Aktualisiert: 26.04.2021 - 20:07

Stilcoach über Businessmode Wie viel Weiblichkeit ist in der Businessmode erlaubt?

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Auch im Job wünschen sich Frauen ein hohes Maß an Selbstausdruck. Für jene, die ihren Stil gefunden haben, kann Businessmode ein gutes Medium sein.

Foto: GettyImages/stockfour

Auch im Job wünschen sich Frauen ein hohes Maß an Selbstausdruck. Für jene, die ihren Stil gefunden haben, kann Businessmode ein gutes Medium sein.

Immer mehr Frauen wollen in der Businessmode ihre Weiblichkeit zum Ausdruck bringen. Stilcoach Rosa Biazzo gibt Tipps, wie das funktionieren kann.

Die Diskussion über Feminismus steht für viele Frauen in direktem Zusammenhang mit ihrem Job und mit den ungerechtfertigten Einkommensunterschieden. Wer an diesem Punkt ist, für den ist es nur noch ein kleiner Schritt, auch darüber nachzudenken, wie sich Frauen im Business gebärden sollten und wie viel Weiblichkeit in der Businessmode erlaubt ist.

Viele Jahre lang war es ganz selbstverständlich, maskuliner aufzutreten, um vor allem in männlich dominierten Branchen von seinen männlichen Kollegen ernst genommen zu werden – und das betraf auch den Dresscode. Gerade Schnitte und eine dunkle Farbpalette waren noch bis Ende des letzten Jahrhunderts in einigen Kreisen obligatorisch.

Wunsch nach mehr Weiblichkeit in der Businessmode

Im 21. Jahrhundert schließen sich Individualität und Seriosität nicht mehr aus. Im Gegenteil, in einer Gesellschaft, in der das neue Credo lautet "emotion sells", überlegen Marketingstrateg:innen in erster Linie, was Emotionen auslöst, die zur Kaufentscheidung führen und das wachsende Online-Business stellt nicht nur Frauen vor die Herausforderung, Vertrauen bei Kunden zu schaffen, ohne ihnen persönlich zu begegnen. Das Zauberwort lautet derzeit: Authentizität.

Stilcoach und Modedesignerin Rosa Biazzo unterstützt den Wunsch der Frauen, ihre Individualität auch in ihrer Mode auszudrücken. "Frauen möchten sich nicht mehr damit begnügen, dem Männlichen nachzueifern, um erfolgreich zu sein", sagt sie. "Sie haben sich auch im Business emanzipiert und wollen ihre Wege gehen, das fängt bei Marketing und Verkauf an, geht weiter mit der Mitarbeiterführung und hört eben auch nicht bei der Business-Kleidung auf."

Die Expertin beobachtet, dass sich immer mehr Frauen in Führungspositionen trauen, im Business zu ihrer weiblichen Seite zu stehen. "Viele Frauen, die sich an mich wenden, wünschen sich, ihre Weiblichkeit im Business mehr zu zeigen und wissen nicht, wie sie das bewerkstelligen sollen", sagt Rosa Biazzo. "Außerdem langweilt sie ihr Kleiderschrank und sie haben das Gefühl, ihre strahlende, einzigartige Persönlichkeit nicht auf den ersten Blick zum Ausdruck bringen zu können."

Während Expertise und Fachwissen vorausgesetzt werden, macht die Ausstrahlung eines Menschen ihn unverwechselbar. Rosa Biazzo: "Produkte und Dienstleistungen sind oft austauschbar, der Mensch dahinter ist das Besondere, das die Kaufentscheidung positiv beeinflussen kann. Genau das wissen meine Kundinnen und möchten sich endlich selbst durch Mode zeigen; authentisch und echt."

Modischer Spielraum im Business

Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen Arbeitsgebieten, die ein großes modisches Spektrum erlauben und Branchen, in denen der Dresscode streng ist und sehr ernst genommen wird, wie beispielsweise in der Banken- und Versicherungsbranche.

"Dennoch bin ich der Meinung, dass wir Menschen unsere Individualität und Einzigartigkeit immer zeigen möchten und dass dies auch mit strengeren modischen Vorgaben möglich ist", sagt die Stilexpertin. "Keine Bank der Welt wird Ihnen verbieten, den Hosenbund so zu wählen, dass er in der Taille sitzt, um die eigne X-Silhouette besser zu unterstützen und auch ein individuelles Detail, wie eine Brosche, ein tolles Haarband oder eine etwas außergewöhnlichere Bluse wird niemand monieren."

Während einige Frauen wegen ihrer Berufswahl in ihrer modischen Entfaltung eingeschränkt sind, stehen andere vor der Herausforderung, ihren Business-Look von einem Casual-Chick klar abzugrenzen. Rosa Biazzo empfiehlt in diesem, auf die Klassiker zu setzen: "Immer noch gibt es Sortimentsteile, die ganz klar dem Business zugeordnet sind, wie der Blazer, die Stoffhose und die Bluse. Typische Casual-Teile sind Jeans und Sneaker. Die Herausforderung liegt darin, diese zwei Stile gekonnt zu verbinden und einen coolen Casual-Business-Look herzustellen, ohne zu leger auszusehen."

Extra-Tipp der Expertin: Lieber oben schicker als unten. "Eine Jeans zu einer Bluse mit Blazer gilt eher als schick als eine Jogging-Jacke plus Shirt zu einer eleganten Hose. Da braucht es vom Gegenüber eher ein geübtes Modeauge um die Eleganz dahinter zu erkennen", erklärt die Expertin.

Styling-Geheimnis für mehr Authentizität: Den eigenen Stilcode knacken

In ihren Stilberatungen vermittelt Rosa Biazzo ihren Klientinnen in erster Linie, wie sie ihren eigenen Stil finden. Ihr Konzept basiert auf drei Säulen bzw. Fragen, die jede Frau beantworten können sollte:

  1. Was ist ihr Körpertyp?
  2. Was sind ihre Farben?
  3. Was ist ihr Stil?

Traditionell bedient sich Businessmode häufig einer dunklen Farbpalette, die die Mehrheit der Frauen blass und ihre Garderobe fad wirken lässt. Umso größer ist die Überraschung nach einer Stilberatung, wenn mehr Farbe in die Mode kommt, die dann noch dazu eine Frau erstrahlen lässt. "Woran sich die ein oder anderen Frauen manchmal nur langsam gewöhnen ist, nach ganz neuen Farben für sich zu schauen. Aber auch das ist schon nach ein paar Wochen ihr neues 'Normal'", sagt Rosa Biazzo. "Oft höre ich: 'Rosa, Schwarz ist eine Farbe die für mich nicht mehr existiert, ich blende sie neuerdings in Läden einfach aus und sehe sie gar nicht mehr.'"

Ein wahrer Eyeopener ist das Wissen, welchem Körpertyp die eigene Figur entspricht und welche Silhouette diesen optimal in Szene setzt.

"Bei den H-Frauen zum Beispiel, das sind sehr schlanke gerade geformte Frauen, kann ich oft beobachten, dass es ihre Welt aus den Angeln hebt, wenn ich ihnen sage, dass obwohl sie sehr schlank sind, keine Kleidung tragen sollten, die einfach nur sehr Körperbetont ist", berichtet Rosa Biazzo. "Sie dachten bis vor dem Coaching immer, dass sie genau das aufgrund ihrer Körperform besonders gut tragen könnten, haben sich aber gleichzeitig immer sehr langweilig und schlaksig und androgyn darin gefühlt. Mit etwas Unterstützung hat es bisher noch jede Frau geschafft, ihren Körpertyp lieben zu lernen und perfekt in Szene zu setzten."

Extra-Tipp der Expertin: Gelungene Outfits bestechen dadurch, dass sie zum einen die Trägerin perfekt unterstützen durch Farbe, Form und Stil. Zum Anderen lebt ein Outfit von Kontrasten, genau das reizt das Auge im positiven Sinne und gibt Spannung. Einer dieser Mode-Kontraste ist es zum Beispiel, mit Materialkontrasten zu arbeiten und Stoffe zu kombinieren, die von der Haptik sehr unterschiedlich sind. Kontrastreich wäre es zum Beispiel, steife Stoffe mit weich fließenden Materialien zu kombinieren und glänzende mit matten Materialien. Beachtet man diese kleinen Kniffe, wird jedes Outfit gleich optisch aufgewertet.

Den eigenen Stil zu entwickeln ist auf der Basis der passenden Farben und Silhouette nur noch eine Frage der Zeit. Inspiration können sich Frauen diesbezüglich auch bei verschiedenen Mode-Bloggerinnen holen, die sich auf das Thema Business-Mode spezialisiert haben oder entsprechende Looks auf Instagram posten. Zum Beispiel:

  1. Work Fashion von Sophie Wood
  2. 9to5chic von Anh Sundstrom
  3. Oh What A Sight To See von Hannah Stark
  4. SheGoesWear von Dorothy Halley-Frame
  5. ChicWorkChick von Jamilah Lang
  6. Femmeblk von Lydia Tsegay
  7. lynnmikolajczak von Lynn Mikolajczak
  8. mskristine von Kristine Thompson

Businessmode: So wird Shopping zum Kinderspiel

Woran erkennt die Expertin, dass eine Frau ihren Stil gefunden hat und auch ihre Persönlichkeit in ihr Styling einfließen lässt? "Ich erkenne es an der Art wie diese Frauen auftreten und daran, ob das, was sie sich selbst sagen, zu ihrem Äußeren passt", sagt Rosa Biazzo. "Oft telefoniere ich im ersten Kontakt mit Frauen, die vor Begeisterung und Stärke sprudeln und dann sehe ich Bilder von ihnen und frage mich, wo diese Frau ist, die ich gerade am Telefon hatte."

Nach wie vor existiert der Mythos, dass es viel Zeit kostet, gut auszusehen. Die gute Nachricht für Shoppingmuffel: Ist der Stilcode geknackt, wird nicht nur das Styling stimmiger, sondern auch das Shopping leichter und schneller, weil wir besser selektieren und nicht mehr jedes Teil unsere Aufmerksamkeit bekommt oder anprobiert werden muss. Beim Online-Shopping schränken präzise gesetzte Suchfilter das Angebot ein, was viel Zeit spart.

"Grundsätzlich rate ich Frauen, die sehr wenig Zeit haben, eine persönliche Stylistin zu buchen", sagt Rosa Biazzo. "Diese hat den Kleiderschrank der Kundin im Blick, sichtet Kollektionen vorab und geht dann gemeinsam mit der Kundin durch die Läden. Ich habe Kundinnen, die gehen ganz einfach einmal in der Saison mit mir in Berlin shoppen und sind dann bestens für jede Gelegenheit ausgestattet."

Allen, die sich allein auf den Weg machen wollen, empfiehlt Stil-Coach Rosa Biazzo Multibrand-Läden und folgende Online-Shops:

  • Zalando
  • Mytheresa
  • Maje
  • Sandro Paris

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Trend und Businessmode müssen sich nicht ausschließen: Klassiker wie der Blazer und der Bleistiftrock sind für den Businesslook eine sichere Stylingbank und feiern noch dazu ihr Revival als Trendstücke.

Abwechslung im Kleiderschrank muss nicht bedeuten, sich immer ein neues Teil zuzulegen. Von Plattformen, auf denen man Mode leihen statt kaufen kann, profitiert auch die Business-Garderobe.

Lust auf noch mehr Modetrends? Dann schauen Sie doch mal auf unserer Themenseite vorbei.

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