Aktualisiert: 30.12.2020 - 21:55

Das Eierkleid und die Beatles Nach seinem Tod: Pierre Cardins aufregendste Modemomente

Von Nadja von Bossel

Pierre Cardin gründete mit nicht einmal 30 Jahren seine eigene Marke, die er bis zu seinem Tod weiterführte.

Foto: Getty Images/Pascal Le Segretain

Pierre Cardin gründete mit nicht einmal 30 Jahren seine eigene Marke, die er bis zu seinem Tod weiterführte.

Pierre Cardin ist im Alter von 98 Jahre gestorben. Doch er und seine außergewöhnliche Mode bleiben für immer im Gedächtnis. Wir zeigen die unkonventionellen Designs des Mitbegründers der futuristischen Modebewegung. Eine Retrospektive.

Hinter ihm lag ein außergewöhnliches Leben, das er seiner großen Liebe widmete: Der Mode. Keine andere Person arbeitete so lange in der Modebranche wie Pierre Cardin. 76 Jahre seines Lebens verbrachte er bei verschiedenen Designhäusern und stellte sie dabei auf den Kopf. Nach seinem Tod erinnern wir an die schönsten Designs von Pierre Cardin.

Pierre Cardin: Seine schönsten Modemomente

In den 1950er Jahren trat er erstmals auf die Bühne der Modewelt und verließ sie bis zu seinem Tod nicht mehr. Bis zuletzt arbeitete Cardin an seinen außergewöhnlichen Entwürfen. Er war nicht nur ein Modeschöpfer, der Konventionen sprengte, sondern auch Geschäftsmann, der seiner Zeit Vorraus war.

Der Futurist der Mode

Cardin war bekannt für fortschrittliches Denken. Er selbst sagte einmal: "Für mich bedeutet Mode morgen. Was ist Mode? Morgen! Niemals gestern."

Zusammen mit Paco Rabanne galt Cardin als Mitbegründer der futuristischen Modebewegung. Die 1960er Jahre waren geprägt von dem Wettrennen zum Mond. Dies zeigte sich in Film und Fernsehen, aber auch in der Mode. Die avantgardistischen Designs zeigten neuartige Formen auf, die an überirdische Wesen erinnerten.

Frauen trugen Hüte aus Plexiglas mit überdimensionalen Accessoires, die an Ohren und Taille baumelten. Die bunten Röcke waren so kurz wie nie, die Stiefel aus quietschendem Kunststoff reichten bis weit über die Knie.

Zudem war der modische Futurismus die erste Strömung, in der Unisex-Klamotten populär wurden. Die angestrebte Gleichstellung von Frau und Mann in der Zukunft wurde so auch durch die Kleidung ausgedrückt – ein Phänomen, das uns bis heute begleitet.

Cardin war Mitbegründer des "New Look"

Drei Jahre nach seiner Ankunft in Paris fasste Cardin, nach kurzweiligen Anstellungen als Modezeichener, endgültig in der Modewelt Fuß. 1947 nahm Christian Dior den jungen Designer unter seine Fittiche und sollte dies nicht bereuen

Gemeinsam schufen sie dem legendären "New Look", der die Mode der 1950er und 60er Jahre für immer prägen sollte. Ausladende Röcke, weiße Handschuhe und eng taillierte Oberteile waren Merkmale der neuen Mode. Jahrzehnte später erklärte der Modeschöpfer, wie sehr ihn die Zeit bei Dior geprägt habe: "Dior half mir zu verstehen, was Eleganz bedeutet und was gleichzeitig Tradition ist".

Cardin – Der Querdenker

1953 präsentierte Cardin seine erste eigene Kollektion. Schon damals zeigte sich eine geometrische Formsprache in seinen Entwürfen. Dicke, weiße Rollkragenpullover sollten von nun an zum Markenzeichen von Cardin werden.

Doch noch etwas anderes machte Cardin zu einem wahren Querdenker in der Welt der Mode. Er bot als erster Designer im Jahr 1959 Konfektionskleidung an. Für die damaligen Designkollegen galt dies als eine Beleidigung ihrer Kunst, in der Retrospektive war es ein erster Schritt in Richtung Demokratisierung der Mode.

Von nun an waren Designerstücke auch für die breite Masse zugänglich und die Marke Pierre Cardin verzeichnete damit große wirtschaftliche Erfolge. Wenig später taten es ihm andere Modehäuser gleich.

Das Eierkarton-Kleid

Im "Space Age" der futuristischen Mode ging es darum neue Formen zu denken und eine Zukunft zu erahnen, die noch weit in der Ferne lag. Pierre Cardins Designs drückte diese Ansätze mit Hilfe von Formen und neuartigen Materialien aus.

Einer seiner berühmtesten Kleidungsstücke ist das sogenannte "Egg Carton Dress", ein Kleid, das von den Formen eines Eierkartons inspiriert wurde. Für dieses entwarf Cardin im Jahr 1968 eine Chemiefaser, aus der sich die avantgardistischen Formen besser schneidern ließen.

Ein Revolutionär der Männermode

Obwohl zur damaligen Zeit die meisten Modeschöpfer Männer waren, wurden alle Kollektionen der Pariser Modehäuser für Frauen entworfen.

Doch 1966 zeigte Cardin seine "Zylinder Linie", die erstmals ausschließlich Herrenkleidung zeigte. Seine ungewöhnlichen Anzüge wurden von 200 Studenten präsentiert, da der Beruf des Männermodels noch nicht erfunden war.

Seine schmal geschnittene Kleidung wurde mit kragenlosen Hemden und seitlich eingesetzten Reißverschlüssen versehen. Diese androgynen Designs fanden nicht nur in der Modewelt Anklang, sondern auch unter einigen Prominten. So trugen zum Beispiel die Beatles den "Zylinder Anzug" am Anfang ihrer Karriere.

Ein Visionär mit unvergesslichen Designs

Die Designs von Pierre Cardin sind unverkennbar. Noch in aktuellen Kollektionen lassen sich Einflüsse aus eigenen Kreationen der 1960er Jahren erkennen und doch bleiben seine Entwürfe am Puls der Zeit. Seine Firma führte Cardin erfolgreich durch mehrere Dekaden hindurch ohne dabei die eigene Essenz, den Kern seines Schaffens, zu vergessen.

Die Kleidung des Modeschöpfers bewegte sich zwischen den Geschlechtern, zwischen Vergangenheit und Gegenwart und führten uns stets in eine andere, phantasievolle Welt. Pierre Cardin ist am Dienstag, den 29.12.2020 in einem Pariser Krankenhaus gestorben. Seine Entwürfe leben ewig.

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Nicht nur von dieser Legende der Modewelt mussten wir zuletzt Abschied nehmen. Das schottische Supermodel Stella Tennant ist gestorben.

Dieses Jahr war der erste Todestag einer anderen Designlegende: Karl Lagerfeld. Das hat sich bei Chanel verändert .

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