Aktualisiert: 17.05.2021 - 18:34

Feminismus und Mode Trendstück 2021: Eine Hommage an den Minirock

Von Nadja von Bossel

Der Minirock gilt als DAS Trendstück 2021. Doch die Geschichte des "Minis" geht bis in die 1930er Jahre zurück.

Foto: Getty Images/Stan Meagher

Der Minirock gilt als DAS Trendstück 2021. Doch die Geschichte des "Minis" geht bis in die 1930er Jahre zurück.

Kein anderes Kleidungsstück sorgte für so viele Skandale wie der Minirock. Ein Rückblick auf die Geschichte eines außergewöhnlichen It-Pieces.

Als Mary Quant den Saum ihrer Röcke wenige Zentimeter nach oben versetzte, hätte sie nicht ahnen können, welche Revolution sie damit auslösen würde. Heute, 60 Jahre später, ist der Minirock so präsent wie eh und je: Miu Miu, Yves Saint Laurent und Dior zeigen in ihren aktuellen Sommerkollektionen, wie modern das damals skandalöse Kleidungsstück bis heute geblieben ist. Eine Hommage an das Trendstück Minirock.

Der Minirock: Eine Hommage an den "Kurzen"

Die Mode im Jahr 2021 erscheint wie ein Ruf nach Freiheit. Noch nie waren die Hosen so weit, die Schuhe so bequem oder die Models so divers. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir uns in Skinny Jeans und High Heels zwängen. Mode funktioniert auch außerhalb der Größen 90-60-90.

Ganz im Sinne dieser neuen Freiheit entdecken Designer:innen ihre Liebe für den Minirock wieder. Bei Chanel wird das Trendstück Teil eines klassischen Tweed-Ensembles, Miu Miu setzt hingegen auf mädchenhafte Paillettenröcke in Pastellfarben.

Kein anderes Kleidungsstück fühlt sich so sehr nach Revolution an wie der Minirock. Die Geschichte des "Minis" geht weit über die 60er Jahre hinaus.

Die Geschichte des Minirocks

Viele glauben, Mary Quant sei die Erste gewesen, die es wagte, die Norm von knielangen Röcken zu brechen. Doch tatsächlich geht die Geschichte des Minirocks bis in die 1930er Jahre zurück.

Damals wurde das provokante Kleidungsstück von Tänzerinnen oder Bühnendarstellerinnen getragen. Die sogenannten "Cigarette Girls" der USA, bedienten Geschäftmänner in dunklen Bars und trugen dabei die knappen Röcke. Doch jenseits dieser Showgirls galt der Minirock als Tabu, Frauen hatten ihre Beine bis zum Knie zu bedecken.

1926 veröffentlichte George W. Taylor den sogenannten "Hemline-Index", in dem er zu folgendem Schluss kam: Je besser es der Wirtschaft geht, desto kürzer die Rocklänge. Schaut man auf die Trendgeschichte des Rocks, könnte das fast als wahr gelten.

Der wahre Moment des "Minis" geschah in den wirtschaftsstarken 60er Jahren. Doch für die damals aufkommende Popularität des Kleidungsstücks war sicher nicht nur die wachsende Ökonomie verantwortlich.

Der Minirock: Ein Kleidungsstück zwischen Feminismus und Skandalen

Die Idee zum neuen Rock kam Mary Quant Anfang der 1960er Jahre während des Ballettunterrichts. Die Designerin ließ sich von den Faltenröcken der Tänzerinnen inspirieren und schuf kurzerhand in ihrem Londoner Atelier den "Mini", benannt nach Quants Lieblingsauto.

"Ein kurzer Rock, in dem man sich frei bewegen kann, laufen und den Bus erwischen konnte. Aber, vor allem: in dem man tanzen konnte. Ich wusste: Das ist es!", sagte Mary Quant später.

Damit traf sie den Nerv einer ganzen Generation von Frauen, die nicht länger das Hausmütterchen spielen wollten. Während die erste Welle des Feminismus für das Walhrecht von Frauen kämpfte, lehnten sich Feministinnen der zweiten Welle gegen die Fremdbestimmung des Mannes.

Damit eingeschlossen war auch der weibliche Körper. Mit der Antibabypille konnten Frauen erstmals bestimmen, ob und wann sie schwanger werden würden. Ende der 60er Jahre gingen Feministinnen für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen auf die Straße. Der Minirock war für viele ein Symbol für Selbstbestimmung und Freiheit. Auch Schauspielerin Christine Kaufmann wusste: "Die Kritiker haben wahrscheinlich gar nicht verstanden, dass es mehr um Freiheit ging als um Sexualität."

Während viele Frauen die neue Rocklänge mit Begeisterung trugen, stieß das Kleidungsstück bei Konservativen auf Empörung. Griechenland verhängte 1968 ein offizielles Verbot gegen den Minirock, in Spanien mussten Frauen umgerechnet 50 Mark Strafe zahlen, wenn sie im "Mini" erwischt wurden.

Doch trotz der großen Empörung avancierte der Minirock zum modischen Trendstück. 1962 lichtet die britische "Vogue" das skandalöse Kleidungsstück auf dem Cover ab. Spätestens als Jacky Kennedy Mitte der 60er Jahre den "Mini" auf ihren Hüften trägt, war der Trend nicht mehr aufzuhalten.

Der Minirock als Klassiker

Auch wenn der Minirock in den 70er Jahren von Maxiröcken und Hippie-Ästhetik verdrängt wurde, ist er trotzdem nie verschwunden. In den 90er Jahren gehörte der "Mini" zur süßen Ästhetik der Girl Bands und auch heute erfreuen sich die knappen Röcke wieder großer Beliebtheit.

Dabei wirkt das Kleidungsstück bestimmt nicht mehr so skandalös wie Anfang der 60er Jahre, doch ein leises Gefühl von Freiheit schwingt beim Tragen der "Minis" bis heute mit.

________________________________________________

In die modische Vergangenheit zu schauen, kann Spaß machen, denn Trends sind im Wandel: So war die Mode in Ihrem Geburtsjahr .

Auch Pierre Cardin war ein großer Fan des Minrocks. Nach seinem Tod: Pierre Cardins aufregendste Modemomente.

Nicht nur der "Mini" ist dieses Jahr Trend. Wir schauen auf das Modejahr 2021: Diese Trends erwarten uns .

Weitere Modetrends entdecken Sie auf unserer Themenseite.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe