenn diese viel besser gestartet ist, als ich mir jemals erhofft habe. Der Buchmarkt ist in den letzten Jahren durch die Möglichkeiten des Selfpublishings geradezu explodiert. Als Neuling ist es da mehr als schwer, Fuß zu fassen.

Das Team von Neobooks hat mir den Einstieg erleichtert und dank der Hilfe vieler wundervoller Blogger, die genauso für Bücher brennen wie ich, hat es meine Fee zu ein bisschen Bekanntheit geschafft und dadurch einen Verlag gefunden. Momentan freue ich mich unglaublich über die neue Printausgabe, die meine Verlegerin für mich gestaltet hat. Der Zauber des Covers zieht sich nun durch den gesamten Innenteil. Das finde ich wundervoll und habe es so noch nie bei einem Buch gesehen.

3. Was ist die Geschichte der „dreizehnten Fee“? Ist Sie eine Antiheldin wie jüngst Angelina Jolie in „Maleficient“?

Als Vorlage für die Dreizehnte Fee diente die böse Fee aus Dornröschen, nur dass sie in meinem Fall selbst Opfer des tausendjährigen Schlafes wird. Der Fokus liegt dabei auf ihrer Beziehung zu den zwölf Schwestern, die sich alle einem weiteren Märchen zuordnen lassen. Da gibt es die Giftmischerin, die Schneewittchen entnommen ist, oder die Kinderfresserin, die eine Neuinterpretation der Hexe von Hänsel und Gretel darstellt.

Meine Feen sind auf den ersten Blick alles Antiheldinnen. Doch im Verlaufe der Geschichte lernt der Leser eine andere Seite an ihnen kennen und erfährt, warum sie zu den grausamen Gestalten wurden, von denen die Märchen heute noch erzählen. Ganz ähnlich also wie der Film um die missverstandene Maleficent.

4. Sie schreiben nach eigener Einschätzung Märchen für Erwachsene und Märchen anderer Art. Was darf man sich darunter vorstellen?

Ich kombiniere mehrere Märchen miteinander, füge sie zusammen und gebe ihnen einen neuen Hintergrund, oftmals ohne sie direkt zu benennen. Die dunklen und brutalen Aspekte der Originalversionen bleiben dabei erhalten, nichts ist rosa-rot wie in den Disney-Filmen. Wer den perfekten und keuschen Prinz langweilig findet, wird hier nicht enttäuscht. Dafür gibt es einen geheimnisvollen Hexenjäger, der es sich zum Ziel gesetzt hat, alle Feen zu töten. Die Frage nach der Schuld und der Zwiespalt zwischen Rachsucht und dem Drang zu Vergeben spielen eine große Rolle, ohne dabei einen moralisch richtigen Weg aufzuzeigen.

5. In den letzten Jahren gab es einen regelrechten Fantasy-Boom in Literatur und Film. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg und was fasziniert Sie persönlich am Fantasy-Genre und an Märchengeschichten?

Der Hype begann wohl in den USA mit den Neuverfilmungen vieler Märchenklassiker. Ob „Maleficent“, „Rapunzel - Neu verföhnt“ oder die Serie „Grimm“, mittlerweile gibt es zu fast jedem Märchen eine Adaption. Ich habe einige dieser Neuinterpretationen gesehen und finde die Anspielungen wunderbar. Sie erinnern mich an meine Kindheit, in der ich viele Märchen vorgelesen bekam. Sie berühren etwas in mir und gleichzeitig regen sie zum Denken an. Märchen vermitteln seit jeher eine Botschaft, die auch in den neuen Versionen zu finden sind. Sie bringen uns dazu über Gut und Böse nachzudenken, über uns selbst – ich denke, das ist der größte Zauber der Märchen.

6. Was inspiriert Sie zu Ihren Geschichten und warum schreiben Sie gerne Märchengeschichten?

Jeden Abend las ich meinem Sohn Märchen vor. Erst Bilderbücher, dann welche mit mehr Text, bis wir schließlich bei den Grimmschen Originalen landeten. Und jeden Abend stellte er mir wiederkehrende Fragen: „Warum ist die Hexe böse?“ Wo kommt sie hin, nachdem sie in den Ofen fällt?“ „Wieso sperrt die Fee Rapunzel in den Turm?“

Ich begann ihm zu antworten, dachte mir fantastische Geschichten aus, über Hexengefängnisse tief in der Erde und warum die Bösen eigentlich gar nicht so böse waren. Wenn er dann schlief, kreisten all diese Gedanken noch in meinem Kopf und ich begann sie niederzuschreiben. So entstand die Geschichte der Dreizehnten Fee.

7. Sie sind 25 und bald dreifache Mutter. Wie kommen Sie da zum Schreiben?

Tagsüber so gut wie gar nicht, da bin ich vor allem Mama. Aber Abends, sobald die Kinder im Bett sind und es ruhig wird, schalte ich in den Schreibmodus und bin dann nicht mehr ansprechbar. Das ist meine Zeit, da tauche ich in die Geschichten ab und verweile solange in ihnen, wie ich verantworten kann, um am nächsten Morgen wieder hochzukommen.

8. Ihr Buch hat einen spannend-mysteriösen Titel: „Die Dreizehnte Fee“ – ist die Dreizehn Ihre Glückszahl? Und wird es weitere Bände um die „dreizehnte Fee“ geben?

Da meine Mama an einem Dreizehnten Geburtstag hat und das unweigerlich auch auf einige Freitage fiel, sehe ich die Dreizehn nicht als Unglückszahl, wie es manch anderer tut. Und da die dreizehnte Fee aus Dornröschen quasi Pate stand für meine Protagonistin, wählte ich diesen Titel.

In der Reihe sind bereits zwei Bände erschienen („Erwachen“ und „Entzaubert“). Der dritte und letzte Band wird im Sommer veröffentlicht werden und den Untertitel „Entschlafen“ tragen. Weiter ist eine Kurzgeschichtensammlung über die Zwölf Schwestern geplant.

9. Wer sind Ihre literarischen Vorbilder? Wen lesen Sie selbst am liebsten?

J.K. Rowling – ganz klar. Ich bewundere sie nicht nur für diese atemberaubende und detailreiche Geschichte, die sie geschaffen hat und die mich noch heute immer wieder verzaubert und verzweifelt auf eine Eule hoffen lässt, sondern auch für ihr Durchhaltevermögen zu Beginn ihrer Karriere, als sie einige Absagen einstecken musste und doch niemals aufhörte an ihren Traum zu glauben. Ihre Harry Potter Bücher gehören zu meinen absoluten Lieblingen! Ansonsten lese ich tatsächlich eher Thriller und Krimis – das Erbe meiner Mutter. Ich habe nahezu alles von Henning Mankell, Elizabeth George oder Ngaio Marsh verschlungen.

10. Auf dem Klappentext Ihres Buches heißt es: „Es gibt keine Happy Ends, es gab sie nie. Für keine von uns.“ Was ist Ihre persönliche Beziehungs zu Happy Ends? Glauben sie daran?

Ich glaube ganz fest, dass im Leben all das Gute zu einem zurückkommt, das man gibt und das auf jedes negative Erlebnis etwas Positives folgt. Einen Schritt zurück und zwei Schritte vor. Wer so lebt, der kann nur glücklich sein, egal wann das Ende kommt. Und vielleicht ist das größte Glück, nicht zu wissen, wann unsere Reise endet.

Was das klassische „Happy End“ in Märchen betrifft, so halte ich es erst für den Anfang – die Prinzessin wird wachgeküsst, die Hochzeit gefeiert, der Frosch zum Prinzen. In diesen Momenten, wo das wahre Leben und Glück erst losgeht, von einem Ende zu sprechen, erscheint mir persönlich unpassend. Deswegen fängt die Geschichte meiner Fee genau dort an: sie wird wachgeküsst und die Reise beginnt.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Frau Adrian!

Hier nun eine besonders schöne Textstelle aus Band 1, in der sich die Heldin der Serie vorstellt:

Helden. Jede gute Geschichte braucht Helden. Keine perfekten Helden, nein, sie dürfen Fehler machen, sie dürfen von ihrem Weg abkommen. Aber am Ende treffen sie die richtigen Entscheidungen. Sie sind gut. Sie sind, wie wir sein wollen.

Ich bin keine Heldin.

Ich bin die Antiheldin. Und mag ich mich noch so sehr bemühen, ich werde niemals die Gute sein. Ich kann nicht gewinnen, weder im Märchen, noch im wahren Leben. Ich bin dazu verdammt, den Weg zu gehen, der mir bevorsteht. Er bringt mich ans Ziel. Es steht alles geschrieben. Ich bin die Böse.

Ich sehe es in den Blicken der Sieben Männer. Obwohl sie bemüht sind, mir Wohlwollen entgegen zu bringen, wundern sie sich über meine Heilung, meine Rettung vor dem sicheren Tod.

Auch wenn ich wollte, ich kann ihnen keine Antwort geben. Ich verstehe es selbst nicht.

Während ich unauffällig den Hexenjäger betrachte, wie er entspannt zwischen seinen Freunden sitzt, bemerke ich, dass auch er mich im Auge behält. Er traut mir nicht und ich frage mich, welche Rolle er spielt. Ist er ein Held? Oder ist er wie ich?

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Achtung, Verlosung: Gewinnen Sie eins von fünf Exemplaren von Julia Adrians "Die Dreizehnte Fee"

Verraten Sie uns bis zum 25. März in den Kommentaren, welche Märchenheldin Sie bewundern und warum. Mit ein wenig Glück wird Ihr Name gezogen und Sie bekommen eins der begehrten Exemplare zugeschickt.

Teilnahmebedingungen: Zugelassen sind Personen ab 18 Jahre. Der Gewinn ist pro Gewinner ein Buch. Die Teilnahme erfolgt über einen Kommentar unter dem Artikel oder dem Facebook-Post. Das Gewinnspiel endet am 25. März um 23:59 Uhr. Das Los entscheidet. Es werden lediglich die Kontaktdaten der Gewinner erfragt zur Zusendung des Gewinns, diese werden zu keinem Zeitpunkt gespeichert geschweige denn weiterverarbeitet.

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Nirmalarajah Asokan

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