Aktualisiert: 25.06.2020 - 21:07

Silver Stars und ihre Falten Wie viel Mut braucht es, um mit 60+ einen Bikini zu tragen?

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Dass die Zeit ihre Spuren auf dem Körper hinterlässt, gehört zum Altern. Nichtsdestotrotz sollte jede Frau mit Freude zum Bikini greifen.

Foto: iStock.com/wundervisuals

Dass die Zeit ihre Spuren auf dem Körper hinterlässt, gehört zum Altern. Nichtsdestotrotz sollte jede Frau mit Freude zum Bikini greifen.

Die Badesaison ist eingeläutet. Für die Silver Stars stellt sich jetzt die Frage: Wie zeige ich mich am Badestrand – im Bikini oder in der die Falten verhüllenden Strandtunika?

Auch wenn Hautpflege und eine gute Ernährung den Alterungsprozess möglicherweise etwas verzögern, ist es irgendwann soweit: die ersten Falten werden sichtbar, meistens rund um die Augen oder die Mundwinkel. Es dauert nicht lange und Falten erobern auch den Körper. Vor allem der Sommer offenbart sie. Spätestens jetzt stellt sich Silver Stars die Frage: Wie viel Mut braucht es, um mit 60+ noch einen Bikini zu tragen?

Mit 60+ im Bikini? Frauen arbeiten schon früh an langer Jugend

Schon mit Mitte zwanzig beginnen viele Frauen, ihren Körper und ihre Haut zu hegen und zu pflegen, um möglichst lange jung und faltenfrei auszusehen. Laut einer Umfrage des Kosmetikverbandes Berlin legen mehr als 70 Prozent Wert auf ein gepflegtes Aussehen und verwenden täglich zwischen 15 und 30 Minuten für Hautpflege und Make-up. Einer anderen Studie zufolge nutzen 68 Prozent der von QVC befragten Frauen eine Tagescreme, und fast die Hälfte (45 Prozent) auch eine Nachtcreme.

In der Wahrnehmung vieler Frauen sind Falten negativ konnotiert. Denn wenn sie thematisiert werden, geht es in erster Linie darum, sie zu vermeiden. Wie man selbstbewusst mit der optischen Veränderung umgeht und dem Attraktivitätsverlust mit Gelassenheit begegnet – das gehört schon fast zu einem Tabu-Thema.

Der harte Kampf der Pionierinnen um mehr Körperakzeptanz

Vor allem junge Frauen fechten derzeit einen harten Kampf um mehr Körperakzeptanz. Mit der Body-Positivity-Bewegung ist jedoch in erster Linie der Mut zu Kurven gemeint. Angekommen im 21. Jahrhundert, wo wir auf fulminante technische Errungenschaften zurückblicken, sucht man flächendeckende Akzeptanz und Toleranz für die Individualität des Körper leider nach wie vor vergebens. Plus-Size-Bloggerinnen müssen sich nach wie vor immer wieder mit jeder Menge negativen Kommentaren herumschlagen.

Und Falten werden in der aktuellen Diskussion noch nicht mal thematisiert!

Das Risiko, vernichtende Kommentare für Bikini- oder Badeanzugfotos zu ernten, gehen viele 50+/60+-Bloggerinnen gar nicht erst ein und zeigen sich auf ihren Accounts zwar in angesagter, aber die Falten immer gut verhüllender Mode. Einige wenige Bloggerinnen leisten Pionierarbeit und machen damit Mut, sich einer breiten Öffentlichkeit im Bikini und MIT Falten zu zeigen.

An ihren opulenten, auftoupierten Frisuren erkennt man beispielsweise die ehemalige Flugbegleiterin Colleen Heidemann. Die 71-Jährige ist für ihre Fans eine Inspiration und derzeit bei der Modelagentur "Next Management" unter Vertrag.

Schon immer ein Silver Star: Yasmina Rossi wurde 1955 auf Korsika geboren. Schon im Alter von 12 Jahren fand sie das erste graue Haar auf ihrem Kopf. Mit 30 war sie schon fast völlig ergraut. Haare zu färben, kam für dennoch nie in Frage – ihre Falten zu verhüllen ebenfalls nicht.

Sicher, bei diesen beiden Frauen handelt es sich um Fotomodelle, die wie durch ein Wunder der Natur auch im hohen Alter noch nahezu makellos aussehen (werden). Und ja, die Fotos sind von renommierten Fotografen gemacht und mit Sicherheit auch nachbearbeitet worden. Dennoch zeigen sie, dass die Zeit an keinem spurlos vorbeigeht und Frauen selbstbewusst zu ihren Falten stehen dürfen, anstatt sie unter zugeknöpften Blusen zu verstecken.

Die härteste Kritik kommt aus den eigenen Reihen

Die ehemalige Chefin der französischen Elle, Sophia Fontanel, entschied sich irgendwann, ihre grauen Haare herauswachsen zu lassen und teilte diesen Prozess mit ihren Followern auf Instagram. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Der Freitag" erzählte sie: "Eine Frau schrieb, ich hätte ein Problem mit Schönheit, weil ich hässlich sei, und ob braune oder weiße Haare, das würde nichts daran ändern. Ich hätte nichts zu verlieren, aber andere Frauen seien schön und wollten es auch bleiben."“

Der Attraktivitätsverlust in Bezug auf das andere Geschlecht ist das Eine, Beschuss aus den eigenen Reihen trifft doppelt so hart. "Man denkt immer, der Blick von Männern auf einen selbst sei hart, dabei kann der Blick von Frauen das genauso sein", sagte die Journalistin. Bei einem Friseurbesuch wünschte ihr eine Frau, einen Mann zu finden, der sich von den weißen Haaren nicht abschrecken ließe. Und außerdem bräuchte sie dann viel Geld, 'um diesen Wahnsinnigen dann an sich zu binden'.

Heute zeigt sich Sophia Fontanel nicht nur selbstbewusst und wunderschön mit grauen Haaren, sondern ist auch eine der wenigen Bloggerinnen, die Fotos im Badeanzug und kurzen Hosen teilen.

Kritik gegenüber unempfänglich

Eine garantiert schmerzfreie Möglichkeit, mit hässlichen Kommentaren umzugehen: Sie schlicht zu ignorieren. Vor wenigen Tagen, am 18. Juli 2020, feierte Baddie Winkle – das "It Girl" unter den Silver Stars – ihren 92. Geburtstag.

Schrille Mode und provokante Statements sind ihre Markenzeichen. Mit einem Augenzwinkern informiert sie ihre Geschlechtsgenossinnen darüber, ihnen immer noch ihre Männer auszuspannen. Das Motto ihres Instagram-Accounts lautet "stealing ur man since 1928!!". Aus "Bad Bitch" wurde ihr Künstlername "Baddie".

Baddie ist überzeugt, Alter ist nur eine Zahl. Ihr positiver Umgang damit ruft Hater auf den Plan, aber vor allem Fans. Auf Instgram hat sie 3,8 Millionen Follower, darunter Miley Cyrus und Khloe Kardashian. Damit nicht genug hat sie schon für Unterwäsche gemodelt und eine eigene Kosmitiklinie in Kooperation mit Sephora und INC.redible Cosmetic.

Was wir von den Falten der Silver Stars lernen können

Die mutigen Silver Stars dürfen als Pionierinnen verstanden werden, die die Sensibilität für den eigenen Körper schaffen und an den Mut appellieren, sich so zu zeigen, wie man ist. Aber ihre Erlebnisse zeigen auch, dass Frauen sich gegenseitig mit mehr Respekt begegnen dürfen, denn schließlich sitzen alle früher oder später im gleichen Boot!

Was würde passieren, wenn sich einfach alle so zeigen würden, wie sie sind? Die Mode- und Werbungindustrie diktiert ein Menschen- und Körperbild, dem kaum jemand entsprechen kann und welches zu viel Leid führt, wenn man nicht mit einer Extraportion Selbstbewusstsein ausgestattet ist.

These: Würden sich alle Frauen so zeigen, wie sie sind, wären Falten und Pölsterchen das Normalste von der Welt. Übrigens ganz so, wie es Mutter Natur vorgesehen hat, die sich in erster Linie an der Vielfalt des Lebens erfreut.

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Irgendwann trifft es jeden: Das Haar ergraut. Aber ist das ein Grund, zu färben? Nein! Wir geben Tipps, wie Sie graues Haar richtig stylen und zeigen tolle Frisuren – auch im Video:

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