11.09.2018

Angewohnheit stoppen Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Fingernägelkauen

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Was hilft bei regelmäßigem Fingernägelkauen? Erfahren Sie hier alles über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der weit verbreiteten Angewohnheit.

Foto: iStock/Motortion

Was hilft bei regelmäßigem Fingernägelkauen? Erfahren Sie hier alles über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der weit verbreiteten Angewohnheit.

Schlechte Angewohnheit oder quälender Zwang: Beim Fingernägelkauen fällt der Leidensdruck für die Betroffenen sehr unterschiedlich aus. Manchmal wird der Impuls, Nägel und Nagelhaut mit den Zähnen zu traktieren, zur echten Belastung. Im Kampf gegen diese Angewohnheit ist es da meist nicht mit reiner Willensanstrengung getan. Erfahren Sie, welche Ursachen zum Nägelkauen führen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Von der Angewohnheit, an den Fingernägeln zu kauen, sind vor allem Kinder und Jugendliche betroffen. Meist "verwächst" sich die Angewohnheit während der Pubertät. Aber auch viele Erwachsene – Schätzungen zufolge bis zu jeder Zehnte – können sich dem Drang, an den Fingernägeln zu kauen, nicht entziehen. Sie leiden besonders unter der Verhaltensstörung, da diese ab einem gewissen Alter von Mitmenschen als Zeichen der Willensschwäche interpretiert wird.

Dieser Ratgeber klärt auf, ab wann das Kauen von Fingernägeln Anlass zur Sorge gibt, welche Ursachen dahinter stecken und welche Behandlungsmöglichkeiten Erfolg versprechen.

Fingernägel kauen: Harmlos oder Grund zur Sorge?

Beim Kauen der Fingernägel handelt es sich in der Regel bloß um eine schlechte Angewohnheit – Experten sprechen auch von einer Verhaltensauffälligkeit. Die Ursachen sind oft Langeweile oder Stress. Das mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen, weil diese Gemütszustände scheinbar gegensätzlich wirken. Beide versetzen aber den Betroffenen in Anspannung. Diese entlädt sich dann im Knabbern an den Fingernägeln und der Nagelhaut. Verlegenheit oder Nervosität sind ebenfalls häufig Auslöser fürs Nägelkauen.

Der Grundstein für die Angewohnheit wird meist im Kleinkind- und Kindergartenalter gelegt. Die orale Fixierung ist während dieser Entwicklungsphase noch sehr ausgeprägt. Das Kauen an Fingernägeln ist häufig quasi die "Weiterentwicklung" des Daumenlutschens. Aus der anfangs spontanen Beschäftigung kann sich ein Ritual entwickeln, mit dem der Betroffene auf stressige Situationen reagiert. Hält sich das leichte Knabbern an den Nägeln in Grenzen, handelt es sich lediglich um eine schlechte Angewohnheit. Sie verschwindet mit der Zeit entweder von selbst oder kann durch einfache Gegenmaßnahmen bekämpft werden.

Manchmal aber stellt das Kauen der Fingernägel eine Verhaltensstörung dar und ist Ausdruck tieferliegender Probleme. Wenn sich der Betroffene den Nagel ständig so weit abbeißt, dass das Nagelbett blutet und sich entzündet, ist die Grenze überschritten. Bei dieser Form der zwanghaften Selbstverletzung sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, um den Ursachen systematisch auf den Grund zu gehen, rät der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Dasselbe gelte, wenn das Nägelkauen von anderen bedenklichen Verhaltensauffälligkeiten wie Schlafstörungen oder Haareausreißen begleitet wird.

Fingernägel kauen durch gezielte Nagelpflege entgegenwirken

Nägelkauen kann zudem eine Reaktion auf eine krankhafte Veränderung der Fingernägel sein. Sind sie in Längsrichtung gespalten oder eingerissen, animiert das im Alltag womöglich zum Abkauen. Hier sollte untersucht werden, ob die Schäden auf einen Vitamin- oder Eisenmangel zurückzuführen sind. Schon rissige Nagelhaut kann Kinder wie Erwachsene auf die Idee bringen, dem Problem mit den Zähnen zu Leibe zu rücken. Experten empfehlen Nägelkauern daher, den Fingern und Fingernägeln besondere Pflege zukommen zu lassen.

Sorgfältiges Feilen und gründliches Eincremen können dabei helfen, die spontane Versuchung zum Nägelkauen zu reduzieren. In diesem Zusammenhang rät der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte auf seiner Internetseite: "Bei leichten Fällen kann es schon helfen, dem Kind viel Aufmerksamkeit und Zuwendung zu geben und eventuell auch viel Zeit mit der Nagelpflege zu verbringen." Zudem weist der Verband darauf hin, dass lackierte Nägel ebenfalls das Bedürfnis zum Nägelkauen stoppen kann.

Auf unserer Themenseite können Sie weitere Ratgeber rund um die Pflege der Fingernägel finden. Entdecken Sie beispielsweise unsere Tipps für die klassische Maniküre.

Weitere Mittel gegen das Fingernägelkauen

Hilft die Nagelpflege nicht, bringen womöglich rezeptfreie Tinkturen aus der Apotheke Linderung. Sie werden auf die Fingernägel gepinselt. Die Präparate enthalten Bitterstoffe. Der unangenehme Geschmack soll vom Kauen der Fingernägel abschrecken. Er unterbricht so den Automatismus: Nägelkauen ist häufig ein Vorgang, der gar nicht mehr bewusst wahrgenommen wird. Der bittere Geschmack wirkt da wie ein Alarmsignal. Dieser Effekt ist allerdings nur so lange wirkungsvoll, bis sich der Betroffene an den Geschmack der Tinktur gewöhnt hat.

Hartnäckige Nagelbeißer lassen sich aber womöglich nicht von dem bitteren Geschmack abschrecken. Bei ihnen können Handschuhe aus Baumwolle oder Leder eine Schutzbarriere bilden. Diese Gegenmaßnahme bietet sich an, wenn das Nägelkauen vor allem in bestimmten Stresssituationen auftritt – zum Beispiel bei der Vorbereitung auf eine Prüfung oder beim Autofahren im Berufsverkehr. Manchmal hilft auch eine Impulskontrolle – wenn sich der Betroffene auf seine Hände setzt oder zur Ablenkung einen Massageball in der Hand knetet.

Kaugummi oder das Kauen auf einem Stift können die orale Fixierung befriedigen, ohne dass das empfindliche Nagelbett verletzt wird und sich womöglich entzündet. Sport und Entspannungsübungen helfen dabei, die innere Anspannung zu reduzieren und damit den Auslöser fürs Nägelkauen zu eliminieren.

Ursachen im Überblick:

  • krankhafte Veränderung der Fingernägel
  • Vitamin- oder Eisenmangel
  • Langeweile
  • Stress
  • Verhaltensstörung
  • tieferliegender Probleme

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick:

  • besondere Nagelpflege (sorgfältiges Feilen, gründliches Eincremen, Nägel lackieren)
  • vor allem bei Kindern: viel Aufmerksamkeit und Zuwendung
  • rezeptfreie Tinkturen aus der Apotheke
  • Handschuhe aus Baumwolle oder Leder in bestimmten Stresssituationen
  • zur Ablenkung auf Hände setzten oder Massageball kneten
  • Kaugummi oder auf einem Stift kauen
  • Sport und Entspannungsübungen

Fazit: Nägelkauen ist meist eine harmlose Angewohnheit. Sie verschwindet entweder von selbst oder lässt sich mit simplen Methoden eindämmen. Sobald das Fingernägelkauen aber zur zwanghaften Selbstverletzung und für den Betroffenen zur Qual wird, muss ärztlicher Rat eingeholt werden.

Entdecken Sie weitere Ratgeber und Tipps für die Hautpflege auf unserer Themenseite.

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