15.02.2016

Preisverleihung für Frauen Erste Verleihung des SiStar Filmpreises

Foto: © Philipp Cordes

Am Sonntag wurde in Berlin das erste Mal der “SiStar” Filmpreis verliehen für herausragende Regieleistungen von Frauen. Sieben Filme waren nominiert.

Die Berlinale ist in vollem Gange und die Stardichte macht die ganze Stadt verrückt. Viele namhafte Regisseure sind mit ihren Filmen im Wettbewerb, aber Filme von Frauen sind nicht nur hier deutlich unterrepräsentiert. In nur etwa 22% aller Kinofilme führten Frauen Regie, bei Fernsehproduktionen im öffentlich-rechtlichen Abendprogramm sind es sogar nur 11%. Außerdem gilt laut Tatjana Turanskij von Pro Quote Regie die ernüchternde Regel: Je höher das Filmbudget, desto geringer die Frauenquote in der Regie. Genau hier kommt der SiStar Award ins Spiel, der vom Frauennetzwerk Soroptimist International zusammen mit weiteren Rheinland-pfälzischen Clubs verliehen wird und mit 10.000 Euro dotiert ist.

Die sieben Jurymitglieder des SiStar Filmpreises sind die Fernsehjournalistin Dr. Susanne Becker, die Filmautorin und Fernsehjournalistin Bianca Charamsa, die Filmwissenschaftlerin Dominique Henz, die Malerin Christiane Schauder, die Filmeinkäuferin Margrit Stärke, die Leiterin der ZDF-Redaktion "Das kleine Fernsehspiel" Claudia Tronnier und die Filmemacherin Barbara Trottnow. Christiane Schauder zeigt sich zufrieden mit dem Abend: "Wir sind stolz den Filmpreis während der Berlinale überreichen zu können, aber die Idee für den Preis schwebt uns schon viel länger vor." Es gehe bei SiStar darum besondere Filme hervorzuheben und Frauen zu fördern. Mit dem Preisgeld soll zudem eine filmschaffende Frau in ihrer Arbeit unterstützt werden, um sich so etwa ihrer Recherche widmen zu können ohne Sorge um die Finanzen.

Zu wenige Frauen führen Regie

Kann eine Quote in einem kreativen Umfeld überhaupt funktionieren? Die Antwort der Jurymitglieder ist ein ganz klares Ja: "Jeder muss die Möglichkeit bekommen mitzuspielen oder zumindest dankend abzulehnen. Es ist ja nicht das Ziel, die Leistung der Männer herabzusetzen, sondern allen die Möglichkeit zu geben in der Filmbranche mitzuwirken." Die künstlerischen Ausdrucksformen von Frauen und die Wahrnehmung ihrer Arbeit in der Filmbranche und der Öffentlichkeit müssen in den Fokus gerückt werden, dies gelingt aber nicht nur über die Preisverleihung. Laut Tatjana Turanskij von Pro Quote Regie kann dies nur über Gesetze ermöglicht werden. Sie appelliert an Produktionsfirmen und Sender: "Macht es wie Schweden: Legt euch selbst eine Quote auf, gebt Change-Seminare, seid mutig." Das oft gebrachte Argument, die Qualität könnte leiden unter einer Frauenquote, wird an diesem Abend schnell entkräftet. Qualität setzt sich durch und letztlich seien viele der getroffenen Entscheidungen reine Konfidenz-Entscheidungen, oft wird den altbewährten Entscheidungen gefolgt.

Carolin Genreith, die mit ihrem Film "Das Golddorf" nominiert ist, findet klare Worte für die Filmbranche: "Es ist ein hart umkämpftes Feld, sowohl für Männer, als auch auch für Frauen. Es braucht viel Energie durchzuhalten, was als junger Mensch leichter ist, als wenn man eine Familie hat. Es braucht eine Chance, um in die Branche reinzukommen. Dieser Filmpreis ist daher ungeheuer wichtig, um Aufmerksamkeit auf diesen Missstand zu lenken." Ihr Rat an Frauen, die einen Film machen möchten: "Einfach machen!".

Corinnes Geheimnis von Maike Conway Sieger des Abends

Als Sieger des Abends geht die Dokumentation "Corinnes Geheimnis" von Maike Conway hervor. Sie begleitet über 10 Jahre lang ein Mädchen, das von Geburt an mit HIV infiziert ist - ihr Geheimnis, das sie zusammen mit ihrer Pflegemutter hütet aus Angst vor sozialer Ausgrenzung. Als Begründung für den Preis lobte die Jury Maike Conways Fähigkeit, die Geschichte nah am Menschen und trotzdem mit dem nötigen Respekt auf Privatsphäre zu erzählen. Die sichtlich überwältigte Gewinnerin findet nach kurzer Zeit zum Sammeln ihre Worte wieder und appelliert: "Folgt eurer Leidenschaft und habt Spaß an dem, was ihr tut!"

Lobende Erwähnung findet der Spielfilm "Schönefeld Boulevard" der Berliner Regisseurin Sylke Enders um die Protagonistin Cindy, die der Enge ihres Lebens entfliehen möchte. Es sei ein Film, der nicht nur jungen Frauen Mut macht. Weiterhin waren Kerstin Alhrichs für Taxi, Ester Amrami für Anderwo, Theresa von Eltz für 4 Könige, Carolin Genreith für Das Golddorf und Marie Wilke für Staatsdiener nominiert.

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