13.03.2020

Hauptsache billig? Fast Fashion: Die bedenkliche Entwicklung in der Modewelt

Von

Muss es immer die neueste billige Mode sein? Statt Fast Fashion kann man beispielsweise auch auf Second Hand setzen.

Foto: iStock/ArtMarie

Muss es immer die neueste billige Mode sein? Statt Fast Fashion kann man beispielsweise auch auf Second Hand setzen.

Fast Fashion ist ein Begriff, der in den letzten Jahren immer öfter Verwendung findet und eine Entwicklung in der Modewelt bezeichnet, die in vielerlei Hinsicht bedenklich ist.

Big Player wie der schwedische Riese H&M, die spanische Modekette Zara oder Primark aus Irland bringen beinahe alle zwei bis drei Wochen neue Kollektionen in die Läden und versorgen den Konsumenten regelmäßig mit neuen Trends. In hohen Stückzahlen produziert, können diese Marken zum attraktiven Schnäppchenpreis verkaufen und das ohnehin schon schnelllebige Bekleidungs-Geschäft so noch weiter ankurbeln. Fast Fashion heißt das Ganze. BILD der FRAU verrät Ihnen, welche konkreten Probleme diese Entwicklung mit sich bringt und wie Sie Ihre Konsumgewohnheiten bewusster, nachhaltiger und schlichtweg angemessener gestalten können.

Trendsetting und Preisdumping: Die Probleme der Fast-Fashion-Industrie

Um den gegenwärtigen Fashion-Boom besser zu verstehen, lohnt es sich, das Geschäftsmodell der Fast-Fashion-Riesen ein wenig genauer zu betrachten. Die großen Modeketten leben vom schnellen Erkennen bestimmter Kleidungstrends, die unmittelbar in der nächsten Kollektion aufgenommen werden. Da sich modische Trends schnell ändern, werden die Fertigungszyklen immer weiter gekürzt. Dies hat einen negativen Einfluss auf die Fabrikbetreiber, die meist im globalen Süden oder im asiatischen Bereich angesiedelt sind.

Die knappen Lieferfristen, die geringen Verkaufspreise und die Qualitätsansprüche der Konsumenten wirken sich vor allem auf die Näherinnen extrem negativ aus. In den Fabriken wird ein hoher Zeit- und Leistungsdruck auf die Arbeiterinnen ausgeübt, das Arbeitsrecht wird konsequent verletzt, die Löhne reichen trotz zahlreicher Überstunden oft nicht für ein menschenwürdiges Leben.

Kaufen und Wegwerfen – ein fataler Kreislauf für Mensch und Umwelt

Verglichen mit dem Jahr 2000 hat sich die Bekleidungsproduktion laut jetzigem Stand mehr als verdoppelt - und der Trend geht ganz klar zu einem weiteren Anwachsen der mittlerweile gigantischen Industrie. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass ein Großteil der gekauften Kleidung schnell wieder aussortiert wird, ohne wirklich oft getragen zu werden. Ein Blick auf die Statistik verrät: Jeder Deutsche kauft im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr, was etwas mehr als einen Artikel in einer Woche bedeutet. Noch erschreckender ist die Tatsache, dass wir ein Kleidungsstück im Durchschnitt lediglich viermal tragen, bevor es im Altkleider-Container aussortiert wird und auf riesigen Müllhalden landet.

Das Fast-Fashion-Modell hat zudem auch große negative Auswirkungen im ökologischen Bereich. Da ein Großteil der weggeworfenen Kleidung aus billigen, nicht recycelbaren Synthetikfasern besteht, eignen sich die Stoffe nicht zur Herstellung neuer Artikel. Beim Waschen gelangen kleine Teile der Fasern zudem über das Abwasser in die Meere. Dies stellt ein überaus großes ökologisches Problem dar, da das Material kaum biologisch abgebaut wird und die Verschmutzung der Meere auf diese Weise weiter vorantreibt.

Ebenfalls ist die Wasserbilanz von Baumwoll-Kleidungsstücken ein schwerwiegendes Umwelt-Problem. Für die Herstellung eines einfachen T-Shirts werden rund 15.000 Liter Wasser benötigt, hinzu kommt eine beachtliche Menge an umweltschädlichen Chemikalien. Die Produktion selbst stößt nicht zuletzt auch eine große Menge an CO2 aus, was den Klimawandel vorantreibt und der Umwelt schadet.

Fast Fashion

Fast Fashion

Beschreibung anzeigen

Ein bewusster Konsum ist die Lösung

Doch wie gehen wir mit dem immer größer werdenden Sortiment und den Schnäppchenpreisen der Fast Fashion Ketten um? Eine Lösung ist es, die großen Modekonzerne namens H&M, Zara, Primark und Co einmal links liegen zu lassen und auf stylische Alternativen von verantwortungsvolleren und umweltbewussteren Firmen zurückzugreifen. Dabei lohnt sich immer ein Blick auf den Produktionsstandort der Marke, welcher im Optimalfall innerhalb der EU liegt. Zudem können Sie auf anerkannte Zertifikate wie den Grünen Knopf, das erste staatliche Textil-Siegel, vertrauen. Zwar ist der bezahlte Preis dort höher, im Gegenzug erhalten Sie aber auch Kleidungsstücke von besser Qualität und mit längerer Lebensdauer.

Fragen Sie sich bei der nächsten Shoppingtour zudem, ob Sie die gefundenen Kleidungsstücke wirklich benötigen und wie oft Sie sie voraussichtlich nutzen werden. Solche Überlegungen schärfen das Bewusstsein und führen nicht selten zu dem Entschluss, dass ein weiterer Kauf gar nicht so notwendig ist wie zuvor angenommen. Vielmehr lohnt es sich, die vorhandene Garderobe über einen längeren Zeitraum und auch saisonübergreifend zu tragen und so nachhaltiger zu leben. Statt für eine große Menge günstiger Kleidungsstücke vom Fast-Fashion-Riesen letztlich einen doch hohen Preis zu zahlen, sind weniger, aber dafür qualitativ hochwertige Stücke die deutlich bessere Variante. Und auch der Blick in einen Second-Hand-Shop lohnt sich! Hier können Sie auch die Kleidung, die Sie nicht mehr tragen, abgeben.

Kleidung reparieren und Neuanschaffungen sparen

Wenn im Lieblingsstück einmal ein kleines Löchlein oder ein anderer Makel zum Vorschein kommt, kann die Kleidung auch einfach selbst repariert werden. So kann es beispielsweise sinnvoll sein, sich mit dem Thema Nähen zu beschäftigen. Wem das Arbeiten mit Faden und Nadel besonders viel Spaß bereitet, kann sich auch einmal am Nähen ganzer Kleidungsstücke versuchen. Im Internet gibt es zahlreiche Ratgeber und Tutorials zum Thema nähen lernen, die Sie garantiert schnell zum Erfolg führen. Und wer sagt, dass man Modetrends nicht mit selbstgemachter Kleidung setzen kann?

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Coronavirus: Das alles sollten Sie jetzt wissen

Beschreibung anzeigen