Aktualisiert: 30.04.2021 - 21:24

Umweltsünde Mode Schluss mit Wegwerfmode! 4 Gründe um Kleidung zu reparieren

Von Nadja von Bossel

Kleidung zu reparieren kann ein Akt der Revolution gegen Fast Fashion sein.

Foto: Getty Images/NATALIA KHIMICH

Kleidung zu reparieren kann ein Akt der Revolution gegen Fast Fashion sein.

Kleidung sollte öfter repariert werden, denn der immer größer werdenden Textilmüll hat schwerwiegende Folgen für Mensch und Umwelt.

75 Prozent aller produzierten Kleidungsstücke landen schon nach kurzer Zeit im Müll. Während die Zahl der produzierten Kleider ansteigt, nimmt die Zeitspanne, in der sie getragen werden, weiter ab. Statt das Prinzip der Wegwerfmode weiter zu unterstützen, könnte Kleidung einfach repariert werden. Ein Plädoyer für langlebige Kleidungsstücke.

5 Gründe, um Kleidung in Zukunft zu reparieren

Jährlich werden 53 Millionen Tonnen Textilien produziert, von denen 75 Prozent im Müll landen. Das ist weit mehr als die Hälfte, umgerechnet circa 40 Millionen Tonnen Textilmüll pro Jahr. Woher und wohin kommt eigentlich die ungeliebte Kleidung?

1. Produktion und Arbeitsbedingungen von Fast Fashion

Laut dem Wissenschaftmagazin "Quarks" werden mehr als 90 Prozent unserer Kleidung in Asien hergestellt. Günstige Produktionskosten und niedrige Löhne machen Länder wie Bangladesch zu attraktiven Industrieländern für Bekleidungsfirmen.

Die Arbeitsbedingungen für Textilarbeiter:innen sind in vielen der Fabriken besorgniserregend. Im Jahr 2013 kosteten die geringen Sicherheitsstandarts in einer Textilfabrik 1135 Menschen das Leben. Seit der Rana-Plaza-Katastrophe in Bangladesch sind acht Jahre vergangen, eine Veränderung der Textilindustrie macht sich kaum oder nur schleichend bemerkbar.

Für ein Kilo neu produzierte Kleidung werden im Durchschnitt circa ein Kilogramm Chemikalien und rund 10.000 Liter Wasser verwendet. 6.500 verschiedene Chemikalien kommen bei der Veredelung von Textilien zum Einsatz. Diese landen meist ungefiltert in den umliegenden Gewässern der Textilfabriken.

Im Interview mit dem "Süddeutsche Zeitung Magazin" erklärte die Gründerin von "Fashion Revolution" Orsola de Castro: "Da kaufen Leute [...] biologisch deklarierte Baumwolle und haben keine Ahnung, mit wievielen Chemikalien sie behandelt wurde. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Menschen ihre Kleidung genau so unter die Lupe nehmen wie das, was sie essen. Wir wollen eine Modeindustrie, die die Umwelt bewahrt und Menschen über den Profit stellt."

2. Besonders synthetische Fasern halten ein Leben lang

Die günstigen Preise von Kleidung ermuntern viele zum Kauf, aber ebenso zum Wegwerfen. Synthetische Fasern und andere minderwertige Materialien lohnen keine große Mühe für die Reparatur oder Reinigung?

Orsola de Castro beweist das Gegenteil. Im Interview erklärt sie weiter, dass Stoffe wie Polyester eine besonders lange Lebenszeit haben. "Die Wahrheit ist, dass die meisten Materialien eine Ewigkeit halten, weil sie aus synthetischen Fasern hergestellt wurden, also aus Plastik", sagt sie.

3. Das passiert mit unserer alten Kleidung

Häufig passiert das Wegwerfen von Kleidern sogar mit gutem Gewissen. Altkleidersammlungen spenden die ungewollten Klamotten bekanntlich ja an Hilfsbedürftige. Doch in Wahrheit werden nur zehn Prozent der Containerinhalte von Hilfsorganisationen für ihre soziale Arbeit vor Ort verwendet.

Der Rest wird an Textilrecyclingbetriebe verkauft, die aus den Kleidern Putzlappen oder ähnliches herstellen. Hier sollte eher von "Downcycling" die Rede sein, da die Gewinnung von Textilgarn für neue Kleidung fast unmöglich ist. Die unterschiedlichen Textilien und die fehlende Kennzeichnung der Materialzusammensetzung erschweren das Recyceln der Wegwerfmode.

Viele Altkleider landen auf der Müllhalde oder in einem Entwicklungsland. Orsola de Castro berichtet dem "Süddeutschen Zeitung Magazin" weiter, dass die europäischen Second-Hand-Klamotten das Geschäft von lokalen Schneider:innen in den Entwicklungsländern zerstöre. Die Designerin sagt dazu: "Wir müssen nicht nur die Kleidungsstücke reparieren, sondern auch das Leben von Millionen Menschen in Ländern, die wir seit Jahrhunderten ausbeuten."

4. Alte Kleidung kann im neuen Glanz erstrahlen

Neue Kleidung macht gute Laune. Der unverbrauchte Stoff, die strahlenden Farben sind ansprechender als das grau gewaschene Shirt von vor drei Jahren. Doch auch aus abgenutzter Kleidung kann man noch einiges rausholen.

Das japanische Wort "Wabi-Sabi" bedeutet übersetzt "die Schönheit im Riss und im Bruch entdecken" und steht für eine ganze Lebensphilosophie. Statt die Mängel verstecken zu wollen, kann man diese auch besonders vorheben.

Orsola de Castro macht auf ihrem Instagram-Account vor, wie es geht. Kleiner Löcher umrandet Sie zum Beispiel mit Stickerein, andere Makel besetzt sie mit einer Brosche. In ihrem Buch "Loved Clothes Last Forever" gibt die Designerin weitere Tipps zum Upcycling unserer Kleidug.

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Manchmal sind Klamotten auch schon direkt nach dem Einkauf nicht mehr so schön wie im Laden. Problem Fehlkauf: So wird das Kleid doch noch schön!

Wie Sie Ihre Konsumgewohnheiten bewusster, nachhaltiger und schlichtweg angemessener gestalten können, erklären wir Ihnen hier: Fast Fashion: Die bedenkliche Entwicklung in der Modewelt.

Statt Kleidung wegzuwerfen, könnten Sie diese auch online verkaufen. Diese 5 Vintage-Online-Shops sollten Sie kennen!

In unserem Video geben wir Ihnen weitere Informationen zum Thema Fast Fashion:

Fast Fashion
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Mehr rund um das Thema alte oder neue Kleider finden Sie auf unserer Themenseite.

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