11.05.2018 - 10:14

Hautpflege So behandeln Sie Narben richtig

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Narben haben unterschiedliche Ursachen, sehen verschieden aus und benötigen auch individuelle Pflege. Erfahren Sie mehr über Narben und wie Sie behandelt werden sollten.

Foto: iStock/Artem_Furman

Narben haben unterschiedliche Ursachen, sehen verschieden aus und benötigen auch individuelle Pflege. Erfahren Sie mehr über Narben und wie Sie behandelt werden sollten.

Manchmal sind sie "nur" eine kleine Veränderung im Hautbild, doch oft tun sie richtig weh, stören sogar beim Bewegen. Es gibt unterschiedliche Narben, die auch unterschiedlich behandelt und gepflegt werden müssen. Wir erklären, was hilft.

"Kleinere Verletzungen in der Oberhaut, wie sie z. B. beim Abrutschen des Kartoffelschälmessers entstehen, repariert der Körper selbst. Reichen Verletzungen aber bis tief in die Lederhaut, heilen sie mit einer Narbenbildung ab“, erklärt Dr. Stefanie Kemper von der Klinik für Hautkrankheiten des Universitätsklinikums Münster. Dies kann durch die richtige Narbenbehandlung begünstigt werden. Erfahren Sie, wie Sie verschiedene Narben am besten pflegen und behandeln.

Narbenbehandlung: Auf die Art kommt es an

Buchstäblich tiefgreifend sind Hautdefekte etwa durch Operationen, Unfälle, Tattoos oder eine gestörte Wundheilung. Hier füllen die körpereigenen Reparaturmechanismen die Wunde mit Bindegewebe auf. Das ist aber eher Haut "zweiter Wahl". Denn ihre Kollagenfasern verlaufen parallel, sind nicht verkreuzt und dadurch elastisch wie bei intakter Haut.

"In unsere Narbensprechstunde kommen verzweifelte Patienten, die von ihren Hautärzten als austherapiert nach Hause geschickt wurden", sagt die Münsteraner Oberärztin, "20 Prozent fühlen sich durch ihre Narbe ästhetisch gestört, 80 Prozent haben durch sie Einbußen in ihrer Bewegungsfreiheit. Am häufigsten treten Narbenstörungen in der Ohrregion, am Dekolleté, oberen Rücken und den Oberarmen auf." Zu schaffen machen da meist hellrote, sogenannte hypertrophe Narben, die dick, erhaben und verhärtet sind. Aber auch die wuchernden Keloid-Narben, die über ihre Ränder hinauswachsen können. Sie sind hellrotviolett, entstehen durch eine oft erblich bedingte überschießende Produktion von Bindegewebe. Oft nach Verbrennungen. Viele Frauen leiden auch an atrophen Narben. Sie bilden einen Krater, z. B. nach einer Schwangerschaft oder Akne.

Frische Narben pflegen

"Die Beschwerden durch Narben sind vielfältig. Sie können brennen, jucken, schmerzen, ein Spannungsgefühl verursachen, auch das Temperatur- und Schmerzempfinden stören", erklärt Dr. Stefanie Kemper. "An einer frischen Narbe sollte nichts scheuern, also lockere Kleidung aus weichen Stoffen tragen. Auf Sonnenbäder, Solarium oder Sauna besser verzichten." Bei frischen Narben rät die Expertin zu:

  • einer täglichen Massage, z. B. mit einem Hautöl (z.B. Kokosöl, Jojobaöl),
  • unterstützen können auch Narbenpflaster oder Gele auf Silikonbasis,
  • Narbencremes, z. B. mit Zwiebelextrakt, lockern das Bindegewebe auf.

Wir haben Ihnen zudem eine Übersicht zusammengestellt, in der Sie erfahren, wie bspw. Stich-, Schürf- und Bisswunden – also häufige Alltagsunfälle – am besten behandeln werden.

Die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten bei Narben

Trotz solcher Pflege verschwindet eine Narbe nie ganz. Aber die medizinischen Möglichkeiten, um Narben zu behandeln, sind heute vielfältig:

  • Bei überschießenden Keloid-Narben z. B. wird Cortison schmerzlos mit dem Dermojet per Druckluft gespritzt. Das schrumpft das Narbengewebe.
  • Bei der intraläsionalen Kryotherapie wird überschießendes Narbengewebe mit Flüssigstickstoff schockgefroren. Das überschüssige Gewebe stirbt ab.
  • Narben unter Hautniveau (z. B. nach Schwangerschaftsstreifen) werden mit Microneedling per Dermapen behandelt oder durch Unterspritzungen, etwa mit Hyaluronsäure, aufgefüllt.
  • Zum Einsatz kommen auch Laser, Radiofrequenzwellen oder die Dermabrasion, bei der Narben mit Diamantschleifköpfen geglättet werden.
  • Eine Druckbehandlung mit maßangefertigter Kompressionswäsche macht Narben flacher und elastischer.
  • Wulstige oder klaffende Narben werden oft herausgeschnitten. "Sind Narben verkürzt und behindern die Bewegung, hilft eine Z-Plastik. Dabei entfernt der Chirurg das Narbengewebe. Anschließend setzt er kleine Schnitte, durch die dreieckige Hautlappen entstehen. Sie werden ineinander verzahnt und zu einer Z-förmigen Narbenlinie vernäht", erklärt die Oberärztin, "Besonders erfolgreich ist eine Narben-OP in der Kombination mit einer Druckbehandlung oder einer Bestrahlung, z. B. mit Röntgenstrahlen oder schnellen Elektronen."

Andere Veränderungen des Hautbildes: Das können Sie tun

Nicht nur von Narben fühlen sich viele Menschen gestört – auch diese Veränderungen im Hautbild sollen behandelt werden, manchmal sogar aus guten gesundheitlichen Gründen:

  • Pigmentmale (Muttermale, Leberflecken) sind meist harmlose Ansammlungen des Hautpigments Melanin. Verdächtig (schwarzer Hautkrebs) sind sie, wenn sie asymmetrisch, zackig, unregelmäßig begrenzt, erhaben, scheckig aussehen und größer als 5 mm sind. Das hilft: Verdächtige Pigmentmale werden herausgeschnitten, ihre Zellen im Labor untersucht. Harmlose Leberflecken: Betupfen mit Weinstein (Apotheke, Reformhaus) kann sie etwas aufhellen. Laserstrahlen zerschießen das dunkle Hautgewebe, Schwachstrom trägt es ab.
  • Altersflecken sind gurtartige Pigmentablagerungen in der Haut, die durch UV-Strahlen entstehen. Das hilft: Ein mitteltiefes, chemisches Peeling mit stärkeren Fruchtsäuren oder niedrig dosierter Trichloressigsäure (Hautarzt) löst die obersten Hautschichten ab, auch die Pigmentflecken. Eine Laser-Behandlung zerstört die Pigmentablagerungen. Bleichcremes oder -seren hellen Altersflecken oberflächlich auf, drosseln die Pigmentbildung.
  • Fibrome (Stielwarzen) sind gutartige, bis zu 1 cm große Knötchen oder stielförmige Geschwulste des Haut- und Bindegewebes. Das hilft: Sie werden mit flüssigem Stickstoff vereist, schmerzlos weggelasert oder – eher selten – mitsamt umliegender Haut spindelförmig herausoperiert. Vorsicht: nicht selbst abbinden, abschneiden – Infektions-Gefahr!

Nicht immer sind Stielwarzen gefährlich. Erfahren Sie jedoch, wann Fibrome entfernt werden sollten. Auch an Röschenflechte, also geröteter, schuppiger Haut, stören sich viele – lesen Sie, was bei Röschenflechte helfen kann.

Ihnen haben unsere Tipps zur Narbenbehandlung gefallen? Entdecken Sie eine Vielzahl an weiteren Ratgebern rund um die richtige Hautpflege bei unterschiedlichen Typen und Hauterkrankungen sowie geniale Schönheitsrezepte für Cremes und Kosmetik auf unserer umfangreichen Themenseite.

Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU.

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