03.04.2016

Kosmetik-Nostalgie Frauen im Osten – Auf den Spuren der Ästhetik der DDR

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Haare mit Action fixiert, Modeideen in der Sibylle geholt: Die Frauen im Osten waren stilbewusst.

Foto: © Armin Herrmann

Haare mit Action fixiert, Modeideen in der Sibylle geholt: Die Frauen im Osten waren stilbewusst.

Frauen im Osten: In Erinnerung haben wir sie als stilsichere Ikonen, die den meist sehr langen und vollgepackten Alltag gemeistert haben. aber wie sah eigentlich die ästhetische Kosmetik in der DDR aus? Welche dieser Nostalgie-Produkte erkennen Sie noch wieder?

Die Frauen im Osten haben wir heute oft als stilsichere, starke Damen in Erinnerung. Harte Arbeit, daneben noch die Pflichten als Familienmutter und Hausfrau. Das prägt ein ganz bestimmtes Bild. Und das kommt Hand in Hand mit ästhetischen Pflegeprodukten, die damals gängig waren.

Aber was machte eigentlich die Ästhetik in der DDR aus? Schöne Alltagsgegenstände aus der Zeit, die massenhaft produziert und in Umlauf gebracht wurden, zeigen die Ideologie des sozialistischen Regimes. Diese Produkte waren also ständige Begleiter und haben somit den Alltag maßgeblich geprägt.

Wie waren sie, die Frauen im Osten?

Die DDR-Frau ist eine Ikone. Sie gilt bis heute als emanzipiert und auch irgendwie gleichberechtigt. Cool und lässig haben wir sie in Erinnerung. Sie sollte berufstätig sein – Vollzeit natürlich. Daneben sollten Weiterbildungen und Mitgliedschaften in gesellschaftlichen Organisationen nicht fehlen. Und der Haushalt sowie Kindererziehung und Umsorgung des Ehemannes waren natürlich selbstverständlich. Ob das wirklich so war? Das wissen nur die, die es erlebt haben. Dieses Bild der Frau aus dem Osten aber hängt stark mit den damals kursierenden ästhetischen Konsumprodukten zusammen: Kosmetik und Mode.

Wir stellen Ihnen einige dieser Dinge vor, die besonders Frauen im Osten genutzt haben, um sich ihren Alltag zu verschönern und verbessern. Der klassische DDR-Chic ist gut zu erkennen. Parfums, Cremes und natürlich die Mode stehen im Vordergrund.

Düfte in der DDR: Erinnerungen bleiben

Der deutsch-demokratische Duft namens "Casino de luxe" lebt auch 24 Jahre nach seinem Untergang weiter. Zwei Firmen produzieren die alten Marken noch immer – und das mit Erfolg. Weil es ihn in der DDR oft nur mit Beziehungen gab, hieß er der Duft der Chefsekretärinnen. DDR-Düfte sind auch heute noch gefragt. Denn Gerüche verbinden wir eng mit Erinnerungen – und in denen schwelgen wir nunmal ganz gerne. Wer erinnert sich nicht auch Jahrzehnte später riechenderweise an den ersten Kuss oder Tanz?

Ähnlich (n)ostalgisch werden viele sicher beim Duft der Florena Kamillencreme. Die gibt es auch heute noch ganz einfach in jedem Drogeriemarkt zu kaufen und hilft bei geschundenen Händen und rissigen Lippen. Ob sie selbst ihre Haupt pflegen wollten oder ihre Kinder damit eingecremt haben: Viele Frauen im Osten haben dieses Produkt immer dabei gehabt.

Und haben Sie noch den Duft des ebenfalls von Florena vertriebenen Haarsprays 'Action' in der Nase?

Modischer Alltag in der DDR

Die Gegenstände wecken Erinnerungen an Mütter und große Schwestern. Zum Beispiel an den regelmäßigen Streit um die sogenannte 'Ost-Vogue'. Die Sibylle – "Zeitschrift für Mode und Kultur" – war eine bekannte Frauenzeitschrift in der DDR, herausgegeben vom Modeinstitut Berlin. Gründerin und Namensgeberin war Sibylle Gerstner. Die Zeitschrift erschien ab 1956 sechsmal pro Jahr in einer Auflage von nur 200.000 Exemplaren in Leipzig und war regelmäßig schnell vergriffen. Eine sehr schöne Dokumentation über den Aufstieg und Fall der Frauenzeitschrift erschien schon 2001 unter dem Titel "Träume nicht, Sibylle". Der Trailer zum Film findet sich weiter unten.

Die Frau in der DDR: Eine Königin des Multitasking

Dass die Frauen im Osten damals viel zu tun hatten, haben wir schon erwähnt. Fast alle hatten eine Anstellung, die Tage waren lang. Das hat allerdings auch das Selbstbewusstsein gestärkt. Die Frauen damals haben gemerkt: Sie können als voll berufstätige Mütter sogar mehr schaffen als ihre Männer. Haushalt war schließlich auch meist Frauensache.

Dass man als Frau dabei gerne auf den Haushalt erleichternde Helferprodukte zurückgegriffen hat, liegt nahe. Gleichzeitig sollte aber auch die Ästhetik nicht zu kurz kommen. Der kurze Rückzug mit der Sibylle gewährte ein wenig Freizeit und stärkte außerdem das Modebewusstsein. Denn schließlich wollte man auch neben all der Arbeit gut aussehen.


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