Aktualisiert: 08.09.2021 - 17:01

Krebserregende Stoffe Von wegen natürlich: Alternative Haarfarben fallen im Öko-Test durch

"Was trägt sie da bloß auf?" Ob eine alternative Haarfarbe tatsächlich rein pflanzlich ist, ist für Laien nicht immer ersichtlich. Öko-Test hat nun 12 Produkte getestet – und fünf fielen durch.

Foto: Getty Images/powerofforever

"Was trägt sie da bloß auf?" Ob eine alternative Haarfarbe tatsächlich rein pflanzlich ist, ist für Laien nicht immer ersichtlich. Öko-Test hat nun 12 Produkte getestet – und fünf fielen durch.

Haare zu Hause färben – und das auch noch "ohne Chemie"? Alternative Haarfarben gibt es mittlerweile reichlich, alle versprechen sie Färbekraft aus der Pflanze, einige tragen ein Bio-Siegel, nur manche halten ihre Versprechen. Doch Öko-Test kann nicht alle der getesteten Mittel gut bewerten. Einige fallen komplett durch.

Gehören Sie zu den Menschen, die gerne experimentieren, aber ihrem Haar auch keine knallharten Strapazen aufzwingen wollen und gleichzeitig die Umwelt nicht mit "Chemie" belasten möchten? Dann sind Sie garantiert schon einmal über pflanzliche Haarfarben beziehungsweise alternative Haarfarben aus Drogerie oder Biomarkt gestolpert. Das Angebot spricht jedenfalls für sich. Nun hat Öko-Test alternative Haarfarben getestet. Das Ergebnis: entweder sehr gut oder ungenügend! Besonders kritisch: In einigen Farben fanden sich potenziell krebserregende Stoffe.

Öko-Test: Alternative Haarfarben versagen im Test

Alternative Haarfarben gibt es viele. Doch auch wenn es den Anschein machen mag: Nicht alle sind (rein) pflanzlich. Es gibt auch solche Farben, die mit grüner Verpackung, natürlichem Design und Siegeln werben, aber ihre Versprechen ganz und gar nicht halten können. Öko-Test hat sich zwölf alternative Haarfarben genauer angeschaut und dabei vor allem eines festgestellt: Es ist gar nicht so einfach für das ungeschulte Auge, natürliche Haarfarben zu erkennen, die auch tatsächlich pflanzlichen Ursprungs sind.

Denn es gibt auch synthetische Permanentfarben, die sich den grünen Mantel überziehen. Sie funktionieren zwar anders als klassische synthetische Farben – mithilfe von Oxidation. Pflanzliche Inhaltsstoffe sind mitunter trotzdem vorhanden – aber auch potenziell allergieauslösende und hautreizende Stoffe. Sogar möglicherweise krebserregende Stoffe wurden gefunden. Fünfmal hagelte es das Urteil "ungenügend" – also eine glatte 6.

Sieben Produkte mit Testurteil "sehr gut": echte Pflanzenfarbe!

Aber fangen wir mit der guten Nachricht an: Sieben Produkte, allesamt echte Pflanzenfarben mit natürlichen Inhaltsstoffen, dürfen sich "Testsieger" nennen. Sie alle bekamen die Note "sehr gut".

Zu den Testsiegern dürfen sich zählen:

  • Garnier Color Herbalia Pflanzenhaarfarbe Naturbraun
  • Henné Pulver Color Braun
  • Die Logona Pflanzenhaarfarben

Pflanzenhaarfarben auf Hennabasis, Indigo oder Kamille sowie Färberkrapp umhüllen das Haar mit einer Pigmentschicht. Das hält zwar weniger lang als permanente Haarfarbe und kann beim Färben in ganz schöne Sauerei ausarten, aber schont sowohl die Haare als auch die Umwelt.

Von wegen Natur: Teil der Verlierer mit Wasserstoffperoxid

Aber es steckt nicht immer Natur in den als solche angepriesenen Farben. Meist heißt es bei den Testverlierern einfach "von der Natur inspirierte Farben" – und am Ende handelt es sich um chemische Oxidationsfarben, denen lediglich pflanzliche Stoffe beigemischt sind. Sie wirken mithilfe von Wasserstoffperoxid (H2O2) – also wie jede konventionelle Haarfarbe auch. Das Wasserstoffperoxid zersetzt die Farbpigmente im Haar.

Kontaktallergene und krebserregende Stoffe: Verlierer enttäuschen auf ganzer Linie

Wer jetzt Notenabstufungen erwartet, wird enttäuscht: Alle fünf weiteren alternativen Haarfarben im Test bekamen die Note 6 aufgedrückt. Das Problem: Sie enthalten allesamt Kontaktallergene, also Stoffe, die bei Hautkontakt allergische Reaktionen auslösen oder aber Allergien "heranzüchten" können. Sprich: Wer regelmäßig Kontakt zu solchen Stoffen hat, läuft Gefahr, mit der Zeit eine Allergie zu entwickeln.

Aromatische Amine sind die Übeltäter. Reagiert der Körper einmal auf sie, kommt die allergische Reaktion auf solche Stoffe fürs restliche Leben immer wieder, sobald man auch nur in geringsten Mengen in Kontakt mit ihnen kommt. Genannt werden Stoffe, die das EU-Beratergremium für Verbrauchersicherheit kritisch betrachtet: p-Phenylendiamin (PPD), Toluene-2,5-Diamine Sulfate oder HC Red No. 3 sind genannt.

Doch auch weitere problematische Stoffe wurden gefunden, etwa PEG-Verbindungen, die bei wiederholtem Kontakt die Haut für Fremdstoffe durchlässiger machen können als problematisch eingestufte Duftstoffe wie Moschusduft, der sich in Gewässern anreichern kann, synthetische Polymere – ebenfalls gewässergefährdend – und auch halogenorganische Verbindungen, die nicht nur allergieauslösend wirken, sondern mitunter krebserzeugend wirken können.

Diese drei Farben gehören zu den Verlierern im Test:

  • Biokap Haarfarbe mit Bio-Arganöl 4.0 Naturbraun
  • Naturtint Permanentes Farbgel 5N Kastanienbraun
  • Korres Dauerhafte Haarfarbe Arganöl 5.0

Da sollte man ja meinen: Wenn Bio draufsteht, ist das Mittel unbedenklich, oder? Im Test fanden die Expert:innen von Öko-Test bei der Biokap-Haarfarbe aber unter anderem das aromatische Amin p-Aminophenol, das im Verdacht steht, genetische Defekte zu verursachen.

So erkennen Sie echte natürliche Haarfarben

Generell ist der Vermerk "permanent" auf einer vermeintlich alternativen Haarfarbe immer ein Zeichen dafür, dass das Mittelchen gar nicht so natürlich ist, wie es sich vorstellt. Denn wie gesagt: Echte Pflanzenhaarfarben umhüllen das Haar nur, sie sind im Grunde also eher eine Art Tönung. Das kann zwar mitunter auch mittlerweile lange halten, wäscht sich aber früher oder später raus.

In rein pflanzlichen Haarfarben haben Stoffe wie Wasserstoffperoxid oder Ammoniak nichts verloren. Auch ein Entwickler ist nicht nötig. Meist kommt Pflanzenhaarfarbe als Pulver daher und muss mit heißem Wasser angerührt werden. Es gibt aber auch vorgefertigte Cremes. Hier sollten Sie aber ganz genau auf die Zusammensetzung achten.

Wichtig ist: Mit Pflanzenfarben ist das Aufhellen schwierig. Dunkler dagegen geht immer. Wer dunkle Haare hat, kann mit Henna und Co aber schöne Schattierungen und Lichtreflexe zaubern.

Lust auf natürliche Haarpflege? Dann schauen Sie mal hier:

Hier finden Sie den umfassenden Testbericht von Öko-Test.

Doch lieber grau bleiben? Dann haben wir hier was für Sie – auch graue Haare lassen sich toll stylen!

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