Aktualisiert: 07.09.2020 - 20:45

Wer schön sein will... Korsett und String Tanga: Gefährliche Mode gestern und heute

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Die beliebte Sanduhrsilhouette war ein Inbegriff der Schönheit, für die Frauen auf Kosten ihrer Gesundheit bereitwillig nachhalfen. Zur Vergangenheit gehören gefährliche Modetrends bis heute nicht.

Foto: Shutterstock/DmyTo

Die beliebte Sanduhrsilhouette war ein Inbegriff der Schönheit, für die Frauen auf Kosten ihrer Gesundheit bereitwillig nachhalfen. Zur Vergangenheit gehören gefährliche Modetrends bis heute nicht.

Früher war es die Krinoline, heute sind es die Stilettos, die bleibende körperliche Schäden hinterlassen. Gefährliche Mode gab es damals und gibt es heute.

Ein Sprichwort bringt es auf den Punkt: Wer schön sein, muss leiden. Dass dieser Satz kaum an Aktualität verloren hat, beweisen die Kostümgeschichte genauso wie aktuelle Modetrends. Damals wie heute gibt es für die Gesundheit gefährliche Mode.

Gefährliche Modetrends damals:

Die Krinoline

Im in der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die Menschen mit offenem Feuer, zum Beispiel in Kaminen und Lampen. Für die Frauen war das eine potentielle Gefahrenquelle, denn die Mode dieser Zeit war ziemlich ausufernd. Der Reifrock unter dem Kleid, auch Krinoline genannt, hatte einen Durchmesser von zwei bis drei Metern und war damit schwer zu kontrollieren.

Kam man man damit einer Feuerstelle zu nahe, gingen das Kleid und Frau in Flammen auf ohne die geringste Chance auf Rettung. Denn wegen der komplizierten Ankleide der Unterröcke war es ebenso schwer, die sperrigen Gestelle wieder auszuziehen. Diesem tödlichen Trend fielen beispielsweise zwei Schwestern von Oscar Wilde zum Opfer und das war keine Seltenheit. In der Tat sind viele dieser Fälle bekannt.

Neben der Feuergefahr lebten Frauen außerdem mit dem Risiko, sich in Kutschrädern zu verfangen oder irgendwo hängen zu bleiben und schwer zu stürzen.

Korsett

Das Korsett, dessen Wurzeln bis in das 15. Jahrhundert zurückreichen, begleitet uns bis heute, allerdings nicht mehr in der Alltagsmode – und das ist gut so. Der Trend, die Taille auf einen minimalen Umfang zusammenzuschnüren und damit die so beliebte Sanduhr-Silhouette zu formen, hatte für die Trägerinnen ernste Folgen.

Immer wieder brachen Frauen ohnmächtig zusammen, weil das Korsett zu eng geschnürt war, um dem Schönheitsideal zu entsprechen. Die engen Schnürungen erschwerten nicht nur das Atmen. Über viele Jahre getragen führte der Modetrend zur Deformation des Brustkorbs. Irgendwann übernahm das Korsett die Stützfunktion der Wirbelsäule und Frauen waren ohne nicht mehr lebensfähig.

Ein Beispiel dafür ist Ethel Granger. Die Britin stellte im Jahr 1939 einen traurigen Rekord auf: Mit einer zusammengeschnürten Taille von 33 Zentimetern ging sie ins Guinessbuch der Rekorde ein.

Das Chemisenkleid

Der Reifrock und das Korsett wurden von der Mode des Directoire und Empire verdrängt. Gesündere Zeiten standen Frauen dennoch nicht bevor, denn nun kam das Chemisenkleid in Mode, dessen Markenzeichen die hohe Taille ist.

Problematisch war das Material, aus dem das Kleidchen gefertigt wurde: Es bestand aus zartestes Musselin oder anderen beinahe transparenten Baumwollgeweben oder Seide. Alles Stoffe, der keinerlei wärmende Eigenschaften hatten. Damit waren Frauen permanent der Kälte in den unbeheizten Gebäuden schutzlos ausgeliefert. Erkältung und sogar Lungenentzündung waren ihre ständigen Begleiter.

Gin-Lien Schuhe

Jahrhunderte lang waren kleine Füße in China ein Schönheitsideal, das einen schrecklichen Preis hatte. Bereits im Alter von etwa vier Jahren wurden Mädchen die Zehen gebrochen und mit Leinentüchern bandagiert, sodass ihre Füße in die zierlichen Gin-Lien-Schuhe passten. Noch im 20. Jahrhundert lebten alte Frauen, die diese Prozedur als Kinder haben über sich ergehen lassen müssen und wegen ihrer deformierten Füße später kaum in der Lage waren zu laufen.

Diese Einschränkung war jedoch nachrangig, denn die sogenannten Lotusschuhe hatten nicht nur eine erotische Komponente, sondern waren auch ein Statussymbol, das die gesellschaftliche Schicht anzeigte. Immerhin wurden reiche Chinesinnen in einer Sänfte getragen und mussten selbstverständlich auch nicht arbeiten, sodass die körperliche Einschränkung zweitrangig war.

Bei dieser schmerzhaften Prozedur mögen wir heute den Kopf schütteln. Doch auch im 21. Jahrhundert tragen wir – und zwar völlig freiwillig – ebenfalls für unsere Gesundheit gefährliche Mode.

Gefährliche Modetrends heute:

Die High Heels

Schuhe, die gesundheitliche Schäden verursachen – das kommt uns irgendwie bekannt vor. Auch High Heels haben eine erotische Komponente und sehen sehr elegant aus, doch das Tragen hat mannigfaltige Folgen. Überbeine, Rückenleiden bis hin zu Bandscheibenvorfällen, Arthrose in den Knie- und Fußgelenken sowie Krampfadern – die Liste der Beeinträchtigungen, die High Heels verursachen, ist lang. Meist zeigen sich die Schäden jedoch erst mit der Zeit und vor allem, wenn es zu spät ist.

In den Schuhen hat der Fuß nicht genug Halt, dennoch lasten fast 80 Prozent des Körpergewichtes auf dem Vorfuß, was zu Belastungsbrüchen des Mittelfußknochens führen kann. Auch eine Deformation im Vorderfußbereich ist möglich, wie dem Spreizfuß oder dem gefürchteten Hallux Valgus. Durch die unnatürlichen Belastungen verkürzt sich die hintere Muskel- und Sehnenstruktur. Die Schäden betreffen Beine, Rücken und es gibt sogar Mediziner, die hinter Kopfschmerzen High Heels als Ursache vermuten.

Die String Tangas

Sexy, aber ungesund? Tangas kommen nach wie vor gut an: Laut einer US-Ausgabe von "Womenshealth" im Juni 2020 landen die String-Höschen auf der Beliebtsheitsskala von Männern auf dem zweiten Platz. Aus gesundheitlicher Sicht bekommt diese Art der Unterwäsche jedoch Punktabzug.

Schuld am hohen Risiko der Tangas ist der schmale Stoffstreifen, der vom Vorderteil durch die Po-Ritze zum Bündchen verläuft. So gelangen bei jeder Bewegung Bakterien aus dem Anal- in den Vaginalbereich. Oliver Eichhorn, Inhaber der easyApotheke in Dieburg, erklärt im Gespräch mit BILD der FRAU: "Es kann sehr schnell zu bakteriellen Infektionen und auch zu Pilzinfektionen kommen – mit unangenehmen Symptomen wie Brennen, Jucken und Geruch. Das Gleiche gilt übrigens auch für zu enge Jeans oder Strumpfhosen, die im Schambereich bei jeder Bewegung scheuern."

Skinny Jeans

Jeans gehören zu den absoluten Klassikern in der Mode-Branche – die Passformen ändern sich zwar immer mal wieder, aber knalleng getragene Modelle sind auch beinahe schon zeitlos. Allerdings heißt es immer wieder, dass das Tragen dieser sogenannten Skinny Jeans die Cellulite-Bildung begünstigen.

Durch den zu engen Schnitt kann es zum sogenannten Muskelkompressionssyndrom kommen. Wenn ein zu großer Druck auf der Haut sowie dem Gewebe darunter ausgeübt wird, verschlechtert sich die Blutzirkulation in Beinen und Nerven deutlich und das Gewebe schwillt an. Wer in engen Hosen häufig in die Knie geht, verstärkt den Effekt sogar.

Die Durchblutungsstörungen wiederum fördern die Entstehung der unschönen Dellen auf der Hautoberfläche, die bei Frauen vor allem im Bereich der Oberschenkel und des Gesäßes auftreten, denn Wasser, Sauerstoff und andere Nährstoffe gelangen dort nicht an die richtigen Stellen, das Bindegewebe wird nicht mehr ausreichend versorgt und verliert an Kraft, es kommt zur Einlagerung von Schlacken.

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Auch ein falsch sitzender BH kann Schmerzen und gesundheitliche Probleme verursachen. Damit der BH krank macht – das sollten Sie beim BH-Kauf beachten.

Untenrum fast "nackt": Flanking ist DER Trend für Herbst und Winter. Fashionistas tragen auch bei kälteren Temperaturen ihre Sneaker ohne dicke Wollsocken und krempeln modebewusst die Hosenbeine hoch. Müssen wir jetzt Angst vor Frostbeulen haben oder riskieren eine dicke Erkältung, wenn wir diesen Trend mitmachen? So funktioniert Flanking.

Jede Menge gesunde Trend-Pieces hält unserer Themenseite Modetrendsfür Sie bereit.

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