Aktualisiert: 09.04.2021 - 18:34

Mode im Homeoffice Nutzen Sie schon das Phänomen der "angezogenen Wahrnehmung"?

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sk

Um im Homeoffice gut arbeiten zu können, hilft es Frauen, die richtige Atmosphäre zu schaffen. Dazu gehört auch die passende Business-Mode.

Foto: GettyImges/Simon Ritzmann

Um im Homeoffice gut arbeiten zu können, hilft es Frauen, die richtige Atmosphäre zu schaffen. Dazu gehört auch die passende Business-Mode.

Wenn kein Video-Call auf der Agenda steht, ist die Verlockung groß, einfach mal im Pyjama zu arbeiten. Psychologen raten davon ab, denn die falsche Mode im Homeoffice wirkt sich möglicherweise negativ auf unsere Performance aus.

Der Volksmund sagt: "Kleider machen Leute." Die Weisheiten des kleinen Mannes kommen nicht von ungefähr. Meist verbirgt sich dahinter durchaus ein Funken Wahrheit. Mode hilft uns, unser Gegenüber besser einzuordnen, zeigte früher sogar den sozialen Stand an. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass Mode im Homeoffice auch Einfluss auf unsere Performance und unseren Erfolg hat.

Mode im Homeoffice und das Phänomen der "angezogenen Wahrnehmung"

Mode macht unseren persönlichen Stil sichtbar. Im Homeoffice ist das egal – sieht ja eh keiner. Das stimmt nicht ganz. Wir selbst nehmen es sehr wohl wahr.

Psychologen an der Northwestern University in Evanston im US-Bundesstaat Illinois erforschten im Rahmen einer Studie, wie sich Mode auf die Konzentration und das Reaktionsvermögen von Testpersonen auswirkte. Dazu wurde eine Gruppe in einen Arztkittel gesteckt, die andere trug Alltagskleidung. Beide Gruppen mussten nun verschiedene Aufgaben lösen. Das Ergebnis: Die Teilnehmer im Arztkittel machten wesentlich weniger Fehler.

Die Forscher um Hajo Adam und Adam Galinsky sprechen bei diesem Phänomen von "angezogener Wahrnehmung" (enclothed cognition) und meinen damit einerseits die symbolische Bedeutung eines Kleidungsstückes, andererseits den Effekt und die Erfahrung beim Tragen.

Es ist also, als würden wir in ein Kostüm schlüpfen, plötzlich diese Rolle voll ausfüllen und uns dementsprechend verhalten. Schauspieler werden bestätigen, wie wichtig ihnen die Arbeit der Kostümdesigner ist – nicht umsonst wird in dieser Kategorie ein eigener Oscar vergeben.

Routinen als Startschuss für den Arbeitstag

Das Forschungsergebnis legt den Schluss nahe, dass es einen großen Unterschied macht, ob wir in Jogginghose mit unserem Laptop auf der Couch liegen oder im Business Casual am Schreibtisch sitzen.

Fakt ist: Nicht allen Menschen ist Mode gleich wichtig, nicht jeder nutzt sie ganz bewusst oder nimmt sich Zeit zum täglichen Styling. Dementsprechend gibt es wahrscheinlich Frauen, die in jedem Outfit gleich gut performen. Wer jedoch zu denen gehört, die durchaus auf Mode achten, könnte von ihrer psychologischen Wirkung profitieren.

Mit der bewussten Wahl der Mode im Homeoffice können wir uns jedoch nicht nur das Phänomen der "angezogenen Wahrnehmung" zunutze machen. Wir profitieren auch, weil wir alte Routinen wieder abrufen.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – vor Homeoffice-Zeiten haben wir in der Regel nach dem Aufstehen die Morgentoilette erledigt, uns angezogen und sind zur Arbeit gegangen. Diese Routine hat bei der ein oder anderen in den letzten Monaten arg gelitten. Dementsprechend ist auch der Arbeitstag nicht mehr klar strukturiert. Was fehlt, ist das Ritual (Bad, anziehen, arbeiten gehen), das den Startschuss für das Business gibt.

Nehmen wie die alten Routinen wieder auf, hilft uns das, uns besser zu strukturieren, besser von Relaxen auf Arbeiten umzuschalten und umgekehrt. Mal abgesehen davon sind manche Tätigkeiten im Business-Dress einfach nicht so gut möglich, wir lassen uns also auch nicht so schnell ablenken.

Selbst-Experiment Unterwäsche

Kleidung hat sogar Einfluss auf uns, wenn wir sie gar nicht sehen bzw. zeigen. Am Beispiel der Unterwäsche kann das jede Frau ganz einfach nachvollziehen. Wenn wir uns am Abend mit unserer Flamme treffen und eine heiße Nacht erwarten, werden wir uns auch über die Wahl der Unterwäsche Gedanken machen.

Es ist ein spürbarer Unterschied, ob wir in der Feinripp-Wäsche zu einem Date gehen oder die sexy Spitzenwäsche tragen: Wir strahlen es nach außen aus, denn unser Körper kann gar nicht anders, als auf die Materialien und Schnitte der Kleidung zu reagieren. Probieren Sie es einfach mal aus!

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Mode, Beauty, Lifestyle: Das sind Renate Zotts Themen. Für BILD der FRAU schreibt die Ü50-Bloggerin, die auch als Topagemodel bekannt ist, exklusiv genau darüber. Aus gegebenem Corona-Anlass hat sie schon über's Arbeiten im Homeoffice geschrieben – und was für eine Rolle dort Struktur und Styling spielen.

Zu Hause tragen wir am liebsten Wohlfühlklamotten – auch im Homeoffice. Jedenfalls, solange uns die Kollegen nicht in einer Videokonferenz sehen. Viele Frauen erleben vor allem den Verzicht auf einen BH als sehr befreiend. Ohne BH im Homeoffice – welche Auswirkungen hat das auf die Haltung und den Rücken? Hier erfahren Sie mehr!

Als 2020 viele wegen Corona auf das Homeoffice umstellten, stiegen einige auch in gemütlichere Klamotten. Denn was bringt das schicke Kleid, wenn es keiner sieht? Doch wie wird die Mode nach der Corona-Pandemie aussehen? Werden wir uns alle an die gemütliche Jogging-Hose gewöhnt haben, oder kommen auch wieder wildere Zeiten auf uns zu? Wir haben da ein paar Ausblicke.

Weitere Modetrends entdecken Sie auf unserer Themenseite.

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