09.09.2019

Fair und ökologisch oder Augenwischerei Der Grüne Knopf: So gut ist das erste staatliche Textil-Siegel

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Der "Grüne Knopf" ist ein neues Siegel für fair produzierte Kleidung. Was die Vor- und Nachteile sind, lesen Sie hier.

Foto: BMZ/Agentur Tinkerbelle

Der "Grüne Knopf" ist ein neues Siegel für fair produzierte Kleidung. Was die Vor- und Nachteile sind, lesen Sie hier.

Am 9. September 2019 war es endlich so weit. Das erste staatliche Textil-Siegel ist an den Start gegangen. 50 Unternehmen sind bisher dabei. Wie gut ist der Grüne Knopf?

Der "Grüne Knopf" startete am Montag als Garantie für fair hergestellte Kleidung. Das erste staaliche Siegel haben sich bisher ca. 50 Unternehmen auf die Kleidung geheftet. Welche sind die Kriterien und was taugt der Grüne Knopf wirklich?

Was ist der Grüne Knopf?

Das globale Siegel mit staatlicher Überwachung soll sozial und ökologisch nachhaltig hergestellte Textilien kennzeichnen, "die von verantwortungsvoll handelnden Unternehmen in Verkehr gebracht werden", so das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). "Wir brauchen ein Siegel, das den Kunden beim Einkauf einfach und klar signalisiert: Hier handelt es sich um fair produzierte Kleidung“, kündigte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller an.

Initiativen nach Katastrophe in Textilfabrik in Bangladesch

Der Hintergrund: 2014 initiierte der Minister die Gründung eines Textilbündnisses. Vorausgegangen war der Einsturz der Fast-Fashion-Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch, bei der mehr als tausend Menschen ihr Leben verloren haben. Geschaffen werden sollten soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen, und zwar innerhalb der gesamten Textil-Lieferkette. Ein ehrgeiziges Ziel, aber leider mit einem ernüchternden Fazit nach 5 Jahren. Das Bündnis betraf nur 50 Prozent der Branche, gemessen am Gesamtumsatz. Mit der Einführung des Grünen Punktes sollte nun ein für Verbraucher transparentes Siegel geschaffen werden.

Das Label richtet sich an alle Unternehmen, die Textilwaren herstellen und/oder vertreiben. Dies umfasst sowohl Hersteller, als auch Handelsunternehmen, die Fremdprodukte als Eigenmarken vertreiben. Nicht teilnehmen können Unternehmen, die Fremdprodukte vertreiben, ohne dabei selbst als Produktverantwortliche aufzutreten.

Siegelinhaber ist das BMZ, das die Kriterien und Bedingungen für den Grünen Knopf festgelegt hat. Unabhängige Prüfer wie z.B. der TÜV sollen die Einhaltung der Kriterien garantieren. Der Grüne Knopf ist ein freiwilliges Label.

Welche Unternehmen bekommen den Grünen Knopf?

Ein Produkt, das den Grünen Knopf verdient, muss 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten. "Außerdem muss das Unternehmen als Ganzes seine Sorgfaltspflichten anhand von 20 Kriterien nachweisen. Grundlage der Unternehmenskriterien sind die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen (VN) sowie sektorspezifische Empfehlungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)," so das BMZ.

Soweit die Theorie, aber was genau steckt dahinter? Insgesamt 46 verbindliche, staatliche festgelegte soziale und ökologische Kriterien, wie Umweltauflagen und Arbeitsschutz, sind also die Grundlage für eine Verleihung des Grünen Knopfes. Die Zertifizierung gilt für insgesamt drei Jahre. Problem: Nicht die produzierende Firma als Ganzes wird zertifiziert, sondern nur einzelne Produkte. Und: Die Siegeleinführung erfolgt stufenweise. In der Einführungsphase deckt der Grüne Knopf die Produktionsstufen "Zuschneiden und Nähen" (Konfektionierung) sowie "Bleichen und Färben" (Nassprozesse) ab.

Später, d.h. erst in einigen Jahren, sollen u.a. existenzsichernde Löhne als Kriterium angestrebt und das Thema Baumwollanbau angegangen werden. Warum eine Einführungsphase? Die erste Phase von Juli 2019 bis Ende Juni 2021 soll laut BMZ der Sammlung von Erkenntnissen dienen, um das Siegel zu validieren und weiter zu optimieren.

50 Unternehmen starten mit dem Grünem Knopf

Das Siegel sollte ursprünglich bereits im Juli starten, die Verschiebung der Einführung begründete das BMZ mit dem großen Interesse der Unternehmen. Inzwischen sind Produkte von ca. 50 Unternehmen zertifiziert. Ab Mitte September beginnt der Online-Verkauf der mit dem Grünen Knopf ausgezeichneten Produkte, ab Oktober sind die gelabelten Produkte dann in den Geschäften erhältlich.

Kritik am Siegel: Doppelstrukturen und Langatmigkeit

Der Branchenverbandes textil+mode, kritisiert "unnötige Doppelstrukturen", da bereits viel in international etablierte Siegel und Zertifizierungssysteme investiert wurde, und bezeichnet das Konzept als unausgegoren.

Andere Stimmen wie Brot für die Welt und die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisieren das Fehlen eines Lieferkettengesetzes, das alle Unternehmen in die Pflicht nähme und somit stärker wirken würde.

Wir sind gespannt wie sich das Öko-Label Grüner Knopf entwickeln wird. Zum Glück steigt das Bewusstsein für Nachhaltigkeit mittlerweile. Wussten Sie, was Prinz Charles mit nachhaltiger Mode aus Unkraut zu tun hat?

Hier lesen Sie den Greenpeace-Einkaufsratgeber für Öko-Mode und erfahren, welche Stoffe die Umwelt schonen, von Tencel bis Seacell.

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